Montag, 16. Februar 2026

Montagsfrage #201 - Liebe in Büchern?

Hallöchen,

ich bin ja kein Fan des Valentinstags (kapitalistische Ausschlachtung von Liebe und unnötige Erwartungen, die von außen an Beziehungen herangetragen werden), dieses Jahr hat er mich aber doch zu einer Montagsfrage inspiriert:


Welche Form von Liebe kommt in Büchern für Euch zu kurz?


Klassische Liebesgeschichten gibt es ja wie Sand am Meer und in beinahe jedem Buch über Genregrenzen hinweg kommt romantische Liebe zumindest am Rande vor. Oft wirkt sie dabei fast wie eine Pflichtübung und zwei Figuren müssen sich finden, egal ob es für die Geschichte wirklich relevant ist oder nicht. Figuren entwickeln sich häufig vor allem in Hinblick auf ihre Partnerschaft, Konflikte werden primär über romantische Spannungen erzählt, und alle anderen sozialen Bindungen scheinen nur Dekoration zu sein. Auch wenn ich nach wie vor gerne im Romance Genre unterwegs bin (wenn auch nicht mehr ganz so viel wie noch vor einigen Jahren), frage ich mich deshalb immer häufiger, ob dieser starre Fokus auf romantische Liebe in Büchern notwendig ist?

Ich denke, hier bildet sich das generelle gesellschaftliche Phänomen ab, die romantische (zumeist auch heterosexuelle) Liebe stark zu überhöhen und als absolutes Endziel der Erfüllung in den Mittelpunkt zu rücken. Als Single gilt man schnell als traurig oder einsam, als geschiedene Person als gescheitert, und wer grundsätzlich keine Beziehung eingehen möchte, mit dem stimmt doch definitiv etwas nicht. Von klein auf lernen viele, dass das Ziel im Leben die romantische Partnerschaft ist, als ob alle anderen Formen von Bindung und Liebe, sei es Freundschaft, Familie oder Selbstliebe, zweitrangig wären. Gleichzeitig wird ein extremes Bild normalisiert, in dem ein Mensch zum Zentrum des gesamten Lebens wird, während Freundschaften, Hobbys, berufliche Ziele oder persönliche Entwicklung in den Hintergrund treten. Die Vorstellung, dass man „alles andere“ für die Liebe aufgibt, wird oft romantisiert, obwohl sie in der Realität weder nachhaltig noch gesund ist.

Das Schlagwort der Dezentralisierung der romantischen Liebe, ist mir deshalb ein Anliegen, das man auch auf Bücher beziehen kann: Ich würde mir wünschen, dass Bücher häufiger andere Formen von Liebe in den Mittelpunkt stellen. Warum nicht einmal von einer engen Freundschaft, die genauso verbindlich und tief ist wie eine romantische Beziehung, erzählen? Oder die Beziehung zwischen Geschwistern ausführlich ausleuchten? Auch Eltern-Kind-Beziehungen, die Liebe zu einem Haustier, oder die Suche nach einer Wahlfamilie bieten enormes erzählerisches Potenzial und kommen trotzdem oft zu kurz oder laufen nur am Rand mit. Oder wie wäre es denn mit Selbstliebe!? 

Und falls das Argument lautet, dass sich solche Geschichten schlechter verkaufen, dann wünsche ich mir zumindest innerhalb klassischer Liebesgeschichten mehr Mut und Einfallsreichtum, queere Liebe abzubilden, von Klischees abzuweichen und gesunde Beziehungen statt Drama zeigen!

Mich interessiert deshalb sehr: Welche Form von Liebe vermisst ihr in Büchern? Und gibt es vielleicht Geschichten, die es besonders gut geschafft haben, diese anderen Bindungen in den Fokus zu rücken?

Wie seht Ihr das?

Liebe Grüße
Sophia

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Büchernarr
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Nächste Woche bei der Montagsfrage: 

Zählen für Euch Hörbücher zum Medium Buch dazu (Kiras kleine Leseecke)?

