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Montag, 6. Dezember 2021

Heartbreak Boys


Allgemeines

Titel: Heartbreak Boys
Autor: Simon James Green
Verlag: ONE (26. November 2021)
Genre: LGBTQIA+-YA-Komödie
ISBN-10: 3846601411
ISBN-13: 978-3846601419
ASIN: B094JHHRSS
Seitenzahl: 416 Seiten
Originaltitel: Heartbreak Boys
Preis: 6,99€ (Kindle-Edition)
14€ (Broschiert)
Link: Hier klicken!



Inhalt

Für Jack und Nate sollte der Prom ganz besonders werden, doch was die beiden nicht wissen: Ihre festen Freunde haben eine Affäre. Am Ende des Abends sind Nate und Jack Single - und ihre Ex-Freunde offiziell zusammen. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, zelebrieren die frisch Verliebten ihre Beziehung auf Instagram. Also beschließen Jack und Nate auf ihrem eigenen Account @TheHeartbreakBoys zum Gegenangriff überzugehen. Dabei schlittern sie von einer kuriosen Situation in die nächste. Ob sie gemeinsam ihren Herzschmerz überwinden können?


Bewertung

"Heartbreak Boys" war mal wieder ein Buddyread mit Sofia von @SofiasworldofBooks und mit Abstand der Witzigste, den wir jemals hatten. Zu verdanken hatten wir das dem grandiosen Humor des Autors, der etwas überdrehten Handlung und den legendären Charakteren. Ich hatte eine süße LGBTQIA+-Liebesgeschichte erwartet und ein zum Brüllen komisches zum Leben erwecktes Meme bekommen. Ihr wollt eine unterhaltsame Sommer-Komödie lesen, die zusätzlich noch ein paar wichtige Themen behandelt? Lest unbedingt dieses Buch!

Samstag, 25. September 2021

Kurzrezension: Der erste letzte Tag


Die Fakten

Titel: Der erste letzte Tag
Autor: Sebastian Fitzek
Verlag: Droemer Knaur (28. April 2021)
Genre: Roadnovel (kein Thriller!)
Seitenzahl: 272 Seiten
Link: Hier klicken!



Der Inhalt

Livius Reimer macht sich auf den Weg von München nach Berlin, um seine Ehe zu retten. Als sein Flug gestrichen wird, muss er sich den einzig noch verfügbaren Mietwagen mit einer jungen Frau teilen, um die er sonst einen großen Bogen gemacht hätte. Zu schräg, zu laut, zu ungewöhnlich - mit ihrer unkonventionellen Sicht auf die Welt überfordert Lea von Armin Livius von der ersten Sekunde an. Bereits kurz nach der Abfahrt lässt Livius sich auf ein ungewöhnliches Gedankenexperiment von Lea ein – und weiß nicht, dass damit nicht nur ihr Roadtrip einen völlig neuen Verlauf nimmt, sondern sein ganzes Leben!


Die Eindrücke

Handlung: Für alle, die den (äußerst subtilen) Hinweis auf dem Cover überlesen haben: Mit "Der erste letzte Tag" hat Psychothriller-Bestseller-Autor Sebastian Fitzek KEIN THRILLER geschrieben! Zwar ist auch dieser Roman, der als Ablenkung während des zweiten Lockdowns entstanden ist, hochspannend, hat ein flottes Erzähltempo und lässt sich in wenigen Stunden weglesen, wie man das von seinen Thrillern gewöhnt ist. Statt Mord und Totschlag, Blut und Gedärme, Abgründe und Unmenschlichkeit gibt es hier aber philosophische Diskussionen, spritzige Gags, absurde Aktionen und eine zarte Freundschaft. Da Livius und Lea auf ihrem gezwungenen Roadtrip von München nach Hamburg allerlei schräge Dinge zustoßen - unter anderem flüchten sie aus einem Altersheim, schmuggeln Obdachlose in ein Luxushotel, tauschen einen Mietwagen gegen einen Schweinetransporter und lassen sich von einem tschetschenischen Masseur vermöbeln - sollte man besser etwas geistige Flexibilität mitbringen. Denn zugegebenermaßen ist die Handlung an einigen Stellen total überzogen und gerade zu haareraufend absurd - dennoch: der Pfad, den die Geschichte einschlägt, ist gerade durch diese ständige Überspritzung herrlich unvorhersehbar. 

Sonntag, 15. März 2020

Schöner als überall



Allgemeines:

Titel: Schöner als überall
Autorin: Kristin Höller
Genre: Roman
Verlag: Suhrkamp Verlag (12. August 2019)
ISBN-10: 3518469959
ISBN-13: 978-3518469958
ASIN: B07QC7NH3F
Seitenzahl: 219 Seiten
Preis: 15,99€ (E-Book)
18€ (Gebundene Ausgabe)



Inhalt:

Es beginnt wie ein Roadmovie. Im gemieteten Transporter fahren Martin und sein bester Freund Noah über die Autobahn. Auf der Ladefläche der Speer der bronzenen Athene vom Münchner Königsplatz, Trophäe einer rauschhaften Sommernacht. Sechs Stunden später sind sie zurück an den Orten ihrer Kindheit: Die Spielstraßen, die Fenchelfelder, die Kiesgrube haben sie vor Jahren hinter sich gelassen. Auch Mugo ist zurück, die kluge, wütende Mugo, die immer vom Ausbruch aus der Provinz geträumt und Martin damit angesteckt hat. Sie wollte raus aus der Kleinstadt, aus dem Plattenbau mit Blick auf Einfamilienhäuser und Carports. Nun arbeitet sie an der Tankstelle am Ortseingang und will nichts mehr von Martin wissen. Sogar Noah wird ihm in der vertrauten Umgebung immer fremder. Auf sich allein gestellt, ist Martin gezwungen, das Verhältnis zur eigenen Herkunft zu überdenken.



