Donnerstag, 3. September 2026

Kurzrzension: Brigands & Breadknives


Die Fakten

Titel: Brigands & Breadknives
Autorin: Travis Baldree
Verlag: Tor (11. November 2025)
Genre: Cozy Fantasy
Seitenzahl: 336 Seiten
Weitere Bände: Legends & Lattes (Band 1)
Bookshops & Bonedust (Band 0.5)
Link: Hier klicken!




Der Inhalt

Jahrzehntelang hat Fern die Stille und die Stürme im Leben einer Buchhändlerin mal genossen, mal ertragen, aber jetzt, angesichts lähmender Langeweile, ist es Zeit für einen Neuanfang, und zwar in der Stadt Thune. Dort will die Rättin ihre Bücher künftig neben dem Café ihrer lange vermissten Freundin Viv verkaufen. Mit einem köstlichen Kaffee in der Hand schmökert es sich doch am besten! Und vielleicht heilen die Renovierungsarbeiten ganz nebenbei ihre Seelenpein gleich mit. Wenn die Dinge nur so einfach wären! Nach einer sehr langen feucht-fröhlichen Nacht erwacht die Rättin weit weg von zu Hause in Gesellschaft einer legendären Kriegerin, eines chaotischen Trolls mit einer Vorliebe für Tafelsilber und eines mörderischen Katers. Gemeinsam müssen sich die drei (oder manchmal vier) Gefährten gegen einen bösen Kobold zur Wehr setzen ... und dabei keinen Tropfen Kaffee verschütten.



Die Eindrücke

Handlung: Nachdem mir Anfang des Jahres "Legends & Lattes" so gut gefallen hat und mich in die gemütlichen Fänge des Cozy Fantasy Genres gezogen hat, wanderten die anderen Bücher von Travis Baldree natürlich auch sofort auf meine Leseliste für 2026. Mittlerweile habe ich die Novellen "Pages to Fill", "Goblins and Greatcoats" sowie das Prequel "Bookshops & Bonedust" gelesen, sodass mir nur noch "Brigands & Breadknives" gefehlt hat. In einem weiteren spaßigen Buddyread mit Sofia (yk, @sofiasworldofbooks) habe ich die Lücke nun endlich geschlossen und mich an die Geschichte von Fern gemacht, die wir schon aus "Bookshops & Bonedust" kennen. Wie bei den vorherigen Büchern von Travis Baldree ist die Geschichte sehr figur- und atmosphärenzentriert erzählt, sodass man für die Handlung einen langen Atem mitbringen muss. Mir gefällt allerdings sehr gut, dass der Autor hier von seinem bisherigen Erzählkonzept abweicht, in dem man jeweils einer Figur beim Ankommen an einem neuen Ort und dem Aufbau eines Ladens zusieht. Überraschenderweise geht es gar nicht um ihre neue Buchhandlung. Stattdessen begeben wir uns hier mit Fern auf ein ganz unerwartetes Abenteuer und sehen einiges von der bisher unentdeckten Fantasy-Welt... Ein hochspannender Pageturner ist es natürlich trotzdem nicht, aber der einfache, gemütliche Plot hält genügend Konflikte und Überraschungen bereit, strotz nur von Atmosphäre, süßem Humor und liebevollen Figuren, um über die knapp 336 Seiten gut unterhalten zu werden. 

"Always remember, although the unimaginative see life as a thread stretched from one point to another, birth to death, a life truly lived is a glorious tangle. One is never lost. And if one is lucky, one is never found, either."

Schreibstil: Dem Autor gelingt es erneut, in eine D&D-inspirierte Welt zu entführen und trotz minimalem Worldbuilding ein lebendiges Setting für seine Geschichte zu erschaffen. Dabei ist Travis Baldrees Erzählton wieder locker und herrlich alltäglich, was wunderbar zu der Geschichte passt und dafür sorgt, dass man sie am liebsten an einem Nachmittag lesen würde. Besonders die Sidekicks - hier die Goblindame Zyll sowie allerlei sprechendes Silberbesteck (sorry, Breadlee) - bringen dabei herrlichen Humor in die Geschichte. 

"That books are a weapon against loneliness. Putting them in the right hands lets people see one another. It makes us … better to one another. I think that’s a worthy thing to do."

Figuren: Etwas schade finde ich nur, dass es dem Autor nicht sonderlich gut gelungen ist, mir Ferns Lebenskrise nahezubringen. Die Rattkin-Dame steckt in einer Sinnkrise, die man wohl als klassische Midlife-Crisis beschreiben könnte: Sie ist mit ihrem bisherigen Leben unzufrieden, kann aber selbst nicht so recht benennen, was ihr eigentlich fehlt oder wohin sie stattdessen möchte. Grundsätzlich finde ich diesen Ausgangspunkt spannend, gerade weil Fern mit ihren 47 Jahren eben keine junge Heldin ist, die erst noch ihren Platz in der Welt finden muss. Leider blieb ihre Unzufriedenheit für mich über weite Strecken eher nerviges Beiwerk statt eines emotional nachvollziehbaren Konflikts. Auch ihre weitere Entwicklung blieb ein wenig flach - was ihr fehlte war eigentlich von Anfang an klar und das Ende war für mich nicht stimmig aufgelöst. Da hätte ich mir einfach etwas anderes gewünscht. Dafür sorgen die Nebenfiguren glücklicherweise für umso mehr Leben: Zyll ist mit ihrer chaotischen, liebenswerten Art ein echtes Highlight, die stoische Kriegerin Astryx muss man einfach gern haben und auch Nigel, Breadlee und natürlich Bucket, der heimliche Held des Romans, sind mir schnell ans Herz gewachsen. Mit dem süßen Found-Family-Trope, den die ungleiche DnD-Truppe bald verströmt, kann man der Geschichte gerne verzeigen, dass wir vergleichsweise wenig von den bereits bekannten Figuren sehen. Gerade von Viv hätte ich mir deutlich mehr gewünscht und auch auf einen kleinen Auftritt von Satchel hatte ich gehofft. So bleibt "Brigands & Breadknives" stärker für sich, als ich angesichts der Verbindung zu "Bookshops & Bonedust" erwartet hatte.

"I think for the first time in a long time, I wasn’t looking backward . . . or forward, either. So maybe I was looking at whatever is between those things."

Das Urteil

"Brigands & Breadknives" ist ein charmantes Cozy-Fantasy Abenteuer mit Found Family Trope und ungewöhnlicher Heldin, das sich wunderbar für ein paar entspannte Lesestunden eignet. Es ist vielleicht nicht mein persönlicher Favorit aus Baldrees Universum, aber allein für Zyll, Bucket und die vielen kleinen absurden Momente hat sich der Ausflug nach Thune gelohnt.

*keine WERBUNG, selbstgekauft*

 Quelle Informationen: Goodreads.de. Klapptexte und Zitate sind Eigentum des Verlags oder jeweiligen Rechtinhabers.

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