Samstag, 10. September 2016

Der Ruf des Turul - Die Macht des Taltós

Allgemeines:
Titel: Der Ruf des Turul - Die Macht des Taltós
Autorin: Sarah Schäfle
Verlag: Stephan Moll Verlag (2016)
Genre: Fantasy
ASIN: B01CBICIWG
Seitenzahl: 249 Seiten
Preis: 2,99€ (Kindle-Edition)
Weitere Bände: Der Ruf des Turul - Im Zeichen des Falken (Band 1);
Der Ruf des Turul - Ildikos Erben (Band 2)



Inhalt:

"Es musste hier und heute beendet werden! (...)
Der Brand wütete nun so sehr, dass nur noch wenige kleine Flecken flammenfrei waren. Die Toten verbrannten noch auf dem Schlachtfeld..."

Die vier Freunde sind immer noch dabei, die Turul-Verstecke zu suchen und Ildikos Auftrag zu erfüllen, als sie plötzlich auf ungeahnten Widerstand treffen. Das Quartett muss sich aufteilen und versuchen, ihren letzten Trumpf im richtigen Moment auszuspielen, während alle sich auf die unausweichliche letzte Schlacht vorbereiten. Denn Sandór macht mobil, von allen Enden der Welt scharren sich die Schatten zusammen und verdunkeln den Himmel. Das Schicksal ganz Ungarns liegt in den Händen der Jugendlichen, die vor der schwierigsten Aufgabe ihres Lebens stehen und die Karten liegen schlecht. Werden sie es schaffen Sandór zu stoppen und Ungarn zu retten?


Bewertung:

"Langsam war ich mit den Nerven am Ende. Erst jetzt wurde mir klar, dass wir in einen echten krieg zogen, dessen Ausgang ungewiss war. Noch bevor die nächste Nacht herum war, würden wir vermutlich Dinge gesehen und vielleicht auch Dinge getan haben, die ich mir nicht vorstellen wollte."


 Auch dieses Mal ist das Cover in Batik-Manier gehalten, zum Abschluss aber in einem schönen türkisgrün. Die leicht krakeligen Umrisse des Falken sind dieses Mal blau, während er die Flügel spreizt und abhebt. Er neigt den Kopf nach unten, sodass es wirkt, als halte er nach Beute Ausschau und setze gleich zum Sturzflug an. Um den Falken sind dieses Mal die verschwimmenden Flecken, die rauchig und verwischt wirken , weitestgehend verschwunden, was passt, da endlich Klarheit herrscht und der Leser einen Durchblick erhaschen kann. In weißer Farbe schwebt darüber der Titel und der Name der Autorin. Diese Beschriftung muss ich immer noch kritisieren und sagen, dass ich sie etwas unübersichtlich finde, doch trotzdem passt das Cover zum Buch.

Das Buch beginnt mit der Suche der Jugendlichen Maddie, Jan, Anja und Thilo, die versuchen die gefälschten Falken einzusammeln um sie zu zerstören. Wenn sie vernichtet wurden, verliert Sandórs dunkle Armee ihre Macht und das ist ihre einzige Chance gegen ihn zu gewinnen. Um zu erfahren, wo die weiteren Verstecke sind, brechen die vier Freunde in Sandórs ehemaliges Büro im Schloss Andrássy in Tiszadob ein - ihr seht also, Sarah Schäfle hat ihre Vorliebe für unaussprechliche Ortsnamen nicht verloren ;-).

Dort finden sie einen Brief von Tante Eszter, in dem sie die übrigen fünf Turul-Verstecke benennt. Jan wird beim Einbruch schwer verletzt, erholt sich aber schnell. Er hegt schon länger die Vermutung, dass Madeleine und Thilo keine gewöhnlichen Magier, sondern sogenannte Taltós mit besonderen Kräften sind - deshalb auch der Titel. Doch er weiß zu wenig darüber, um seine Freunde aufzuklären. Am ersten von drei Lagerorten in der Stadt Budapest, am Burgberg, werden sie von Tante Eszter und einigen Mitstreitern daran gehindert, die Turulfiguren einzusammeln. Deshalb beschließen die vier, sich zu trennen. Thilo und Anja fliegen nach Uzhgorod, Madeleine und Jan nach Ópusztaszer. Sie können die Figuren an beiden Orten problemlos bergen, wundern sich aber bald, dass sich alles als viel zu einfach herausstellt. Steckt vielleicht eine Falle dahinter?


"Sie machen mobil. Und das nicht gerade unauffällig. Frühzeitiger Wintereinbruch für die Jahreszeit untypische Dunkelheit: heute Nacht sind sie aus allen Landesteilen und vermutlich aus dem benachbarten Ausland losgezogen. Das da oben sind keine gewöhnliche Wolken, es sind Schatten. Es sind zu viele, um sich gänzlich zu verbergen. Die Kälte geht von ihnen aus."


Sandór trommelt Verstärkung zusammen und auch Maddies Seite rüstet sich zum Kampf, der immer unausweichlicher scheint. Auch mir wurde immer klarer, dass wohl keiner um diese Schlacht herumkommt. In alldem Durcheinander aus Drohungen, Kämpfen und viel Hektik wachsen die Freunde immer mehr zusammen. Einzig ihre enge Freundschaft und der Zusammenhalt, den alle an den Tag legen lassen noch auf einen Sieg hoffen und schenken Maddie die nötige Zuversicht um alles zu überstehen ohne durchzudrehen.

