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Dienstag, 24. März 2026

Kurzrezension: Romanced by the Rat


Allgemeines

Titel: Romanced by the Rat
Autorin: G.M. Fairy
Verlag: Selfpublished (17. September 2025)
Genre: Erotischer Roman
Seitenzahl: 108 Seiten
Link: Hier klicken!








Meine Eindrücke

Disclaimer: Erinnert Ihr Euch an meine Rezension zu "Unhinged" letzte Woche? Dort habe ich ja schon berichtet, dass ich das Buch zusammen mit einem Freund gelesen habe, weil wir die Edits online so lustig fanden. Ich befürchte, die Suche nach dem schlimmsten Buch aller Zeiten könnte jetzt ein regelmäßiges Format werden. Während ich noch überlege, wie ich es nennen soll (meine aktuell Idee wäre BBOAT für Baddest Book of all Time), kommt hier eine kurze Zusammenfassung unserer letzten Lesechallenge. Können wir bitte auch hier alle zusammen ignorieren, dass ich das jemals gelesen habe?!? Danke!

Donnerstag, 8. Juni 2023

Haunting Adeline


Allgemeines

Titel: Haunting Adeline
Autorin: H.D. Carlton
Verlag: Selfpublished (17. Juli 2021)
Genre: Dark Romance
Seitenzahl: 551 Seiten
Weitere Bände: Hunting Adeline (Band 2)
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Inhalt

Der Manipulator
Ich kann die Gefühle von jedem manipulieren, der mich lässt.
Ich kann dir wehtun, dich zum Weinen, Lachen und Stöhnen bringen.
Aber meine Worte berühren ihn nicht. Schon gar nicht, als ich ihn anflehe, zu gehen.
Er ist immer da, beobachtet und wartet.
Und ich kann einfach nicht wegschauen.
Nicht, wenn ich will, dass er mir näher kommt.

Der Schatten
Ich hatte nicht vor, mich zu verlieben.
Aber jetzt, wo ich es getan habe, kann ich nicht mehr wegsehen.
Ich bin fasziniert von ihrem Lächeln, ihren Augen und der Art, wie sie sich bewegt.
Die Art, wie sie sich auszieht...
Ich werde weiter beobachten und warten. Bis ich sie zu meiner Frau machen kann.
Und wenn sie es einmal ist, werde ich sie nie wieder loslassen.
Nicht einmal, wenn sie darum bettelt.

Bewertung

"Haunting Adeline" ist eines dieser Bücher, bei denen man schon vorweg vermutet, dass es einem nicht gefallen wird, man aber trotzdem zu neugierig ist, um es nicht zu lesen. In dieser Hinsicht hat die Geschichte alle meine Erwartungen erfüllt: es war genauso cringe, toxisch, überzogen und unlogisch, wie ich angenommen hatte! 

Adeline:"I stop running, panting heavily.
Hopeless.
That´s what running from Zade is. Fucking hopeless."

Montag, 16. Mai 2022

Kurzrezension: After Passion - Graphic Novel Teil 1


Die Fakten

Titel: After Passion - Graphic Novel
Autorin: Anna Todd
Illustrator:Pablo Andrés
Verlag: Heyne (16. Mai 2022)
Genre: New Adult Graphic Novel
Seitenzahl: 192 Seiten
Weitere Bände: After Passion - Graphic Novel Teil 2 (ET: 7. November 2022)
Originaltitel: After 1: The Graphic Novel (übersetzt von Berenice Kischier)
Link: Hier klicken!


Der Inhalt

Tessa Young ist attraktiv und klug. Sie ist ein Good Girl. An ihrem ersten Tag an der Washington Central University trifft sie Hardin Scott. Er ist unverschämt und unberechenbar. Er ist ein Bad Guy. Er ist genau das Gegenteil von dem, was Tessa sich für ihr Leben wünscht. Und er ist sexy, gut aussehend und zieht Tessa magisch an. Sie kann nicht anders. Sie muss ihn einfach lieben. Und sie wird nie wieder die sein, die sie einmal war.

Die Eindrücke

Handlung: Auch wenn ich die After-Reihe von Anna Todd natürlich vom Hörensagen kennen und im Laufe der letzten Jahre eine Vielzahl unterschiedlicher Meinungen zu Geschichte von Tessa und Hardin gehört habe, habe ich es bisher tatsächlich geschafft, weder als Buch noch als Film mit der Reihe in Berührung zu kommen. Da ich schon länger vorhatte, mir ein eigenes Bild von der hochgelobten und gleichzeitig verschrienen Reihe zu machen, habe ich die Gelegenheit der heute erscheinenden Umsetzung der Reihe als Graphic Novel, beim Schopf gepackt und mir ein Exemplar von "After Passion - Graphic Novel Teil 1" angefragt. Nach dem Lesen bin ich nun in mehrerlei Hinsicht sehr ernüchtert. Anders als ich ursprünglich gedacht hatte, wurde hier nicht "After passion" als Ganzes umgesetzt und die folgenden Teile beziehen sich auch nicht auf die Fortsetzungen "After truth" und "After love". Stattdessen habe ich nach einer kurzen Recherche nach dem Lesen herausgefunden, dass diese Graphic Novel nur etwa das erste Drittel des ersten Bandes abdeckt. Die Geschichte endet demnach sehr offen. Da im hier abgedeckten Abschnitt aber schon so viel unnötiges Drama und toxisches Hin und Her vorkamen, hat mir dieser kurze Einblick schon gereicht um den Entschluss zu fällen, die folgenden Bände nicht zu lesen. Denn statt in einer dynamischen Annäherung von den Beginnen einer Beziehung zu berichten und dabei einem größeren Handlungskonzept zu folgen, wiederholen sich in "After Passion" dieselben Abläufe immer und immer wieder: Hardin tut etwas Unüberlegtes, was Tessa verletzt, oder schüchtert sie sogar absichtlich emotional ein, woraufhin sie sich wütend von ihm abwendet... bis sie wieder seiner Anziehungskraft unterliegt und er sein Verfehlen mit leeren Worten oder sexuellen Gefälligkeiten wieder gut macht. Dieser Kreislauf aus emotionalem Missbrauch, Streit, Versöhnung und Sex wiederholt sich hier Abschnitt für Abschnitt, ohne dass Tessa oder Hardin etwas dazulernen würden. Rückblickend bin ich also sehr froh, dass mir die 192 hübsch bebilderten Seiten mit dem Zeitaufwand von etwa 45 Minuten verdeutlicht haben, dass die After-Reihe und ich definitiv keine Freunde werden. 

Sonntag, 20. Februar 2022

Kurzrezension: Normale Menschen


Die Fakten

Titel: Normale Menschen
Autorin: Sally Rooney
Verlag: Luchterhand Literaturverlag
(17. August 2020)
Genre: Roman
Seitenzahl: 320 Seiten
Originaltitel: Normal People (übersetzt
von: Zoe Beck)
Link: Hier klicken!



