Dienstag, 6. September 2016

Die Nacht der tausend Farben - Verratene Elemente




Allgemeines:

Titel: Die Nacht der tausend Farben - Verratene Elemente 
Autorin: Claudia Rehm
Genre: Fantasy
ASIN: B01KKIU4JS
Seitenzahl: 444 Seiten
Preis: 2,99€ (Kindle-Edition)
Weitere Bände: Die Nacht der tausend Farben - tödliche Elemente



Inhalt:

Seit Emmas verhängnisvoller Wandlungszeremonie in der sie das Element des Feuers wurde, ist ein knappes Jahr vergangen. Zurück im sicheren Kreis ihrer Familie versucht sie krampfhaft, sich wieder im Alltag einer weißen Magierin zurechtzufinden. Doch Emma fällt es schwer, ihre abenteuerliche Zeit im Reich der Schwarzmagier einfach zu vergessen. Und auch ihre Mitmenschen vertrauen nicht darauf, dass Emma ihre turbulente Vergangenheit restlos hinter sich gelassen hat. Als Emma plötzlich Freunde und Mitglieder des magischen Rats angreift, steht schnell für alle fest, dass sie endgültig die Seiten gewechselt hat.
Doch steckt hinter Emmas Angriff wirklich das, was die weißen Magier behaupten? Und was hat der neue Fürst damit zu tun, der alles daran setzt, seine Identität geheim zu halten?
Sicher ist nur: die Kluft zwischen Emma und der weißen Magie ist tiefer als je zuvor und ihre Feinde sind ihr näher, als sie selbst es ahnen kann.



Bewertung:


"So wie immer, wenn eine neue Nacht der tausend Farben bevorstand, herrschte im weißen Turm von Aronis hektisches Treiben..."


Mit diesen Worten beginnt der zweite Teil der "Die Nacht der tausend Farben - Reihe". Das Buch beginnt, wie schon auf den letzten Seiten des vorangestellten Bandes angekündigt, mit der Befreiung Harris´ aus dem Gefängnis. Doch anstatt endlich ein Happyend zu erreichen, muss die Liebe zwischen Emma und Harris abermals eine Probe überstehen. Robin - das sagenumwobene Einhorn ;)  und Emmas Bruder - erpresst den jungen Schwarzmagier und fordert, dass er sich von Emma fern hält.


"Sie hatte im Reich der weißen Magie ihre Wurzeln zurück in einen Boden geschlagen, der sie nicht mehr ausreichend nähren konnte. Emma fühlte sich leer und ausgelaugt und ausgerechnet jener Mensch, der ihren Durst nach diesen verbotenen Sehnsüchten mit einer bloßen Berührung seiner Finger stillen konnte, hatte sich kompromisslos und ohne auch nur ein einziges Wort des Abschieds von ihr abgewendet. Harris."

Doch das gestaltet sich als schwieriger als gedacht, denn mit einem neuen Fürst der schwarzen Magie kommt eine weitere Gefahr für die Welt auf die Jugendlichen zu. Anders als Morten van Exeter im ersten Teil, hält dieser seine Identität jedoch bedeckt, sodass schön gerätselt werden darf, wer dahinter steckt. Und wenn das nicht schon genug wäre, hat Emma auch große Probleme sich wieder auf der "langweiligen" Seite der Magie einzuleben.


"Seit sie letztes Jahr am Leben auf der schwarzen Seite der Magie wie an einem reizvollen Cocktail genippt hatte, konnte sie die Erinnerung an die süße Tropfen dieses verführerischen Getränks nicht mehr aus ihren Gedanken verdrängen. Egal, wie sehr sie versuchte, sich ihrer Familie zuliebe wieder an das Dasein einer vorbildlichen weißen Magierin anzupassen, in ihrem tiefsten Inneren spürte sie noch immer jenen alles verzehrenden Hunger nach Abenteuer, den sie an dem Ort, den sie nun wieder ihr zu Hause nannte, niemals würde ausleben dürfen."


 Als Emma, von einem Zauber belegt, eine ganze Party mit Ratsmitgliedern in Flammen aufgehen lässt, muss sie fliehen, da sie alle für schuldig halten. Das Problem: Sie werden ab jetzt von der weißen Seite der Magie und der schwarzen Seite aufs erbittertste verfolgt. Gut nur, dass Emma dabei auf die Hilfe ihres Bruders Robin sowie ihrer Elementfreunde Cai und Caven zählen kann. Auch Harris tritt wieder überraschend auf den Plan und steht den jungen Gestaltwandlern zur Seite.

Und so nimmt die Geschichte ihren rasanten Lauf. Man kann sich auf interessante neue Orte wie zum Beispiel das rote Moor oder ein vereister Berggipfel freuen, lernt neue Charakter kennen und hetzt mit viel Spannung und Brisanz den düsteren Plänen des neuen Fürsten hinterher. Auch Harris wahre Geschichte wird endlich erzählt und er bekommt mit einer tragischen Vergangenheit noch mehr Tiefe.