16 Kommentare:

  1. Schönen guten Morgen!

    Das ist mal eine ganz tolle Frage von dir und du hast sie auch schon so beantwortet, was mir durch den Kopf gegangen ist: Freundschaft zum Beispiel - das ist so wichtig und wird meist nur in den Nebenhandlungen "abgespeist" oder es erwächst Liebe daraus. In Kinderbüchern ist Freundschaft natürlich mehr im Fokus, warum nicht in Erwachsenenbüchern?
    Auch deine anderen Beispiele kommen viel zu wenig vor, da bin ich genau deiner Meinung!

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Huhu Aleshanee,

      vielen Dank dir! Genau, das finde ich eben auch. Es gibt zwar immer mehr Bücher ohne klassische Liebesgeschichte, in denen Found Family oder Freundschaften eine wichtige Rolle spielen, aber das sind eben einzelne Ausnahmen in einem großen Meer an Romanzen. Da Geschichten ja auch abseits von Kindergeschichten das Potenzial haben zu prägen, wie wir die Welt wahrnehmen, finde ich, gibt es da Ausbaupotenzial.

      Liebe Grüße
      Sophia

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  2. Guten Morgen Sophia und in die Runde,

    ja, der Valentinstag ist mir auch ein Graus geworden. Was aber ehrlich gesagt auch daran liegt, dass mir diese erzwungenen Liebesbekundungen zuwider sind. Was allerdings die wenigsten wissen, dass auch der Valentinstag ein christlich geprägter ist (mehr dazu unter meiner Rezension Love and be loved).

    Ich lese viel Querbeet, weshalb ich keine Form der Liebesgeschichte vermissen. Das dürfte auch daran liegen, dass ich viele Graphic Novels lese und die meisten aus Frankreich kommen. Und dort geht man bekanntlich mit der liebe etwas anders um ;)

    Hier geht es zu meiner vollständigen Antwort.

    Karnevalistische Grüße
    Frank

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    1. Hey Frank,

      huch, ich hatte beim Vorbereiten der Frage ganz vergessen, dass ja heute Rosenmontag ist :) Ich war das Wochenende über Skifahren und habe von Fasnacht/Karneval wirklich gar nichts mitbekommen. Aber ich bin ja sowieso eigentlich nie närrisch unterwegs... Da bin ich aktuell eher im Olympia-Fieber, aber zurück zum Thema...

      Die Frage Realismus vs. Eskapismus stellt sich bei Liebesgeschichten ja immer und ich finde da hat auch beides seine Daseinsberechtigung. Ich finde das Romance-Genre aber auch oft ein bisschen rigide. Umso besser, dass du da eine ganz abwechslunsgreiche Mischung zu haben scheinst....

      Liebe Grüße
      Sophia

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  3. Hallo liebe Sophia,

    nun ich besitze einen Roman mit der für heutige Begriffe klassischen Liebesschnulze....wohin der Sturm uns trägt...vonKathleen E. Woodiwiss .
    Und wenn ich es brauche lese ich sie auch gerne......für mich ein wiedergutelaune machender Roman....augenzwickern....ist mein persönlicher Geschmack.

    Sonst darf jeder Valentinstag feiern oder auch nicht....und das er kirchlich geprägt ist, finde ich persönlich nicht schlimm, denn für manches ist auch die Kirche durchaus mal gut oder?


    Hellau.......LG...Karin....

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    1. Wobei die Kirche hier einen alten Brauch mal wieder umgemodelt hat, denn der Valentinstag hatte damals einen ganz anderen, heidnischen Hintergrund und hieß natürlich auch nicht so ;)

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    2. Hey Karin,

      ich lese auch gerne ab und zu richtige "Schnulzen". Ich wollte das auch gar nicht abwerten - im Gegenteil finde ich die Abwertung des Romance Genres auch ziemlich fragwürdig. Ich finde nur schade, dass andere Formen der Liebe oftmals Nischenthemen bleiben.

