Mittwoch, 8. April 2026

Die Känguru-Rebellion


Allgemeines

Titel: Die Känguru-Rebellion
Autor: Marc-Uwe Kling
Verlag: Ullstein (12. März 2026)
Genre: Politische Komödie
ISBN: 9783843737876 
Seitenzahl: 224 Seiten
Weitere Bände: Die Känguru Werke 1-4
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Inhalt

»Ich rebelliere!«, ruft das Känguru, als es in die Küche kommt. 
»Aha«, sage ich. »Wogegen rebellierst du denn?«
»Gegen die Zustände.«
»Verständlich«, sage ich. »Löblich geradezu.«
»Rebellierst du mit?«, fragt das Känguru. 
»Wenn ich darf.«
»Falsche Antwort. Wer rebelliert, fragt nicht, ob er darf.«
»Guter Punkt.« 
»Also rebellierst du mit?«
»Sehr gerne.«
»Hervorragend«, sagt das Känguru. »Dann sind wir schon zu zweit.«


Bewertung

"Die Känguru-Rebellion" zählte schon seit der Ankündigung zu meiner am neugierigsten erwarteten Neuerscheinung 2026. Neue Geschichten vom Känguru und Marc-Uwe in this economy?!? Es gibt wohl kaum einen passenderen Zeitpunkt für ein Comeback des Traumduos als eine Zeit, in der das aktuelle Weltgeschehen die Realsatire fast selbst schreibt. Wie also am Ende der Känguru-Comics angekündigt: Das Känguru ist zurückgekehrt, als die Welt es am meisten gebraucht hat.

Auf 224 Seiten nimmt sich der Autor Zeit, fachmännisch aufzuarbeiten, was in letzter Zeit passiert ist, schlägt dabei aber einen etwas anderen Stil ein, als in den vorherigen Känguru-Büchern. Statt sich auf Klamauk und absurde Rahmenhandlung zu stützen, stehen hier vor allem brandaktuelle Themen, Gesellschafts- und Politikkritik im Vordergrund. Damit ist dieser Band ernster, inhaltlicher, aktueller und auch desillusionierter. Das unschlagbare Duo aus Känguru und seinem Sidekick nimmt in den einzelnen Kapiteln Bezug zu politischen Akteuren sowie Krisen und argumentiert gewohnt schlagfertig gegen Rechte, Konservative und Neoliberale (das Pink des Covers ist hier politisch definitiv wieder Programm!). Es geht um Migrationspolitikkritik, KI und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft, Fake News im Social Media Zeitalter, Klimaschutz, Elektroautos und fossile Verbrenner, Kapitalismus, Sprachverbote und Sprachneuerungen, Feminismus, Trumpismus und Rechtsruck.  

Trotz der klaren politischen Ausrichtung, liest "Die Känguru-Rebellion" sich aber wie bereits gesagt etwas desillusionierter und müder als zuvor. Ob dies mit den multiplen Krisen, dem fortschreitenden Alter des Autors oder dem fünften Teil zusammenhängt, es schwingt eine neue Tonlage mit weniger anarchische Lust an der Eskalation und mehr Müdigkeit gegenüber einer Realität, die sich kaum noch überzeichnen lässt. Statt anarchistischen Anschlägen des asozialen Netzwerks, kommunistischer Satire, Provokation und geboxten Nazis, ist bei Marc-Uwe ein wenig die Verzweiflung und Ernüchterung eingetreten. Das fühle ich zwar sehr, *legt für 5 Sekunden den Kopf auf den Tisch*, aber macht diese Fortsetzung doch etwas weniger bissig als erhofft. 

Auch die Einbettung in eine Rahmenhandlung ist etwas sparsamer als in den vorherigen Bänden. Zwar ist die Handlung weniger episodisch als beispielsweise in den "Apokryphen" und folgt durchaus einem roten Faden, die Weiterentwicklung der Handlung sowie das Wiedersehen mit bekannten Figuren wird aber eher sparsam eingesetzt. So gibt es zwar neue Entwicklungen wie Herta, die einen Podcast startet, die geplante Vernissage des Kängurus und natürlich die titelgebende Rebellion gegen die Zustände, die Marc-Uwe und das Känguru anzetteln, andere Nebenfiguren wie Krapotke, Friedrich Wilhelm oder Otto Von kommen allerdings kaum vor. Auch Fan-Lieblinge wie der Pinguin, der Schredder oder das asoziale Netzwerk fehlen komplett. Hier bleibt die ursprüngliche Trilogie, insbesondere ihr überaus gelungenen Abschluss in "Die Känguru Offenbarung", weiterhin unerreicht.

"Die Känguru Rebellion" war also inhaltlich ein wenig anders als erwartet - weniger bissig, weniger handlungsgestützt, politisch expliziter. Davon kann man halten, was man möchte. Was sich allerdings nicht geändert hat, ist der großartige Humor, der die Geschichte abermals zu einem Highlight gemacht hat. Denn natürlich gibt es auch hier die gewohnten Wortspiele, spaßige Situationskomik, wortgewandte Kleinkunst-Monologe und Dialog-Abtausche zum Schreien. Auch Fans der üblichen Insider-Witze, Fußnoten, Anspielungen und falsch zu geordneten Zitaten werden hier voll auf ihre Kosten kommen, wenn Unsinn und Intelligenz wieder in genau richtigem Maß gemischt werden. Erfrischend sind zudem die erzählerischen Variationen wie Perspektivwechsel, der spielerische Umgang mit Zeit und Struktur, Gleichnisse des Beuteltiers sowie erstmals auch Passagen aus der Sicht des Kängurus selbst (was genauso kurzweilig ist, wie ihr es euch vermutlich gerade vorstellt.) 

Zum Abschluss möchte ich noch wie jedes Mal hervorheben, dass es sich wirklich lohnt, das Hörbuch zu hören. Marc-Uwe Kling liest hier wie gewohnt selbst live vor Publikum vor und überzeugt mit den verstellten Stimmen, wohlüberlegten Pausen und Betonungen und seinem humoristischen Timing. Die kleinen Lacher im Hintergrund verstärken dabei sogar noch das Gefühl, mitten in einer Lesung zu sitzen. Auch gerade deshalb sind die Känguru-Bände längst mehr als eine Sammlung von Witzen, sondern ein  fortlaufender Running Gag über Politik, Popkultur, Gesellschaft und Literatur, der auch Jahre später noch den Nerv trifft. 

Fazit

Trotz kleiner Abstriche bei Biss und Handlung bleibt „Die Känguru-Rebellion“ ein kluges, urkomisches und überraschend aktuelles Comeback, das genau zur richtigen Zeit kommt. Für Fans ein absolutes Muss, oder in Känguru-Kategorien "WITZIG!" 


*keine WERBUNG, selbstgekauft*

Quelle Informationen: Amazon.de. Klapptexte und Zitate sind Eigentum des Verlags oder jeweiligen Rechtinhabers.

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