"Schritte", hauchte Caven dann plötzlich, als auch Cai vom Stehenbleiben seiner beiden Begleiter alarmiert neben ihnen anhielt und sich mit besorgter Miene an ihrer Seite aufbaute.
"Ich kann auf dem Boden Vibrationen sich nähernder Schritte fühlen.
Unzählige Schritte..."


Wieder wird die Geschichte aus Emmas Sicht geschrieben, wobei aber ein Er-Erzähler gewählt wurde. Die Perspektiven wandern dieses Mal aber auch zu Robin oder Harris. Emma wirkt plötzlich ganz anders als noch im ersten Teil sehr beherrscht, überlegt und erwachsen nachdem sie sonst manchmal etwas naiv und verwirrt war. Durch die Geschehnisse des letzten Jahres ist sie zu einer starken jungen Frau geworden, die zu sich als Element steht und keine Angst mehr vor ihrer Gabe hat. Trotzdem bleibt der wagemutige, abenteuerlustige Teil von ihr, der sie sehr interessant und faszinierend macht. Sie wartet nicht ab, bis sie gerettet wird, sondern nimmt es gleich selbst in die Hand. Wie sie sich ständig in den verrücktesten Geschehnissen wiederfindet und gleich mehrere Male an ihre Grenzen gerät, ertrinkt, erstickt, erfriert, oder anderweitig gebeutelt wird und trotzdem ihre Willensstärke behält hat mir sehr gefallen.

Wie ich auch schon beim ersten Teil feststellen musste, ist sie keineswegs eine perfekte Hauptperson. Da sind andere fremde Facetten in ihr wie Neugierde, Furchtlosigkeit, Freiheitsliebe und Unabhängigkeit, die ihre Entscheidungen draufgängerisch und mutig wirken lassen und sie zu einer schwarzen Magierin machen. Gerarde durch diese Unperfektion wird sie sehr realistisch und menschlich.


"Harris mochte unberechenbar, undurchschaubar und damit ohne Zweifel in mancher Hinsicht gefährlich sein. Doch im Gegensatz zu ihrer Familie im Reich der weißen Magie mochte er Emma nicht trotz der Tatsache, dass sie in ihrer Nacht der tausend Farben zu einem Element geworden war, sondern gerade deswegen. Von allen Menschen, die sie ihre Vertrauten nannte, schien außer ihm niemand zu verstehen, dass die Ecken und Kanten ihres eigenwilligen Charakters Emma nicht schutzbedürftig und verletzlich machten, sondern unabhängig und stark."


Harris bleibt sehr geheimnisvoll und mysteriös, auch wenn er immer öfter seine "weichen Seiten" durchblitzen lässt. Nach dem er im vorherigen Band von einem Fremden, zu einem Freund, zu einem Feind, wieder zu einem Freund, zu einem Komplizen und so weiter wechselte, weiß man auch in diesem Teil nicht so recht, was man von ihm halten soll und seine Motive bleiben mehr als nur bedeckt. Auch Emma ist ständig am Zweifeln, ist es doch nicht für ihn die einfachste Art der Rückkehr nach seinem Verrat an der schwarzen Seite, einfach alle unter sich als neuer Fürst zu unterwerfen? Auch wenn man immer weniger daran glaubt, ihn noch mal als Gegner wiederzusehen, sind da schon einige Ungereimtheiten, die gegen ihn sprechen.

Doch genau das ist das Anziehende, was seinen Charakter ausmacht. Harris ist für Emma und auch für mich die dunkle Verführung der schwarzen Seite, der böse Junge der Geschichte, der Emma beeinflusst. Er ist ein starker Charakter und seine Entwicklung scheint immer weiter zu gehen. Gegen Ende wirkt er fast treu und verletzlich, was zwei Adjektive sind, die ich nur sehr verwundert für ihn verwende.


"Harris und Emma mochten nicht durch schöne Erinnerungen oder zuckersüße Zukunftsträume miteinander verbunden sein, doch tief verborgen in ihrem Inneren trugen ihre Herzen dieselben narben. Und wulstige Narben, so wusste Emma aus schmerzlicher Erfahrung, vermochten Menschen weit effektiver und unzertrennlicher zu vereinen, als Erinnerungen und Träume es jemals zu tun vermochten."