Der Inhalt

Connell und Marianne wachsen in derselben Kleinstadt im Westen Irlands auf, aber das ist auch schon alles, was sie gemein haben. In der Schule ist Connell beliebt, der Star der Fußballmannschaft, Marianne die komische Außenseiterin. Doch als die beiden miteinander reden, geschieht etwas mit ihnen, das ihr Leben verändert. Und auch später, an der Universität in Dublin, werden sie, obwohl sie versuchen, einander fern zu bleiben, immer wieder magnetisch, unwiderstehlich voneinander angezogen.

Die Eindrücke

Handlung: Meine Erwartungen waren trotz der vielen begeisterten Empfehlungen nicht besonders hoch, dennoch hat "Normale Menschen" sie katastrophal verfehlt. Ein erster Grund dafür ist, dass schlicht und einfach keinerlei Spannungsbogen vorhanden ist. Sally Rooneys Roman ist voll von Belanglosem und ihre Erzählung als "ruhig" zu bezeichnen, wäre nur eine extreme Beschönigung der Tatsache, dass kein einziges spannungsgebendes Element vorhanden ist. Zusätzlich zum Fehlen jeglicher Anreize zum Weiterlesen machten es mir auch die großen und unregelmäßigen Zeitsprünge zwischen den einzelnen Kapiteln sehr schwer, der Handlung zu folgen. Vieles passiert hier zwischen den einzelnen Abschnitten - ganze Beziehungen, depressive Phasen, Jobs und Auslandsaufenthalte beginnen und enden im Nichts zwischen den Kapiteln, alle möglichen, wichtigen Entwicklungsschritte finden im Off statt, ohne dass sie mit mehr als einem Nebensatz nachgeholt werden. Bald stellte sich mir also die Frage, was uns die Autorin überhaupt mit den ausgewählten schnappschussartigen Szenen sagen möchte, wenn sie so vieles anreißt, aber nichts wirklich ausführt. Die größte Enttäuschung kam aber dann zum Schluss. Über 320 Seiten hinweg habe ich verzweifelt auf eine Pointe gewartet, die die Geschichte und deren zielloses Dahinplätschern legitimiert hätte. Als das die Geschichte dann genauso langsam und uninspiriert ins Ziel stolperte, wie sie angefangen hat, habe ich mich ernsthaft gefragt, warum ich den Roman überhaupt gelesen habe. 

Sonntag, 16. Mai 2021

A little too far, (A little too much) - Rezension Teil 1


Allgemeines

Titel: A little too far, a little too much
Autor: Lisa Desrochers
Verlag: dtv (1. Mai 2021)
Genre: New Adult
ASIN: B08MGSZC7N
Seitenzahl: 849 Seiten
Bände: Sammelband mit zwei Romanen
"A little too far" und
"A little too much"
Preis: 4,99€ (Ebook)
Link: Hier klicken!


Inhalt

A little too far‹

Rezension Teil 1

Wie konnten sie so weit gehen? Ihr Stiefbruder Trent war doch immer Lexis bester Freund und engster Vertrauter. Fluchtartig verlässt Lexi ihre Familie und bricht zu einem Auslandsjahr in Rom auf. Aber auch Tausende Kilometer entfernt und trotz des attraktiven Alessandro schafft sie es nicht, den Mann, den sie nicht haben darf, zu vergessen …

›A little too much‹

Rezension Teil 2

Hilary möchte nichts lieber, als ihre Vergangenheit inklusive Alessandro Moretti vergessen. Sie meint, ihr Leben im Griff zu haben, als Alessandro plötzlich vor ihr steht. Noch attraktiver als früher kommt er ihr gefährlich nahe. Ihm kann sie nichts vormachen, er ahnt, dass sie ein Geheimnis hat …

Bewertung

Da es sich bei "A little too far, a little too much" um einen Sammelband handelt, der zwei der im Original dreibändigen "A little too"-Reihe von Lisa Desrochers in sich vereint, habe ich mich dazu entschieden, zu jedem der eigenständigen Einzelromane eine eigene Rezension zu schreiben. In diesem Post folgt meine Meinung zum ersten Teil, "A little too far". Zu meiner Rezension zu "A little too much" gelangt Ihr HIER.

Dienstag, 10. März 2020

Kurzrezension: Mein filmreifer Sommer


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Die Fakten:

Titel: Mein filmreifer Sommer
Autorin: Simona Toma
Verlag: Baumhaus (15. April 2014)
Genre:  Jugendbuch
Seitenzahl: 336 Seiten


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Der Inhalt:

Toni, die eigentlich Antonia heißt, verliebt sich Hals über Kopf in Filippo. Der arbeitet als Regieassistent, und wie es der Zufall will, ist er für einen Film auf der Suche nach Komparsen. Toni und ihre zwei Freundinnen bekommen tatsächlich kleinere Rollen und verbringen ihre Sommerferien am Filmset. Zwischen hysterischen Schauspielern und verrückten Kostümbildnern muss Toni allerdings bald feststellen, dass sowohl die Liebe als auch Filmemachen harte Arbeit sind - vor allem dann, wenn man beides gleichzeitig bewältigen muss ...

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Die Eindrücke:

Handlung: Nach einem spannenden, vielversprechenden Start lässt die Geschichte leider stark nach und die Handlung plätschert über den Großteil der 336 Seiten träge und scheinbar ziellos, wie es nur ein Sommer als Schüler mit ausgedehnten Sommerferien, faulen Tagen und endlosen Möglichkeiten sein kann, vor sich hin. Viele Wiederholungen, drei Erzählperspektiven und wenig essentielle Szenen - hier kommt leider kaum Spannung auf.

Schreibstil: Der Schreibstil ist zwar - wie man es von Jugendromanen gewohnt ist - locker und flüssig, leider merkt man der Geschichte die Übersetzung aus dem Portugiesischen aber ordentlich an. Durch die teilweise eigentümlichen Formulierungen und die ungewöhnliche Ausdrucksweise wirkt die Geschichte zeitweise verfremdet und etwas schräg. Die Stellen dazwischen schafften es aber hin und wieder, mir mit subtilem Witz ein Lächeln ins Gesicht zu malen.

Charaktere: Auch die Protagonisten konnten mich nicht wirklich überzeugen da die Freundinnen mit wenig Profil und auch die Love Interest nur sehr oberflächlich gezeichnet wurden. Bezeichnend dafür ist, dass ich Filippo und Frederico ab und zu auch mal verwechselt habe. Am seltsamsten war jedoch die Dreiecksgeschichte, die sehr konstruiert wirkte und mit der ich absolut nicht warm wurde.

