Dienstag, 12. Mai 2026

Kurzrezension: Wie kann sie nur?


Die Fakten

Titel: Wie kann sie nur?
Autorin: Sophie Passmann
Verlag: Kiepenheuer & Witsch (12. März 2026)
Genre: Autobiografischer Ratgeber
Seitenzahl: 192 Seiten
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Der Inhalt


Botox oder »in Würde altern«, zu viele Selfies auf Instagram posten oder jeden Beauty-Trend auf TikTok mitmachen? Frauen im Internet stehen unter ständiger Beobachtung. Jedes Like kann zur Anklage werden, jeder Kommentar zum Politikum. »Wie kann sie nur?« 
Sophie Passmann ist selbst Teil der widersprüchlichen Welt weiblicher Selbstdarstellung in den sozialen Medien. Radikal selbstkritisch seziert sie die Phänomene, die eine ganze Generation prä von der asketischen Disziplin einer Hailey Bieber über die kalkulierte Görenhaftigkeit von Charli XCX bis zur neurotischen Perfektion von Taylor Swift. Warum sind wir alle so fasziniert von Frauen, die uns etwas vormachen – und gleichzeitig hassen wir sie genau dafür?



Die Eindrücke 

Irgendwie schreibe ich ja nach jedem Buch von Sophie Passmann, dass es mein letztes der Autorin sein wird. Aber dann machen sie, die Vermarktung des Buches oder eine darum entsponnene Diskussion mich wieder so neugierig, dass ich auch zu ihrem nächsten Titel greife. Bei "Wie kann sie nur?" war es der unsachliche Verriss von Denis Scheck, der mich dazu gebracht hat, mir ein eigenes Bild von dem Buch machen zu wollen. 192 Seiten, beziehungsweise viereinhalb Hörstunden später, habe ich (mal wieder!) einen sehr gemischten Eindruck, den ich hier so gut wie es geht zusammenfassen möchte. 

In verschiedenen Abschnitten, wie immer wild von einem Punkt zum nächsten springend, in ihrem typischen, unverblümten Stil, der an einigen Stellen ein wenig übers Ziel hinausschießt, an anderen aber genau ins Schwarze trifft, widmet sich Sophie Passmann dem hochrelevanten Großthema "Frauen im Internet". Von Girlhood über Brat Summer, den Barbie Film, Trad Wives, die Eras Tour, Millennial Cringe bis hin zu Clean Girls erzählt sie anhand von Beobachtungen und Beispielen der letzten Jahre von den vielen Dimensionen weiblicher Selbstdarstellung in den sozialen Medien und was man daraus über unsere Gesellschaft lernen kann. Dabei arbeitet sie einige sehr treffende Punkte heraus, die Anknüpfungspunkte für interessante Diskussionen sein können. 

Trotzdem hatte ich beim Hören alles in allem permanent das Bedürfnis, mich von der Autorin und ihren Erfahrungen abzugrenzen. Sophie Passmann beschreibt mit ihren herausgegriffenen Beispielen, aber auch in den autobiografischen Anteilen des Buches eine sehr spezifische Art, das Internet zu nutzen: obsessiv, emotional aufgeladen und geprägt von permanenter Selbstbeobachtung. Bei ständigen Verallgemeinerungen und besonders bei den häufigen Abschnitten in "du"-Form entsteht dabei der Eindruck, als würde sie davon ausgehen, dass alle Frauen soziale Medien ähnlich intensiv erleben, genauso pathologisch nach Bewertung durch andere lechzen und Trends mit derselben religiösen Ernsthaftigkeit verfolgen wie sie selbst. Genau da konnte ich ihr oft nicht folgen. Ich verbringe definitiv genug (zu viel!) Zeit im Internet, um viele der angesprochenen Dynamiken und Phänomene zu kennen, und trotzdem war überraschend wenig davon für mich tatsächlich „highly relatable“, wie der Klappentext verspricht. Viele der beschriebenen Phänomene sind komplett an mir vorbeigegangen, zahlreiche erwähnte Stars sagten mir wenig und auch viele der geschilderten Unsicherheiten oder Gewohnheiten fühlten sich für mich eher fremd an.

Dadurch wirkte das Buch auf mich weniger wie eine sachliche oder allgemeingültige Analyse von „Frauen im Internet“, sondern eher wie ein stellenweise ziemlich trauriger und sehr persönlicher Selbstbericht. Gleichzeitig glaube ich aber durchaus, dass viele Leserinnen sich darin stark wiederfinden werden – nur gehöre ich offenbar nicht unbedingt zur Zielgruppe, die die Autorin hier beschreibt. Deshalb kann ich Denis Schecks Kritik (die allerdings so misogyn formuliert war, dass ich sie so fast gar nicht nennen will, aber hier geht es ja um das Buch und nicht um diesen Beitrag) teilweise nachvollziehen, auch wenn ich gleichzeitig finde, dass sein Verriss dem Buch letztlich nicht gerecht wird. Denn auch wenn mich "Wie kann sie nur?" oft irritiert, manchmal genervt und nicht selten auf Distanz gehalten hat, steckt darin dennoch eine interessante Beobachtung unserer digitalen Gegenwart, nur eben eine sehr subjektive, widersprüchliche und stark von Sophie Passmann selbst geprägte.

"Männer nutzen die Anonymität des Internets, um fremde Frauen zu beleidigen, Frauen nutzen die Anonymität des Internets, um sich selbst zu beleidigen."

Das Urteil

"Wie kann sie nur?" ist für mich ein gleichzeitig klug beobachtetes und frustrierend verallgemeinerndes Buch, das interessante Denkanstöße liefert, mich aber oft eher auf Distanz gehalten hat. Trotz vieler treffender Momente bleibt am Ende vor allem ein gemischter Eindruck zurück. 

*keine WERBUNG, selbstgekauft*

Quelle Informationen: Goodreads.de. Klapptexte und Zitate sind Eigentum des Verlags oder jeweiligen Rechtinhabers.

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