Freitag, 9. Januar 2026

Serienempfehlung: Miss Sophie

Auf die Krimikomödie "Miss Sophie - Same Procedure as Every Year" war ich schon direkt nach der Verkündung gespannt. Die deutsche Produktion erzählt nämlich die Vorgeschichte zum Kult-Silvestersketch "Dinner for One", welches bei mir jedes Jahr nicht fehlen darf. Ohne große Erwartungen habe ich mich deshalb gleich im neuen Jahr an die 6 Folgen gemacht und wurde total positiv überrascht von dieser kurzweiligen und fantasievollen Serie!



Darum geht´s:


Als in England im Jahr 1918 die junge Miss Sophie (Alicia von Rittberg) erfährt, dass das Vermögen ihres Vaters aufgebraucht und ihr Schloss im Zuge einer Zwangsvollstreckung gepfändet werden soll, muss schnell ein Plan her. Obwohl sie ihre Unabhängigkeit schätzt, sieht sie keine andere Möglichkeit, als möglichst schnell einen reichen Mann zu heiraten. Und so lädt Miss Sophie fünf wohlhabende Kandidaten auf ihr Schloss ein: Der schüchterne Mr. Winterbottom (Frederick Lau), der ordnungsliebende Admiral von Schneider (Christoph Schechinger), der charmante Franzose Mr. Pommeroy (Moritz Bleibtreu), der attraktive Ungar Graf Szabos (Vladimir Korneev) und der Amerikaner Sir Toby (Jacob Matschenz) sollen in unterschiedlichen Challenges das Herz von Miss Sophie erobern. Als wäre dies nicht schon genug, erschüttert auch ein Mordfall die Heiratskandidaten und Miss Sophie muss sich gemeinsam mit ihrem treuen Butler James (Kostja Ullmann), der einst Sophies große Liebe war, bevor er ihr sieben Jahre zuvor das Herz brach, auf die Suche nach dem Mörder begeben. Ist es etwa einer ihrer Heiratskandidaten? 




Das denke ich zur Serie:


„Miss Sophie – Same Procedure as Every Year“ ist eine kurzweilige Mischung aus Komödie, Krimi und Romanze, die sich an den legendären Sketch "Der 90. Geburtstag oder Dinner For One“ von 1962 heranwagt. Statt den Kultsketch einfach zu erklären oder zu kopieren, interpretiert sie dessen Vorgeschichte auf originelle und überraschend abwechslungsreiche Weise. Wer sind die Herren  Sir Toby, Mr. Winterbottom, Admiral von Schneider und Mr. Pom­meroy, für die in „Dinner for One“ gedeckt ist? Woher kommt die Tradition, dass sich alle an Miss Sophies Geburtstag versammeln und die Gratulantin mit rauen Mengen von Alkohol ins neue Lebensjahr geleiten? Was verbindet Sophie und James? Auf diese Fragen wird in sechs Folgen á 45 Minuten eine launige Antwort gegeben. 

Die generelle Umsetzung des Erzählstoffes hat mir also sehr gut gefallen. Zwar lassen sich einzelne Wendungen erahnen, insgesamt ist die Handlung jedoch so verschachtelt und verspielt konstruiert, dass sie über alle sechs Folgen hinweg trägt und deutlich mehr bereithält, als man zu Beginn vermutet. Es gab allerdings auch einige Punkte, bei denen ich mehr erwartet hätte. Der Bogen zum Sketch wird erst in der letzten Szene geschlossen und bleibt auch hier nur angedeutet. Ich hätte mir mehr Mut zu konkreten Anspielungen zu bekannten Zitate, den ikonischen Speisen und Getränken des Sketches oder die Geschichte hinter dem berühmten Tigerkopf-Teppich, über den James stolpert, gewünscht. 