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Das Urteil:

Viele Wiederholungen, eine laue Erzählweise, schlecht profilierte Charaktere, ein eigentümlicher Schreibstil und eine nervige Dreiecksgeschichte. Hier konnte mich leider gar nichts überzeugen. 

Sonntag, 9. Juni 2019

Shadow Falls Camp - Erwählt in tiefster Nacht

 
 
Allgemeines:
 
Titel: Shadow Falls Camp - Erwählt in tiefster Nacht
Autorin: C.C. Hunter
Genre: Fantasy
Verlag: FISCHER (23. April 2015)
ISBN-10: 3596198151
ISBN-13: 978-3596198153
Preis: 14,99€ (Broschiert)
9,99€ (Kindle-Edition
Seitenzahl: 592 Seiten
Weitere Bände: Shadow Falls Camp - Geboren um Mitternacht
Shadow Falls Camp - Erwacht im Morgengrauen
Shadow Falls Camp - Entführt in der Dämmerung
Shadow Falls Camp - Verfolgt im Mondlicht
 
 
Inhalt:

Kylie hat das Shadow Falls Camp verlassen und ist zu ihrem Großvater und ihrer Großtante in die Chamäleon-Gemeinschaft gezogen. Dort will sie mit anderen Jugendlichen ihrer Art mehr über sich erfahren und lernen, wie sie ihre unglaublichen Kräfte anwenden kann. Aber Kylie vermisst das Shadow Falls Camp, vor allem ihre Freunde dort. Als im Shadow Falls Camp etwas Schreckliches geschieht, das auch Kylie in Gefahr bringen könnte, tauchen Burnett und Derek auf, um sie zurückzuholen. Doch die Chamäleon-Gemeinschaft will Kylie nicht gehen lassen, und es bleibt nur eine Möglichkeit … Kylie muss sich entscheiden: Wo ist ihr Zuhause? Und wen liebt sie wirklich – Lucas oder Derek?
 
 
 
Bewertung:
 
Geschafft! Das schoss mir durch den Kopf als ich dieses mittelmäßige Finale dieser durchschnittlichen Reihe endlich hinter mir hatte. Jetzt habe ich sie alle 5 gelesen und kann sie von meinem SuB streichen. Mehr als diese Genugtuung und ein bisschen Amüsement hat mir diese Reihe aber leider nicht beschert und so werde ich sie bestimmt nicht mehr zur Hand nehmen und ihr keine Träne nachweinen. Zeit also, ein letztes Mal mit dieser Reihe abzurechnen!

Dienstag, 14. Mai 2019

Klassiker Challenge: Faust


Allgemeines

Titel: Faust - Der Tragödie erster Teil
Autor: Johann Wolfgang von Goethe
Verlag: Hamburger Lesehafte (1808 erstmals erschienen)
Genre: Tragödie


Inhalt

Der depressive und vom Leben enttäuschte Universalgelehrte Faust geht zum Überwinden seiner Lebenskrise einen Packt mit dem Teufel Mephisto ein. Sollte Mephisto Faust so weit bringen, dass er einen glücklichen Augenblick festhalten wolle, dann erhält er Fausts Seele. Mephisto tut alles, um Faust vom rechten Weg abzubringen. Er macht ihn jünger und verhilft ihm zu einer Affäre mit einem jungen, unschuldigen Mädchen - Gretchen - dessen physische und psychische Existenz er durch sein triebhaftes, egoistisches Verhalten zerstört. Seine Lebenskrise überwindet er jedoch nicht und sein Irren wird mit "Faust II" weitergeführt.


Diskussion

Vorangestellt muss ich wohl sagen, dass dieser Klassiker eine meiner Deutsch-Abi-Lektüren war, ich mich also im schulischen Rahmen damit beschäftigt habe. Auch wenn ich mir im Rahmen der Klassiker-Challenge das Ziel gesetzt habe, alten Klassikern eine Chance zu geben, hätte ich mich wohl nie an diesen verstaubten Schinken gewagt. Und auch wenn ich die Handlung besser verstanden habe, als ich zu Beginn angenommen hatte, habe ich mich nur durch diese Tragödie gequält. Das liegt meiner Ansicht nach weniger daran, dass ich ein Kulturbanause bin, vielmehr fand ich die Geschichte einfach grottenschlecht erzählt und weder die Handlung noch die Sprache oder die Themen konnten mich abholen. Natürlich ist es sehr schwierig ein solches Werk angemessen zu rezensieren. Und vielleicht kann es auch sein, dass aus mir mit dieser Meinungsäußerung auch der Frust spricht, dass ich mich mit diesem Werkt zwei Jahre lang beschäftigen musste. Dennoch würde ich sagen, dass ich mir nach etlichen Klausuren, detaillierter Textarbeit, spannenden Diskussionen und einer Abiprüfung durchaus das Recht verdient habe, das Werk von meinem Standpunkt aus kritisch zu bewerten.

1. Wie bin ich mit der Sprache zurecht gekommen?

Goethes Faust ist ein Theaterstück, das aus 28 einzelnen Szenen ohne Akteinteilung besteht. Vielmehr hat sich Goethe hier für ein Stationendrama mit asymmetrischem Aufbau entschieden (2 Peripetien), das man nach der typischen Dramenaufteilung in die Gelehrtentragödie und die Gretchentragödie aufgliedern kann. Dabei wird die Geschichte nur über Monologe und Dialoge erzählt, die bis auf eine Prosaszene in gereimten Versen verfasst sind. Wem sich bei den Worten Madrigalvers, Knittelvers, Blankvers und freien Rhythmen schon die Nackenhaare sträuben, sollte lieber die Finger davon lassen. Am meisten zu schaffen gemacht hat mir aber nicht die gereimte Sprache mit ihren vielfältigen Versformen und aufgeblasenen Wortbildern, sondern vor allem die diskontinuierliche Szenenfolge. Ständige Zeitsprünge, Ortswechsel und das plötzliche Auf- und Abtreten von Figuren machen das Verfolgen der dialogisch präsentierten Handlung sehr schwer. In der sprachlichen Gestaltung sind eindeutige Einflüsse des Sturm und Drangs erkennbar (eine Epoche deren Gefühlsbetontheit und Ichbezogenheit mir ehrlich gesagt schon immer sehr auf die Nerven ging). So hielt Goethe wohl nicht wirklich etwas von einer Einheit von Zeit, Ort, fortlaufender Handlung oder sprachlicher Geschlossenheit sondern legte stattdessen viel Wert auf ausschweifende Monologe von Seiten Fausts über seine Lebenskrise, seinen Treibstau oder über seine entgrenzenden Naturerlebnisse. Wenn ich also sage, die Sprache ist sehr altmodisch und recht anspruchsvoll meine ich eigentlich langweilig und angestaubt. Ich kann beim besten Willen nicht verstehen, welche Art von Faszination für dieses Werk, Menschen dazu treibt, sich freiwillig diesem Kuddelmuddel zu widmen.

