Samstag, 10. September 2016

Der Ruf des Turuls - Ildikós Erben

Allgemeines:
Titel: Der Ruf des Turul - Ildikos Erben
Autorin: Sarah Schäfle
Verlag: Stephan Moll Verlag (2016)
Genre: Fantasy
ASIN: B01CBIOKCM
Seitenzahl: 254 Seiten
Preis: 2,99€ (Kindle-Edition)
Weitere Bände: Der Ruf des Turul - Im Zeichen des Falken (Teil 1);
Der Ruf des Turul - Die Macht des Taltós (Teil 3)



Inhalt:

"In Budapest endete der Zug wieder am Keleti-Bahnhof. Vor einer knappen Woche war ich relativ unbedarft in dieser Bahnhofshalle herumgelaufen, mit der Aussicht auf Ferien bei meiner Großtante. Ein bisschen Sightseeing, baden in den Thermen, ausspannen. Und das Chaos daheim gemütlich aus der Ferne erforschen.
Tja, erstens kommt es anders und zweitens als man denkt."


Bei der Besichtigung der Basilika entdeckt Madeleine einen Friedhof, den aber nur sie und Thilo sehen können. Beim anschließenden Schwimmbadbesuch erklärt Thilo Jans seltsames Verhalten. Jan stammt aus der gegnerischen Familie, dem Klimó-Clan. Er liebt Madeleine immer noch, konnte dies aber wegen seiner Eltern bisher nicht zeigen. Doch er hat Thilo eine Prophezeiung und einen Stammbaum mitgegeben.

Mitten in der Nacht werden sie davon geweckt, dass alles um sie herum in Flammen steht. Offenbar steckt wieder das schattenhafte Wesen dahinter. Sie fliehen mit dem Zug an den Plattensee, an dem Madeleines Familie einst ein Strandhaus besaß. Dort finden sie das Strandhaus und anhand verschiedener Indizien erkennt Madeleine, dass ihre Großmutter dort war. Im Haus finden Thilo und Madeleine ein Büchlein, in dem neben ungarischen Texten ihr Stammbaum niedergeschrieben wurde. Es ist ein Schock für beide, als sie erkennen müssen, dass sie Zwillinge sind. Doch schnell finden sie Gefallen an dieser Vorstellung ...

 
Bewertung:
 
"Vor mir auf dem Rasen, über mir und dem Turuldenkmal und auch hinter mir kreisten unzählige Schatten. Im Dunkeln fielen sie nur durch ihre Bewegungen auf, doch ich konnte sie deutlich sehen. Sie hatten Köpfe und unförmige, wabernde Schweife, die hinter ihnen herwogten wie bei Kometen. Ich hatte nur einen Gedanken: "Scheiße!"


 Das Cover trägt blau-lila Farbkleckse in Batik-Manier und die leicht krakeligen Umrisse eines Vogels, vermutlich denen eines Falken, welcher die Flügel ausbreitet. Die verschwimmenden Flecken wirken rauchig und verwischt, erinnern mich somit an Feuer. In weißer Farbe schwebt darüber der Titel und der Name der Autorin. Auch wenn ich diese Beschriftung immer noch etwas unübersichtlich finde, spricht mich das Cover an und passt zum Buch.

 Wenn der erste Band der Reihe "Im Zeichen des Falken" auch sehr gemächlich und alltäglich startete, beginnt dieser Teil nach einem mitreißenden Prolog sehr rasant und mitten in der Handlung. Gleich steigt man wieder in die Suche/Flucht/Schlacht/Abenteuerreise -oder wie auch immer man das nennen will- ein. Dem Leser und auch den Jugendlichen ist noch sehr vieles unklar und auf sich alleine gestellt klappern sie möglicherweise hilfreiche Orte in Ungarn ab. So interessant wie unterschiedlich bleiben die Schauplätze also, vom belebten Budapest zum idyllischen Plattensee, hohen Bergen und der trockenen weiten Puszta. Ungarn hat mich immer mehr in seinen Bann gezogen und in mir einen komplett neuen Wunsch erweckt, die vielen geheimnisvollen Orte selbst zu bereisen.


