Donnerstag, 22. September 2016

Die Stadt der verschwundenen Kinder



Allgemeines:

Titel: Die Stadt der verschwundenen Kinder
Autorin: Caragh O´Brien
Verlag: Heyne Verlag (2013)
Genre: Science-Fiction
ISBN: 9783453534223
Originaltitel: Birthmarked
Seitenzahl: 480 Seiten
Preis: 16,99 € (gebundene Ausgabe)
7,99 € (Kindle-Edition)
8,99 € (Taschenbuch)
Weitere Bände: Das Land der verlorenen Träume;
Der Weg der gefallenen Sterne
Link: Hier klicken!



Inhalt:

"Sag mir, wo die Kinder sind!"

Die sechzehnjährige Gaia Stone gehört mit ihrer Mutter zu den wichtigsten Menschen in ihrer Gemeinschaft: Als Hebamme muss sie jeden Monat die ersten drei Neugeborenen an der Mauer für die Enklave abgeben – so lautet das Gesetz. Diesen Kindern soll es hinter der Mauer besser gehen. Sie werden von wohlhabenden Familien adoptiert.
Noch nie hat es jemand gewagt, gegen dieses Gesetz und die Herrscher jenseits der Mauer aufzubegehren. Doch dann werden Gaias Eltern verhaftet.  Für das junge Mädchen zerbricht eine Welt, und sie beginnt Fragen zu stellen: Was geschieht mit den verlorenen Kindern? Als Gaia auf der Suche nach Antworten heimlich die verbotene Stadt betritt, beginnt für sie ein Abenteuer voller Gefahren, und sie macht eine Entdeckung, die das Schicksal der Kinder und die Zukunft der Menschen für immer verändern wird ...




Bewertung:


"Es gibt ein paar Dinge, die wir nicht mehr infrage stellen können, sobald wir sie getan haben, denn sonst könnten wir nicht weiterleben. Und wir müssen weiterleben, jeden einzelnen Tag."


Dieses Buch hat mich sehr überrascht. Ich hatte auf einen "Lückenfüller" für zwischendurch gehofft und ein tolles spannendes Buch bekommen.
Schon nach wenigen Seiten war mir klar: ich möchte mehr davon lesen. Zum Glück ist es ja auch nur der Anfang einer Trilogie und es gibt noch mehr davon!

Der Einstige in die Geschichte selber ist mir sehr leicht gefallen, wenn auch der Anfang sehr plötzlich kommt. Es geht direkt damit los, dass Gaia ein Baby entbindet. Ich fand es sehr interessant, die Geschichte aus der Sicht von einer Hebamme zu sehen. Es ist mal etwas komplett anderes und sehr erfrischend zu lesen. Man ist mit Gaia bei Geburten dabei, bringt neues Leben in die Welt und versucht den Müttern Trost zu spenden, wenn das Kind an die Enklave geht.

Gaia finde ich einen sehr tollen Charakter. Sie ist keine typische Rebellin, stark, hübsch mit atemberaubenden Fähigkeiten. Sie ist zwar mutig und leistet oft Widerstand durch ihre Wortwahl, dennoch ist sie in keinster Weise perfekt oder bewusst ansprechend gestaltet und genau das verleiht ihr Tiefe. Ihr Gesicht ist durch ein Narbengewirr entstellt und sie selber leidet sehr darunter. Sie hat keine Kampferfahrungen oder eine andere Art sich zu verteidigen gelernt, sondern ist eine einfach Hebamme. Dennoch überrascht sie immer wieder mit ergreifenden Reaktionen.
Auch Gaias Eltern waren mir unglaublich sympathisch und haben -wenn auch verhaftet- viel zur Geschichte beigetragen. Besonders ihren Vater konnte ich schnell ins Herz schließen. Die Art wie er beschrieben wird, fand ich sehr schön. Auch super fand ich den jungen Soldaten Leon Grey, der Hauptmann der Wache in der Enklave. Was er für eine Rolle spielt, will ich hier nicht verraten doch natürlich kommt in dem Buch auch die Lieb zum Zug...
Die Autorin hält sich bei ihrer Idee und ihren Figuren nicht an reine Schwarz-Weiß-Malereien, sondern findet viele besondere und hervorstechende Merkmale, die Charakter, Erfahrung und Entwicklung gekonnt unter einen Hut bringen, sodass man trotz komplizierter Namen nie jemanden durcheinanderbringt.

Die Geschichte spielt im 24. Jahrhundert, nachdem eine Klimakatastrophe die Menschheit fast aussterben gelassen hat. Anders als der Einschlag einer Bombe oder eines großen Himmelskörpers geht der Klimawandel aber allmählich vor sich und lässt den Menschen Zeit, sich Lösungen auszudenken.
Eine davon, und ganz sicher keine perfekte, ist die Enklave, in der die Kinder nur insofern verschwinden, als sie zwangsadoptiert werden. Warum das so ist, findet Gaia, die Hauptperson der Geschichte, nach und nach heraus.
 Allerdings hat man den Eindruck es ist eine Geschichte aus der Vergangenheit. In dem kleinen Dorf Wharfton vor der Mauer leben die Menschen in mittelalterlichen Umständen, primitiv und unzivilisiert wobei es auf der anderen Seite
Es wird eine klassische dystopische Welt geschaffen. Alles ist streng rationiert und jeder träumt von einem besseren Leben. Das ist jedoch nur wenigen Auserwählten vorbehalten, die in einer geheimnisvollen Stadt leben, der Enklave, hinter einer unüberwindlichen Mauer. Alle anderen müssen sich mit dem zufriedengeben, was die Enklave ihnen zuteilt. Der Preis dafür ist hoch: Jeden Monat müssen die ersten drei Neugeborenen an der Mauer abgegeben werden. Wer sich weigert, wird mit dem Tod bestraft, besonders Hebammen wie Gaia und ihre Mutter.