2. Wie finde ich die Konstruktion der Handlung?

Goethe hat dieses Werk über mehrere Jahrzehnte hinweg in mehreren Phasen verfasst („Urfaust“, Fragmente, …). Leider kann man die zeitweisen Arbeitsschritte und die fehlende Stringenz auch der Handlung anspüren. So ist das passendste Attribut, das mir zum Aufbau des Dramas einfällt: verwirrende Inhomogenität. Viele wichtige Informationen werden übergangen, nebenbei erwähnt oder äußerst ungenau wiedergegeben und aufgrund der diskontinuierlichen Szenenfolge lassen sich auch die häufigen Zeitsprünge, die im krassen Gegensatz zu den ausschweifenden Wiederholungen am Anfang stehen, äußerst schlecht identifizieren. So wird dem unwissenden Leser Gretchens Schwangerschaft verschwiegen (bloß wenn man es weiß, kann man Anspielungen erkennen), die Geburt des Kindes, ihr Konflikt und ihr Kindsmord werden zugunsten der widerlich orgiastischen "Walpurgisnacht" und dem parodierenden "Walpurgisnachtstraum" komplett ausgespart. Ich halte mich selbst für eine recht aufmerksame Leserin, aber wenn ich keine schlauen Zusammenfassungen im Internet zur Hilfe gehabt hätte, hätte ich gerade im letzten Teil wenig der Handlung verstanden. Auf der einen Seiten haben mich also die vielen Wiederholungen gleicher Gedankengänge (vor allem Fausts scheinheilige Selbstgespräche, wie weit er bei Gretchen gehen darf) und auf der anderen Seite das Aussparen wichtiger Informationen und essenzieller Szenen, die zum Verständnis der Handlung notwendig sind sowie die nicht vorhandene Kennzeichnung von riesigen Zeitsprüngen, ziemlich verwirrt und genervt. Hätte ein heutiger Roman sich diese grottige Konstruktion geleistet, wäre er in der Luft zerrissen worden.

3. Kann ich mich mit den Protagonisten identifizieren?

Allgemein ist das angesichts des Alters des Werks recht schwierig, da die Figuren in einer komplett anderen Zeit gelebt haben und sich sowohl ihre Denk- als auch Lebensweise stark von unserer unterscheidet. Dazu kommt, dass die Hauptfigur Faust mit seinen schätzungsweise 50 Jahren in einer Lebenskrise steckt, die man wohl heutzutage als Midlife Crisis betiteln würde und die ich nur schwer auf meine eigene Lebenswelt beziehen kann. So leidet er an einem emotionalen Defizit, hat keine engen sozialen Bindungen und sein immenser Triebstau sorgt in seiner Beziehung mit Gretchen für ein Schwanken zwischen Schwärmerei und sexuellem Verlangen. Zwei weiterere Punkte, weshalb ich mit Faust nicht besonders viel anfangen konnte, sind seine verantwortungslose, zerstörerische Ich-Bezogenheit, mit der er das Leben der jungen Margarete zerstört und die Tatsache, dass er all seine Schuld an ihrem Schicksal leugnet, verdrängt und auf Mephisto abzuwälzen versucht. Ihr seht also - ein sehr liebenswerter Charakter, dieser Heinrich Faust.

Da sich mit "Faust" und "Steppenwolf" gleich zwei Schwerpunktlektüren mit den Lebenskrisen älterer Männer befassen und das für mich als junge Frau nicht besonders relevant ist, kam die Prüfungskommission doch tatsächlich auf die Idee, uns "Faust" mit der Begründung schmackhaft zu machen, dass ja mit Margarete ein junges Mädchen eine wichtige Rolle spiele. Dass sie erst 14 Jahre alt ist und sich naiv (trotz guter Intuition) von dem viel älteren Faust verführen (mal ehrlich, das ist trotz seiner Verjüngung echt widerlich), benutzen und wegwerfen lässt, macht sie meiner Meinung nach trotzdem nicht unbedingt zur passendsten Identifikationsperson ;-) Die einzig erfreuliche Wendung, die ihren Charakter anbelangt ist, dass sie sich am Ende im Kerker dazu entscheidet, nicht mit Faust zu fliehen, sondern ihre Schuld bekennt, zu sich selbst zurückfindet und sich ihrem Gericht stellt.

Wen ich als einziges wirklich interessant fand, ist Mephisto, da er mit seinen verschiedenen Rollen und Erscheinungsformen sowie mit seiner Stellung als Katalysator des Guten im Weltgefüge als einziger eine gewisse Ambivalenz und Tiefe besitzt. Spannend finde ich auch den Gedanken, dass Faust und Mephisto als antithetische Figuration eines inneren Prozesses gesehen werden können, Mephisto also zum Alter Ego oder zur Wesensdimension Faust werden würde.


4. Ist das Thema des Romans noch zeitgemäß? Inwiefern lässt es sich auf die heutige Zeit beziehen?

Ganz grob geht es im Faust mit seiner "Zwei-Seelen-Problematik" um den Widerspruch zwischen Körper und Geist, Wissen und Spaß, Intellektualität und Sinnlichem, Göttlichem und Irdischem und dem daraus folgenden Streben nach Entgrenzung. Faust leidet unter seinem begrenzten Erkenntnisvermögen und als klassischer Pantheist unter der Enge des mittelalterlichen Wissenschaftsbetriebs, was ihn in eine tiefe Depression stürzt (Gelehrtentragödie). Auf der anderen Seite, locken ihn aber auch die sinnlichen Erfüllungen, was zur Gretchentragödie führt. Diese Thematik, dieser grundsätzliche Widerspruch, ist in ihren Grundzügen meiner Meinung nach immer noch relevant.

Sehr spannend finde ich außerdem, dass Goethe 1808 so offen über Religion und die Abkehr von dieser schreibt. Faust äußert sich als klassischer Pantheist und scheint nicht viel von Gretchens Frömmigkeit zu halten und auch das Gottesbild im "Prolog im Himmel" lässt eher auf eine ganzheitliche Betrachtung der religiösen Vorstellung schließen, als auf eine christliche. Goethes Vorstellung von "Gut und Böse" und Mephisto als wichtige Erfüllungshilfe, der die Menschen in ihrer Trägheit zum Streben bringt, empfinde ich ebenfalls als recht fortschrittlich.

Auch wenn das vermutlich nicht so beabsichtigt war, könnte man außerdem in Gretchens Opferrolle ein abschreckendes Beispiel für das Scheitern einer Beziehung sehen. Da sich die beiden in Alter, Schicht, Intelligenz, Reife, Religiosität und Ehrlichkeit der Absichten stark unterscheiden, ist ein Scheitern eigentlich vorprogrammiert. Ihre Beziehung war von Beginn an von Hierarchie, Abhängigkeit und von keiner richtigen Liebe von Seiten Fausts geprägt und stand unter dem Vorzeichen von Lug und Betrug.