Bewertung:

"Schöner als überall" ist ein Debüt einer Jungautorin, das es wirklich in sich hat! Diese herrlich schräge, wahrhaftige Geschichte aus dem letzten Jahr habe ich beim Lovelybooks-Adventskalender 2019 gewonnen und wurde positiv überrascht. Bestückt mit vielen kleinen Weisheiten, viel Liebe zum Detail und einem scharfen Blick, liest sich die Geschichte sehr klug, an manchen Stellen aber etwas ermüdend und anstrengend. Wer auf der Suche nach einem sehr intensiven Jugendroman über Heimat, Freundschaft, Erwachsenwerden und Aufbruch sucht, wird mit großartiger Tiefe belohnt werden. Wer jedoch auf Romane steht, die von ihrer Handlung getragen werden, wird mit diesem eher verkopften Roman nur wenig anfangen können.

"Mugo kann das gut: Wenn ein Moment feierlich wird, so wichtig eben, dass Musik eingespielt würde, wären wir im Fernsehen, dann sagt sie etwas wie, super filmig, und macht den Moment kaputt."

Sonntag, 16. Dezember 2018

Der Soundtrack meines Lebens


 
Allgemeines:
 
Titel: Der Soundtrack meines Lebens
Autor: Jessi Kirby
Verlag: Thienemann Verlag (14. Februar 2014)
Genre: Roadnovel
ISBN-10: 3551314373
ISBN-13: 978-3551314376
ASIN: B00HVBTSW2
Seitenzahl: 288 Seiten
Preis: 11,99€ (Kindle-Edition)
12,99€ (Broschiert)
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 13 - 18 Jahre

 
Inhalt:

"Mein ganzes Leben lang hatte ich meinen Kurs an Finn ausgerichtet und mich darauf verlassen, dass er mich leite, so wie sich alte Seefahrer nach den Sternen richteten. Er war derjenige mit den großen Ideen und der Willenskraft, sie umzusetzen, jetzt aber sollte ich es sein. Ohne ihn."
 
Eigentlich sollte die Zeit zwischen Highschool und Uni für Honor die glücklichste ihres Lebens werden. Doch dann kommt ihr Bruder Finn im Irak um und für sie bricht eine Welt zusammen. Alles, was Honor von ihm bleibt, ist sein Auto und ein Brief mit zwei Tickets für das Abschiedskonzert ihrer Lieblingssängerin. Also macht sie sich gemeinsam mit Finns bestem Freund Rusty auf den Weg nach Kalifornien. Auf ihrem Roadtrip lernen die beiden mit ihrer Trauer umzugehen. Und je weiter sie von zu Hause weg sind, desto mehr finden sie zueinander …
 
 
Bewertung:

Dieser Roadnovel habe ich beim letzten Bücherflohmarkt mitgenommen und im Rahmen meines aktuellen SuB-Abbau-Programms gelesen. Mit der süßen Geschichte über Trauer und Bewältigung, gemeinsame Erinnerungen und verrückte Vorhaben, Winke des Schicksals und erste Liebe konnte ich mir die letzten Tage versüßen, so richtig umgehauen hat mich das Buch jedoch nicht.

 
"Ich dachte darüber nach, als zwei weitere Sternschnuppen Streifen über den schwarzen Himmel zogen (...) Waren wir nicht auch beide wie kleine Teilchen, die nach Aufstieg und Niedergang des hellen Kometen zurückgeblieben waren, um auszubrennen und abzustürzen? In den letzten zwei Tagen hatten wir jedenfalls auch ein ganz schönes Spektakel hingelegt."

Donnerstag, 1. März 2018

Engel im Polarlicht

 
Allgemeines:
 
Titel: Engel im Polarlicht
Autor: Dennis Kohlmann
Verlag: Angelwing Verlag (12. März 2018)
Genre: Young Adult
ISBN-10: 3962610308
ISBN-13: 978-3962610302
ASIN: B079WKPNGH
Seitenzahl: 211 Seiten
Preis: 10,99€ (Taschenbuch)
3,49€ (Kindle-Edition)
 
 
Inhalt:
 
Mit dem Zug nach Nordschweden, zu Schlittenhunden und Polarlichtern, das war ihr gemeinsamer Traum, doch nun ist alles anders. Nachdem Merles Vater an einem Herzinfarkt starb, ist für die junge Studentin nichts mehr, wie es war. Trotzdem will sie die lang gehegten Pläne nicht verwerfen und macht sich mit der Urne ihres Vaters auf den Weg in den Norden. Auf ihrer Zugreise trifft sie auf Virgil, einen Mann, der behauptet, ein gefallener Engel zu sein. Ihn treibt ein verbitterter Wunsch in dieselbe Richtung: Er möchte endlich sterben, und das geht, so behauptet er, nur im nächtlichen Schimmer der Nordlichter.
 
