Montag, 5. Februar 2024

Serienempfehlung: Percy Jackson and the Olympians

Auf die brandneue Percy Jackson Serie auf Disney Plus freue ich mich schon seit der Ankündigung vor mehr als drei Jahren wahnsinnig! Schon von den Büchern von Rick Riordan bin ich ein großer Fan und habe vorletztes Jahr extra einen Reread gemacht. Über die vergangenen eineinhalb Monate verteilt sind die acht Episoden der ersten Staffel nach und nach erschienen. Nachdem ich das Finale gestern Abend geschaut habe, kommt nun mein vorläufiges Fazit nach Staffel 1. Mein Urteil zur mittlerweile ebenfalls erschienen zweiten Staffel findet Ihr am Ende des Beitrags.

Darum geht´s:

Percy Jackson (Walker Scobell) kann es nicht fassen: Sein verschwundener Vater ist der Meeresgott Poseidon! Plötzlich ergibt alles einen Sinn: sein Verständnis der griechischen Sprache, seine Affinität zu Wasser und vor allem, warum ihn ständig irgendwelche Monster aus der griechischen Mythologie verfolgen! Doch zum Glück findet er in Camp Half-Blood, dem Zufluchtsort für Halbblute wie ihn, treue Freunde: Annabeth (Leah Jeffries), die Tochter der Athene und Grover (Aryan Simhadri), den Satyr. Diese begleiten ihn bei seinen Abenteuern im Kampf um den Olymp... 


Das denke ich zur Serie:

Das Schauen der Serie war für mich ein großes emotionales Auf und Ab zwischen Vorfreude, Begeisterung, Warten auf die nächste Folge, Hoffen, Enttäuschung, Nostalgie und Spaß. Dadurch, dass ich die Geschichte schon durch die Bücher und die beiden Verfilmungen kenne, waren die Hoffnung groß und die Vergleichsobjekte zahlreich. Insgesamt ziehe ich nun ein sehr positives Fazit, auch wenn nicht alle meine Erwartungen erfüllt wurden.

Zunächst kann ich positiv festhalten, dass die Handlung der Serie DEUTLICH näher an der Originalhandlung der Bücher liegt als die beiden Verfilmungen 2010 und 2013 durch 20th Century Fox. Dadurch dass der Autor als Co-Autor und ausführender Produzent selbst mitgewirkt hat und damals kein großer Fan der Filme war, war mir eigentlich fast klar, dass wir es hier mit einer deutlich detailgetreueren Adaption zu tun haben werden. Das beginnt schon bei der grundlegenden Tatsache, dass die Serie anders als die Filme die Originalzielgruppe und das Genre der Buchreihe beibehält: nämlich ein Kinder-Fantasy-Abenteuer. Während Percy Jackson für das Actionkino der Filme bereits 16 Jahre alt war, ist er hier zu Beginn des Abenteuers 12 Jahre alt. Dadurch hat die Serie natürlich nicht den dichten und dramatischen Spannungsbogen der Filme, sondern eher den lockeren, humorvollen, jugendlichen Vibe einer Kinderserie. Dennoch können auch erwachsene Fans großen Spaß mit der Serie haben, wie mein Bruder und ich im Selbstexperiment bestätigen können...

Dass die Serie näher an der Vorlage bleibt, bedeutet allerdings nicht, dass jede Szene genauso wie im Buch passiert. Die Handlung leistet sich durchaus einige kleinere Änderungen, die manchmal winzige Details (z.B. Percy erhält vier Perlen für das Verlassen der Unterwelt und verliert eine, statt von vornherein nur drei zu bekommen) bis hin zum Ausgang ganzer Folgen (z.B. das Finden des Herrscherblitzes und das Aufeinandertreffen mit Hades) betreffen. Die Änderungen sind meiner Meinung nach aber alle sehr stimmig gewählt und tragen zu einer Modernisierung und Abrundung des Erzählstoffes bei. So werden zwar nicht 1:1 die Ereignisse des ersten Bandes "Diebe im Olymp" nacherzählt, es ist aber eine upgedatete Adaption, die dem sehr nahekommt.