Gesamteindruck: Ein Klassiker und must-read?

Goethes "Faust" ist insofern ein interessanter Klassiker als dass es Merkmale mehrerer verschiedener Epochen aufweist (Weimarer Klassik, Sturm und Drang, Aufklärung) und für die damalige Zeit recht fortschrittlich war was Sozialkritik, Religionskritik und Wissenschaftskritik anbelangt. Ob es ein "must-read" ist, würde ich dennoch entschiedenen verneinen. Weder die umständliche Sprache mit den aufgeblasenen Dialogen, den vielen Wiederholungen noch die diskontinuierliche Konstruktion der Handlung oder die fragwürdigen Figuren konnten mich überzeugen. So ist alles was von dem Werk bleibt der schale Triumpf, es einmal in meinem Leben gelesen zu haben.

Was haltet Ihr davon?

Jetzt interessiert mich natürlich, was ihr von dieser Geschichte haltet. Kennt ihr sie in einer filmischen Form, habt ihr eine Theaterinterpretation gesehen, das Werk gelesen und wenn nicht, würdet ihr euch nach diesem kurzen Meinungsbild heranwagen?
Ich würde mich freuen, wenn ihr durch diesen Beitrag und die Klassiker-Challenge-Aktion die Motivation findet, auch mal einen Klassiker zu lesen und ihn auf euch wirken zu lassen.
Falls ihr also Lust bekommen habt, ganz unverbindlich bei dieser Challenge mitzumachen, lasst einen Kommentar da und ihr seid dabei.Hoffentlich ergibt sich viel Diskussionsbedarf :-)

Liebe Grüße
Sophia

Dienstag, 4. Oktober 2016

Hybris - Gates of Hell


Allgemeines:
Titel: HYBRIS - Gates of Hell
Autor: Monkey D. Lincoln
Verlag: Monkey D. Lincoln (24. Juli 2015)
Genre: Psychothriller/Horror
ASIN: B012J0KFSU
Seitenzahl: 278 Seiten
Preis: 2,99€ (Kindle-Edition)



Inhalt:

"Eine unerwartete Macht zog mich in eine andere Welt. Ich war mir nicht sicher, ob ich nur träumte oder in mich in meiner eigenen Hölle befand. Wenn ich nicht Jacob und die anderen hätte, würde ich völlig den Verstand verlieren … oder habe ich das schon?"


Der junge Alkoholiker Michael muss sich durch immer neue Albträume kämpfen, ist in immer neuen Welten, in die er geschleudert wird, stets mit Blut, Tod und Grausamkeit konfrontiert. Der feste Wille, seine Weggefährten zu beschützen sowie die Liebe, lassen ihn alle Prüfungen bestehen, doch der Preis wird von Mal zu Mal höher, die Gegner immer grässlicher … Zwischen der ihm bekannten und zahlreichen bizarren Albtraumwelten hin und her geschleudert, versucht er herauszufinden, wer oder was dafür verantwortlich ist und worum es bei diesem perversen Spiel eigentlich geht. 


Bewertung:

Erster Satz: "Alles war noch verschwommen, meine Augenlieder schwer wie Blei..."

So beginnt "Hybris - Gates of Hell", der wohl grauenvollste Psychothriller, den ich jemals gelesen habe. Dabei bezieht sich dieses Adjektiv gar nicht auf die Qualität des Buches, sondern mehr auf die Atmosphäre des Inhalts. In 9 "Akte", wie die Kapitel heißen, wird die brutale Geschichte von Michael Key erzählt.

Der Titel wird bald Programm, schlimmer als dieses Buch kann die Hölle wohl kaum sein. Blut, Leichen, Gedärme, Schmerz, Folter und andere herzerweichend schöne Dinge kommen auf den unvorbereiteten Leser zu und um ehrlich zu sein, war mir beim Lesen das ein oder andere Mal schlecht. Mein erster Gedanke war wohl: "OMG, was muss man bitte genommen haben, um sich so etwas auszudenken?" Seltsamerweise musste ich des Öfteren an "Blasphemy" von meiner Lieblingsband "Twenty one Pilots" denken. Atmosphärisch und auch etwas vom Text her habe ich unterbewusst ständig Verbindungen geschlagen.

Auf Amazon wird dieses Buch als "Übernatürlicher Thriller" eingestuft, doch ich würde eher die Kategorie "Horror" wählen. Außerdem würde ich auf jeden Fall eine Altersbegrenzung auf 16 Jahre ansetzten. Denn vor allem der Anfang, als es um kaum etwas anderes als pure Gewalt zu gehen scheint, ist sehr hart und unschön. Später kommen noch andere, doch ebenso belastende Aspekte hinzu, wie zum Beispiel erschreckende Abgründe der menschlichen Seele oder die Frage nach Gott und die Hölle.

"Ich schoss mit der verbliebenen Patrone im zweiten lauf auf seinen Hals - Blut, Fleischfetzen und Knochensplitter spritzten in alle Richtungen, dann verlor ich den Halt. (...) Irgendwie macht er mir ja Spaß. ich weiß auch nicht ... diese ganze Brutalität, das ganze Blut ... das hat was ...."

Insgesamt also einfach nur erschreckend und ekelhaft, nein! So einfach hat es mir der Autor dann doch nicht gemacht!
Denn egal wie schrecklich es auch werden mochte, wie viele Blut, Gehirn, Gedärme und Körperteile in der Gegen herum flogen, welche Qualen die Charaktere erdulden mussten ... ich fand es irgendwie trotzdem faszinierend. Warum genau, werde ich versuchen, euch in dieser Rezi zu erklären.

Doch erstmal noch zum Cover: Ganz in Schwarz gehalten lenkt es die Aufmerksamkeit des Betrachters sofort auf das große Auge, welches einen recht mittig platziert anzustarren scheint. Die Iris ist von einem irritierenden Rot-Braun, durch hellere Grau-Akzente wird die Augenpartie nochmals hervorgehoben. Der Titel hebt sich durch ein sehr grelles Rot super vom Hintergrund ab und wirkt etwas verschmiert und verspritzt. Sehr seltsam und doch eingängig spiegelt es die Grundstimmung des Buches wieder und motiviert sofort zum Lesen. Eine sehr gelungene Gestaltung also. Auch dass ab und zu schwarz/weiß Zeichnungen die Vorstellungskraft des Lesers angekurbelt haben und die Geschehnisse gelungen unterstrichen fand ich super!

"Es fühlte sich an, als ob dieses Leben nur ein Traum wäre und die Realität nur eine Tangente zur Traumwelt der Konstante. Die Realitäten verschwammen nicht, aber niemand konnte sicher sein, welche Welt nur eine Illusion war - und doch kreuzten sie sich und verschlungen mich.
Ich bin nur ein Pinselstrich auf der Leinwand des Lebens oder weniger, nichts als ein Farbklecks, ein Sandkorn. Ich werde nicht lockerlassen, ich werde herausfinden, wie wir uns von diesem Fluch lösen können."