 
Bewertung:
   
Nachdem mich Dennis Kohlmann schon mit seiner unglaublich berührenden Geschichte "Libellenfrühling" über die Wichtigkeit von Fantasy und Mut, welches eher an ein etwas jüngeres Publikum adressiert ist, begeistert konnte, stand für mich sofort fest, dass ich auch diese Erzählung aus dem Genre Young Adult gerne lesen will. Wer den Klapptext oben gelesen hat wird sich bestimmt wundern, wie Engel in ein Young Adult Jugendbuch passen und ob "Fantasy" nicht die bessere Genrebezeichnung gewesen wäre. Der Fantasy-Gehalt dieser Geschichte ist jedoch verschwindend gering und im Grunde geht es vor allem um eine junge Frau, die ihre Trauer über den Verlust ihres Vaters auf einer Reise durch Dänemark, Schweden bis ganz in den Norden nach Lappland bewältigt. Leider reicht es nicht ganz an "Libellenfrühling" heran, da dieser durch einen noch eindrücklicheren Protagonisten und jede Menge Gänsehaut-Sätzen die Messlatte schon sehr hoch gelegt hat, dieser Roman hat mich aber dennoch sehr bewegt und ergriffen zurückgelassen!

 "Über mir leuchtete der eindringliche Abendhimmel Stockholms, die Sterne schimmerten hell, während mir der Wind um die Ohren fegte und mir mit seinen eisigen Fingern übers Kinn strich. (...) "Na dann", hauchte ich in die Stille hinein. (...) Direkt vor mir spiegelte sich der Mond in der Schwärze. "Dort sollst du ruhen, Papa, im Herzen des Mondes"

Freitag, 19. Januar 2018

Ein Gentleman im Schottenrock

 
 
Allgemeines:
 
Titel: Ein Gentleman im Schottenrock
Autor: Pia Kovarik
Verlag: Independently published (17. Januar 2018)
Genre: Roman
ISBN-10: 197692622X
ISBN-13: 978-1976926228
ASIN: B079434Q85
Preis: 9,99€ (Taschenbuch)
0,99€ (Einführungspreis der Kindle-Edition)
Seitenzahl: 271 Seiten
 

Inhalt:

Schon auf ihrem Flug nach Schottland bedrängt Julia dieser furchtbar gutaussehende und charmante Mann mit Tweed Anzug und einem Lächeln zum Niederknien. Dumm nur, dass sie gerade auf der Flucht vor sich selbst und einer entsetzlichen, gescheiterten Beziehung ist und von Männern im Allgemeinen nichts mehr wissen will. Doch Robert wäre kein echter Highlander, wenn er sich davon abhalten ließe. Schon bald erliegt Julia seinem Charme und all seinen Bemühungen und verliebt sich Hals über Kopf in den Fremden, den in ganz Schottland jeder zu kennen und achten scheint. Rosarote Brillen machen ja bekanntlich blind und so erkennt Julia lange nicht, dass der Mann, der sie wortwörtlich auf Händen trägt und mit ihr gemeinsam die schönsten Plätze des Landes bereist, ein ungewöhnliches Geheimnis hat.
Nachdem die Bombe geplatzt war muss sie sich der Frage stellen, ob sie ihm verzeihen kann und bereit ist, den Mann zu lieben, der er wirklich ist.



Bewertung:
 
Ist es klug, einem Mann zu vertrauen, der fast zu perfekt ist, um wahr zu sein? Das fragt sich die junge Geschichtslehrerin Julia mehr als einmal nachdem sie dem umwerfend gutaussehenden Dandy-Typen Robert über den Weg gelaufen ist und er sich kurzerhand auf ihrem Trip durch Schottland begleitet. Es folgt eine wunderbar unterhaltsame, romantische und märchenhafte Geschichte, die man nicht verpassen sollte.

Erste Sätze: "Es war einmal die Vermutung, dass man sich im atemberaubenden Schottland, dem Land der Mutigen, von Herzschmerz und Seelenkummer befreien könnte. Schließlich müsste in den tapferen Kämpfen für Freiheit, der Magie der heldenhaften Leidenschaft, den mystischen Sagen und dem unerschrockenen Glauben an die Macht der Ahnen, die sämtlichen Kriegen und Unterdrückungen trotzten, doch zumindest ein Fünkchen Wahrheit stecken. "

Schon das Cover schafft den Spagat zwischen hinreißendem Kitsch und schottischer Tradition wunderbar. Das bekannte Bild der beiden adrett gekleideten Herrschaften vor einem wunderschön geblümten Hintergrund passt dabei super zum rosa karierten Grund und dem verschlungenen Titel. Für meinen persönlichen Geschmack ist es etwas zu mädchenhaft und kitschig, aber durchaus zur Geschichte passend, so trägt Julia zum Beispiel auch sehr gerne ein grünes Cocktailkleid, und insgesamt sehr stimmig gestaltet. Der Titel passt natürlich wie die Faust aufs Auge.

