Hallöchen,
ich bin ja kein Fan des Valentinstags (kapitalistische Ausschlachtung von Liebe und unnötige Erwartungen, die von außen an Beziehungen herangetragen werden), dieses Jahr hat er mich aber doch zu einer Montagsfrage inspiriert:
Welche Form von Liebe kommt in Büchern für Euch zu kurz?
Klassische Liebesgeschichten gibt es ja wie Sand am Meer und in beinahe jedem Buch über Genregrenzen hinweg kommt romantische Liebe zumindest am Rande vor. Oft wirkt sie dabei fast wie eine Pflichtübung und zwei Figuren müssen sich finden, egal ob es für die Geschichte wirklich relevant ist oder nicht. Figuren entwickeln sich häufig vor allem in Hinblick auf ihre Partnerschaft, Konflikte werden primär über romantische Spannungen erzählt, und alle anderen sozialen Bindungen scheinen nur Dekoration zu sein. Auch wenn ich nach wie vor gerne im Romance Genre unterwegs bin (wenn auch nicht mehr ganz so viel wie noch vor einigen Jahren), frage ich mich deshalb immer häufiger, ob dieser starre Fokus auf romantische Liebe in Büchern notwendig ist?
Ich denke, hier bildet sich das generelle gesellschaftliche Phänomen ab, die romantische (zumeist auch heterosexuelle) Liebe stark zu überhöhen und als absolutes Endziel der Erfüllung in den Mittelpunkt zu rücken. Als Single gilt man schnell als traurig oder einsam, als geschiedene Person als gescheitert, und wer grundsätzlich keine Beziehung eingehen möchte, mit dem stimmt doch definitiv etwas nicht. Von klein auf lernen viele, dass das Ziel im Leben die romantische Partnerschaft ist, als ob alle anderen Formen von Bindung und Liebe, sei es Freundschaft, Familie oder Selbstliebe, zweitrangig wären. Gleichzeitig wird ein extremes Bild normalisiert, in dem ein Mensch zum Zentrum des gesamten Lebens wird, während Freundschaften, Hobbys, berufliche Ziele oder persönliche Entwicklung in den Hintergrund treten. Die Vorstellung, dass man „alles andere“ für die Liebe aufgibt, wird oft romantisiert, obwohl sie in der Realität weder nachhaltig noch gesund ist.
Das Schlagwort der Dezentralisierung der romantischen Liebe, ist mir deshalb ein Anliegen, das man auch auf Bücher beziehen kann: Ich würde mir wünschen, dass Bücher häufiger andere Formen von Liebe in den Mittelpunkt stellen. Warum nicht einmal von einer engen Freundschaft, die genauso verbindlich und tief ist wie eine romantische Beziehung, erzählen? Oder die Beziehung zwischen Geschwistern ausführlich ausleuchten? Auch Eltern-Kind-Beziehungen, die Liebe zu einem Haustier, oder die Suche nach einer Wahlfamilie bieten enormes erzählerisches Potenzial und kommen trotzdem oft zu kurz oder laufen nur am Rand mit. Oder wie wäre es denn mit Selbstliebe!?
Und falls das Argument lautet, dass sich solche Geschichten schlechter verkaufen, dann wünsche ich mir zumindest innerhalb klassischer Liebesgeschichten mehr Mut und Einfallsreichtum, queere Liebe abzubilden, von Klischees abzuweichen und gesunde Beziehungen statt Drama zeigen!
Mich interessiert deshalb sehr: Welche Form von Liebe vermisst ihr in Büchern? Und gibt es vielleicht Geschichten, die es besonders gut geschafft haben, diese anderen Bindungen in den Fokus zu rücken?
Wie seht Ihr das?
Liebe Grüße
Sophia
Um in die Linkliste aufgenommen zu werden, hinterlasst bitte einen Kommentar
mit dem Link zu Eurem Beitrag.
Nächste Woche bei der Montagsfrage:
Zählen für Euch Hörbücher zum Medium Buch dazu (Kiras kleine Leseecke)?
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Ich freue mich, wenn Du einen Kommentar dalässt.
Egal ob Kritik, Verbesserungsvorschläge, Lob, Anmerkungen, Fragen oder eigene Meinung - das ist der richtige Ort dafür ;-)