Die Aufmachung des Buches ist sehr hübsch mit den vielen Punkten und Wirbel. Sie machen das Cover meiner Meinung nach besonders. Ich finde aber, dass im Hinblick auf Gaia vielleicht ein Gesicht Narben hätte haben sollen. Der Titel "Die Stadt der verschwundenen Kinder" passt meiner Meinung nach nicht so gut. Die Story handelt weniger von den verschwundenen Kindern als viel mehr von den verschwundenen Eltern Gaias, sowie dem "Babycode", der mit den tätowierten Punkten zusammenhängt, die Gaia und ihre Mutter nach jeder Geburt auf dem Knöchel des Babys anbringen. "Birthmarked" lautet der Originaltitel, und im Gegensatz zum deutschen Titel hat er viel  mehr mit der Handlung zu tun.
Im Buch selber gibt es zunächst mal eine Karte!! Das hat mich natürlich mega gefreut, da ich ein riesen Fan von Karten bin!! Mir hat es sehr geholfen eine Vorstellung von der Enklave und der Umgebung zu bekommen.







Obwohl die Geschichte über 300 Jahre in der Zukunft spielt, behandelt sie Themen, die Jugendliche zu allen Zeiten interessieren: erwachsen werden, abnabeln von den Eltern, Berufswahl, Freundschaft, erste Liebe, Schönheit (Gaias Gesicht ist durch eine Narbe verunstaltet), Abenteuer, Geburt und Tod. Einerseits wird die sechzehnjährige Gaia nach dem Verschwinden ihrer Eltern als Erwachsene akzeptiert und muss auch als solche handeln, andererseits wird sie von den Mächtigen der Enklave herumgestoßen wie ein Spielzeug, das nicht richtig funktioniert. Ein Gefühl, das Jugendliche nur zu gut kennen, auch wenn es bei ihnen selten um Leben und Tod geht ;)

Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Nicht besonders herausstechend aber gut zu lesen und flüssig. Der Leser kann sich gut in Gaia hineinversetzen - wie sie die für sich fremde Welt wahrnimmt und wie sie sich fühlen muss. Die Sprache ist bildlich, aber nicht zu aufgesetzt und trotzt nicht vor nichtssagenden Metaphern. Die Beschreibungen sind schön und ausreichend und in meinem Kopf hat sich sofort eine komplette Karte und Vision des Dorfes, der Mauer und des Lebens innerhalb der Mauer aufgebaut.
Ein wenig hat es mir aber, so zu Beginn, an Emotionen gefehlt. mit der Zeit fand wurde dies jedoch immer stärker und ich hab richtig mit gefiebert.


Fazit:

Ein etwas anderer Auftakt einer durchaus lesenswerten Dystopie mit einer sympathischen Erzählerin, einer interessanten Grundidee und sehr vielen Gefühlen.



Mittwoch, 21. September 2016

"Garten der Schmetterlinge" bringt die Nerven zum Flattern



Am 13. September 2016 ist der Psychothriller "Garten der Schmetterlinge" von Dot Hutchison herausgebracht. Für 2,49€ kann man dieses Buch als Kindle-Edition erhalten, ein Taschenbuch kostet 9,99€. Die Printausgabe hat 348 Seiten und ist im AmazonCrossing- Verlag veröffentlicht worden.
 
ISBN-10: 1503940985
ISBN-13: 978-1503940987
Originaltitel: The Butterfly Garden
Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 2,5 x 12,6 cm


Inhalt:
Sie leben in einem geheimen Garten: junge Frauen, die entführt und aufwändig tätowiert wurden. Große, bunte Schmetterlingsflügel zieren nun ihre Rücken. Doch der Gärtner ist nicht nur besessen davon, seine geliebten Exemplare zu fangen. Er will auch ihre Schönheit für die Ewigkeit bewahren … Als der Garten entdeckt wird, stehen die FBI-Agenten Victor Hanoverian und Brandon Eddison vor dem verstörendsten Fall ihrer Karriere. Ihre Fragen kann nur das Mädchen Maya beantworten, das zu den Überlebenden gehört. Doch Maya, die nicht immer so hieß, entpuppt sich selbst als Rätsel. Je mehr sie über das Leben und Sterben im Garten enthüllt, desto mehr fragen sich die Ermittler, was sie noch verbirgt …
Über die Autorin:
 
»Garten der Schmetterlinge« ist Dot Hutchisons zweiter Roman. Die Autorin liebt Gewitter, Geschichte, Mythologie und Filme, die man sich immer wieder ansehen kann und will, so sie von sich selbst. Dot Hutchison lebt im Mittleren Westen der USA und wenn sie nicht gerade liest oder schreibt, arbeitet sie in einem Buchladen.
 
Da ich durch viele Rezensionsexemplare auf den Geschmack von Psychothrillern gekommen bin, hört sich dieses Buch sehr interessant an und wandert vermutlich auf meine Wunschliste.

(Quelle - Information und Coverbild: Amazon.de. Die Bilder und Cover, sowie die Inhaltsbeschreibungen und Klappentexte sind Eigentum des jeweiligen Verlages bzw. Schriftstellers oder anderweitigen Rechteinhabers.)

