Freitag, 6. Februar 2026

Kurzrezension: Woman Down


Die Fakten

Titel: Woman Down
Autorin: Colleen Hoover
Verlag: dtv (13. Januar 2026)
Genre: Dark Romance
Seitenzahl: 480 Seiten
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Der Inhalt

Der Shitstorm um die Verfilmung ihres Romans stürzte Bestsellerautorin Petra Rose in eine Schreibkrise. Sie hat erlebt, wie es sich anfühlt, wenn sich das Internet gegen einen wendet. Nur mithilfe ihrer Kollegin Nora findet sie allmählich zur Normalität zurü Sie geht wieder live online und mietet eine abgelegene Hütte am See, um endlich ihren nächsten Thriller zu schreiben. Dann taucht er plötzlich auf. Detective Nathaniel Saint berichtet von einem verstörenden Ereignis in unmittelbarer Nähe. Er ist das Ebenbild des Cops in ihrem Roman – und heizt Petras Kreativität unerwartet an. Nie hat sie sich lebendiger gefühlt, als wenn er sie berührt. Doch das Spiel, auf das sie sich einlässt, ist gefährlich und bedroht ihre Existenz …

Die Eindrücke 

Handlung: "Woman Down" ist Colleen Hoovers erster Roman nachdem sie sich im Zuge des Shitstorms um "It ends with us" aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat. Um ehrlich zu sein habe ich dieses Buch mehr aus Neugierde gelesen, als aus ehrlichem Interesse, was wohl der Autorin gegenüber auch nicht ganz fair ist, aber here we go. Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass "Woman Down" auf der Kurzgeschichte "Saint" basiert, die 2024 in der Sammlung "Nur noch wenige Tage" erschienen ist. Ich habe die Kurzgeschichte damals ebenfalls gehört und fand, dass sie durchaus das Potenzial für einen Roman in voller Länge hatte. Was die Autorin aus der Geschichte gemacht hat, kann ich trotz niedriger Erwartungen aber nicht wirklich weiterempfehlen... In ihrem Vorwort schreibt die Autorin, dass sie die bereits bekannte Geschichte soweit ergänzt und abgewandelt hat, sodass auch LeserInnen, die bereits "Saint" kennen, ihren Spaß haben werden. Vielleicht liegt es an meiner etwas verblassten Erinnerung, aber ich habe außer einigen Ausschmückungen und zusätzlichen Szenen leider keine besonders großen Änderungen entdeckt, sodass die Handlung für mich alles in allem ziemlich vorhersehbar war. Ich hatte eigentlich erwartet, dass der Handlung eine zusätzliche Dimension oder einen neuen Spin hinzugefügt werden würde. Denn was als Kurzgeschichte noch recht gut funktioniert hat - die aus dem Nichts kommenden Wendungen, die ungelösten Konflikte, das offene Ende - liest sich in Romanform einfach nur faul. Wer sich also vom Klapptext angesprochen gefühlt hat, dem kann ich eher zur Kurzgeschichte raten. 

Schreibstil: Auch der generelle Stil konnte mich leider nicht überzeugen. In "Woman Down" versucht Colleen Hoover gewollt abgründig zu sein, erzählt aber einen recht eindimensionalen Konflikt, der weitaus weniger komplex ist und deutlich weniger Durchschlagskraft hat als das beispielsweise in "Verity" der Fall war. Durchaus interessant ist allerdings, wie hier die Grenzen zwischen Fiktion und Realität hier verschwimmen. Sowohl zwischen Petra und deren Romanfigur Raya, deren Geschichte sie mit Saint als Rollenspiel auslebt, das immer mehr entgleist, als auch zwischen der Protagonistin und Colleen Hoover, die stark von ihren eigenen Erlebnissen, den Diskussionen um ihre letzte Buchverfilmung und den Shitstorm, inspiriert wurde, ist bald nicht mehr klar, was echt und was erfunden ist. Auch wenn die Autorin gleich vorweg klarstellt, dass wir die Parallelen zwischen ihr und Petra nicht überinterpretieren sollen, würde ich dieses Buch durchaus als Stellungnahme hinter vorgeschobener Fiktionalität betrachten, was ich eigentlich ganz clever finde. Unbedingt lesen muss man die Geschichte deshalb aber nicht. 

Figuren: Petra ist keine Figur, die man ins Herz schließt und ich bin mir leider nicht sicher, ob das so gewollt war, oder nicht. Sie versucht im ersten Viertel stark die Sympathie der LeserInnen zu erringen und rechtfertigt ihr Verhalten auch im weiteren Verlauf immer wieder mit fadenscheinigen Argumenten, allerdings erscheint sie dadurch nur umso mehr wie eine wehleidige, scheinheilige Frau ohne gesunde Grenzen. Sie als "strong female character" zu promoten finde ich geradezu einen Hohn. Saint wiederum ist eine völlig uninteressante, eindimensionale Projektionsfigur für Petras dunkle Sehnsüchte. Die Beziehung zwischen den beiden wirkt eher befremdlich als elektrisierend und Grenzüberschreitungen werden regelmäßig romantisiert und bleiben trotz kurzer Ansätze unreflektiert. Ich bin ja nach wie vor kein Fan von Dark Romance - und als das würde ich das Buch definitiv einordnen, ein Thriller wie beworben ist es definitiv nicht -, aber hier wäre auch figurentechnisch mehr drin gewesen. 


Die Zitate


"Die ganze Szene wirkt surreal, als wären wir in eine Parallelwelt versetzt worden, in der das hier unser Leben ist: gemeinsam Wein trinken, uns küssen, eine Geschichte spielen, die nicht unsere ist

"Dass wir diese Dinge im wahren Leben so nicht erleben wollen, bedeutet nicht, dass wir es nicht genießen können, von solchen Fantasien zu lesen."

Das Urteil

Problematische Figurenzeichnung, eine langweilige, redundante Handlung und eine künstlich aufgeblasene Story machen „Woman Down“ zu einem ermüdenden Leseerlebnis ohne wirklichen erzählerischen Mehrwert - besonders wenn man die Kurgeschichte "Saint" schon kennt. Für Dark Romance und Colleen Hoover Fans würde ich eher zur Kurzgeschichte raten, ansonsten kann man sich das Buch aus meiner Sicht mit gutem Gewissen sparen.

*keine WERBUNG, gehört über Bookbeat*

Quelle Informationen: Goodreads.de. Klapptexte und Zitate sind Eigentum des Verlags oder jeweiligen Rechtinhabers.

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