Dienstag, 22. November 2016

Rain Song




Allgemeines:

Titel: Rain Song
Autor: Antje Babendererde
Verlag: Arena (2. Januar 2013)
Genre: Roman
ISBN: 978-3401504230
Seitenzahl: 320 Seiten
Preis: 6,66€ (Kindle-Edition)
14,99€ (gebundene Ausgabe)
7,99€ (Taschenbuch)
!kostenloser Hörspiel-Download!



Inhalt:


 "Vielleicht kann man die Vergangenheit bewältigen, dachte Greg, aber was danach kommt, kann einem den Boden unter den Füßen wegziehen."

Der Sturz von den Klippen am Cap Flattery hätte leicht tödlich ausgehen können. Doch Hanna überlebt - dank dem Makah-Indianer Greg. Hat der Vorfall etwas mit Hannas verzweifelter Suche nach ihrer ersten großen Liebe Jim zu tun?

Vor fünf Jahren ging sie begleitet von Jim, einem talentierten Pfahlschnitzer der Makah, nach einem Urlaub zurück nach Deutschland. Doch er verließ sie nach sechs Monaten ohne zu wissen, dass sie schwanger war und verschwand spurlos. Nun begibt sie sich auf die Suche nach ihm um Antworten auf die Fragen ihrer 4-jährigen Tochter zu haben. Ihr Retter Greg nimmt sich Hannas an, doch sobald er erfährt, wer sie ist - jene Frau, die Jim, der wie ein Bruder für ihn war, von seinem Volk losriss - macht sich Misstrauen in ihm breit. Greg ist schockiert und mehr als überrascht, als er erfährt, dass Jim gar nicht in Deutschland ist, wie im Reservat allgemein vermutet wurde. Hanna behauptet, er sei in seine Heimat zurückgekehrt ... nur, hier ist er offenbar nie angekommen.

Doch während sich sie und Greg auf der Suche näherkommen, entdecken sie Stück für Stück Jims wahre Identität und damit ein Geheimnis, wie es furchtbarer nicht hätte sein können...



Bewertung:

Erster Satz: "Weiße Nebelfetzen hingen in den zerklüfteten Felsen der Steilküste von Cape Flattery und ein leichter Wind trieb die Wellen des Pazifiks sanft gegen das steinige Ufer am Kap."


Bereits 1999 veröffentlichte Antje Babendererde ihr Buch "Rain Song", damals jedoch unter dem Namen "Der Pfahlschnitzer". 2013 erschien die völlig überarbeitete Fassung, die ich jetzt endlich mal lesen musste nachdem ich so viel Positives darüber gelesen habe.

Das war nicht das erste Buch, dass ich von Antje Babendererde gelesen habe, doch ein wesentlicher Aspekt war anders als sonst: die Protagonisten in "Rain Song" sind -anders als in beispielsweise "Julischatten" oder "Isegrim"- bereits erwachsen und haben deshalb ganz andere Probleme als die jugendlichen Hauptpersonen. Man könnte nun meinen, es würden andere Themen behandelt als sonst, oder eine andere Zielgruppe angesprochen, doch wie gewohnt schwingt dieses Gefühl der Ersten Liebe, des Neuen, des Abenteuers mit. Obwohl Greg und Hanna beide bereits um die 30 sind, Hanna sogar schon eine kleine Tochter hat, wird die beginnende Liebesgeschichte zwischen ihnen sehr spannend und, wie ich meine, auch für das junge Lesepublikum sehr nachvollziehbar dargestellt.
Das Buchcover ist schlicht und ansprechend gestaltet: auf einem hübschen, hellblauen Grundton sieht man unter einem roten Titel Bäume, die fast im Nebel verschwinden. Rechts am Rand ist ein geschnitzter und bemalter Indianerpfahl abgebildet, der auch auf dem Rücken wiederholt wird. Der Titel "Rain Song" erscheint schwungvoll und hebt sich lackiert zusammen mit den dunklen Teilen des Pfahles fühlbar vom Rest ab. Der Text selbst ist schmucklos und in recht großer Schriftart gesetzt, was den Lesefluss begünstigt. Die Optik haut mich durch ihre Schlichtheit nicht wirklich um, passt aber zum Inhalt und dem Stil der anderen Bücher.

"Als Greg sich wieder seinem Pfahl zuwandte, sah er, wie seine Figuren lebendig wurden. Sie lösten sich aus dem Holz und stiegen zum Himmel auf, dorthin, wo die Wipfel des nahen Waldes in flammendes Morgenrot tauchten. Vor dem brennenden Hintergrund bildeten sie eine Reihe schwarzer Gestalten: Bär, Otter, Wolf, Lachs und zuletzt der Rabe."