Dienstag, 20. September 2016

Herrscherin des Lichts

 
 
Allgemeines:

Titel: Herrscherin des Lichts
Autorin: Jennifer L. Armentrout
Verlag: MIRA Taschenbuch (2011)
Genre: Fantasy
ISBN: 978-3899419450
Originaltitel: Queene of Light
Seitenzahl: 352 Seiten
Preis: 4,99€ (Kindle-Edition)
7,99€ (Taschenbuch)
Weitere Bände: Child of Darkness;
Veil of Shadows
(Veröffentlichungsdatum der deutschen Ausgaben: nicht bekannt)
 
 
 
Inhalt:
 
"Was macht dich so sicher, dass die Ende bald gekommen ist?" Der Wind legte sich plötzlich, die Wasseroberfläche kam zur Ruhe. (...)
"Vielleicht bist du hier, weil ein neuer Anfang bevorsteht!"
 
Elfen, Dämonen, Drachen und Vampire sind durch die Zerstörung des Walls in die Welt der Menschen gekommen, doch sie wurde zurück gedrängt. Nun leben sie seit langer Zeit tief unter die Städte verbannt. Hier herrschen nun die Elfen in der Lightworld, alle anderen Kreaturen leben in der Darkworld. Die beiden Welten leben in beständigem Kampf gegeneinander. Licht oder Dunkelheit? Die Entscheidung wird kommen...
 
Als die Halbelfe Ayla in der Darkworld einen Auftrag erfüllen soll, trifft sich auf den Todesengel Malachi, der die Unterwelt auf Seelenjagd durchstreift. Eine Elfe? Leichte Beute, denkt er, doch sein Angriff geht anders aus, als erwartet. Die bloße Berührung Aylas wird dem mächtigen Geschöpf zum Verhängnis, das Menschenblut, welches in ihr fliest, verwandelt ihn in einen Sterblichen, der Macht und Unsterblichkeit beraubt. Der nun zum menschlichen Ausgestoßenen verdammte, früher gottgleiche, muss sich nun mit menschlichen Gebräuchen und Gefühlen herumschlagen und sinnt nach Rache. Er schwört, sie mit ihrem Leben bezahlen zu lassen. Doch bei ihrer nächsten Begegnung ist es Ayla, die ihm das Leben rettet und er ist sich des Hasses nicht mehr ganz sicher. 
Ein Pakt zwischen Hass und Liebe wird geschlossen - und auf den dunklen Schwingen ihres Verlangens, scheint sich eine alte Prophezeiung zu erfüllen...
 
 
 
Bewertung:
"Es ist eine Prophezeiung und erzählt von einer Zeit, in der wir zusammengepfercht unter den Städten der Menschen hausen und unser Dasein als Diebe und Plünderer bestreiten müssen, um nicht zu verhungern. Abgeschnitten von der Natur und Sonnenlicht, begraben, als wären wir schon tot. (...)  Doch die Prophezeiung spricht  auch von einem Befreier, jemandem, der unsere Rasse aus diesem Elend retten wird. Eine mächtige Kriegerin, eine Königin, die Anführerin eines gewaltigen Feldzuges, der die Erdoberfläche reinwaschen und endlich unser Leid beenden wird."
Dieses Buch gammelte schon eine ganze Weile auf meinem SuB vor sich hin und als ich es zu Ende gelesen hatte, habe ich mich wirklich geärgert, es nicht schon früher gelesen zu haben.
Aufgrund vieler durchwachsener Kritiken bin ich mit nicht allzu großen Erwartungen an das Buch herangegangen, obwohl Jennifer L. Armentrout definitiv zu meinen absoluten Lieblingsautoren gehört. Dank dieser Zurückhaltung, war ich sehr positiv überrascht und bin nun fest entschlossen, das Buch entgegen der schlechten Bewertungen zu verteidigen! ;)
 
Das Cover wirkt schon gleich leuchtend und irgendwie magisch. Zu sehen sind zwei orangene Flügel, die zugleich durch die kräftigen Knochen robust und stark, dank der dünnen und schillernden Haut aber zart und hübsch wirken. Sie scheinen zu leuchten und man blickt automatisch zuerst auf sie, wenn man das Buch in der Hand hält. Der Hintergrund ist dunkel gehalten, nur um die strahlenden Flügel kann man rote Schlieren erkennen. Über den Schwingen schwebt der Titel in weiß, wobei kunstvolle Rauchschwaden die Buchstaben verzieren, was man aber nur auf den zweiten Blick sehen kann. Verwirrend ist der Name der Autorin. Auf allen anderen Büchern heißt die gute Frau "Jennifer L. Armentrout" und hier also "Jennifer Armintrout" - mit einem "i" und ohne einen abgekürzten Zweitname. Der Klapptext klingt zwar interessant und vielversprechend, ist aber meiner Meinung nach etwas zu kryptisch und sagt wenig über die eigentliche Handlung aus. Das muss man aber mehr dem Mira-Verlag ankreiden und weniger der Autorin.
 
Das Buch beginnt aus der Sicht von Ayla geschrieben, direkt bei der Erfüllung ihres Auftrags, bei dem sie auf Malachi trifft. Das Buch hat mich sofort gefesselt, die dunkle, düsteren Tunnel, die geheimnisvollen Wesen, die Charakter und die neue Welt, all diese Komponente haben ihr Übriges getan und ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen. Auch dass man zu Beginn noch sehr im Dunkeln gelassen wird, was die Geschichte der Welt anbelangt, in der unsere Protagonisten leben, haben mich trotz einiger Verwirrung angespornt weiterzulesen.
 
