Hallöchen,
die heutige Frage gibt´s ein bisschen aus eigenem Interesse und wurde ursprünglich von der lieben Kira in etwas anderer Formulierung an mich herangetragen (vielen Dank für die Idee!). Ich sehe immer wieder die Debatte, die online oder auf Blogs unter Monats- und Jahresrückblicken geführt wird, wenn Personen ihre gelesenen und gehörten Seiten zusammenwerfen und Bücher und Hörbücher nicht trennen. Gilt ein Buch auch gelesen, wenn man es gehört hat? Ist das Hören und Lesen für Euch gleichwertig? Und falls nicht, wieso und wie handhabt Ihr das bei Euch?
Zählen für Euch Hörbücher zum Medium Buch dazu (Kiras kleine Leseecke)?
Für mich zählen Hörbücher ganz klar zum Medium Buch, weshalb ich in meiner Lesestatistik auch nicht zwischen gelesenen und gehörten Büchern trenne. Die Geschichte, die Sprache, die Figuren und Themen bleiben schließlich dieselben, unabhängig davon, ob ich den Text lese oder höre. Entscheidend ist für mich der Inhalt, nicht das technische Medium, über das dieser zu mir kommt. Geschichten sind schließlich lange Zeit mündlich überliefert worden, das Zuhören ist also keine „Abkürzung“, sondern eine sehr ursprüngliche Form des Erzählens.
Gleichzeitig würde ich aber auch nicht behaupten, dass Lesen und Hören exakt dieselbe Tätigkeit sind. Sie erfordern unterschiedliche kognitive Leistungen, binden die Aufmerksamkeit anders und funktionieren für viele Menschen in unterschiedlichen Situationen. Beim Lesen bin ich oft bewusster im Moment, verändere gerne mein Tempo, halte inne, springe zurück oder markiere Stellen. Beim Hören wiederum erlebe ich Texte emotional oft intensiver und lasse mich mehr auf den Flow der Geschichte ein, statt selbst das Tempo zu bestimmen. Gerade durch gute SprecherInnen, Betonung und Rhythmus kommt dabei oft ein anderes Erlebnis zustande. Beides hat für mich seinen eigenen Wert und ist für mich zu anderen Zeiten und für andere Arten von Geschichten praktisch.
Damit Hörbücher für mich als „gelesen“ zählen, habe ich allerdings zwei Voraussetzungen: Zum einen muss es sich um ein ungekürztes Hörbuch handeln, sodass der vollständige Text rezipiert wird. Zum anderen ist mir wichtig, dass ich aktiv zuhöre. Ein Hörbuch, das nur nebenbei läuft, während ich gedanklich ganz woanders bin, würde ich für mich persönlich nicht als gelesen verbuchen, genauso wenig, wie ich ein Buch zählen würde, bei dem ich seitenlang nur über die Zeilen geflogen bin, ohne wirklich etwas mitzunehmen.
Ein weiterer, für mich sehr wichtiger Punkt, der in dieser Debatte definitiv nicht unerwähnt bleiben sollte, ist die Barrierefreiheit. Für viele Menschen sind Hörbücher kein netter Zusatz oder Bonus, sondern schlichtweg die einzige realistische Möglichkeit, Zugang zu Literatur zu bekommen – etwa bei Sehbehinderungen, Dyslexie, Migräne oder chronischer Erschöpfung. Hörbücher pauschal weniger wertzuschätzen oder nicht mitzuzählen, schließt diese Perspektiven aus und wird der Vielfalt von Leseerfahrungen nicht gerecht.
Insgesamt ist mir auch hier besonders wichtig zu betonen: Lesen ist kein Wettbewerb. Monats- und Jahresrückblicke sollen motivieren, Austausch anregen und die Freude an Literatur sichtbar machen, nicht Hierarchien schaffen oder Leistungen vergleichen. Ob jemand liest, hört oder beides kombiniert, sagt nichts über die Qualität der Lektüreerfahrung aus. Deshalb finde ich diese Debatte auch ein wenig ermüdend, um ehrlich zu sein...
Wie seht Ihr das?
Liebe Grüße
Sophia
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Nächste Woche bei der Montagsfrage:
Wenn dein aktuelles Buch ein Duft wäre, wie würde es riechen?
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