Der größte Pluspunkt der Serie ist allerdings ihr Humor. Er ist bewusst klamaukig, teilweise überdreht und schreckt auch vor Albernheit nicht zurück – ganz ähnlich wie das Original. Wer feinen britischen Humor erwartet, liegt hier falsch. Stattdessen setzt die Serie auf Slapstick, Situationskomik und eine frivole Leichtigkeit, die irgendwo zwischen „Downton Abbey“ und „Sketch History“ angesiedelt ist. Dies wird ganz sicher nicht allen gefallen, ich fand die Unverkrampftheit aber herrlich spaßig. Toll sind übrigens auch die vielen modernen Anspielungen und Popkultur-Referenzen, die in die Geschichte miteingebaut sind und sie noch lebendiger machen.

Apropos lebendig. Auch die Figuren sind herrlich lebendig und trotz klarer Überzeichnung und bekannter Typenklischees erstaunlich liebenswert. Das Ensemble aus deutschen Schauspieler*innen und Comedians spielt sichtbar mit Freude, was sich direkt auf den Spaßfaktor überträgt. Vor allem Mr. Pommeroy sticht hervor und sorgt mit seinem charmanten Auftreten, dem falschen französischen Akzent und perfektem Timing für viele der besten Momente. Auch das Zusammenspiel zwischen Miss Sophie und Butler James gibt der Geschichte eine emotionale Ebene, die verhindert, dass die Serie zur reinen Klamotte verkommt. 

Optisch überzeugt „Miss Sophie“ ebenfalls. Die Drehorte in Berlin, Brandenburg und vor allem im Schloss Marquardt sind stimmungsvoll gewählt und vermitteln glaubhaft den englischen Adel zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Kostüme und Musik unterstützen diese Atmosphäre hervorragend und zeigen, dass hier viel Liebe zum Detail eingeflossen ist. Die starken Farben und üppigen Schauplätze passen dabei ganz hervorragen zur sowieso bis zum Anschlag aufgedrehten Geschichte und sorgen dafür, dass die Zeit wie im Flug vergeht. 

Mein Urteil:

Unterm Strich ist „Miss Sophie – Same Procedure as Every Year“ vor allem eines: purer Spaß. Die Serie nimmt sich selbst nicht zu ernst, spielt kreativ mit ihrer Vorlage und beweist, dass deutsche Produktionen durchaus den Mut haben dürfen, bekannte Stoffe neu zu denken. Trotz kleiner Schwächen ist sie kurzweilig, liebevoll inszeniert und über weite Strecken sehr lustig und damit eine klare Empfehlung für alle, die Lust auf eine etwas andere Krimikomödie haben.


Zum Trailer:



Bild-Quellen: Moviepilot.de

4 Kommentare:

  1. Ist ja nen Ding. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass die Serie was mit Dinner for One zu tun hat. Aber jetzt, wo Du die Serie vorgestellt hast, macht das durchaus Sinn :)

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    1. Hey Frank,

      ich war auch ganz überrascht, als ich die Vorschau für die Serie gesehen und dann die Verknüpfung hergestellt habe. Wie gesagt fand ich es eine großartige Idee, die Vorgeschichte zum Sketch zu erzählen und (trotz deutscher Produktion) die Umsetzung war auch sehr überzeugend.

      Liebe Grüße
      Sophia

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  2. Liebe Sophia

    Vielen Dank für den Serientipp, die Serie ist mir noch überhaupt nicht begegnet. Wir nutzen aber aber auch kein Prime, sondern holen uns ab und zu einen gratis Probemonat, wenn wir mal Lust auf eine Prime-Serie haben, das könnte hier der Fall sein ;-)

    Alles Liebe für dich
    Livia

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    1. Hey Livia,

      ich fand auch, die Serie ist ziemlich unter dem Radar geflogen, aber natürlich auch noch nicht so lange erschienen. Viel Werbung habe ich dafür nicht gesehen und da sie denke ich vor allem für ein deutsches Publikum produziert wurde, habe ich sie auch online selten gesehen. Ich habe auch nur sporadisch ein Prime Abo, immer mal wieder wenn sich ein paar interessante Titel angesammelt haben :)

      Liebe Grüße
      Sophia

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