      Liebe Grüße
      Sophia

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    3. Über den Ursprung des Valentinstags wusste ich bisher gar nichts, das ist ja sehr interessant :)

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  4. Irgendwie lese ich ganz viele Bücher, bei denen neben der romantischen Liebe auch oft eine Gemeinschaft oder eine Gruppe die zusammenwächst eine wichtige Rolle spielen. Daher ist mir zur heutigen Frage auch nicht so viel eingefallen, denn ich mag diese Kombi gerne und dann ist oft auch eine gewisse Vielfalt an Beziehungen geboten.

    Ich hatte in letzter Zeit immer mal wieder Bücher, bei denen die Handlung in einem kleinen Ort spielt, aber null der Dorfgemeinschaft in der Geschichte sichtbar wird. Das finde ich dann nicht so toll. In kleinen Orten lebt doch niemand ganz für sich alleine. Und genau diese Gemeinschaft macht Bücher die in kleinen Orten spielen ja erst interessant.

    Mal schauen, nächste Woche bin ich dann auch wieder mal mit einem Beitrag dabei.

    Gruß
    Gitti

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    1. Hey Gitti,

      ich liebe Found Family Bücher aller Genres, in denen man eine zusammengewürfelte Gemeinschaft verfolgt, wie sie zusammenwachsen. Das finde ich in Romance, Fantasy oder Romanen immer toll und lese das sehr gerne. Vor allem am Cosy Fantasy Genre hat mir das sehr angetan, da man da oft genau diese Dorfgemeinschaft hat, die du beschrieben hast.

      Liebe Grüße und bis nächste Woche
      Sophia

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  5. Hallo Sophia^^

    Da ich allgemein gerne Romance lese, ist mir in den letzten Jahren auch das eine oder andere aufgefallen, dass es irgendwie noch nicht so stark vertreten gibt: https://blog.kiranear.moe/2026/02/montagsfrage-382.html

    Liebe Grüße,
    Kira

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    1. Hey Kira,

      da hast du absolut recht! Mehr Greenflag-Romance und Best-Friends-to-Lovers, und natürlich mehr queere (besonders saphic) Romance wäre auch mein Wunsch! Da gehe ich total mit!

      Liebe Grüße
      Sophia

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  6. Huhu Sophia,

    ich komme jetzt auch endlich mal dazu, deinen und andere Beiträge zu lesen und zu kommentieren :')
    Du hast natürlich recht mit allem, was du schreibst. Ich habe mir beim Lesen die Frage gestellt, wie sehr all das, was du ansprichst, wohl auch mit dem Patriarchat zu tun hat. Ich habe den Eindruck, gerade gegenüber Frauen wird es suggeriert, dass es *das* Ziel im Leben ist, wie du sagtest, den einen Partner (hier bewusst das Maskulinum gewählt) zu finden und eine Familie zu gründen. Ich will das jetzt gar nicht so weit ausufern lassen (du kennst ja meine Ansichten lol), aber ich denke, dass Vieles damit zusammenhängt.
    Ich finde trotzdem, dass immer mehr Bücher auf den Markt kommen, die eben nicht die (heteronormative) romantische Liebe zentralisieren hehe.

    Hier meine Antwort, die du ja schon gefunden hast, aber der Vollständigkeit halber und so.

    Liebe Grüße
    Sofia ♥
    (Blog & Instagram)

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    1. Huhu,

      ich denke, das hat 100% mit dem Patriarchat zu tun (wie sonst auch fast alles, lol). Ich habe in den letzten zwei Jahren viel zu viel feministische Literatur gelesen, um das weiterhin zu übersehen. Bei Romance Genre finde ich zeigt sich das besonders deutlich. Hier ist zweierlei Heuchelei am Start. Auf der einen Seite werden durch dieses Genre stark Geschlechterrollen und die Zentralisierung der heteronormativen Liebesbeziehung zementiert (was ich ja in meinem Beitrag kritisiert habe). Auf der anderen Seite wird das Genre aber auch häufig abgewertet als "Chick Lit" und nicht ernstzunehmende Literatur. Also hat man also eigentlich verloren, egal, ob man als Frau gerne Romance liest oder nicht.

      Liebe Grüße
      Sophia

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