Robin und Myla, kommen in diesem Buch leider etwas weniger vor. Das Einhorn, der sich als liebender Bruder entpuppt hatte, nachdem ich ihn nach den ersten paar Kapiteln im ersten Buch als perfekten Idioten abgestempelt hatte, war mir immer mehr ans Herz gewachsen. Er kümmert sich rührend um Emma und hält zu ihr.
Auch Myla, eine schwarze Magierin, die sich in einen silbernen Wolf transformiert und sich zu Emmas Freundin und Vertraute entwickelt hatte, war mir wieder sehr sympathisch. Die fröhliche Schneiderin wächst einem einfach ans Herz, auch wenn sie während den dramatischen Ereignissen etwas von ihrer fröhlichen Unbeschwertheit einbüßt, als auch ihre Geschichte erzählt wird.
Der Rat aber auch die Schwarzmagier wirken zunehmend abstoßend und ungerecht. Die beiden Extreme wirken zu überzogen, als das einer der beiden im Recht sein könnte. So kommt einem bald die Ahnung, dass es für diese Welt um keine Frage ob Schwarz oder Weiß geht, sondern die Lösung viel mehr in der grauen Grenze dazwischen liegt. Emma und ihre Freunde liegen genau in der Mitte der beiden Welten, vereinen die besten Eigenschaften und werden dennoch von beiden Seiten gehasst und verfolgt.
Auf Caven und Cai liegt in diesem Buch ein kleiner Akzent, auch wenn die beiden für mich in diesem Teil etwas zu blass blieben. Cai war mir noch nie wirklich sympathisch da ich mich nicht genau entscheiden konnte, ob einer ein Schwächling oder herzlos war. Aber Caven, eigentlich neben Harris mein Lieblingscharakter, wurde etwas vernachlässigt. Der junge Mann mit den dunkelbraunen Haaren, den man im Reich der schwarzen Magie kennengelernt hat, gradlinig, ehrlich, nicht scheu seine Meinung zu sagen, kam mir viel zu misstrauisch, still und verbittert vor.
"Caven!", stammelte Emma von Freude, Erleichterung bis hin zu tiefem Schrecken eine ganze Palette menschlicher Emotionen gleichzeitig durchlebend, während der junge Mann in ihren Armen benommen seine Augen aufschlug.
"Ich dachte schon, ich hätte dich verloren!"
Zu dem neuen bösen schwarzen Fürst möchte ich nicht allzu viel sagen um nicht die Spannung zu nehmen. Schon weit zu Beginn wird klar, dass es jemand aus Emmas näherem Umfeld sein muss, doch wer genau mit falschen Karten spielt bleibt lange ein Rätsel. Ich sage nur eins: diese Wendung ist sehr überraschend!
Der Schreibstil hat mich in diesem Teil sehr überzeugt. Wie auch seine Charakter hat er sich sehr entwickelt, wenn er zu Beginn noch etwas unerfahren war, wurde er immer eleganter, sicherer und mystisch verschnörkelt. Die vielen neuen und oft gegensätzlichen Umgebungen wie zum Beispiel das unterirdische rote Moor war sehr klar und faszinierend beschrieben.

"Alles, was sich um diesen See herum befand, war scharlachrot. Felsen, Sträucher und sogar das Wasser selbst schien einen roten Schimmer zu haben, der in der erst langsam den Himmel erobernden Morgensonne genauso idyllisch wie geheimnisvoll wirkte."

Was mir aber am besten gefallen hat, waren die vielen bedeutungsschweren und umschreibende Metaphern. Über ganze Abschnitte zog sich wie zum Beispiel oben in dem Zitat mit dem Cocktail der selbe Bezug. Leider sind mir auch hier wieder ziemlich viele Tippfehler aufgefallen, nichts schlimmes, einfach nur das Fehlen eines Wortes oder ein Buchstabendreher. Mit den manchmal leicht eigenwilligen Formulierungen habe ich mich inzwischen abgefunden und bin soweit, sie sogar als genial anzusehen.

"Und woher zum magischen Kodex soll ich wissen, dass alles, was du vorgibst, auch tatsächlich die Wahrheit ist?", hinterfragte Robin Harris´ Pläne mit wie Brausepulver auf seiner Zunge explodierendem Misstrauen."

Das Cover erinnert vom Stil her sehr an den ersten Teil, was sie gut als Reihe kennzeichnet.
Zusehen ist ein Mädchen mit feuerroten Haaren, das den Blick leicht nach unten abgewandt hat. Die roten Schlieren und Schwaden umwallen sie kunstvoll und erinnern an das Feuer, dass sie in sich trägt. Den Titel ziert wieder ein goldener Schnörkelkranz. Auch wenn mich das Modelgesicht, wie schon so oft erwähnt, etwas stört, spricht mich das Cover dank der grellen Farbe und des Feuers sehr an. Das Model schaut meiner Meinung nach aber etwas zu schüchtern und wirkt viel zu verletzlich und unschuldig, als dass ich sie mit dem feurigen abenteuerlustigen Temperament von Emma vereinen kann. Das jedoch nur am Rande.
Einen genauen Höhepunkt kann ich in diesem Buch kaum festmachen, da die letzten 100 Seiten durchweg von Spannungshöhepunkten nur so gespickt sind. Es endet sehr rasant und leider etwas vage. Ich hoffe sehr auf einen baldigen dritten Teil!!!

Fazit:
Auch dieser zweite Teil der Reihe konnte mich überzeugen und hat mir durch den gut ausgearbeiteten, malerischen Schreibstil,  den authentischen Charakteren, ordentlich Spannung und Action viele angenehme Lesestunden beschert.


Ich habe das Buch vorab dem Veröffentlichungsdatum zu lesen bekommen und will an dieser Stelle Danke! sagen, dass die Autorin Claudia Rehm uns diese Möglichkeit gegeben hat.


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