Freitag, 21. August 2026

Klassiker Challenge: Sonderbares vom Kurfürstendamm


Nachdem "Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke" bei mir einen eher gemischten Eindruck hinterlassen hat, ich aber ein großer Fan seiner Kinderbücher bin, habe ich beschlossen, mir im Rahmen meiner Klassiker Challenge noch "Sonderbares vom Kurfürstendamm" von Erich Kästner vorzunehmen. Auf 209 Seiten sind hier Gedichte, Essay, sowie Romanauszüge des Autors gesammelt, die alle um die Stadt Berlin kreisen...


Eindrücke

Erich Kästner zeichnet hier ein lebendiges, manchmal skurriles und oft augenzwinkerndes Bild von Berlin zwischen den 1920er- und 30er-Jahren. Als Reporter, Beobachter und Nachtschwärmer war er mitten im Berliner Großstadtgetümmel der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unterwegs und berichtet in unzusammenhängenden Texten von seinen Erfahrungen und Gedanken zu Orten und Bewohnern. Manche Passagen lesen sich dabei wie entspannte Streifzüge durch die Stadt, andere beobachten ihre Bewohner mit viel Witz und einer guten Portion Ironie. Zum Ende hin verändert sich der Ton und die Texte werden ernster, beschäftigen sich mit dem aufkommenden Nationalsozialismus, der Bücherverbrennung und den Trümmern der Nachkriegszeit. So werden eine Stadt und eine Zeit auf interessante Art zum Leben erweckt und die Texte lesen sich beinahe wie aus einer Zeitkapsel. 

"Im Osten regiert das Verbrechen, im Zentrum die Gaunerei, im Norden das Elend, im Westen die Unzucht und in allen Himmelsrichtungen wohnt der Untergang."

Allerdings muss ich auch hier wieder anmerken, dass beim Lesen die 100 Jahre, die zwischen mir und Erich Kästner liegen, immer wieder evident werden. Während mir Bodyshaming und sexistische Darstellungen zwar unangenehm, aber angesichts des Alters des Textes wenig überraschend, aufgefallen sind, habe ich kein Verständnis dafür, dass auch in der 2023 erschienenen Ausgabe mehrfach das N-Wort unkommentiert abgedruckt wird. Historische Texte einzuordnen und in ihrem zeitlichen Kontext zu lesen, ist für mich etwas anderes, als eine solche Sprache in einer modernen Ausgabe einfach stehen zu lassen.

"Morgen vielleicht reisst man alles wieder ein und baute Neues. Hier führen alle Türen ins Nichts, ins Gerümpel, zwischen Balken und Kulissen."

Fazit

Insgesamt hat mir „Sonderbares vom Kurfürstendamm“ besser gefallen als Kästners „Lyrische Hausapotheke“. Vor allem als literarisches Zeitdokument bietet die Sammlung interessante Einblicke in das Berlin der Weimarer Republik und zeigt zugleich eine ernstere, politische Seite des Autors, die mir bislang weniger bekannt war.

*keine WERBUNG, selbstgekauft*

Quelle Informationen: Amazon.de. Klapptexte und Zitate sind Eigentum des Verlags oder jeweiligen Rechtinhabers.

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