 
"Leb wohl, Darkworlder."
Sie ließ hinter sich die Tür ins Schloss fallen und folget dem Echo, das wie dumpfes Totengeläut durch die Tunnel hallte und sie zurück in ihre Welt bringen würde."
 
 
Als die Menschen den Wall zerstörten, der alles, was sie für Fantasie oder Träume gehalten hatten, von ihrer Realität trennte, kamen all diese Geschöpfe auf die Erde. Doch das Verhältnis zwischen den beiden komplett fremden Realitäten war zu sehr von Fremdheit, Machtgier und Argwohn geprägt um freundschaftlich zu werden. In ihrer Überlegenheit vertrieben, als es zum Krieg kam, zuerst die magischen Gestalten die Menschen in den Untergrund, wo sie die Kanalisation zu einem gigantischen Tunnelsystem ausbauten, ganze Städte und Paläste errichteten, schlugen dann aber in einem zweiten Kampf die magischen Geschöpfe, sodass sie seitdem ein trostloses Dasein unter der Erde fristen müssen. Diese Unterwelt ist noch einmal unterteilt in das gut organisierte Reich der Elfen, die Lightworld, und die chaotischen Tunnelsysteme, in denen alle anderen wohnen, die es dorthin verschlagen hat, die Darkworld. In der Darkworld leben auch Menschen, die aufgrund der Ausübung von Magie verbannt worden sind, während die Lightworld alle Menschen verabscheut. Diese beiden Welten halten also nicht viel voneinander und bekämpfen sich andauernd.
 
Wie es so kommt, kommen unsere beiden Hauptpersonen einer aus der Lightworld und der andere aus der Darkworld. Keine guten Voraussetzungen also, für ein gutes Verhältnis, schon gar nicht wenn die eine für den Verlust der Unsterblichkeit des anderen verantwortlich ist, eigentlich gezwungen wäre, ihn zu töten und der andere deshalb Blutrache schwört. In dieser Situation befinden wir und nach einigen Kapiteln. Abwechselnd durch einen personalen Er-Erzähler, wird man in die gegensätzlichen Welten von Ayla und Malachi eingeführt und natürlich bemerkt man erst gegen Ende, dass die beiden Welten gar nicht so verschieden sind, wie sie denken...
 
Diese Idee mit den beiden verschiedenen Welten fand ich sehr geistreich, vor allem da ich zuerst dachte, dass die Lightworld automatisch die Guten und die Darkworld die Bösen sein müssen, denn dem ist keineswegs so. Die Elfen sind nicht so geordnet, gerecht und ihr Leben so schön, wie es scheint und auch in der Darkworld leben eigentlich vorzugsweise arme Geschöpfe, die nirgends sonst geduldet werden. Was mir wieder sehr zugesagt hat, was auch die Beschreibung der Engel. Sie sind herzlos, führen Befehle aus und warten ... naja, bis ihr Schöpfer zurück kommt oder das Ende der Zeit naht.
 
 
"Zeit. Dazu hatte er bisher keinerlei Bezug gehabt. Mit nichts als der Ewigkeit als Maßstab war so etwas wie Zeit vollkommen bedeutungslos gewesen. Sie kamen. Irgendwo im Labyrinth der Tunnel waren sie und bewegten sich auf ihn zu. Er erwartete sie.(...)
Malachi glaubte zu wissen, was sie empfanden, und er erkannte, dass sie nichts empfanden."
 
 
Ayla ist eine zierliche Halbelfe mit flammend roten Haaren. Sie wurde auf dem Streifen geboren, der schmalen und neutralen wie gesetzlosen Grenze zwischen der Dark- und der Lightworld, hatte also eine schwierige Kindheit. Als sie alt genug war um sich unabhängig versorgen zu können, hat sie in der Lightworld als Assassine der königlichen Gilde eine Ausbildung begonnen und in kämpferischen Aufträgen die Drecksarbeit des Königreiches erfüllt. Sie ist also ein sehr selbstständiger und kampfbereiter Charakter, der vielen durchstehen musste, was sie stark gemacht hat. Auch in diesem Buch wird sie immer wieder geprüft, von einer Extremsituation zur nächsten befördert, und doch hält sie immer durch, tut was sie für richtig hält und lässt sich nicht entmutigen. Sie leidet jedoch sehr unter ihrem Makel, nur eine halbe Elfe zu sein und verabscheut die menschliche Hälfte in ihr. Sie hält sich für hässlich und weniger wert, was ihr Selbstvertrauen nicht sonderlich steigen lässt. In dieser Angelegenheit entwickelt sie sich und lernt zu sich zu stehen. Ihr Charakter hat mir sehr gut gefallen, da sie von Anfang an eine starke Seite in sich getragen hat und immer wieder durch Mut und Moral überzeugte. Viele kritisieren, in den knapp 350 Seiten sei nicht genug Zeit für die ausreichende Charakterisierung der Protagonisten gewesen, doch ich hatte schon nach etwa 50 Seiten das Gefühl, eine unglaubliche Persönlichkeit kennengelernt zu haben. 
 
 Ihr Leben verläuft zuerst noch in recht geordneten Bahnen, eine sichere Anstellung, Zukunftsaussichten, doch bald manövriert sie sich in immer tiefere Schwierigkeiten. Ihr Mentor Garret steht auf sie und will, dass sie seine Gefährtin wird (etwa ein elfisches Pendant zur Heirat), doch natürlich ist dem Leser von Anfang an klar, dass das für ihren selbstständigen und freiheitsliebenden Charakter nicht das Richtige ist. Auch fühlt sie sich immer mehr von dem geheimnisvollen Darkworlder angezogen, den sie -eine wichtige elfische Regel brechend- verschont hatte und als sie ihn wieder trifft, kann sie ihm nicht widerstehen...
 