In diesem letzten Teil der doch relativ kurzen Trilogie lässt sie das unschuldige und ungelenke Mädchen komplett hinter sich und wird zu einer in sich ruhenden Kämpferin mit viel Verantwortung, vor welcher sie endlich nicht mehr davon läuft. Sie findet sich mit ihrer Rolle ab und geht darin auf. Später scheint es, als ob sie schon immer diese neue Person gewesen war und es nur nicht gemerkt hatte.


"Es gab keinen anderen Weg für uns. Wir konnten nicht untätig herumsitzen, bis Oma neue Befehle herausgab oder Sandór so weit war, einen Krieg vom Zaun zu brechen. Außerdem hatte ich meinen Auftrag von Ildikó persönlich erhalten. Sie hatte nichts im Sinne von "lass dir ruhig Zeit" oder "wenn du keine Lust mehr hast, macht es bestimmt jemand anders" gesagt."


Anja darf im finalen Kampf auch etwas mitmischen und bekommt doch noch magische Fähigkeiten zugeschrieben, was ich absolut unwahrscheinlich und sehr weit hergeholt finde. Es hat mir überhaupt nicht gefallen, dass sie plötzlich auch eine vollwertige Rolle in der Geschichte einnimmt nachdem sie sich nicht damit abfinden konnte, ein normales Mädchen zu sein. Zwei Teile lang, hat sie darunter gelitten, nicht magisch zu sein und dann ganz plötzlich tauchen geheimnisvolle Vorfahren auf...
Dies ist auch der einzige Grund, dem Buch keine volle fünf Sterne zu geben. Ansonsten bleibt sie aber genau gleich toll, diesmal als Freundin an Thilos Seite.

Thilo hingegen entwickelte sich nicht wirklich weiter und blieb recht gleich. Der Schwerpunkt der Geschichte liegt doch eher auf Maddie und dem bevorstehenden Kampf.  Natürlich freut er sich, Anja nun schlussendlich doch vollständig in seiner Welt begrüßen zu dürfen.

Jan überraschte mich jedoch noch mit dem ein oder anderen dunklen Geheimnis. Wieder wirkte er gegenüber den anderen Charakteren in diesem Buch, erfrischend erwachsen. Die junge Liebe zwischen ihm und Madeleine wurde immer stärker, nur um dann doch noch einmal auf die Probe gestellt zu werden, als Maddie vor einer furchtbaren Entscheidung steht: Ihre Liebe oder Ungarn retten...


"Weißt du, was Ildikó zu mir gesagt hat?", fragte ich ihn laut. "Die Liebe und das Feuer sind meine mächtigsten Verbündeten. ich glaube langsam verstehe ich, was sie damit meinte.
Feuer zerstört die Falken und nur mit Hilfe unserer Liebe bringen wir es überhaupt fertig, sie zu vernichten."


Auch Maddies Oma hat mir wieder gut gefallen. Sie nimmt alle Dinge selbst in die Hand und ist Powerfrau und liebenswerte Großmutter in einem.


"Schluss jetzt mit den Kindereien!", wies Oma uns zurecht und erhob sich drohend von ihrem Stuhl. Kollektiv wichen wir ein Stück zurück. Nur selten ließ sie andere hinter ihre freundliche Omi-Fassade blicken, deren dunkle Abgründe sie fast immer zu verbergen wusste. jetzt stand keine Plätzchen backende Oma vor uns, sondern eine schwer verärgerte Hexe."


Auch was den Schreibstil angeht, kann ich mich nur wiederholen. Die leichte Brise jugendlicher Unternehmungslust und unschuldiger Ahnungslosigkeit, die die Konversationen und Handlungen geprägt haben, aber ist nun gänzlich verschwunden, abgelöst von kompromissloser Stärke und bodenständigem Selbstvertrauen. Der Humor und die leichte Selbstironie, die das Buch aber zusammen mit der Spannung und den vielen dramatischen Szenen, interessant erscheinen lassen, sind jedoch geblieben, was bei all dem Action eine ganz schöne Leistung ist. Dieses Mal jedoch, haben sich auffallend viele Schreib- und Tippfehler eingeschlichen.


"Du hast schon wesentlich schlimmer ausgesehen", sagte Jan.
Herzlichen Dank! Das war genau die Art von Kompliment, die ein Mädchen gerne von ihrem Freund hörte. Ich sang leise: "Vielen Dank, für die Blumen. Vielen Dank, wie lieb von dir!"
Jan lachte und küsste mich auf die Wange, dann gingen wir hinein."


Ohne zu viel verraten zu wollen, kann ich nur sagen, dass praktisch die Hälfte des Buches aus dem Abschlusskampf besteht, welcher genauso blutig, dramatisch und feurig ist, wie ich das erwartet habe. Dieses Mal werden auch Opfer nötig und so müssen wir uns von einigen Personen verabschieden. Neben der Action-Facette kommen aber endlich alle Geheimnisse ans Licht und man versteht endlich alle Prophezeiungen und ihre Deutungen. In die Grundkonzeption, die im ersten Teil noch etwas wacklig und uneben erschien, fügten sich nun fehlende Steine ein und die Installation war schließlich vollständig, logisch und solide.

 Das abschließende -natürlich, wie kann es auch anders sein?- Happy End ist Balsam für die geschundene Leserseele die noch vom Kampf gequält nach etwas Glück und Kitsch lechzt... Sehr gelungen ;-)


Fazit:
Ein dramatischer Abschluss einer spannenden Trilogie, mit wenigen kleinen Schwächen und vielen überzeugenden Stärken.
Und noch einmal vielen Dank, dafür dass uns diese Reihe als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt wurde!!!


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