Der Schreibstil ist ... naja eher gewöhnungsbedürftig. Wenn man von den vielen Fehlern absieht, ziehen sich viele kurze und nicht sonderlich ausgefeilte Sätze durch das ganze Buch, garniert mit einer Art inneren Monolog. Oft erinnern diese kursiv gedruckten Passagen aber doch eher an einen ungefilterten Gedankenstrom von Michael, welcher uns aus der Ich-Perspektive an allem teilhaben lässt, und schmeißen noch mehr unvollständige und umgangssprachliche Halbsätze voller Fäkalsprache und verwirrenden Andeutungen in den verwirrenden Wortsalat. Doch genau dieses unordentliche Grammatikdebakel bringt einem die Person "Michael Key" sehr authentisch rüber und vereinheitlicht Sprache und Protagonist sehr anschaulich.

"Ist es denn zu viel verlangt, dass ich auch mal Glück habe? Fickt euch doch alle! Fickt euch einfach! Drecks Gefühle .... warum muss der Scheiß immer so ablaufen...."

Ich kann nicht sagen, dass dieser Stil mich nicht manchmal etwas genervt hat, doch ich muss ihn als sehr gewagt und auch gut konstruiert loben.
 Wenn man mal von diesem gewöhnungsbedürftigen Aufbau absieht, hat der Autor eine interessante Art, Geschehnisse und Umgebungen eindrücklich zu schildern. Wenn weniger Gehirn, Blut und andere Körperflüssigkeiten vorgekommen wären und nicht gerade verstümmelte Leichen und Folterknechte beschrieben worden wären, hätte ich den Stil jetzt als malerisch und atmosphärisch beschrieben.

"Es ist eine sehr einsame und beängstigende Stille, die in der Luft hängt wie ein Damoklesschwert, wenn man das Wissen hat, dass etwas Furchtbares geschehen wird. ich spürte die Druckwelle, dann noch ein Augenzwinkern, danach brannte die Luft..."

Was mich allerdings sehr gestört hat, sind die vielen kleinen Fehler, die ein Lektor unbedingt korrigieren hätte müssen. Oft sind es nur kleine Problemchen wie ein vergessener Buchstabe, Verdrehungen in Wörtern oder ein fehlendes Komma, doch das wirkt nun mal sehr störend und unprofessionell. Auch, dass andauernd die Zeitformen wechseln, hat mich zuerst verwirrt und dann ziemlich verärgert.

Um gleich bei den Charakteren zu bleiben muss ich auch diese Darstellung loben. Hauptsächlich geht es in "Hybris" wie schon erwähnt um den jungen Alkoholiker Michael Key. Ich würde sogar fast so weit gehen und behaupten, dass er der einzige wichtige Charakter überhaupt ist. Er gegen die Hölle, so sieht er sich und tatsächlich sind die anderen Figuren nur sehr kurz und undeutlich charakterisiert.

"Aber, aber ... solche harten Worte... Lass uns loslegen mit unserem kleinen Tanz. Jetzt können die Spiele beginnen. Simon sag stiiiirrrrrb Michael Key!"

Da gibt es den diplomatischen alten Schulfreund von Michael, Jacob, Mitleid im Anzug, die rustikale Mia, die zart besaitete Samantha und einige andere, welche eher unwichtig sind und gleich sterben. Alle aus Michaels Sicht recht parteiisch, subjektiv und somit eher negativ bewertet, was ein Anfreunden schwer macht.

Und natürlich unseren Protagonisten. Den verschlossenen und absolut mitleidslosen Michael, oder auch kurz nur Key, habe ich von Anfang an nicht gemocht, doch ich denke, das ging allen Lesern so. Er ist ein richtiges Scheusal, wie oft der Protagonist in Psychothrillern, und wirkt durch seine Komplexe, die pessimistische und fast depressive Weltdarstellung  und schiere Teilnahmslosigkeit sehr deplatziert in unserer Welt.

"Der Obdachlose schrie um Hilfe, aber alle gingen einfach weiter, als würde das gar nicht passieren. Vielleicht geschieht ihm das recht. ich werde ihm jedenfalls nicht helfen. Sollen sich doch die Bullen mit dem pack rumärgern. Was für eine verkommene Welt....

Doch als er -natürlich nur sehr widerwillig- einem Schulfreund dabei hilft, einen ertrinkenden Penner zu retten, nimmt sein Leben eine unerwartete Wendung: er verliert das Bewusstsein - und wacht in einer für ihn vollkommen fremden Welt auf. An verlassenen, unwirtlichen und hinterlistig aufgebauten Orten erwacht er immer wieder, bloß angekündigt durch ein unangenehmes Geräusch und trifft dort schnell Menschen aus seinem Umfeld, die mit ihm verdammt sind, das Grauen an diesem dunklen Ort zu ertragen.

Doch in dieser Welt, in der der Stärkere regiert, jeder um sein Leben kämpfen muss und nur Gewalt und Waffen deine Freunde sind, kommt Michael überraschend gut zurecht, und schon bald sehnt er den Ruf, der ihn in die fremde Welt bringt, die alle nur Elysium nennen, geradezu herbei...
Bleibt nur die Frage: Ist es real, oder geschieht es allein in seiner Einbildung?

"Die sind doch die größten Heuchler von allen. Preiset Gott, sagen die, aber wofür? Es gibt so viel Elend auf der Welt, Hunger, Kriminalität und Krieg. Wenn es wirklich einen Gott geben würde, würde der dann bloß zuschauen wie wir uns in den Abgrund wirtschaften. Man sollte meinen, die Wirtschaft ist Gott, sie gibt uns alles vor und wir sind die dummen Idioten mit den falschen Idolen..."

Natürlich entwickelt er sich auch, ein fester Wille, seine neuen Weggefährten zu beschützen sowie eine Liebe, lassen ihn zweifeln und gleichzeitig stärker werden. Doch er bleibt ein kryptischer Einzelgänger, aus dem ich bis zum Ende nicht schlau geworden bin.
Auch das Thema, die Grundidee, die hinter allem steckte, blieb für mich bis zum Ende recht undurchsichtig. Sehr spannend und nervenaufreibend werden die Charaktere in immer grauenvollere Situationen gepeitscht, die sie ganz klar nicht gewinnen können. Denn ihr Gegner ist zu mächtig...

"Ich vernahm ein helles, schräges Gelächter und dieses dumpfe Pfeifen, das sich tief und schmerzhaft in die Synapsen meines Gehirns bohrte. Mein Kopf war am platzen."

