Donnerstag, 22. September 2016

Die Stadt der verschwundenen Kinder




Allgemeines:

Titel: Die Stadt der verschwundenen Kinder
Autorin: Caragh O´Brien
Verlag: Heyne Verlag (2013)
Genre: Science-Fiction
ISBN: 9783453534223 
Originaltitel: Birthmarked
Seitenzahl: 480 Seiten
Preis: 16,99 € (gebundene Ausgabe)
7,99 € (Kindle-Edition)
8,99 € (Taschenbuch)
Weitere Bände: Das Land der verlorenen Träume;
Der Weg der gefallenen Sterne



Inhalt:

"Sag mir, wo die Kinder sind!"

Die sechzehnjährige Gaia Stone gehört mit ihrer Mutter zu den wichtigsten Menschen in ihrer Gemeinschaft: Als Hebamme muss sie jeden Monat die ersten drei Neugeborenen an der Mauer für die Enklave abgeben – so lautet das Gesetz. Diesen Kindern soll es hinter der Mauer besser gehen. Sie werden von wohlhabenden Familien adoptiert.
Noch nie hat es jemand gewagt, gegen dieses Gesetz und die Herrscher jenseits der Mauer aufzubegehren. Doch dann werden Gaias Eltern verhaftet.  Für das junge Mädchen zerbricht eine Welt, und sie beginnt Fragen zu stellen: Was geschieht mit den verlorenen Kindern? Als Gaia auf der Suche nach Antworten heimlich die verbotene Stadt betritt, beginnt für sie ein Abenteuer voller Gefahren, und sie macht eine Entdeckung, die das Schicksal der Kinder und die Zukunft der Menschen für immer verändern wird ...


Bewertung:


"Es gibt ein paar Dinge, die wir nicht mehr infrage stellen können, sobald wir sie getan haben, denn sonst könnten wir nicht weiterleben. Und wir müssen weiterleben, jeden einzelnen Tag."


Dieses Buch hat mich sehr überrascht. Ich hatte auf einen "Lückenfüller" für zwischendurch gehofft und ein tolles spannendes Buch bekommen.
Schon nach wenigen Seiten war mir klar: ich möchte mehr davon lesen. Zum Glück ist es ja auch nur der Anfang einer Trilogie und es gibt noch mehr davon!

Der Einstige in die Geschichte selber ist mir sehr leicht gefallen, wenn auch der Anfang sehr plötzlich kommt. Es geht direkt damit los, dass Gaia ein Baby entbindet. Ich fand es sehr interessant, die Geschichte aus der Sicht von einer Hebamme zu sehen. Es ist mal etwas komplett anderes und sehr erfrischend zu lesen. Man ist mit Gaia bei Geburten dabei, bringt neues Leben in die Welt und versucht den Müttern Trost zu spenden, wenn das Kind an die Enklave geht.

Gaia finde ich einen sehr tollen Charakter. Sie ist keine typische Rebellin, stark, hübsch mit atemberaubenden Fähigkeiten. Sie ist zwar mutig und leistet oft Widerstand durch ihre Wortwahl, dennoch ist sie in keinster Weise perfekt oder bewusst ansprechend gestaltet und genau das verleiht ihr Tiefe. Ihr Gesicht ist durch ein Narbengewirr entstellt und sie selber leidet sehr darunter. Sie hat keine Kampferfahrungen oder eine andere Art sich zu verteidigen gelernt, sondern ist eine einfach Hebamme. Dennoch überrascht sie immer wieder mit ergreifenden Reaktionen.
Auch Gaias Eltern waren mir unglaublich sympathisch und haben -wenn auch verhaftet- viel zur Geschichte beigetragen. Besonders ihren Vater konnte ich schnell ins Herz schließen. Die Art wie er beschrieben wird, fand ich sehr schön. Auch super fand ich den jungen Soldaten Leon Grey, der Hauptmann der Wache in der Enklave. Was er für eine Rolle spielt, will ich hier nicht verraten doch natürlich kommt in dem Buch auch die Lieb zum Zug...
Die Autorin hält sich bei ihrer Idee und ihren Figuren nicht an reine Schwarz-Weiß-Malereien, sondern findet viele besondere und hervorstechende Merkmale, die Charakter, Erfahrung und Entwicklung gekonnt unter einen Hut bringen, sodass man trotz komplizierter Namen nie jemanden durcheinanderbringt.