Neben der Handlung sieht man auch der Optik der Serie an, dass der Autor mitgewirkt hat. Zwar sind viele Szenen nicht ganz so bildgewaltig wie die Filme, dennoch springt Positiv ins Auge, dass vieles wirklich genauso abgebildet war, wie ich es mir beim Lesen vorgestellt habe. Von den kleinen Details wie den Perlen um die Hälse der jungen HeldInnen über die orangenen Camp-T-Shirts bis hin zu den größeren Aspekten wie Fabelwesen, dem Olymp oder der Unterwelt finde ich den Look der Serie sehr gut gelungen. Auch der Abspann jeder Folge ist ein wahres Kunstwerk (Ausschnitt siehe rechts)...

Besonders hervorheben möchte ich auch, dass ich den Cast für sehr gelungen halte. Falls Ihr das nicht mitbekommen habt: die Besetzung hat vorab für große Diskussionen gesorgt, die zum Teil auch unschöne Auswüchse hatte. Diese drehten sich vor allem darum, dass die Besetzung deutlich ethnisch diverser ist, als das in der Buchreihe von 2005 vorgesehen war (wie bei so vielen Büchern dieser Zeit waren die Hauptfiguren fast ausschließlich weiß). So wird zum Beispiel die zweite Hauptfigur Annabeth von einer Person of Color gespielt und musste sich nach der Verkündung ihrer Besetzung leider mit rassistischen Anfeindungen auseinandersetzen. Ich persönlich finde toll, dass sich der Autor und das Produktionsteam dazu entschieden haben, mit der Zeit zu gehen und (anders als andere große Franchises) auf einen diversen, bunten Cast zu setzen, der die Vielfalt unserer Gesellschaft widerspiegelt. Denn wem tut es denn weh, wenn eine Figur nicht blond und weiß ist, sondern nun eine dunklere Hautfarbe hat? Richtig: niemandem. Im Gegenteil: Repräsentation sorgt dafür, dass die Kinder von heute mit einem anderen Selbstbewusstsein und Weltverständnis aufwachsen. Aber lassen wir das... Fest steht: auch abgesehen von der Oberflächlichkeit der Hautfarben finde ich alle Hauptfiguren ganz wunderbar besetzt. Ich freue mich riesig darauf zu sehen, wie die drei HauptdarstellerInnen in den kommenden Staffeln (die hoffentlich tatsächlich kommen werden!!!) weiter in ihre Rollen hineinwachsen und genau wie ihre Figuren älter werden, während sie die Abenteuer von Percy, Grover und Annabeth zum Leben erwecken!

Zum Ende meiner Serienempfehlung muss ich allerdings noch einen Kritikpunkt loswerden. Denn mit den acht ca halbstündigen Folgen war die Serie trotz der Wartezeiten zwischen den einzelnen Folgen ein eher kurzes Vergnügen. Addiert man die einzelnen Folgen auf, kommen wir natürlich auf eine höhere Spielzeit als einen Film, dennoch finde ich, dass viele Szenen etwas knapp geraten sind und die Geschichte noch mehr auserzählt hätte werden können. Ich hatte das Gefühl, dass vieles nur oberflächlich gestreift wurde und wir etwas durch die Heldenreise durchhetzen. Für ausgewählte Aspekte nimmt sich die Serie zwar Zeit - beispielsweise um durch Rückblicke die Beziehung zwischen Percy und seiner Mutter zu stärken -, insgesamt darf sich aber gerne noch mehr Tiefe entwickeln. Besonders für Personen, die die Handlung, die Figuren und das Worldbuilding noch nicht kennen finde ich das Erzähltempo dieser ersten Staffel etwas zu hoch. Das allerdings nur als Kritikpunkt am Rande, denn als großer Fan hätte ich natürlich auch eine doppelte Spielzeit ohne Zögern weggebinged... 


