Allgemeines
Titel: Unshame: Wie wir uns von Idealen befreien und den weiblichen Körper wertschätzen
Autorin: Louisa Dellert
Verlag: Ullstein Verlag (25. Juni 2026)
Genre: Sachbuch
Seitenzahl: 305 Seiten
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Meine Eindrücke
In ihrem neusten Buch "Unshame", analysiert die ehemalige Fitnessinfluencerin Louisa Dellert, die mittlerweile Aufklärungsarbeit leistet und ein Buch-Café leitet, wie Schönheitsindustrie und Patriarchat Frauen systematisch verunsichern. Ihr Ziel ist, den (weiblichen) Körper nicht mehr als Baustelle, sondern als Zuhause zu betrachten, die tief verwurzelte Scham loszulassen und sich von Idealen zu befreien, die nichts mit Gesundheit und Schönheit zu tun haben. In knapp 300 Seiten, die sich gleicheitig als Ratgeber, politischer Aktivismus und Sachbuch verstehen, zeigt sie auf, wer von unseren Unsicherheiten profitiert und weshalb es so schwer ist, sich von gesellschaftlichen Erwartungen zu lösen.
Es ist nicht das erste Buch, das ich zum Thema Schönheitsnorm, Patriarchat, Diätkultur, Body Positivity und Befreiung lese, aber bis jetzt mit Abstand das gelungenste. Egal ob "Body Politics", "Unlearn Partiarchy" oder "Fleischmarkt", Autorinnen wie Tara-Louise Wittwer, Laurie Penny oder Florence Given, Sachbücher, Ratgeber oder Essays - auch wenn ich viel mitgenommen habe, hatte ich fast immer etwas auszusetzen. Entweder war mir die Perspektive zu einseitig oder zu plakativ, zu persönlich oder zu nüchtern, zu privilegiert und nicht inklusiv genug oder komplexe Zusammenhänge wurden zu stark vereinfacht.
Louisa Dellert gelingt es in „Unshame“ dagegen, genau die richtige Balance zu finden und den richtigen Ton zu treffen. Sie schreibt sachlich und fundiert, gleichzeitig aber herzlich und einfühlsam. Trotz der ernsten Themen strahlt das Buch damit eine große Wärme aus. Ihr gelingt es, komplexe Zusammenhänge verständlich und differenziert zu erklären, ohne dabei zu vereinfachen oder unnötig viele Fachbegriffe zu verwenden. Außerdem verbindet sie aktuelle Beispiele mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und gibt Denkanstöße, ohne einfache Lösungen oder ein Allheilmittel zu versprechen. Sie nähert sich den Themen informativ, einfühlsam und empowernd! Und zuletzt denkt sie unterschiedliche Lebensrealitäten mit, bezieht verschiedene Ethnien, Geschlechter und sexuelle Orientierungen und macht somit immer wieder deutlich, wie wichtig ein intersektionaler Blick auf Feminismus und Körperbilder ist.
Kurz gesagt: Louisa Dellert bringt das Thema hervorragend auf den Punkt. Dabei erzählt „Unshame“ gar nicht unbedingt etwas grundlegend Neues – wer sich bereits mit diesen Themen auseinandergesetzt hat, wird vermutlich gar keinen riesigen Erkenntniszuwachs haben. Doch das ist an dieser Stelle auch gar nicht notwendig. Es braucht gar keine großen neuen Theorien oder Erleuchtungen, sondern Bücher, die was wir als Gesellschaft in den letzten 10 Jahren dazugelernt haben, auch wirklich transportieren können. Genau das hebt dieses Buch für mich von anderen ab; Es schafft es, auf den Erkenntnissen vieler anderer Werke aufzubauen und daraus ein außergewöhnlich gelungenes Überblicks- und Einstiegswerk zu machen. "Unshame" möchte nicht als endgültige Antwort gelten, sondern versteht sich eher als Ausgangspunkt für eine vertiefte Auseinandersetzung. Passend dazu bindet die Autorin eben jene Werke aktiv mit ein und gibt zahlreichen weiterführenden Literaturtipps und Empfehlungen für Content Creator*innen, die sich ebenfalls mit diesen Themen beschäftigen. Wenn ihr also überlegt, nur ein einziges Buch zu Schönheitsnormen, Body Positivity und der Befreiung von Körperidealen zu lesen, dann würde ich euch „Unshame“ ans Herz legen!
Liebe Sophia, über dieses Buch, die Autorin und Deine absolut gelungene Rezension dazu freu ich mich sehr. Ich bin 72 Jahre alt und gehöre damit zu den ersten Generationen von Frauen, die ein neues Selbstwertgefühl - weit weg von gängigen Schönheitsidealen des Mainstream entwickelt haben.
AntwortenLöschenLG
Angela vom Literaturgarten .
Liebe Angela,
Löschenwow, 72! Da freue ich mich ja noch mehr, deine digitale Bekanntschaft zu machen. Ich habe eben übrigens auch angefangen, auf deinem Blog zu stöbern.
Ich bin sehr dankbar für alle Frauen, die vor mir für mehr Selbstbestimmung und Gerechtigkeit gekämpft haben und die Basis für solche Bücher gelegt haben!
Liebe Grüße
Sophia
Hallo Sophia,
AntwortenLöschengrins....erst einmal habe ich beim Buchtitel das Wort " unshame" googel müssen.....ist für mich halt einfach Neuland O.K. .....und da hat sich beim mir gleich die Frage aufgetan, wenn der Autorin das Thema sooo wichtig ist...wieso gab es dafür keinen komplett deutschen Titel....
Und wie schafft es eine Ex- Fitnessinfluencerin plötzlich alles was sie vorher für Gut und möglicherweise produktmäßig auch beworben hat.....jetzt in ein, ganz anderes.....möglicherweise sogar negatives Licht zubringen.
Um da etwas biblisch zu werden vom Saulus zum Paulus......
Zumindest beschleicht mich da so ein Gefühl....
Ich persönlich, sehe diese ganze Fluencersache ohnehin eher kritisch.....für was da alles geworben wird....nur weil etwas von vielleicht einer bekannten Person im Internet beworben wird heißt es noch lange nicht das es auch gut und das man es persönlich auch braucht....
Ich finde, zum Leben gehört auch mal "Nein" zu sagen
Ich persönlich, bin z.B. vom Schminken fast völlig abgekommen.....vielleicht zu besonderen Anlässen etwas Wimperntusche/Kajal....aber keine große Kriegsbemalung mehr...mit Make up...Puder usw.
LG..Karin...
Hey Karin,
Löschendas Buch heißt so dem Social Media Format folgend, das die Autorin ins Leben gerufen hat. Unter #Unshame klärt sie schon seit zwei Jahren über solche Themen auf - ein für die Internetzielgruppe sehr passender Name, der deshalb auch als Titel für ihr Buch fungiert.
Tatsächlich finde ich ihren Standpunkt umso deutlicher, da sie selbst als Fitnessinfluencerin, die an einer Essstörung litt, Teil des Problems war. Wenn sie heute von ihren Erkenntnissen und ihrem Lebenswandel berichtet, ist das für mich umso eindrücklicher. Das reflektiert sie in ihren Beiträgen und in ihrem Buch auch aus meiner Sicht sehr gelungen. Ich verstehe aber, dass dich das irritiert hat.
Liebe Grüße
Sophia