Wenn ich über Antje Babendererdes Bücher schreibe, kann ich mich eigentlich nur noch wiederholen. Ihre Schreibstil zum Beispiel habe ich jetzt schon einige Male angepriesen und kann auch nur noch mal verdeutlichen, wie ihr ruhiger, und unverwechselbarer Schreibstil, mich wieder verzaubert hat. Trotz einfacher Sprache nimmt die Geschichte mich mit detaillierten Beschreibungen und einem gewissen Wortwitz gefangen. Sie muss nicht aus Wortgewalt oder spektakuläre Szenarien zurückgreifen, sondern schafft es den Leser durch Tiefsinn und gezielt gesetzte Wörter oder Sätze in ihren Bann zu ziehen, sodass die Geschichte viel Emotionalität besitzt und den Leser berührt.

Wieder ist auch der Schauplatz vielseitig, bunt und authentisch gewählt. Die Autorin nimmt den Leser mit auf die Reise nach Nordamerika, auf die Olympic - Halbinsel im Nordwesten des Staates Washington. Dort leben heute noch wenige Indianerstämme wie die Makah, die Quileute oder auch die Quinault in Reservaten und versuchen, ihre alten Traditionen mit dem modernen Leben zu vereinbaren. Mit diesem Spagat zwischen Tradition und Fortschritt beschäftigt sich "Rain Song". Es geht um Identität, Integration und Probleme aller Art, dabei wird nicht an Gefühlen und schockierenden Szenarien gespart. Informativ und anschaulich, aber keineswegs kitschig schildert Antje Babendererde die Geschichte einer Deutschen, die sich in Nordamerika auf die Suche nach ihrem verschollenen Geliebten macht. Dabei prallen immer wieder Globalisierung, Logik und Spiritualität aufeinander, was nicht nur den Leser verwirrt, sondern auch Hanna, die bald nicht mehr weiß, was sie glauben soll.


"Das Klappern der Rasseln war betäubend. Mit wilden Schreien schleuderten die Tänzer ihre Hoffnungen aus den Kehlen. Im wandelnden Schatten des flackernden Feuers tanzten die Roben aus Leder oder Zedernfaser ihren eigenen Tanz. Die bemalten Masken mit ihren langen Haaren und Federn verwandelten sich in lebendige Ungeheuer."


Man merkt schnell, dass sie wie immer ausgiebig recherchiert und sich intensiv mit dem Leben und den Traditionen der Indianer auseinandergesetzt hat. Die Geschichte hat Hand und Fuß ohne sich der typischen Klischees zu bedienen. Es ist sehr erfrischend, eine realistische Darstellung des heutigen Lebens der Indianer zu lesen ohne Beschönigungen oder Romantikkitsch!

Die Charaktere sind zwar schön gestaltet, bleiben für mich aber leider etwas hinter der Handlung und den Protagonisten in Antja Babendererdes anderen Büchern zurück. Die Geschichte wird in der dritten Person und in der Vergangenheitsform erzählt. Die Perspektive bleibt oft bei Hanna und schildert ihre Erlebnisse, es werden aber auch andere Personen wie Greg begleitet, deren Gedanken in Kursivschrift erscheinen. Beide sind nicht perfekt, was mir gut gefallen hat. Hanna und Greg haben ihre Ecken und Kanten, beide müssen mit ihrer Vergangenheit fertig werden und sich harten Entscheidungen stellen. Sie waren mir sofort sympathisch, mehr allerdings auch nicht. Aus Jim wurde ich leider die ganze Geschichte lang nicht wirklich schlau, was wohl von der Autorin durchaus so beabsichtigt war. Ich hätte jedoch gerne noch mehr über ihn, sein Leben und seine Beziehung zu Hanna erfahren. Diese Aspekte kamen für meinen Geschmack ein klein wenig zu kurz, da ja die Liebesgeschichte zwischen Hanna und Greg in den Vordergrund rückt. Die Nebencharaktere werden nett dargestellt und bekommen nicht alle ein Happy-End.


"Auf irgendeine Weise trägt jeder seine Vergangenheit mit sich herum.
Aber wir sollten sie nicht unser Leben bestimmen lassen, oder die Verletzungen die wir davongetragen haben an andere weitergeben."


 Die Grundatmosphäre in dem Buch ist auf seltsame Weise magisch anziehend. Auch wenn die Bücher eigentlich gar nicht mein Genre sind, bin ich doch ein absoluter Fan von Antje Babendererde geworden und werde gewiss noch viel mehr ihrer Bücher lesen.
 An alle, die noch immer kein Buch von dieser bemerkenswerten Autorin gelesen haben: Holt das unbedingt nach!


Fazit:

Ein tiefsinniges Buch über die Gesichte einer Frau und die Kultur der Indianer. Sensibel und detailverliebt bringt sie dem Leser deren Geschichte und aktuelle Situation nahe, vermittelt eine andere Sichtweise auf die Welt mit wunderschönen Worten und weckt die Neugier auf mehr.

Sonntag, 13. November 2016

Perfect Escape


Allgemeines:

Titel: Perfect Escape
Autor: Jennifer Brown
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (1. August 2014)
Genre: Roadnovel
ISBN: 978-3423782791
Seitenzahl: 384 Seiten
Preis: 17,99€ (gebundene Ausgabe)
7,99 € (Kindle-Edition)
9,95€ (Taschenbuch)



Inhalt:

"Manchmal muss man gar nicht laut aussprechen, dass man jemanden lieb hat.
Manchmal genügt es, im Schatten dieses Menschen zu stehen und nichts dabei zu finden."