 
"Das Wort jagte ihr einen Schauer der Abscheu über den Rücken.
Mitleid.
Es gab nicht den geringsten Grund, dieses Wesen zu bemitleiden, diese bösartigen, verdorbenen Bestien, deren jämmerliches Dasein sich kaum von dem der Insekten in ihren dreckigen Löchern unterschied. Wenn dieser Darkworlder starb, gäbe es einen weniger von ihnen. Das war alles.
Warum aber, wenn es so leicht war, bereitete ihr der bloße Gedanke solchen Schmerz?" 
 
 
Denn mit ihm ist es ähnlich, wie mit Ayla. Auch er hat mir sehr behagt, auch wenn er manchmal etwas befremdlich wirkte. Zuerst als gefühlloser Todesengel, der Seelen der sterblichen Toten einsammelt und zum Äther bringt, dann als plötzlich von Gefühlen überwältigter, ahnungsloser Mensch, tappt er in viele Fallen dieser ungewohnten Welt, nimmt fast jedes Fettnäpfchen mit und verliebt sich schließlich unsterblich... in Ayla. Durch seine fast kindliche Unwissenheit und der dunklen Vergangenheit ohne Zeit und Limit, wirkt er einerseits geheimnisvoll und andererseits irgendwie süß. Natürlich ist sein Charakter noch etwas unklar, da auch er selbst noch zu sich finden muss, doch das kann noch in den weiteren Teilen ausgebaut werden.
 
Auch Garett, der Mentor Aylas und gleichzeitig Bruder der Königin Mabb, war faszinierend. Ich konnte ihn von Anfang an nicht leiden, da er falsch wirkte, was sich auch später bestätigt hatte. Eiskalte Gerissenheit, gutes Schauspieltalent und viele Verbindungen machen ihn erst zu einem gefühlslosen Gefährten und dann zu einem ernstzunehmenden Gegner.
 
Die Liebesgeschichte entwickelt sich zwar etwas extrem schnell, doch das hat mich nicht sonderlich gestört. Die Autorin beschreibt die überwältigende Gefühle Malachis, die dieser noch niemals gespürt hatte einfach herzzerreißend und auch Ayla, hat bisher eher ihrer berechnenden elfischen Seite nachgegeben und versucht die gefühlvolle menschliche zu vergessen. Auch wenn also alles etwas überhastet wirkt, nimmt die Lovestory niemals zu viel Platz ein und lässt Raum für andere Charaktere, Freundschaft, Schmerz, Action, Intrigen und die vielen Ungerechtigkeiten einer typischen Dystopie.
 

"Wie es wohl sein musste, von einer Welt in eine andere hinüberzugehen? Aus dieser Welt zu scheiden, in die sie niemals wirklich gehört hatte, in der sie sterblich war, um an einen anderen Ort zu gehen, der nicht existierte? Gewaltsam aus der einen Ebene gerissen zu werden, ohne in einer neuen Zuflucht zu finden. Eine Reise anzutreten, ohne jemals ans Ziel zu kommen? Weil das Ziel nicht real war... "
 
 
Denn dieses Buch ist ganz klar eine solche. Die Fantasie bleibt mehr im Hintergrund und macht die Bühne frei für eine anbahnende Unrechtsherrschaft im Königtum der Elfen. Es geht viel um politische Macht, Regierungssitzungen, Ungerechtigkeit, Verbindungen, Kontrollspielchen, Mord, Verrat und natürlich Verantwortung. Im Ablauf der Handlung kann man auch ganz klar eine Dystopie erkennen, Rebellion, Kampf, ein neuer König, alle Geschütze werden aufgefahren und trotzdem leiden unter dem fast zusammen gequetschten Plot weder die Charaktere, die Gefühle noch die Glaubwürdigkeit. Selbstverständlich ist dieser Teil ganz klar als Einführungsband in eine neue Trilogie konzipiert und deshalb eher erklärend. Man kann ihn aber durchaus auch alleinstehend lesen, was ihr wahrscheinlich tun müsst, denn die weiteren zwei englische Bücher werden nicht ins Deutsche übersetzt werden! An dieser Stelle: Schande über den Mira - Verlag! ;-)
 

"Sie schloss die Augen und benutzte den inneren Blick, um die Wunde genauer zu untersuchen. In ihrer Brust sah sie den Baum ihrer Lebenskraft in schimmerndem Grün leuchten, doch die Äste, die in der Nähe ihres aufgerissenen Fleisches wuchsen, hatten ein herbstliches Orange angenommen, das in knalliges Rot überging, wo die Funken ihrer Lebenskraft die Ränder der Wunde berührten und wie kleine Bläschen zerplatzten."
 

Der Schreibstil von Jennifer L. Armentrout ist gewohnt fesselnd, flüssig und bildhaft beschrieben. Sehr mystisch und geheimnisvoll umfasst sie das beschwerliche, unstrukturierte Leben unter der Erde, auch wenn ich zu Beginn Schwierigkeiten hatte, mir das vorzustellen. Die Diskrepanz zwischen dem gefahrvollen, Leben in der Darkworld und dem königlich protzenden Lebensstil in der Lightworld ist verstörend. So hat sie mich erwartet in die Welt eingesaugt und trotz der Kritik überzeugen können.
 
 
 
Fazit:
 
Ein weiteres Klasse-Buch von Jennifer L. Armentrout, voller Liebe, dystopischer Ungerechtigkeit, Chaos und viel Magie.
Absolut lesenswert!
 

