Mittwoch, 28. Januar 2026

Sammelrezension: The Time Traveler´s Passport


Auf die sechsbändige Kurzgeschichten Reihe "The Time Traveler´s Passport" bin ich ganz zufällig beim Stöbern auf Goodreads gestoßen, da ich bereits mehrere andere Bücher der mitwirkenden Autorinnen gelesen habe. Die rund um das Überthema Zeitreise angesiedelten Kurzgeschichten sind jeweils von einer anderen SchriftstellerIn verfasst und 30-40 Seiten lang. Bisher gelesen habe ich "Making Space" von R.F. Kuang und "A Visit to the Husband Archive" von Kaliane Bradley. 



Making Space

In „Making Space“ von R. F. Kuang nimmt ein kinderloses Ehepaar einen geheimnisvollen Jungen bei sich auf, den Jess verloren im Wald nahe ihres Hauses findet. Der Junge kann weder seinen Namen noch seine Herkunft erinnern, und schnell wird klar, dass etwas Unheimliches an ihm ist. Während Jess’ Mann zur Vorsicht mahnt, steigert sich Jess’ emotionales Engagement immer weiter, da sie sich verzweifelt ein Kind wünscht, bis sie schließlich vor einer radikalen Entscheidung steht, die Mutterschaft, Opferbereitschaft und Verantwortung gegenüber der Zukunft auf erschreckende Weise neu definiert... 

Das Leseerlebnis ist düster, beklemmend und gleichzeitig überraschend berührend. Die Geschichte verbindet intime emotionale Themen rund um unerfüllten Kinderwunsch und Mutterschaft mit subtilen Body-Horror-Elementen. R. F. Kuang gelingt es, Mitgefühl und Unbehagen parallel wachsen zu lassen, sodass man sich der Geschichte kaum entziehen kann. Trotz der dunklen Atmosphäre bleibt „Making Space“ seltsam liebenswert – eine kurze, intensive Erzählung, die nachhallt und schmerzhafte Fragen darüber stellt, wie viel wir bereit sind zu geben, um etwas zu lieben.

""Because you burned the world, and we suffered for it, and it's not fair that you get Eden and we have to choke. But I am here now, and I am going to make space."


A Visit to the Husband Archive

Kaliane Bradleys Kurzgeschichte „A Visit to the Husband Archive“ entführt in eine dystopische Zukunft, in der große Teile der Bevölkerung unter massiven Erinnerungslücken leiden. Als die Protagonistin Ester übber starke Unruhe und Fieber klagt, wird sie zum „Husband Archive“ geschickt, um einen erinnerungsimmunen Menschen als Begleiter auszuleihen. Sie trifft auf John, der sie mit etwas Merkwürdigem aus der alten Welt bekanntmacht: Bücher... Die 33 Seiten lassen kaum Zeit, die Lebenswelt der Figuren zu verstehen, geschweige denn ganz in dieses verstörende Zukunftsszenario einzutauchen, das man nur nach und nach zu verstehen beginnt. Die Grundidee ist so schräg und verwirrend wie originell und vielschichtig und hätte meiner Meinung nach wunderbar auch zu einem vollständigen Roman ausgearbeitet werden können. Insgesamt ist es eine kurze, aber eindrucksvolle Lektüre, die definitiv Lust auf mehr von Kaliane Bradley macht.

“Books,” John told her, a few days into his stay, “are a technology for importing, housing, and spreading ideas. Sometimes an idea takes a whole narrative and cast of characters to make itself understood. Sometimes it just needs one line, such as ‘Manuscripts don’t burn.”

Fazit

Eine hochinteressante Kurzgeschichtensammlung mit komplexen, intensiven Geschichten, die das Thema der Zeitreise verwenden, um existenzielle Fragen nach Verantwortung, Erinnerung, Körperlichkeit und Zukunft zu verhandeln.

*keine WERBUNG, selbstgekauft*

Quelle Informationen: Amazon.de. Klapptexte und Zitate sind Eigentum des Verlags oder jeweiligen Rechtinhabers.

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