Immer wieder hatte ich gedacht, jetzt wüsste ich, wie es ausgeht, wurde ich wieder in die Irre geführt. Ich habe in alle möglichen Richtungen überlegt - Sind sie alle tot und wirklich in der Hölle, oder ist er vielleicht echt verrückt und bildet sich alles ein, ein weiterer Albtraum, hat er sich selbst in den Wahnsinn getrieben und bekämpft nun als Simon sich selbst?
Mir sind die verrücktesten Dinge eingefallen und ehrlichgesagt war ich deshalb vom Ende etwas enttäuscht. Ich hatte auf eine epische Auflösung gehofft, wenigstens eine erwartet und nichts davon bekommen.

"Der Boden kam rasend schnell näher, ich wartete darauf auf dem Gehweg aufzuschlagen, mit ihm zu verschmelzen, zu einer roten Masse aus Asphalt und fleischfarbenem Knochenbrei. Ich schloss meine Augen wieder.
Sind wir nicht alle nur Träumer?"

Episch und aufregend war das Ende zwar schon, doch nichts löste sich auf oder erklärte sich. Praktisch mitten in der Handlung endete der Roman. Vermutlich steht das für den abrupten Tod der Charaktere oder etwa anderes, doch ich war erstmal sehr verwirrt und habe vergeblich nach einer Fortsetzung gesucht.

Wirklich interessant ist für mich also die authentische Darstellung Michaels gewesen. Er fühlt sich allein und vertritt die Meinung, ganz alle der ganzen Welt entgegentreten zu müssen, worin er sich durch gewisse Ereignisse auch bestätigt sieht. Er versucht täglich seinem Leben einen Sinn zugeben, doch scheitert auch immer wieder daran. Er hasst alles und jeden und wird aber vor allem von einer alles verschluckenden Lethargie beherrscht. Im Zusammenhang mit der Danksagung des Autoren fand ich den Gedanken einfach nur traurig. 
Denn der Autor schreibt: "Das Buch zeigt nur, wie die Welt wirklich ist" und damit kann ich mich absolut nicht anfreunden!!!

"Was sollte das? War es Realität oder doch nur ein Traum?"



Fazit:

Dieses Buch hat etwas, eine sehr interessante Essenz, die mich fasziniert und vor der Bewertung recht ratlos zurückgelassen hat. Für meinen Geschmack ist es viel zu verbittert, unnötig blutig und depressiv, doch das kann man ja eigentlich von einem Psychothriller erwarten. Wer Fan von so etwas ist, oder zumindest besser als ich damit klarkommt, dem empfehle ich dieses Buch wärmstens!
Wenn nicht unterhalten, so hat mich dieses Buch zumindest sehr nachdenklich gestimmt und auf seltsame Weise berührt.


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*unbezahlte WERBUNG* 
Vielen Dank an dem Autor für das Rezensionsexemplar, was meine ehrliche Meinung jedoch nicht beeinflusst hat. 
(Quelle- Information und Coverbild: Amazon.de. Die Bilder und Cover, sowie die Inhaltsbeschreibungen und Klappentexte sind Eigentum des jeweiligen Verlages bzw. Schriftstellers oder anderweitigen Rechteinhabers.)
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Sonntag, 31. Juli 2016

Numbers - Den Tod im Blick

 


Allgemeines:

Titel: Numbers - Den Tod im Blick
Autor: Rachel Ward
Verlag: Carlsen (24. April 2012)
Genre: Fantasy
ISBN: 978-3551311511
Seitenzahl: 368 Seiten
Preis: 12,99€ (broschiert)
8,99€ (Taschenbuch)
8,99€ (Kindle-Edition)
Weitere Bände: Numbers - den Tod vor Augen;
Numbers - den Tod im Griff

 
 
Inhalt:

Augen, so heißt es, sind das Fenster zur Seele. Doch wenn Jem in fremde Augen blickt, sieht sie eine Zahl. Und die ist unauslöschlich. Denn diese ganz besondere Zahl ist ein Datum. Der Tag, an dem ihr Gegenüber sterben wird. Diese Gewissheit hat Jem seit dem Tod ihrer Mutter. Deshalb meidet sie Menschen. Ist am liebsten allein. Vor 8 Jahren starb ihre Mutter an einer Überdosis. Seitdem wurde sie von einem Heim ist andere geschoben, findet keinen Ort, an dem sie sich richtig zu Hause fühlen kann. Ihre Gabe hindert sie daran, ein Vertrauensverhältnis zu einem anderen Menschen aufzubauen. Zu groß ist die Qual mit dem Wissen leben zu müssen, dass eine Freundschaft oder gar eine Liebesbeziehung von Anfang zum Scheitern verurteilt ist. Der Tod hat schließlich kein Erbarmen. Bis sie Spinne kennenlernt - und mit ihm das Leben. Jem ist glücklich, zum ersten Mal. Doch als die beiden zum Riesenrad, dem London Eye fahren, passiert es - um sie herum haben alle dieselbe Zahl. Jem weiß: Etwas Furchtbares wird passieren. Heute. Hier. Fluchtartig verlassen Spinne und sie das Gelände. Und lösen damit eine Kettenreaktion aus. Spinne und Jem werden zu Gejagten. Von der Polizei, den Medien, den Menschen. Und Spinnes Todestag rückt näher und näher ...

 
 
 
Bewertung:
 
 
„Du bist eine Zeugin, Jem. Du bezeugst die Tatsache, dass wir alle sterblich sind. Dass unsere Tage gezählt sind, dass uns zu wenig Zeit bleibt.“
„Aber das weiß doch sowieso jeder.“
„Wir wissen es, aber wir schieben es lieber beiseite – es ist so schwer, damit zurechtzukommen. […] Wir ziehen es vor, den Tod zu vergessen.“
 
 
Ich habe dieses Buch aus einer "vertrauenswürdigen Quelle" wärmstens empfohlen bekommen. Der Klappentext klang sehr vielversprechend und ich freute mich darauf, dem Geheimnis um Jems "Fähigkeit" auf die Spur zu kommen.
Leider wurde ich recht schnell bitter enttäuscht. Es geht ab einem bestimmten Zeitpunkt gar nicht mehr vorrangig um die Zahlen, die Jem sieht, sondern mehr um das Davonlaufen zweier desillusionierten Teenager. Die Geschichte kam mir von Anfang an zu konstruiert vor und der Grund für ihre Flucht erschloss sich mir von Anfang an nicht. Sie hatten überhaupt gar keinen Grund wegzulaufen, keiner wollte ihnen etwas Böses. Vor der Polizei zu fliehen und somit den Verdacht, ein Terrorist und für den Anschlag verantwortlich zu sein noch zu verstärken, hat für mich irgendwann absolut keinen Sinn mehr ergeben. Zudem ist der Ablauf der Dinge dann auch nicht wesentlich spannend oder dramatisch. Jems Gedanken wiederholen sich ständig, sie denkt oft wörtlich genau dasselbe, was auch nicht gerade zu einer Steigerung der Leselust führt.