"Die Landschaft vor dem Fenster wurde wilder und karger. Wir fuhren nur noch an einzelnen Häusern vorbei. Braune und gelbe Farbtöne dominierten die Natur. Gelbliches Gras, braune Erde. Nur der weite Himmel spannte sich zartblau über die Einöde. Es lag eine Traurigkeit in all dem, in dem verblichenen grün und der grenzenlosen Einsamkeit.
"Was für ein melancholisches Land", dachte ich."


Als Thilo und Anja von Schatten entführt werden, steht für Madeleine eines fest: Sie muss sie befreien, koste es, was es wolle! Im Gefängnis im Mátra-Gebirge in dem die beiden gefangengehaltene werden, trifft man dann endlich Jan wieder und auch -große Überraschung- Maddies Oma wieder, die seit Monaten vermisst wird. Endlich erfährt man Jans Rolle in der Geschichte, welche mich ehrlich gesagt nicht sonderlich überrascht hat. Nach Romeo-und Julia-Manier gehört er der verfeindeten Klimó - Familie an, steht aber zu Maddie.
 In einem klärenden Gespräch zwischen Maddie und ihrer Großmutter lichtet sich der Nebel der Unklarheit, der über der Geschichte liegt, etwas. Vom Durchblick ist man aber trotzdem noch weit entfernt. Nach einer turbulenten Flucht, wird aus den drei Freunden mit Jan ein Quartett. Die vier ziehen weiter durch das Land, diesmal aber mit einem klaren Ziel, die Puszta. Der Wahrheit rücken sie immer näher und so nimmt die Geschichte ihren Lauf.

Madeleine hat mir immer besser gefallen. Sie entfernt sich immer mehr vom ungehobelten Tollpatsch und bewegt sich auf ein starkes und selbstbewusstes Mädchen zu. Sie sagt immer noch ehrlichheraus, was sie denkt und lässt sich durch nichts so leicht aus der Ruhe bringen. Immer mehr entdeckt sie die unentdeckte Kraft, die in ihr schlummert und erfährt, dass sie nicht so wehrlos und unschuldig ist, wie sie dachte. Dank ihrer offenen und abenteuerlustigen Art, die Welt zu sehen hat es mir sehr viel Spaß gemacht, die Welt durch ihre Augen zu sehen.


"Ich hatte keine Angst. Zu der Hitze kam das Adrenalin dazu, das in meinen Adern rauschte. Jeder Muskel war angespannt, als ich lautlos immer näher schlich wie eine Raubkatze, die sich an ihre Beute heranpirschte. Vor meinen Augen bildete sich ein roter Schleier. Meine Härchen stellten sich auf.
Ich war eine geladene Waffe."


Anja leidet immer noch darunter, die einzige im Gespann ohne besondere magischen Fähigkeiten zu sein, steht ihnen aber trotzdem so gut es ihr möglich ist, zur Seite. Mit ihrer quirligen, lebendigen und immer gut gelaunten Lebensart, schafft sie es, immer alle aufzuheitern. Mit der Begeisterung, die sie gegenüber Maddies und Thilos Gaben an den Tag legt und ihre missliche Lage als aufregenden Ferien-Trip empfindet, hat sie das ein oder andere Mal zum Lachen gebracht. Sie und Thilo kommen sich indes immer näher...


"Wow, ich bin mit zwei richtigen Zauberern unterwegs! Ihr habt beide magische Kräfte, das ist so abgefahren." Anja war begeistert.
"Wenigstens eine, die dem Wahnsinn hier etwas abgewinnen kann", meinte Thilo grinsend und stand langsam auf."


Thilo, der sich als Zwillingsbruder von Maddie herausstellt, weiß nun endlich, dass er nicht wie befürchtet, der falschen Seite angehören könnte und wächst mit seinen Fähigkeiten zusammen. Eine unheimliche Prophezeiung reiht sich an die nächste und trotz dass es keinen Moment zum Aufatmen gibt, behält er seine lockere und witzige Art bei.