Montag, 19. September 2016

Montagsfrage #10 - 19.09.16

 Hallo zusammen,
 ich wünsche euch einen guten Start in die neue Woche und viel Spaß mit der wöchentlichen Montagsfrage von Buchfresserchen! :)
 

Gibt es Antagonisten, die ihr mehr mögt als Protagonisten bestimmter Bücher/Reihen und falls ja, was ist der Grund dafür?

 
Ich kann ganz klar sagen: Ja! Falls ihr mit den Begriffen ein Problem haben solltet, scrollt einfach etwas herunter, am Ende der Seite habe ich es erklärt...
 
Leider fällt mir im Moment kein gutes Beispiel dafür ein, doch das der Antagonist mir besser gefällt, kommt bei mir schon vor. Viele nennen an dieser Stelle Severus Snape oder Draco Malfoy, welche ich beide auch super finde, doch für mich bleibt Harry eindeutig die Nummer eins!
 
Die meisten Protagonisten sind sehr gut bis sogar perfekt dargestellt, was sie manchmal etwas lahm macht. Vor allem in etwas schwächeren Büchern sagen mir dann die "Bösen" etwas mehr zu. Oft haben sie einfach eine andere Sichtweise auf den Plot als der Protagonist und wenn diese logisch erklärt und nachvollbar ist, kann man seine Motive akzeptieren. Ein Antagonist muss nicht unbedingt böse sein, seine Absichten falsch und die Mitte grausam, manchmal steht er auch einfach nur einem anderen Menschen gegenüber, praktisch als Vertreter eines anderen Blickwinkels.
 
Für die richtig dunklen Charakter habe ich aber auch eine klare Vorliebe. Natürlich macht sie auch der "dunkle Touch", der ihnen oft anhaftet, geheimnisvoll und wenn sie gegen Ende doch irgendwie die Kurve kriegen, man ihre tragische Vergangenheit erfährt oder sie einen Heldentod sterben, gefällt es mir sehr. Das Paradebeispiel dieses Falles ist Luke aus "Percy Jackson". Trotz dass er eigentlich böse war, habe ich an ihn geglaubt und er hat mich nicht enttäuscht!! ;)
 Bevorzugt die Entwicklung hin zu einem besseren Menschen ist dann sehr berührend und faszinierend mit zu verfolgen. Genau das sie nicht mit liebenswertem Auftreten oder schönen Worten beeindrucken, sondern ehrlich und oft sehr sarkastisch allen auf die Nerven gehen und mehr zeigen können als eine Fassade, ist faszinierend.
 
Natürlich gibt es auch unzählige Antagonisten, die einfach nur grausam, ekelhaft und abstoßen sind und es einem somit recht einfach machen, sie zu hassen. Trotzdem ist es für mich oft schwer zu sagen, wer genau der Antagonist sein soll, da nicht immer eine "böse Person" der Hauptperson gegenübersteht. In Dystopien zum Beispiel ist oft das System der eigentliche Antagonist.
 
Lange Rede, kurzer Sinn: Antagonisten allgemein finde ich unglaublich spannend, dass sie mir besser gefallen als die Protagonisten ist selten der Fall, es kommt aber vor.
 
Wie das bei euch ist, würde mich sehr interessieren!
 
 
LG Sophia
 
 
 
 
 
Antagonist:
 
Der Antagonist (griech. ανταγωνιστής – „Gegenspieler“) ist in Drama und Prosa der hauptsächliche Gegner des Protagonisten und die Kraft der Erzählung, die dessen Handeln zu behindern versucht. Die Rolle des Antagonisten besteht ganz allgemein darin, dem Protagonisten Schaden zuzufügen und seine Handlungsabsichten zu durchkreuzen.
 
 
 
Protagonist:
 
Der Protagonist (vom altgriechischen πρωταγωνιστής protagonistés „Haupt-“ oder „Erst-Handelnder“) bezeichnet in Literatur und Film die Hauptfigur, der Held eines Romans, einer Erzählung oder eines anderen literarischen oder filmischen Werkes verstanden oder ganz allgemein der hauptsächlich Ausführende einer Handlung oder Handlungsreihe.
Meist ist der Protagonist daran erkennbar, dass er im Verlauf des Stücks eine Wandlung erfährt, sich also durch die Ereignisse und Erfahrungen (meist zum Guten) weiterentwickelt. Der Protagonist muss nicht mit der Titelfigur eines Werkes identisch sein, dies ist jedoch häufig der Fall.
Im übertragenen Sinn steht der Begriff „Protagonist“ für einen Vorkämpfer, Ideengeber, Anführer oder einen besonders einflussreichen, bedeutenden und herausragenden Vertreter eines Standpunkts, einer Leitlinie, einer Weltanschauung oder ähnlichen ideellen Sachverhalten.
 
 
(Quelle: wikipedia.de)

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Samstag, 17. September 2016

Menschenkino



Allgemeines:

Titel: Menschenkino
Autor: Constantin C. Tief
Genre: Thriller
ASIN: B01EIWG98M
Seitenzahl: 311 Seiten
Preis: 2,99€ (Kindle-Edition)



Inhalt:

"Die Nacht war reif für Blut und Sperma. Sie war so warm. Sie verlangte geradezu danach. Also, was sollte ich tun?
Das Sperma konnte ich beisteuern. Das Blut musste ich mir von jemand anderem holen."

Dieser Gedanke eines Fremden ist der Auftakt des ganz persönlichen Albtraums von Düsseldorfs Star-Kommissars Johannes Kleinert.