So richtig sympathisch fand ich sie zu keinem Zeitpunkt. Sie ist frech, bemitleidet sich konstant selber und ist nörgelig. Auch wenn sie erst 15 Jahre alt ist und täglich mit der Sterblichkeit konfrontiert wird, sollte die Heldin eines Buches meiner Meinung nach trotzdem fähig sein sich ein bisschen zusammenzureißen.

Gleiches gilt für "Spinne", dessen Name mich schon extrem nervte. Auch wie er beschreiben wurde, fand ich nicht sehr anziehend. Nein mal ernsthaft! Spinne scheint eine Angst vor Wasser und Seife zu haben. Zumindest wird immer erzählt, dass er stinkt und immer in dreckigen Klamotten herumläuft, das findet Jem zu Beginn auch total widerlich, aber später will sie sich selber nicht mehr waschen, weil sie so lecker nach Spinne riecht – brech! Vielleicht ist das ja die Realität, aber will ich vielleicht etwas von der hässlichen Realität lesen, wenn ich zu einem Fantasy-Buch greife? Er blieb für eine zweite Hauptfigur auch relativ flach, von den Nebencharakteren wie zum Beispiel Spinnes Oma oder Jems Pflegemutter ganz zu schweigen, die waren flacher als die Seiten Papier, auf denen sie beschrieben werden.

Was mich aber am allermeisten gestört hat war der Schreibstil. Ich finde es schon kolossal nervig, wenn in Büchern versucht wird schriftlich einen Dialekt darzustellen, vor allem in schlechten Übersetzungen aus dem Englischen. Das sind dann aber meist nur ein paar Sätze und man kann es einfach schlimm finden und überlesen. In "Numbers" hingegen, war es nun kein Dialekt, sondern mehr ein Slang, ekelhaftester Gossen-Slang. Und der zieht sich nicht nur durch ein paar Worte sondern durch das ganze Buch. Abgehackte Sätze, umgangssprachliche Worte, viele Apostrophe und Verkürzungen.
 
 
"Musst heut nicht laufen, könn' die U-Bahn nehmen. Oder 'n Taxi, wenn du Bock hast." [...] "Muss aber heut Abend wieder zurück sein. Paar Geschäfte durchziehn. Aber der Tag, der gehört uns. Wo willste gern hin?" [...] "Das ist 'ne Scheißabzocke, Mann, ehrlich. Sechzehn Pfund, um da raufzufahrn." (Seite 75).
 
 
So zieht es sich ununterbrochen durch die kompletten 363 Seiten. Und, genau das ist das Schlimme, nicht nur durch die wörtliche Rede, Rem denkt auch so, was sie mir nicht gerade sympathischer macht. Das sorgte wirklich dafür, dass ich mich durch das Buch quälen musste und kurz davor war, damit aufzuhören. In einem Roman, auch einem mit dem Etikett "Jugend", erwarte ich nun mal wenigstens eine halbwegs korrekte Sprache. Natürlich gibt es so etwas wie künstlerische Freiheit und so aber für mein Leserherz war es einfach eine Qual!
Wahrscheinlich ist die grauenvolle Sprache der Übersetzung geschuldet, ich habe gehört, dass der englische Slang viel besser zu lesen ist... Nochmals werde ich aber auf gar keinen Fall zu diesem Buch greifen.

Die Message, die ich hinter all dem verbalen Durchfall gefunden habe, fand ich aber ganz gut. Im Laufe der Geschichte wird Jems Schmerz, ihre Einsamkeit und Verzweiflung immer deutlicher, sodass sie zu einer bemitleidenswerten Figur wird, die trotz ihrer Not stets versucht das Beste aus ihrem Leben zu machen. Durch ihre Gabe und der von ihr selbst auferlegten Abkapselung zu ihren Mitmenschen wird sie zu einer toughen Jugendlichen, die ihr Herz auf der Zunge trägt. Sie zeigt dem Leser, dass es sehr wohl möglich ist, dass man mit dem richtigen Willen, viel Anstrengung und trotz niederschmetternder Rückschläge ein neues Leben beginnen kann.
 Trotzdem fand ich die weinerliche und durchweg negative Art, wie die beiden über ihre Leben gejammert haben, sehr nervig und ziemlich unberechtigt da beide durchaus Menschen haben die sie lieben und sich um sie kümmern. Das ganze Buch trieft nur so von Selbstmitleid.

Das Cover ist rein optisch schlicht gehalten, mit dem Schriftzug aus Zahlenkolonnen aber gleichzeitig auch sehr wirkungsvoll und passend zur Geschichte da auch die schlicht und flach ist. Wenn man das Buch jedoch in die Hand nimmt spürt man, dass der Titel geprägt ist und jede kleine Zahl, die ihr in dem großen Numbers sehen könnt ebenfalls, das gefällt mir total gut!
 
Zumindest lohnte es sich ein wenig, sich bis zum Ende durchgekämpft zu haben, denn tatsächlich entwickelte das Buch dann auf den letzten zwanzig Seiten ein wenig mehr Dynamik, Dramatik und Emotion, die mich ein wenig packen konnte. Ich hatte das Ende so auch schon nicht mehr erwartet, da ich dachte, die Autorin überlegt sich jetzt eine komplett unlogische Lösung, passend für ein komplett unlogisches Problem. Im Epilog wäre ich dann noch mal fast aus dem Bett gekippt vor Lachen, da der Plot einfach unfreiwillig extrem komisch war. Wenn ich mir aber diese paar letzten Sätze wegdenke, kann ich das Ende spannend finden. Für die seichte Geschichte war es schon fast unpassend dramatisch - aber es war gut.
 
Ob es gut genug war, um mich den zweiten Band der Reihe ebenfalls lesen zu lassen, weiß ich noch nicht. Angeblich zieht sich die Gossensprache ja auch durch den zweiten Roman. Die Geschichte aber verspricht darin etwas besser zu werden. Vielleicht bekomme ich in einem schwachen Moment noch Lust, der Reihe eine zweite Chance zu geben. Der Umstand mit den "Numbers" ist also leider nur ein billiger Aufhänger, damit man das Buch überhaupt in die Hand nimmt. Die Autorin hätte mit dieser grandiosen Idee so viele Möglichkeiten gehabt, hat es aber überhaupt nicht genutzt. Vielleicht schafft sie es ja in den Folgebänden. Wer weiß. Potenzial wäre da.
 
 

Fazit:

Eine Geschichte die mit einem Aufhänger lockt, der dann nur unzureichend behandelt wird. Nervige, flache Charaktere und eine langweilige, unlogische Story, deprimierende Stimmung, gruselige Sprache und voller Schimpfwörter. Lediglich das Ende konnte noch etwas Spannung bringen.