Als großer Fan von Neal Shusterman war es nur eine Frage der Zeit, bis ich mir seine Accelerati Trilogie vorknöpfen musste. Zusammen mit Eric Elfman entspinnt er hier über drei Bände hinweg eine Abenteuergeschichte rund um den Erfinder Nikola Tesla, dessen turbulente Erfindungen das Leben des jungen Nick durcheinanderwirbeln... Ich habe alle drei Bände innerhalb kürzester Zeit inhaliert und hatte großen Spaß mit der Reihe!
Der Inhalt
Ein kaputter Toaster, eine uralte Kamera, eine defekte Autobatterie: Wie konnte Nick ahnen, dass es sich bei dem Schrott auf seinem Dachboden um bahnbrechende Erfindungen Nikola Teslas handelt? Leider sind die Gegenstände nicht nur genial, sondern auch gefährlich. Denn der Geheimbund der Accelerati will sie für sich – um jeden Preis!
Meine Eindrücke
Wie man es von Neal Shusterman kennt, mischt er in seiner dreibändigen Reihe temporeiches Abenteuer, echte Emotionen, interessante Gedanken mit einem Schuss Humor zu einer prickelnden Mischung, die ich großen wie kleinen Abenteuerfans empfehlen würde, die etwas für Wissenschaft und Technik übrig haben. Denn aus der herrlich schrägen Grundidee, Nikola Teslas Erfindungen in den Händen eines Teenagers zum Leben zu erwecken, entwickelt sich nach und nach ein erstaunlich komplexer Plot, in dem Tesla selbst, Thomas Edison, ein geheimer Wissenschaftlerbund und sogar ein elektrisch aufgeladener Himmelskörper eine Rolle spielen. Die Geschichte wird also von Band zu Band größer, ohne dabei ihre Liebe zum vollkommenen Unsinn zu verlieren. Alle drei Bände halten dabei definitiv, was die Titel versprechen: Sie erzählen eine geniale, verblüffende Geschichte mit irrsinnigen Wendungen, atemberaubender Spannung, gemeingefährlichen Bösewichten und grandios verrückten Helden.
Teslas unvorstellbar geniales und verblüffend katastrophales Vermächtnis: Der erste Band der Trilogie führt ins Leben unseres Protagonisten Nick ein, der in Colorado Springs neu starten muss, nachdem ein tragischer Brand sein Leben umgekrempelt hat. Gemeinsam mit seinem Vater und seinem kleinen Bruder Danny zieht er in das schrullige Haus seiner verstorbenen Großtante. Doch als er dort auf dem Dachboden auf die Erfindungen von Nikola Tesla stößt und damit ins Visier eines Geheimbunds gerät, hat er plötzlich ganz andere Sorgen als eine neue Highschool und die Baseball-Qualifikationen. Gemeinsam mit seinen neuen Freunden Mitch und Caitlin muss er herausfinden, was das alte Gerümpel alles kann und das am besten schnell, denn am Ende scheint es um nichts Geringeres als das Ende der Welt zu gehen... Es entsteht auf 352 Seiten starker Auftakband, der für mich auch der stärkste Band der Reihe ist. ➡4,5 Sterne
Teslas irrsinnig böse und atemberaubend revolutionäre Verschwörung: In der Fortsetzung wird die große Bedrohung um den Geheimbund der Accelerati und den Meteoriten geschickt weitergesponnen. Nick muss dringend den F.R.E.E. zusammenbauen und dafür die verbliebenen Teile aufspüren, um die Welt abermals vor einem frühzeitigen Ende zu bewahren. Egal ob ein fliegender Dachboden, eine Intrige des Mensapersonals, ein Geheimquartier unter einer Bowlingbahn oder ein Wirbelsturm aus Katzen - in dieser kurzweiligen und einfallsreichen Fortsetzung ist nichts zu absurd. Auch wenn der zweite Band für mich nicht ganz die emotionale und erzählerische Wucht des ersten Bandes erreicht, macht die Fortsetzung enorm viel Spaß. ➡4 Sterne
