Montag, 9. November 2026

Montagsfrage #235 - Bücher-Blacklist?


Hallöchen,

auch bei der heutigen Frage habe ich mich bei Franks 100 Fragen und 100 Antworten inspirieren lassen, da ich sie sehr interessant fand:


Gibt es Bücher, die du bewusst nicht liest (Büchernarr)?


Tatsächlich gibt es nur sehr wenige Bücher, die ich bewusst nicht lese. Grundsätzlich möchte ich beim Lesen möglichst offen sein und mir die Chance geben, auch Werke zu entdecken, die vielleicht nicht unbedingt meinem üblichen Beuteschema entsprechen. Schließlich kann man sich auch einmal überraschen lassen, neue Genres für sich entdecken oder durch eine Geschichte eine Perspektive kennenlernen, mit der man sich bislang noch nicht auseinandergesetzt hat. Um auf meiner persönlichen Vorab-Abschussliste zu landen, muss also schon einiges passieren.

Ein Grund, aus dem ich ein Buch konsequent meiden würde, ist beispielsweise die Gesinnung oder politische Position der Autorin bzw. des Autors. Wenn diese so grundlegend gegensätzlich und unvereinbar mit meinen eigenen Überzeugungen ist, dass ich darin auch keinen sinnvollen Perspektivwechsel mehr erkennen kann, verzichte ich lieber auf die Lektüre. Ich denke dabei insbesondere an rechtes Gedankengut aller Art oder an Bücher, in denen Sexismus, Rassismus und andere diskriminierende Einstellungen reproduziert oder sogar propagiert werden. Natürlich finde ich es grundsätzlich wichtig, sich auch mit unbequemen Meinungen auseinanderzusetzen. Allerdings sehe ich nicht jede Veröffentlichung als bereichernden Beitrag zu einem Diskurs an. Manchmal möchte ich bestimmte Ansichten schlichtweg nicht durch den Kauf eines Buches unterstützen und ihnen damit eine zusätzliche Plattform bieten. Ein schwieriger Grenzfall stellen Bücher von AutorInnen dar, die sich problematisch verhalten. Hier stellt sich neben der Grundsatzfrage, wie sehr man Künstler und Werk trennen kann, auch immer im Einzelfall die abwägende Frage, was man unterstützen kann und was nicht. 

Ein weiterer Punkt betrifft die Inhalte selbst. Ich lasse gerne die Finger von Büchern, bei denen ich bereits im Vorfeld weiß, dass besonders schlimme Formen von Gewalt und Grausamkeit in einem realen Kontext vorkommen. Gerade wenn Kinder involviert sind, fällt es mir ausgesprochen schwer, solche Geschichten zu ertragen. Das bedeutet nicht, dass ich grundsätzlich keine ernsten, traurigen oder erschütternden Bücher lese. Im Gegenteil: Auch schwierige Themen können literarisch wertvoll sein und wichtige Denkanstöße liefern. Es gibt für mich allerdings einen Unterschied zwischen einer Geschichte, die sich sensibel mit einem belastenden Thema auseinandersetzt, und einer Lektüre, die mich mit expliziten Gewaltdarstellungen oder grausamen Schicksalen konfrontiert. Wenn ich schon vor dem Aufschlagen weiß, dass mich bestimmte Inhalte stark belasten werden, muss ich mir das nicht unbedingt antun. Lesen soll schließlich auch Freude bereiten und nicht zu einer emotionalen Belastungsprobe werden.

Ebenfalls wenig anfangen kann ich mit Büchern mit oder über Esoterik, Glauben oder Spiritualität, sofern diese Themen nicht auf einer Meta-Ebene behandelt werden. Sachliche, kritische oder wissenschaftliche Auseinandersetzungen damit können durchaus interessant sein. Was mich hingegen weniger anspricht, sind Ratgeber, die mit spirituellen Heilsversprechen, übersinnlichen Erklärungsansätzen oder vermeintlich universellen Lebensweisheiten arbeiten. Auch mit religiös geprägten Botschaften, die mir eine bestimmte Weltanschauung vermitteln oder nahelegen möchten, kann ich wenig anfangen.

Daneben gibt es natürlich noch einige Genres, die ich eher selten bis gar nicht lese. Dazu gehören beispielsweise klassische Krimis, Space Operas, Splatter und Reiseromane. Das liegt allerdings weniger daran, dass ich diese grundsätzlich ablehne, sondern vielmehr daran, dass sie mich bislang einfach nicht wirklich abholen konnten. Ganz ausschließen würde ich deshalb auch nicht, dass sich das irgendwann noch ändert. Schließlich habe ich schon häufiger festgestellt, dass ein Genre, das mich jahrelang nicht interessiert hat, durch ein einziges besonderes Buch doch noch mein Interesse wecken kann.

Eine wirkliche Blacklist habe ich unterm Strich also nicht. Vielmehr gibt es einige wenige inhaltliche und weltanschauliche Grenzen, die ich beim Lesen nicht überschreiten möchte, sowie Genres, zu denen ich bislang einfach keinen Zugang gefunden habe. Ansonsten lasse ich mich gerne überraschen und bin durchaus bereit, auch einmal außerhalb meiner Komfortzone zu lesen. Denn gerade darin liegt für mich ein besonderer Reiz des Lesens: Man weiß vorher nie ganz genau, welche Geschichte einen am Ende doch noch begeistern kann.

Wie ist das bei Euch?

Liebe Grüße
Sophia
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Nächste Woche bei der Montagsfrage:

Welches Buch hätte einen besseren Titel verdient?

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