Kendra liebt ihren Bruder Grayson, doch unter seinen Panikattacken und Zwangsneurosen leidet sie seit Jahren. Um Ausgleich bemüht, versucht sie besonders perfekt zu sein. Auf ihr, der Musterschülerin, ruhen alle Hoffnungen der Eltern. Bis bei Kendra eines Tages die Sicherungen durchbrennen: Sie packt Grayson in ihr altes Auto und haut ab. Nach Kalifornien zu Zoe, ihrer ehemals besten Freundin und Graysons erster Liebe, fest davon überzeugt, dass sie zusammen alle Probleme lösen können…



Bewertung:

"Glimmer hat glatte Bruchkanten. Wenn man so einen Stein zerbricht und die beiden Teile aneinanderhält, dann passen sie perfekt zusammen."
"So ähnlich wie wir", flüsterte ich, ohne richtig zu merken, dass ich den Gedanken laut aussprach. Meine Schulter berührte die von meinem Bruder.
"Zerbrochen und ziemlich kaputt, aber nicht zerstört."


Seit einiger Zeit lese ich mit Vergnügen Bücher über Roadtrips und hier verbreitet schon das Cover eine wunderbare Aufbruchsstimmung. Diese passt für mich perfekt zum Buch, zu einem ungeplanten, plötzlichem Trip durch Nordamerikas Staaten. Die Atmosphäre, die das Cover, aber auch der Inhalt vermittelt, hat mir jedenfalls sehr gut gefallen, wirkt authentisch und hat mir das Buch sehr nahe gehen lassen.
 
Das Buch hat eine sehr emotionale Handlung und beinhaltet eine Geschichte von der ich zuvor mit dieser Idee noch nie etwas gelesen habe. Gut durchdacht! Doch man merkt schnell die Autorin hat einen sehr facettenreichen Schreibstil, oft musste ich laut lachen oder einfach nur grinsen, manchmal stand ich aber auch kurz vor den Tränen. „Perfect Escape“ behandelt Zwangsstörungen und Panikattacken und überzeugt mit viel Hintergrund Wissen.

So erfährt der Leser beim Lesen des Buches wichtige Fakten über die Krankheiten und bekommt einen Einblick in das Leben einer Familie, bei der es einen solchen Krankheitsfall gibt.
Und die Krankheit ist erschreckend! Zwangsneurose (d.h. die betreffende Person “ muss“ unsinnvolle Dinge immer wieder machen, Bsp.: Ständiges Händewaschen vor Angst von Bakterien) beeinflusst nicht nur den betreffenden Menschen unglaublich, sondern auch dessen Familie.
Das merkt auch Kendra, die die Zeit genießt, in der ihr Bruder in der Psychiatrie ist. In diesen Zeiten fühlt sie sich fast normal und ihr Leben wird nicht mehr von ihrem Bruder beeinflusst auch wenn sie deshalb die schlimmsten Schuldgefühle hat.

Kendra wirkt anfangs verantwortungsvoll, vernünftig und ausgesprochen reif für ihr Alter, bald bemerkt man jedoch, dass das meiste davon nur Fassade ist und lernt ihre wirklichen Gefühle kennen. Besonders der Aspekt, was genau ihre Zukunft zu bedrohen scheint, bringt auch Spannung in das Buch und durch Andeutungen zu Beginn wird man neugierig, was genau Kendra angestellt hat. Als man dies erfährt, scheint einem das eigentlich nicht so schlimm, aber gleichzeitig merkt man Kendras Angst und Verzweiflung, sodass ich gar nicht anders konnte, als Kendra sympathisch zu finden, da man ihr Verhalten dadurch noch besser verstehen kann. Im Laufe des Buches macht sie auch einiges an Entwicklung durch und vor allem die Beziehung zu ihrem Bruder, die zwar trotzdem einige Höhen und Tiefen hat, scheint enger zu werden.

Grayson hingegen lernt man etwa ab der Mitte des Buches zu verstehen und trotz all seiner Neurosen wirkt er stellenweise fast „normaler“ als Kendra. Zwar liest man das Buch nur aus Kendras Perspektive, jedoch werden auch dabei sehr gut Graysons Gefühle und Beweggründe dargestellt.
Ich mochte sie als Person wirklich sehr, da sie erfrischend echt war und auch oft ehrlich genervt war von ihrem behinderten Bruder. Nichts wird schöngeredet sondern einfach so dargestellt, wie es ist.
Obwohl der Roadtrip mit Ortsbeschreibungen, Abenteuern und interessanten, oft verrückten neuen Bekannten eine große Rolle spielt, wird im Buch auch intensiv auf die Beziehung zwischen Geschwistern eingegangen. Teilweise macht das das Buch in der Mitte etwas zäh und nicht all zu spannend. Ich hatte auf Action und Abenteuer gehofft und hatte einen feinfühligen Roman über psychisch Kranke und eine unglaubliche Bruder-Schwester-Konstellation mit aller Verantwortung und Liebe die dazugehört bekommen. Für mich wurde die wechselhafte, aber zugleich auch unheimlich vertrauensvolle Beziehung zwischen Geschwistern sehr gut dargestellt. Man merkt deutlich, dass sich Kendra und Grayson trotz allem nahestehen und aufeinander bauen können. Diese Message hat mir sehr gefallen und verleiht dem Buch eine wunderschöne Note. Denn nicht immer läuft alles super und vor allem gegen Ende wird es sehr turbulent, aber Grayson und Kendra meistern es gemeinsam.