Plötzlich ist der Sommer über die Stadt gekommen, und eine junge Frau wird ermordet. Ihre Leiche ist wie eine Installation kunstvoll auf der Dachterrasse eines Penthouses drapiert. Kleinert ist fasziniert von der Präzision und Detailverliebtheit des Mörders und stürzt sich gemeinsam mit seinem jungen, begabten Partner Victor Exner in die Ermittlungen. Doch Ihre Euphorie ist schnell verflogen als ihnen klar wird, dass sie in diesem mörderischen Katz- und Mausspiel definitiv nicht die Jäger sein werden.
Auf dem Höhepunkt seiner Karriere muss Johannes Kleinert einen Mörder zu Strecke bringen, der aus Vergnügen jede Grenze überschreitet. Der Fall führt ihn nicht nur zurück in seine Vergangenheit ins Ruhrgebiet; Johannes Kleinert muss in diesem Psychothriller auch seine Zukunft retten, als plötzlich alles auf dem Spiel steht...



Bewertung:
"Es endet. Hier."
Mein erster Gedanke, als ich das Buch zu Ende gelesen hatte war:
Wer sich so etwas ausdenkt muss entweder ein kranker Irrer oder ein unglaublich genialer Kopf sein!
Ich tendiere eher zu genial...

Das Cover ist sehr schlicht und bis auf den orangefarbenen Titel ganz in schwarz-weiß gehalten. Zusehen ist ein großes Mädchengesicht mit drei kleinen schwarzen Strichen an der Halsschlagader. Da der Mörder krakelige Zeichnungen als Warnung auf der Haut hinterlässt, insgesamt sehr passend. Auch der Titel ist sehr interessant gewählt. Der Täter beschreibt das "Menschenkino", bei dem er das Leben anderer ausspioniert, als seine Lieblingsbeschäftigung. Schon allein darin zeigt sich seine perverse Vorliebe für Spielchen, Kontrolle und das Leben anderer.

"Vorsichtig tastete ich mich durch das dunkle Gestrüpp. Jetzt bloß kein knackender Ast oder sonst irgendwas; das würde meinen kleinen Ausflug abrupt beenden. Ich wollte das unbedingt vermeiden, denn zum Ausklang des Tages hatte ich mir eine meiner Lieblingsbeschäftigungen vorgenommen: Menschenkino."

Mit einem ersten Mord beginnt alles; langsam werden Mörder, Opfer und die Ermittler in einem unheimlichen Auftakt eingeführt. Schon von Anfang an war ich entsetzt, ob des abnormalen Genusses, welchen der Mörder während seinen Grausamkeiten an den Tag legt. Fast schon sanft und charmant wirkt er bei seinen Taten, steht im krassen Kontrast zu den grauenvollen Morden, die dabei herauskommen.

Auch Hauptkommissar Johannes Kleinert ist zuerst fasziniert von der Präzession und Eleganz des Täters, muss aber schon bald das grauenvolle Ausmaß des Spiels begreifen, das der Mörder im Begriff ist mit ihm zu spielen. Immer ist der Täter dem Ermittlergespann um einen Schritt voraus, fast enttäuscht über deren Leistung, und wirkt somit absolut überlegen. Während die Stadt nervös wird und die beiden Polizisten im Dunkeln tappen, folgen immer mehr Morde und schon bald sind die Ermittler die Gejagte...

"Da drüben war Johannes Kleinert. (...)
Mit ihm zu spielen würde definitiv eine Herausforderung werden. Aber wir würden auch eine Menge Spaß haben. Und nur darum ging es hier. Spaß.
Für heute hatte ich  allerdings alles, was ich wollte. Ich hatte den ersten Zug getätigt, und es war eine perfekte Nacht gewesen. (...)
Unser Spiel hatte begonnen!"

Sehr gut gefallen hat mir Johannes Kleinert als Kommissar. Sein Charakter ist sehr schwierig zu fassen und schon gar nicht in so wenige Zeilen zu quetschen, was eine Glanzleistung des Autors bestätigt. Begeistert und detailgenau macht sich der Anfang - Vierziger an seine Arbeit und verblüfft durch eigenwillige Ermittlungsmethoden, geniale Geistesblitze, scharfe Kombinationen und viel Mut und Moral. Sehr unklar war mir, ob er seine Frau wirklich liebt, was sich zum Ende hin als Zu Beginn erschien er mir etwas konfus und seltsam, doch genau diese Individualität macht ihn so geistreich und behandelt auch dieses Buch. Sehr schnell ist er mir ans Herz gewachsen und tat mir immer mehr leid, als er durch die Unbarmherzigkeit des Täters alles zu verlieren scheint, sein Job, seine Frau, sein Freund, sein Instinkt, sein Leben...?

Etwas klarer gestrickt ist sein junger Partner Victor Exner, welcher zuerst mit cleveren, feinsinnigen Einfällen die Gunst des erfahrenen Hauptkommissars zu gewinnen versucht, später aber immer mehr unter den Psychospielchen des Mörders zerbröckelt. Ich konnte kaum begreifen, wie dieses abstruse Spiel, diesen so naiv begeisterten Charakter komplett zermalmen konnte.

 Neben den beiden Herzdamen der Ermittler, die kesse Pathologin Helen und die bodenständige Claudia, spielt eigentlich nur noch genau eine Person eine entscheidende Rolle: der Mörder!
Aus der Ich-Perspektive werden einzelne Szenen, manchmal auch nur Sätze aus seiner Sicht eingeworfen, was mich fast zum durchdrehen gebracht hat. Zu meiner großen Überraschung wechselte Constantin Tief irgendwann auch bei ihm zum eher neutraleren Er-Erzähler, mit dem er auch den Rest der vorkommenden Personen erzählen lässt. Leider erfährt man nie ein genaues Motiv für sein Handeln. Weder hatte er eine Kindheit in Armut und Ungerechtigkeit, noch ist von Gewalt oder Vernachlässigung die Rede. Es scheint, als sein er schlicht und einfach wahnsinnig.