Die Geschichte spielt im 24. Jahrhundert, nachdem eine Klimakatastrophe die Menschheit fast aussterben gelassen hat. Anders als der Einschlag einer Bombe oder eines großen Himmelskörpers geht der Klimawandel aber allmählich vor sich und lässt den Menschen Zeit, sich Lösungen auszudenken.
Eine davon, und ganz sicher keine perfekte, ist die Enklave, in der die Kinder nur insofern verschwinden, als sie zwangsadoptiert werden. Warum das so ist, findet Gaia, die Hauptperson der Geschichte, nach und nach heraus.
 Allerdings hat man den Eindruck es ist eine Geschichte aus der Vergangenheit. In dem kleinen Dorf Wharfton vor der Mauer leben die Menschen in mittelalterlichen Umständen, primitiv und unzivilisiert wobei es auf der anderen Seite
Es wird eine klassische dystopische Welt geschaffen. Alles ist streng rationiert und jeder träumt von einem besseren Leben. Das ist jedoch nur wenigen Auserwählten vorbehalten, die in einer geheimnisvollen Stadt leben, der Enklave, hinter einer unüberwindlichen Mauer. Alle anderen müssen sich mit dem zufriedengeben, was die Enklave ihnen zuteilt. Der Preis dafür ist hoch: Jeden Monat müssen die ersten drei Neugeborenen an der Mauer abgegeben werden. Wer sich weigert, wird mit dem Tod bestraft, besonders Hebammen wie Gaia und ihre Mutter.

Die Aufmachung des Buches ist sehr hübsch mit den vielen Punkten und Wirbel. Sie machen das Cover meiner Meinung nach besonders. Ich finde aber, dass im Hinblick auf Gaia vielleicht ein Gesicht Narben hätte haben sollen. Der Titel "Die Stadt der verschwundenen Kinder" passt meiner Meinung nach nicht so gut. Die Story handelt weniger von den verschwundenen Kindern als viel mehr von den verschwundenen Eltern Gaias, sowie dem "Babycode", der mit den tätowierten Punkten zusammenhängt, die Gaia und ihre Mutter nach jeder Geburt auf dem Knöchel des Babys anbringen. "Birthmarked" lautet der Originaltitel, und im Gegensatz zum deutschen Titel hat er viel  mehr mit der Handlung zu tun.
Im Buch selber gibt es zunächst mal eine Karte!! Das hat mich natürlich mega gefreut, da ich ein riesen Fan von Karten bin!! Mir hat es sehr geholfen eine Vorstellung von der Enklave und der Umgebung zu bekommen.





Obwohl die Geschichte über 300 Jahre in der Zukunft spielt, behandelt sie Themen, die Jugendliche zu allen Zeiten interessieren: erwachsen werden, abnabeln von den Eltern, Berufswahl, Freundschaft, erste Liebe, Schönheit (Gaias Gesicht ist durch eine Narbe verunstaltet), Abenteuer, Geburt und Tod. Einerseits wird die sechzehnjährige Gaia nach dem Verschwinden ihrer Eltern als Erwachsene akzeptiert und muss auch als solche handeln, andererseits wird sie von den Mächtigen der Enklave herumgestoßen wie ein Spielzeug, das nicht richtig funktioniert. Ein Gefühl, das Jugendliche nur zu gut kennen, auch wenn es bei ihnen selten um Leben und Tod geht ;)

Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Nicht besonders herausstechend aber gut zu lesen und flüssig. Der Leser kann sich gut in Gaia hineinversetzen - wie sie die für sich fremde Welt wahrnimmt und wie sie sich fühlen muss. Die Sprache ist bildlich, aber nicht zu aufgesetzt und trotzt nicht vor nichtssagenden Metaphern. Die Beschreibungen sind schön und ausreichend und in meinem Kopf hat sich sofort eine komplette Karte und Vision des Dorfes, der Mauer und des Lebens innerhalb der Mauer aufgebaut.
Ein wenig hat es mir aber, so zu Beginn, an Emotionen gefehlt. mit der Zeit fand wurde dies jedoch immer stärker und ich hab richtig mit gefiebert.


Fazit:
Ein etwas anderer Auftakt einer durchaus lesenswerten Dystopie mit einer sympathischen Erzählerin, einer interessanten Grundidee und sehr vielen Gefühlen.



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