Allerdings hätte ich mir zum Schluss ein ausführlicheres Ende gewünscht, beispielsweise mehr über Zoes Beweggründe oder wie die Eltern auf den Roadtrip ihrer Kinder reagieren. Das ist aber nur ein kleiner Kritikpunkt und die Hauptbotschaft dieses Buches stört es auch in keinster Weise;)


Fazit:

Interessante Roadnovel à la "Rain Man".

Eine ruhige Geschichte, die in leisen Tönen von einer Reise erzählt, bei der nicht das Ziel entscheidend ist, sondern der Weg selbst sich als wertvoll und lehrreich erweist. Wer sich die Schilderung eines spektakulären und spannenden Roadtrips erhofft, ist hier wohl an der falschen Adresse.
Alle anderen können sich auf eine zarte Geschichte mit einigen wenigen Längen freuen, die von Identität, Ängsten und Zweifeln erzählt, vor allem aber eine Hommage an die kostbaren Banden zwischen Geschwistern zu sein scheint.

Mittwoch, 4. Mai 2016

tschick


Allgemeines:

Titel: tschick
Autor: Wolfang Herrndorf
Verlag: Rowohlt Berlin (2010)
Genre: Roadnovel
ISBN: 978-3-87134-710-8 
Seitenzahl: 256 Seiten
Preis: 16,59 € (gebundene Ausgabe)
Link: Hier klicken!
Ausgezeichnet: mit dem deutschen Literaturpreis
in der Kategorie Jugendbuch 2011



Inhalt:

"Ein klappriges Auto kam die Straße runtergefahren. Es fuhr langsam auf unser Haus zu und bog in die Garagenauffahrt ein. Eine Minute stand der hellblaue Lada Niva mit laufendem Motor vor unserer Garage, dann wurde der Motor abgestellt. Die Fahrertür ging auf, Tschick stieg aus. Er legte beide Ellenbogen aufs Autodach und sah zu, wie ich den Rasen sprengte. "Ah", sagte er, und dann sagte er lange nichts mehr. "Macht das Spaß?"
Die Mutter in der Entzugsklinik, der Vater mit Assistentin auf Geschäftsreise: Maik Klingenberg wird die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa verbringen. Doch dann kreuzt Tschick auf. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, kommt aus einem der Asi-Hochhäuser in Hellersdorf, hat es von der Förderschule irgendwie bis aufs Gymnasium geschafft und wirkt doch nicht gerade wie das Musterbeispiel der Integration. Außerdem hat er einen geklauten Wagen zur Hand. Und damit beginnt eine Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende deutsche Provinz


Bewertung:

"Tschick war mittlerweile hinten angekommen und aus dem Gang, durch den er gekommen war, wehte ein Geruch rüber, der mich fast umhaute. Eine Alkoholfahne. Ich saß drei Plätze vom Gang weg und hätte seine Getränkeliste der letzten vierundzwanzig Stunden zusammenstellen können, so roch meine Mutter, wenn sie ihren schlechte Tag hatte."

Ich finde, der kurze Ausschnitt oben sagt eigentlich das wichtigste über das Buch aus. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich die meiste Zeit während dem Lesen nur eines gedacht habe: HÄ? Das ihr merkt, was ich meine, habe ich paar Zitate eingefügt.

Die leicht durchgedrehte Roadnovelle handelt von der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem 14-Jährigen aus bürgerlichen Verhältnissen und einem verwahrlosten jugendlichen Spätaussiedler aus Russland Tschick. Es wird aus der Sicht von Maik Klingeberg, einem unsicheren Außenseiter, erzählt, der mit seinem schrägen Freund Andrej Tschichatchow, der von allen bloß Tschick genannt wird und ab und an besoffen ist, ein Abenteuer erlebt. Die Mutter in der Entzugsklinik, der Vater auf Geschäftsreise, so machen sich die zwei Freunde mit einem geklauten Lada auf den Weg in die "Walachei". Obwohl beide nicht genau wissen, wo die eigentlich liegt, sagt Maik nach kurzem Zögern zu, und eine Reise ins Ungewisse beginnt.


"Mein Großvater wohnt irgendwo am Arsch der Welt in einem Land, das Walachei heßt. Und da fahren wir morgen hin."