"Er war unheimlich. Irgendetwas war mit seinem Gesicht. Es musste an dem Ausdruck gelegen haben. Jedes Mal hatte sie das Gefühl gehabt, er könne ihre Gedanken lesen. Seine schwarzen Augen bohrten sich in ihren Kopf. Sie fühlte sich nackt."

Des Täters Spaß an psychopathischen Spielchen, der Kontrollwahn und sein unüberwindbarer Blutdurst machen ihn aber trotzdem unmenschlich und einfach nur ekelhaft. Seltsamerweise konnte ich ihn trotzdem nicht so hassen und verabscheuen, wie ich das bei anderen Büchern mit Befriedigung tue. Irgendetwas an seinem Charakter, mochte er auch so befremdlich sein, hat ihn sehr anziehend wirken lassen, wie auch immer der Autor das geschafft hat.

"Das Leben anderer war spannend. Niemand konnte das verleugnen. (...) Menschen zu beobachten war eine herrliche Sache. Dagegen hatte Fernsehen keine Chance. Inzwischen würde ich mich als sehr guten Anschleicher und Beobachter Beschreiben. (...)
Das Anschleichen war ein Teil der Jagd.
Ich ging gerne jagen..."

Der Stil ist knapp gesagt: durchschnittlich. Was so viel heißen mag wie "nicht besonders schlecht aber auch nicht überragend". In kurzen Sätzen wird die Handlung vorangetrieben, gestützt durch gekonnte Zusammenfassungen, Ortsbeschreibungen und spannungsschürenden Einwürfen. Dabei sind manche Szenen sprachlich besser und andere etwas eintönig gehalten, was aber in der ganzen Handlung völlig versinkt.
"Der Schnee draußen war wunderbar. In großen Flocken fiel er gemächlich aus den tiefhängenden grauen Wolken. Sie liebte den Schnee. Er zeichnete all die harten Konturen so schön weich. Es gab dann keine Ecken und Kanten mehr, sondern nur noch herrliche Rundungen. Außerdem verschwand der ganze Dreck der Stadt unter einer blütenweißen Decke..."
Was mich aber so unwahrscheinlich stark gefesselt hat, ist die Unvorhersehbarkeit des Plots. Mich regt nichts mehr an Büchern auf, als wenn schon in den Anfangssätzen der Fortgang der kompletten Handlung abzusehen ist und jede Konversation, jedes Detail, das scheinbar unauffällig hineingearbeitet ist schon sofort seinen Zweck verrät. Doch durch die wenig vorausblickende szenische Auswahl, die mehr von Moment zu Moment lebt, ist man oft von einer Wendung schockiert, die man nicht kommen sehen hat.

Auch Erkenntnisse in der Ermittlung sind so passend mit neuen Indizien und verräterischen Details eingewebt, so dass man einen Zusammenhang immer nur einen Augenblick vor den Ermittlern versteht, was zum einen mein Mittdenken gefördert hat und mich zum anderen nicht durch lange unrealistische Durststrecken gelangweilt hat.

 Insbesondere die Darstellung des Andersseins, der Sensationshunger der Journalisten und die Einblicke in den Alltag einer Pathologin, sind mir noch positiv aufgefallen.
Immer grausamer wird die Handlung und scheint auf ein festgelegtes Finale zuzusteuern. Die Spannung steigert sich also immer mehr und ich hatte, nicht wie bei anderen Autoren, überhaupt kein Gefühl dafür, was Constantin Tief noch seinen Charakteren antun würde, wo seine Schmerzgrenzen liegen. Für einen kurzen Moment hatte ich das Gefühl, am Ende würden alle sterben.
"Das schwarze Augenpaar beobachtete sie. Sie fühlte sich wie ein Insekt in einem Einmachglas, das von einem spielenden Kind gefangen worden war. Der Mann lächelte..."
Wie viele andere Rezensionen auch, will ich gerne das Finale loben, welches akribisch vom Mörder entworfen worden war um alle noch mehr zu quälen. Dabei werden alle genannten Hauptpersonen noch einmal auf die Probe gestellt und vollkommen den Abgründen ihrer eigenen Seelen ausgeliefert. Was einen die Angst alles sagen und tun lässt, ist erschreckend, jedoch keineswegs nicht plausibel. Sehr brutal und opferreich endet das Buch mit einem offenen Wink, der nur erahnen lässt, was danach passiert.

Das alle anwesenden - inklusive Leser - aber ein Trauma fürs Leben erleiden werden, ist gewiss. Auf jeden Fall würde ich also eine Altersbegrenzung hinzufügen. Dennoch kann ich endlich mal wieder ohne groß nachzudenken ganze fünf Sterne vergeben.


Fazit:

Ganz großes (Menschen-) Kino voller psychopathischen Spielchen, blutigen Morden und talentvollen Geistesblitzen.


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Vielen Dank an den Autor für das Rezensionsexemplar, was meine ehrliche Meinung jedoch nicht beeinflusst hat. 
(Quelle- Information und Coverbild: Amazon.de. Die Bilder und Cover, sowie die Inhaltsbeschreibungen und Klappentexte sind Eigentum des jeweiligen Verlages bzw. Schriftstellers oder anderweitigen Rechteinhabers.)
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