Donnerstag, 14. November 2019

Serienempfehlung: Game of Thrones



Lange Zeit bin ich über den Seriengiganten "Game of Thrones" umhergeschlichen, unschlüssig, ob ich der Serie eine Chance geben soll. Die kommerziell extrem erfolgreiche Serie basiert auf der Romanreihe A Song of Ice and Fire („Das Lied von Eis und Feuer“) von George R. R. Martin.
Abgeschreckt haben mich immer der riesige Umfang der Serie und die explizite Brutalität, mit der der Zuschauer in jeder Folge konfrontiert wird. Spätestens als dann die hitzigen Debatten über die umstrittene letzte Staffel los ging, wollte ich mir aber doch ein eigenes Bild machen und habe mich ganz in die Welt von Essos und Westeros gestürzt. Nun bin ich fertig - mit der Serie und mit meinen Nerven und komme zu dem Schluss, dass ich wohl nie wieder eine Serie ansehen werde, die mich so mitnimmt wie die US-amerikanische Fantasy-Fernsehserie von David Benioff und D. B. Weiss. Die Komplexität der Geschichte, die eingängige Erzählweise, der bunte Strauß an wundervollen, lebendigen Figuren, das originelle Setting und die spannende Mischung aus Action, Politik und Abenteuer entschädigen wirklich für jeden Kritikpunkt und machen jede Folge zu einem absoluten Erlebnis!


Worum geht´s:

Während in Westeros ein blutiger Machtkampf zwischen den Adelsfamilien Stark, Lennister und Baratheon um den eisernen Thron und die Herrschaft über die sieben Königreiche entbrennt, erwacht im Norden, jenseits der gewaltigen Mauer, welche die Sieben Königslande dort abschirmt, eine uralte und gefährliche Macht, von der aber während der Thronkämpfe im Süden kaum jemand Notiz nimmt. Jenseits des Meeres auf dem Kontinent Essos planen in der Zwischenzeit die letzten überlebenden Mitglieder der ehemaligen Königsfamilie Targaryen die Rückkehr nach Westeros, um den Thron zurückzugewinnen.


Warum sollte ich mir die Serie unbedingt ansehen?


Eine durchaus berechtigte Frage, denn die von 2011 bis 2019 von HBO produzierte Serie umfasst acht Staffeln und somit insgesamt fast 67 Stunden Sehzeit. 67 Stunden, in denen man auch produktiven Aufgaben nachgehen oder Bücher lesen könnte. Also warum diese Serie schauen, die von der ganzen Welt so gefeiert wird? Weil der ganze Hype eindeutig berechtigt ist und diese Serie ganz neue Maßstäbe setzt. Die Komplexität verschiedener Handlungsstränge und die kurze Episodenlänge einer Serie werden hier kombiniert mit der hochwertigen Produktion auf Spielfilmniveau und sorgen dafür, dass nie wieder eine Serie an dieses Seherlebnis heranreichen wird.

Die Handlung ist in einer fiktiven Fantasywelt angesiedelt und spielt auf den Kontinenten Westeros und Essos. Die sieben Königreiche von Westeros ähneln dem europäischen Mittelalter und sind durch eine riesige Mauer von einem Gebiet des ewigen Winters im Norden abgeschirmt, wo außer sogenannten "Wildlingen" und sagenumwobenen Albtraumkreaturen niemand lebt. Frühling, Sommer, Herbst und Winter können mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte andauern, ihre Länge ist variabel und nicht vorhersehbar. Die Geschichte beginnt am Ende eines langen Sommers und wird in zunächst drei Handlungssträngen weitgehend parallel erzählt. Zwischen den mächtigen Adelshäusern der sieben Königslande bauen sich Spannungen auf, die schließlich zum offenen Thronkampf führen. Der Winter bahnt sich an und es zeichnet sich im hohen Norden von Westeros, wo die Nachtwache an der Mauer die Königreiche schützen soll, eine Gefahr durch eine fremde Macht ab. In Essos ist Daenerys Targaryen als Erbin der vor Jahren abgesetzten Königsfamilie von Westeros bestrebt, wieder an die Macht zu gelangen. Diese drei Handlungsstränge vermischen sich im Laufe der Serie immer mehr, sodass bald ein komplexes Gesamtbild auf den Ebenen von Politik, Religion, Familie und Ideologie entsteht.