Teslas grandios verrückte und komplett gemeingefährliche Weltmaschine: Im dritten und letzten Band der Reihe ist Nick zwangsweise den Accelerati beigetreten und versucht nun alle Parteien gegeneinander auszuspielen, um die Welt, seine Freunde und seine Familie zu retten. Dabei werden nicht nur die Machtverhältnisse, sondern auch die Gesetze von Raum und Zeit ordentlich durcheinander gewirbelt. Nicht nur Zeitreisen, Wurmlöcher und Spektralkopien, sondern auch die vielen handelnden Figuren machen das Final dabei ganz schön komplex, sodass man beim Lesen auch mal einen Gehirnknoten bekommen kann. Neal Shusterman und sein Co-Autor lösen aber jedes noch so komplizierte Rätsel wunderbar auf, sodass man nach 441 Seiten nur den Hut vor der Erzählkunst der Autoren ziehen kann! ➡4,5 SterneDer Schreibstil des Autoren-Duos ist dabei genau das, was ich mir von einem solchen Abenteuer wünsche: kurzweilig, turbulent, humorvoll und trotzdem nicht oberflächlich. An einigen Stellen hat mich die spritzige, aber dennoch packende Erzählweise ein bisschen an Rick Riordans Bücher erinnert, was wirklich ein großes Kompliment ist. Neal Shusterman und Eric Elfman zeigen ein ebenso gutes Händchen für wunderbar skurrile Einfälle und pointierte Beschreibungen und schaffen es, ihre Handlung über drei Bände hinweg stetig in Bewegung zu halten. Zum humorvollen Charme der Geschichte tragen übrigens auch die Figuren bei, die alle greifbar und sympathisch, dabei aber auch so turbulent und quirlig sind, dass sie nicht in typische Raster oder Klischees passen. Sei es beispielsweise die nervige und gleichzeitig erstaunlich clevere Petula Grabowski-Jones, der im wahrsten Sinne des Wortes zweidimensionale Theo, der zwischen Leben und Tod wandelnde Vince mit seiner Vorliebe für alles Morbide, die geheimnisvolle Mensa-Frau Ms. Planck oder der ehrgeizige Vorzeigebösewicht Dr. Alan Jorgenson. Niemand fühlt sich wie eine bloße Schablone an, und selbst die skurrilsten Nebenfiguren bekommen ihre eigenen Motive und emotionalen Momente.
Trotz des Humors und der stilistischen Übertreibungen nimmt die Reihe jedoch auch die Gefühle ihrer jugendlichen Figuren ernst. Besonders Nick, Mitch und Caitlin sind sehr gut ausgearbeitet und entwickeln sich im Laufe der Reihe weiter. Caitlin etwa kämpft mit ihrem sorgfältig aufgebauten sozialen Selbstbild und der Angst davor, dass ihre tatsächlichen Gefühle sichtbar werden. Nick wiederum muss nicht nur mit dem Verlust seiner Mutter umgehen, sondern zunehmend auch Verantwortung für seine Freunde und seine Familie übernehmen. So bekommen auch Freundschaft, erste Verliebtheit, Verlust, Trauer, Angst und die Suche nach dem eigenen Platz genug Raum in der Geschichte. Generell wird schnell deutlich, dass sich auch abseits der Figuren hinter den verrückten Erfindungen viele interessante Gedanken verbergen. Die Erfindungen sind nicht nur Spielzeug für spektakuläre Abenteuer, sondern bringen die Figuren dazu, über Freiheit, Wahrheit, Verantwortung, Tod und die Grenzen menschlichen Wissens nachzudenken. Die Reihe stellt dabei immer wieder die Frage, was passiert, wenn Menschen mit Dingen herumexperimentieren, die sie eigentlich (noch) gar nicht verstehen. Genau diese Mischung macht für mich den Reiz der Trilogie aus: Sie kann gleichzeitig völlig absurd und erstaunlich klug, urkomisch und emotional, actionreich und nachdenklich sein. Ab etwa 11 Jahren empfohlen, kann ich mir die Reihe deshalb ebenso gut als Lektüre für Erwachsene vorstellen!
Fazit
Eine herrlich durchgeknallte Trilogie voller Tesla-Erfindungen, verrückter Wendungen, liebenswerter Außenseiter und überraschend viel Herz, die mich über alle drei Bände hinweg bestens unterhalten hat. Insgesamt vergebe ich 4,5 Sterne für ein turbulentes, witziges und intelligentes Abenteuer, bei dem man nie weiß, welche verrückte Idee als Nächstes aus dem Dachboden purzelt.

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