Jan gefiel mir auch viel besser in diesem Buch. Er war mir sehr sympathisch, da er durch die Angehörigkeit zur "anderen Seite" sehr geheimnisvoll erscheint, aber trotzdem überlegt, verantwortungsbewusst und mitfühlend ist. Er hat ebenfalls Gaben und wirkt gegenüber allen anderen Charakteren in diesem Buch, erfrischend erwachsen. Die junge Liebe zwischen ihm und Madeleine wirkte viel ernstzunehmender als im ersten Teil und riss mich durch viel Drama und Hin-und-Her mit sich.

"Mit Jan ist es auch ganz anders. Irgendwie richtiger, existenzieller. Ich kann es nicht in Worte fassen."
"Ich verstehe dich. Es ist einfach Liebe. Und die kennt nun mal keine Grenzen."
Sie seufzte."

Mein absoluter Liebling aber ist Erzsebet Binder, Maddies Großmutter. Sie stellt sich als eine Art furchtlose und berechnende Kampf - Oma in Gesundheitslatschen heraus, was ich für mich so komplett nicht vereinbaren kann, das sie genial skurril wirkt. Als treibende Kraft hinter allem ist sie der Mittelpunkt der Familie und gerngesehene Unterstützung für die vier Jugendlichen.

Auch die "Bösen" lernt man endlich richtig kennen, erfährt ihre Namen, die Motive und ihr dunkles Ziel. Interessant ist, das Teile an Politik mit einbezogen werden, ein Rechtsruck in der Regierung, Proteste und Demonstrationen und viel Hass.

Auch das Grundgerüst des Buches steht dieses Mal sicherer und wohlkonstruiert. Es hat genau die richtige Länge, um nicht zu kurz und zu geschmuddelt zu sein, jedoch nicht in langweiligen Erläuterungen einzuschlafen. Alles, was man an Fakten wissen muss, wird langsam durch viele Nachforschungen der vier Jugendlichen herausgefunden oder wird dem Leser durch Auszüge aus dem Hexenkodex zwischen den Kapiteln verraten. Die Wahl der Kapiteln muss ich aber noch einmal kritisieren. Sehr oft kam ein Einschnitt, mitten in einer Szene, teilweise unbegründet und unpassend, wo dann ein neues Kapitel beginnt. Es kam mir so vor, als hätte die Autorin einfach schön alle zwanzig Seiten einen Absatz gemacht, egal was gerade passiert und ob es passt oder nicht. Natürlich gab es einige wohlgewählte Absätze, aber in der Mehrzahl war ich doch einfach nur verwirrt.

Der Schreibstil der Autorin hat mir wieder recht gut gefallen, die leichte Brise jugendlicher Unternehmungslust und unschuldiger Ahnungslosigkeit mischt sich mit Spannung und dramatischen Szenen, zu einem schmackhaft mysteriösen und doch humorvollen Mix, was das Buch zu einem kurzweiligen Leseerlebnis macht.


"Mir behagte der Gedanken nicht, mich von meinem Turul zu trennen. Unter meinem T-Shirt erwärmte er sich leicht, als wüsste er von unseren Plänen. Ich umfasste ihn mit der Hand.
Anja beobachtete mich grinsend. "Hey Frodo", sagte sich kichernd, "der Ring muss zum Wohle Mittelerdes zerstört werden!" Sie lachte, als ich sie mit einem säuerlichen Blick bedachte..."


Spannung war eigentlich die ganze Zeit vorhanden und hat es mir sehr schwer gemacht, es aus der Hand zu legen. Trotzdem waren wieder einige kleine Ungereimtheiten, Vorhersehbarkeiten und Logikprobleme vorhanden, diese kleine Unebenheiten gingen aber im Rauschen der Handlung fast unter.
Das Ende ist mitreißend dramatisch und tragisch und läutet den nächsten Teil klangvoll ein. Sehr gespannt habe ich dann zum nächsten Band gegriffen.


Fazit:

Insgesamt hat mir dieser zweite Teil also um Welten besser gefallen als der erste und mich durch viel Spannung, einer guten Szenenauswahl, interessanten Schauplätzen und weiterentwickelten Charakteren begeistert.


An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei der lieben Sarah Schäfle bedanken, dafür dass sie uns ihre Reihe als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt und mir somit die Möglichkeit gegeben hat, in diese tolle Welt einzutauchen und Maddie, Anja, Thilo, Jan und all die anderen kennenzulernen.
Vielen Dank!!!


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