Im Laufe der acht Staffeln werden über 500 Protagonisten eingeführt, von denen etliche wieder sterben, wir aber um die 20 bis zum Ende hin begleiten. Wir erhalten also ein ganzes Heer an wundervoller Protagonisten - einige hassenswert, andere bewundernswert, manche strahlende Helden, andere düstere Antihelden, manche auf der Suche nach Liebe, andere auf der Suche nach Rache. Doch was auch immer sie tun und egal was sie antreibt, eines haben sie alle gemeinsam: sie sind vielschichtig und ambivalent aufgebaut. Die allerwenigstens sind nur gut oder böse, viele sind auf dem weiten Spektrum dazwischen zu platzieren und entwickeln sich, machen Fehler, bereuen und kehren um wie ganz normale Menschen auch. Es entstehen hier keine Überhelden, wir haben es aber auch mit wenigen Super-Bösewichten zu tun. Man schließt am Ende fast jede Figur ins Herz und beobachtet mit bangem Herz, wie sie sich über die Jahre hinweg entwickelt. Mit bangem Herz deshalb weil die Produzenten nicht davor zurückschrecken, immer wieder ordentlich mit ihren Charakteren aufzuräumen und man sich nie sicher sein kann, dass der Hauptprotagonist (zumindest hatte man ihn oder sie so eingeschätzt) in der nächsten Folge nicht unspektakulär niedergemetzelt wird. Ich habe selten eine Geschichte erlebt, in der sich Protagonisten über einen so großen Zeitraum so authentisch und tiefgreifend entwickeln, dabei aber nie ihre Identität verlieren. Das kleine Mädchen, das zur Assassine wir; der arrogante Tyrann, der zum tragischen Helden wird; der saufende Hurenbock, der zum seriösen Berater wird und das misshandelte Opfer, das zur Königin aufsteigt - sie alle sind Beispiele für Protagonisten, die man nie wieder vergessen wird. So viele Schicksale finden in diesen 67 Stunden Platz sodass es sich allein wegen der Protagonisten lohnt, die Serie zu verfolgen.


Durch die ständige Durchmischung der Handlungsstränge ergibt sich eine einzigartige Dynamik und Verbindungen ziehen sich über alle Kontinente. Um den Überblick zwischen all den Figuren nicht zu verlieren empfiehlt sich, ab und zu einen Blick auf eine hilfreiche Grafik mit der Übersicht über die wichtigsten Häuser zu werfen. Um wirklich alle Verbindungen und Anspielungen immer verstehen zu können, müsste man wohl aber mitschreiben ;-) Durch die wundervolle Mischung aus Action, Politik und Abenteuer wird gewährleistet, dass es nie langweilig wird. Mal wird verhandelt, mal intrigiert, mal gekämpft, man werden weite Landschaften bereist. Mal stehen Verträge und Abkommen im Vordergrund, mal Armeen, mal fantastische Wesen aus fernen Zeiten. Politik und Machtkämpfe, Gesellschaftsverhältnisse, Kriege und Religionen - alles wird zu spannende Handlungssträngen verarbeitet, die zu komplexen Handlungsgefüge in fantastischem Setting ausgebaut werden.

Besonders hervorheben möchte ich auch die hohe Qualität der Produktion. Beeindruckende visuelle Effekte (vor allem am Ende mit den Drachen), authentische Kostüme, aufwändige Masken, eigens produzierte, epische Filmmusik und wundervolle Schauspieler - es ersteht eine originelle, lebendige Welt vom Bildschirm auf.

Was ich aber als großes Manko der Serie ankreiden muss ist die Beiläufigkeit der Darstellungen von sexueller Gewalt, Blut und Gedärmen, welche sehr zermürbend auf den Zuschauer wirkt. Wo andere Filmproduktionen gekonnt ausblenden hält "Game of Thrones" voll drauf und zeigt inzestuöse Vergewaltigungen oder abgeschlagene Köpfe mit extra Zoom - sehr zu Leiden meines Magens. In fast jeder Folge werden neue Tabus gebrochen und schon bald stumpft man gegenüber Massenvergewaltigungen, spritzendem Blut, fieser Folter, halbierten Köpfen oder ausgestochenen Augen ab. Das wäre einfach nicht nötig gewesen um diese Serie besonders zu machen sondern ist eher ein Grund, die Finger davon zu lassen. Natürlich ist die Omnipräsenz von Gewalt realistisch in diesem Kontext doch warum muss man sie so provokant und aufdringlich zeigen?

Zum Schluss noch einige Worte zur so umstrittenen letzten Staffel: ich mochte sie! Vielleicht mag der Grund sein, dass ich mit einer kritischen Einstellung an die letzten Folgen herangegangen bin und sie so differenzierter und nicht aus der Warte eines enttäuschten Fans betrachtet habe. Vielleicht ist der Grund für den großen Empörungsschrei der breiten Fangemeinde aber auch schlichtweg die Tatsache, dass man nach einer so umfangreichen Mega-Serie fast unmöglich die Erwartungen an das Ende erfüllen kann. Sie wartet mit der größten Schlacht der Filmgeschichte auf (die leider Großteils im Dunkeln stattfindet) und schockt mit einer Entwicklung, die aber eigentlich nur eine Konsequenz der Entwicklung der letzten Staffeln darstellt. Klar, die Produzenten trauen sich was - doch wer von der Wendung ernsthaft überrascht ist, hat die letzten Staffeln krampfhaft die Augen vor der Wahrheit verschlossen. Die einzige Kritik, die ich zum Ende anzubringen habe, ist dass die letzten Folgen leider total überhastet wirken. Was zuvor über Staffeln hinweg entwickelt wurde, wird nun in einer letzten Folge abgehandelt.


Hier noch der Trailer zur ersten Staffel:



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