Ergänzungen zu Staffel 2: Zwei Jahre nach der ersten Staffel ist Ende 2025 bis Anfang 2026 eine neue Staffel mit weiteren acht Folgen erschienen, die die Handlung von "Im Bann des Zyklopen" abdeckt. Ich bin weiterhin ein großer Fan der Serie und von Staffel 2 nochmal deutlich mehr überzeugt als von den ersten Folgen. Aufgrund der Wartezeit sind die Darsteller deutlich älter geworden, was sich vor allem in den drei HauptdarstellerInnen bemerkbar macht, die nun nicht mehr kindlich, sondern jugendlich aussehen. Passend dazu ist auch die Handlung deutlich spannungsgeladener, epischer und sieht merkbar bildgewaltiger aus. Es scheint, als hätte Disney hier deutlich tiefer in die Taschen gegriffen, als noch in der ersten Staffel, um das Abenteuer des zweiten Bandes zum Leben zu erwecken. Egal ob ein Kreuzfahrtschiff voller Ungeheuer, Wagenrennen im Camp, das Meer der Ungeheuer, Circes Insel oder Polyphems Höhle - hier schreit geradezu alles nach einem riesigen Produktionsbudget. Dementsprechend hoch war für mich auch das Sehvergnügen und ich kann mich den begeisterten Stimmen nur anschließen. Worüber online allerdings heiß diskutiert wird, sind die Änderungen der Handlung, die die Screenwriter auch in dieser Staffel gemeinsam mit Autor Rick Riordan vorgenommen haben (z.B. die Sirenen-Szene oder Thalias Erwachen). Auch wenn sich mir der Hintergrund mancher Änderungen noch nicht ganz erschlossen hat, fand ich sie nicht störend - anders als die Filme respektiert die Serie die Vorlage durchaus und nimmt sich nur die Freiheit für behutsame Anpassungen - und bin gespannt, worauf das Drehbuch für die weiteren Staffeln abzielen soll. Staffel 3 ist zum Glück schon auf das Ende von 2026 angekündigt! 


Mein Urteil:

Eine in meinen Augen sehr gelungene Adaption, die Handlung, Figuren, Look und Atmosphäre der Buchreihe wunderbar aufgreift und endlich die richtige Zielgruppe anspricht. Zwar hätte manches noch ausführlicher sein können, insgesamt bin ich aber super zufrieden mit dem temporeichen, charmanten, humorvollen und bunten Fantasy-Abenteuer!


Zum Trailer:


Bild-Quellen: Moviepilot.de

2 Kommentare:

  1. Schönen guten Morgen!

    Wieder eine ganz tolle Vorstellung zu der neuen Serie!
    Ich hab ja die Bücher leider noch nicht gelesen - hab mir damals aber den Film zu Band 1 angeschaut. Den fand ich zwar ganz gut, aber auch nicht so umwerfend... In die Serie hab ich deswegen jetzt auch mal reingeschaut, aber so ganz packen konnte sie mich nicht. Hab aber auch nur 2 Folgen angeschaut ;)
    Vielleicht schau ichs mir an, wenn ich die Bücher gelesen hab.

    Deinen Beitrag hab ich heute auch gerne in meiner Stöberrunde verlinkt :)

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Huhu Aleshanee,

      vielen Dank mal wieder, das freut mich sehr! Die Filme fand ich losgelöst von den Büchern gar nicht so schlecht - gute Besetzung, toller Look, temporeiche Handlung -, aber leider haben sie sich so weit von der Handlung der Bücher entfernt, dass man sie als Fan der Reihe natürlich nicht wirklich mögen kann. Anders jetzt die Serie! Ich kann verstehen, dass sie dich vielleicht nicht so ganz packen konnte - die Zielgruppe ist ja nun auch deutlich jünger als die der Filme. Spaß mit der Serie werden vor allem Kinder und Fans der Bücher haben. Ich kann dir also empfehlen, vielleicht doch erst in die Bücher reinzulesen und danach die Serie zu schauen. Mit etwas Glück gibt es dann auch schon eine Staffel mehr ;-)

      Liebe Grüße
      Sophia

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