Mit der lockeren Sprache schafft Wolfgang Herrndorf eine ungezwungene und witzige Atmosphäre, was dazu führt, dass man das Buch nicht mehr so schnell aus der Hand legen will und in einem Rutsch durchliest. Es sind ja auch nicht viele Seiten. Man hat mit Tschick, Maik und den Leuten, denen die zwei Freunde auf ihrer Reise begegnen, authentische Charaktere, die manchmal aber leider so verrückt scheinen, dass man sich nur mäßig gut mit ihnen identifizieren kann. Maik äußert manchmal äußerst seltsame Dinge, bei denen man einfach nur lachen  muss. Seine Gedanken an denen er den Leser teilhaben lässt, sind nicht sehr lehrreich oder schlau aber einfach witzig.


"Wenn man keinen Spitznamen hat, kann das zwei Gründe haben. Entweder man ist wahnsinnig langweilig und kriegt deshalb keinen, oder man hat keine Freunde. Wenn ich mich für eins von beiden entscheiden müsste, wär’s mir, ehrlich gesagt, lieber, keine Freunde zu haben, als wahnsinnig langweilig zu sein."


Sie begegnen zum Beispiel einem schrägen alten Mann namens Horst Fricke, der mit einem Gewehr auf sie schießt, ihnen etwas zu trinken anbietet, eine Lebensweisheit erzählt und ihnen dann eine Art Zaubertrank mit auf den Weg gibt.


“Glaubt mir", sagte er, "ihr schließt ein Mal die Augen und öffnet sie wieder, und welk hängt das Fleisch in Fetzen. Die Liebe, die Liebe! Carpe diem.”   


Auch die verrückte Familie von Friedemann lernen die beiden auf dem Weg kennen und eine dicke Sprachtherapeutin, die Maik in Gedanken "Das Flusspferd" nennt und Tschick aus versehen mit einem Feuerlöscher den Fuß bricht.


„Ein Flusspferd brach vor uns durch die Buesche. Irgendwo in Deutschland, direkt an der Autobahn, in der völligen Einoedge, brach ein Flusspferd durchs Gebüsch und rannte auf uns zu“


Herrndorf stellt mit Tschick viele Themen und Probleme von Jugendlichen anschaulich und realistisch dar, von unerwiderter Liebe über Familienprobleme bis hin zu Kriminalität und Mobbing. Man erfährt viel über Tschick und seine Situation, die er ganz gelassen nimmt.


 “Du kannst nicht viel von deiner Mutter lernen. Aber das kannst du von deiner Mutter lernen. Erstens, man kann über alles reden. Und zweitens, was die Leute denken, ist scheißegal.”  


 Leider konnte ich zwischendurch die Handlung und auch die Personen nicht mehr ganz so gut nachvollziehen, da es für meinen Geschmack zu konfus wurde. Relativ schnell nach Beginn der Reise wird das Buch für mich dann zu unglaubwürdig, überzeichnet und wiederholend. Wenn man sich vor Augen führt, dass die beiden Jungen erst dreizehn sind, wirkt es doch sehr unwahrscheinlich, dass sie einfach so mit dem Auto durch die Gegend fahren. Auch dass sie sich nicht einmal wundern, warum der durchgeknallte Typ auf sie schießt, fand ich irgendwie seltsam.

Der Autor versucht außerdem eindeutig die Sprache der heutigen Jugend zu imitieren, was ihm jedoch meiner Meinung nach jedoch kläglich misslingt. Ich würde mich jetzt mal einfach so zu der Jugend zählen, aber bei manchen Sätzen habe ich mir schon Gedanken gemacht, ob das noch als Deutsch durchgeht. Die Dialoge zwischen den beiden Jungs sind genau so, wie sich ein Erwachsener, der schon lange keinen Kontakt mehr zu Jugendlichen hatte, das vorstellen würde und mir standen die Haare zu Berge.


„Was?“, rief ich.
„Ihr Schwachköpfe“, rief sie
„Bist du bescheuert?“
„Du hast mich gehört, Schwachkopf! Und dein Freund ist auch ein Schwachkopf!“
„Was ist denn das für eine Fotze?“, rief Tschick.
„Ihr seid doch zum Ficken zu blöd!“
„Steck dir’n Finger in‘ Arsch und halt’s Maul!“
„Russenschwuchtel!“
„Ich komm gleich rüber."



Was ich aber super finde, ist so eine Art Schluss von Maik aus der ganzen Sache.


"Seit ich klein war, hatte mein Vater mir beigebracht, dass die Welt schlecht ist. Die Welt ist schlecht, und der Mensch ist auch schlecht. Trau keinem, geh nicht mit Fremden und so weiter. Das hatten mir meine Eltern erzählt, das hatten mir meine Lehrer erzählt, und das Fernsehen erzählte es auch. […] Der Mensch ist schlecht. Und vielleicht stimmte das ja auch, und der Mensch war zu 99 Prozent schlecht. Aber das Seltsame war, dass Tschick und ich auf unserer Reise fast ausschließlich dem einen Prozent begegneten, das nicht schlecht war."


Genau wegen solchen Stellen des Lichtblicks in all dem verbalen Durchfall, habe ich das Buch dann aber doch noch ganz gut gefunden.


Fazit:

Wenn jemand auf spaßige, abgefahrene Abenteuerromane steht, ist er mit diesem Buch auf jeden Fall richtig. Ansonsten braucht man viel Toleranz und Durchhaltevermögen!





Hier der Trailer zum Film: