Montag, 20. April 2026

Montagsfrage #209 - Identifikation mit Buchfigur?

Hallöchen,

hinter mir liegt ein weiteres ereignisreiches April-Wochenende und so sehr ich all meine Termine aktuell genieße, freue ich mich doch, wenn bald wieder etwas mehr Ruhe einkehrt. Heute gibt es nochmal eine etwas persönlichere Frage. Ich bin gespannt, ob oder was Euch dazu einfallen wird:


In welcher Buchfigur habt Ihr Euch zuletzt am meisten selbst wiedergefunden?


Ich denke, das ist bei mir die junge Augustaus "One Last Stop" von Casey McQuiston. Die überraschende Mischung aus queerer Liebesgeschichte, mystischer Zeitreise, Familienkrimi und berührender Coming of Age wurde im Dezember 2025 zu einem Jahreshighlight. August hat es mir vor allem angetan, da wir uns an einem ähnlichen Punkt in unserem Leben befinden und ich mich in einigen Themen, Entwicklungen und Konflikten wiedergefunden habe. Auch abseits von ihrer Stärke als Identifikationsfigur ist sie ein sehr liebenswerter, rund und komplex gestalteter Charakter, dem man wahnsinnig gerne durch die Geschichte folgt. Casey McQuiston versteht es wirklich, Charaktere zu schreiben, die lebendig wirken und die Geschichte mit ihrer Menschlichkeit, ihren Emotionen, ihren Konflikten, ihren Widersprüchen und Sehnsüchten tragen. Neben der Erzählerin August ist auch die zweite Hauptfigur Jane sehr interessant gezeichnet. Während sie zunächst eher wie eine mystische Figur wirkt - schön, aus der Zeit gefallen und schwer zu fassen -, wird sie mit der Zeit genauer umrissen und nimmt Konturen an, je mehr wir über sie und ihre Vergangenheit erfahren. Spannend ist dabei, dass Janes persönliche Reise eng mit der queeren Geschichte der 70er verwoben ist, welche zeitgleich rekapituliert wird. In Kombination sind die beiden für mich eines der eindrücklichsten sapphischen Paare, die ich je gelesen habe. Die gesunde Kommunikation, das Yearning(!!!), die tiefe Verbindung - das war einfach wundervoll! 


Welche Figur ist es bei Euch?

Liebe Grüße
Sophia

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Nächste Woche bei der Montagsfrage: 

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Mittwoch, 15. April 2026

Kurzrezension: Bookshops & Bonedust


Die Fakten

Titel: Bookshops & Bonedust
Autorin: Travis Baldree
Verlag: Tor (7. November 2023)
Genre: Cozy Fantasy
Seitenzahl: 336 Seiten
Link: Hier klicken!




Der Inhalt

Gerade als Ork-Kriegerin Viv mit ihrer Karriere als Söldnerin bei Rackam's Ravens durchstarten will, verletzt sie sich bei einem Kampf und wird von der Crew in der Küstenstadt Murk abgesetzt. Verwundet ist Viv gezwungen, ihr Schwert vorerst beiseitezulegen. Bevor sie sich jedoch langweilen kann, trifft sie auf Fern, die sie in die Welt der Bücher entführt, und somit findet Viv ein neues die Erneuerung des heruntergekommenen Bücherladens. Auch mit der Zwergin und Bäckerin Maylee verbringt Viv immer mehr Zeit. Doch Murk ist nicht die schläfrige Kleinstadt, für die Viv sie gehalten hat – die Gnomin Gallina will Viv um jeden Preis beweisen, dass sie eine gute Kämpferin für Rackam ist, und dann ist da auch noch ein Neuankömmling, der sein Unwesen in der Stadt treibt …



Die Eindrücke

Handlung: Nachdem mir "Legends & Lattes" so gut gefallen hat und mich in die gemütlichen Fänge des Cozy Fantasy Genres gezogen hat, wanderten die anderen Bücher von Travis Baldree natürlich auch sofort auf meine Leseliste für 2026. "Bookshops & Bonedust" ist ein Prequel, das einige Jahre vor "Legends & Lattes" spielt und das man theoretisch unabhängig davon lesen kann. Leider hat sich mein Buddyread mit Sofia (yk, @sofiasworldofbooks) etwas gezogen (was total an unseren vollen Zeitplänen und weniger am Buch selbst lag), wodurch ich mich mit diesem Prequel etwas schwerer getan habe als mit "Legends & Lattes". Denn obwohl das Setting in der kleinen Küstenstadt und der Buchhandlung einfach hinreißend war und ich Viv schon so ans Herz geschlossen hatte, zog sich die sehr langsame Handlung Charme hin und her im Mittelteil etwas für mich. Dennoch habe ich das Lesen natürlich wieder sehr genossen. Denn der einfache, gemütliche Plot hält genügend Konflikte und Überraschungen bereit, strotz nur von Atmosphäre, süßem Humor und liebevollen Figuren, um über die knapp 330 Seiten am Ball bleiben zu wollen. 

"Well,” breathed Fern, surveying the interior with both brows raised. “Fuck me.” Satchel drew back from her in alarm, and his eyes seemed to widen as the flames within them burned brighter. Viv leaned down near his skull and whispered, “It’s just a figure of speech, not a request."

Dienstag, 14. April 2026

Kurzrezension: Ein Ozean voller Fragen


Die Fakten

Titel: Ein Ozean voller Fragen
Autorin: Leonie Maßmann
Verlag: dtv (17. April 2025)
Genre: Autobiografischer Bericht
Seitenzahl: 225 Seiten
Link: Hier klicken!







Der Inhalt

Leonie Maßmann berichtet über ihre abenteuerliche Weltreise auf einem kleinen Segelboot. Und davon, was es heißt, seinen Traum zu leben – mit allen Höhen und Tiefen. Denn unterwegs hat sie ihrer Intuition zu folgen, Zweifel hinter sich zu lassen, Entscheidungen zu treffen, durchzuhalten, sich nicht entmutigen zu lassen, über sich hinauszuwachsen, Toleranz aufzubringen, ihre Komfortzone zu verlassen, spontan zu sein, Stillstand auszuhalten, die Perspektive zu wechseln, mit Extremsituationen und Angst umzugehen und, was Zusammenhalt bedeutet. Denn am Ende wird ihr Traum nicht nur wahr, er hilft ihr auch zu erkennen, wer sie ist.


Die Eindrücke 

Ich habe "Ein Ozean voller Fragen" beim Stöbern auf Bookbeat gefunden und ganz spontan begonnen, auch wenn ich weder die Autorin, noch das vorgestellte Projekt kenne und vom Segeln nun wirklich gar keine Ahnung habe. Die Mischung aus autobiografischem Bericht, Reiseerzählung, persönlicher Reflexion und motivierenden Impulsen hat mir aber überraschend gut gefallen, sodass ich mich sehr gerne zusammen mit Leonie Maßmann auf ihre Weltreise von der Nordsee in die Karibik begeben habe.

Montag, 13. April 2026

Montagsfrage #208 - Lehrreichstes Buch des Quartals?

Hallöchen,

wie letzte Woche angekündigt gibt es diese Woche einen kurzen Minirückblick auf die gelesenen Büchern im ersten Quartal 2026. Auch diese Frage habe ich absichtlich offen formuliert, sodass Ihr gerne auf alle Arten von Büchern und Geschichten eingehen könnt. Ich bin schon gespannt, was Ihr berichten werdet:


In welchem Buch aus dem ersten Quartal 2026 habt Ihr am meisten gelernt?


Ich habe in den ersten drei Monaten von 2026 einige sehr spannende Bücher gelesen. Darunter waren auch etliche Sachbücher, die ja prädestiniert für diese Antwort sind. 

Ich glaube am meisten Neues mitgenommen habe ich aus "Cultish" von Amanda Montell.  In diesem Sachbuch wird erklärt, wie Sprache eingesetzt wird, um Menschen emotional zu binden und fanatische Gruppenzugehörigkeit zu erzeugen. Die Grundidee, dass nicht Ideologien allein, sondern vor allem sprachliche Mechanismen Fanatismus begünstigen, hat mich sofort angesprochen und ich habe mich gerne 309 Seiten lang mit der Autorin auf den Weg gemacht zu ergründen, wie dies geschieht. Besonders spannend fand ich die Abschnitte, in denen die Mechanismen kultischer Sprache auf andere gesellschaftliche Bereiche übertragen werden. Die Autorin arbeitet anhand von Beispielen aus Influencer-Kultur, CrossFit oder Pyramidensystemen heraus, dass fanatische Sprache nicht auf religiöse Kulte beschränkt ist, sondern ebenso in Marketing, Social Media, Politik, Sport, Lifestyle-Kults oder Multi-Level-Marketing-Strukturen eingesetzt wird. Eben in allen Bereichen, die das menschliche Verlangen nach einer starken Gruppenzugehörigkeit ausnutzen und Sprache subtil und gleichzeitig wirkungsvoll Sprache als Machtinstrument einsetzen, um Personen zu isolieren, Abgrenzung zu verstärken und Kritik zu delegitimieren...

Sonntag, 12. April 2026

Spotlight Sachbuch: Entromantisiert Euch!



Allgemeines

Titel: Entromantisiert euch!
Autorin: Beatrice Frasl
Verlag: Haymon Verlag (17. April 2025)
Genre: Feministisches Sachbuch
Seitenzahl: 277 Seiten
Link: Hier klicken!







Meine Eindrücke

Kaum etwas wird so beharrlich romantisiert wie die romantische Liebe. Wie sehr sie in Musik, Literatur und Film wird seit Jahrhunderten verklärt wird und gesellschaftlich als zentraler Baustein für ein erfülltes Leben gilt, wurde mir erst in den letzten Jahren klar. "Entromantisiert Euch!" von Beatrice Frasl setzt genau da an: diese Selbstverständlichkeit radikal zu hinterfragen, die romantische Liebe als soziales Konstrukt zu kritisieren, das insbesondere Frauen benachteiligt und dafür zu plädieren, lieber andere Formen der Liebe zu zentralisieren. 

"Wenn ich an Liebe denke, denke ich an meine Freund*innen!"