Die Fakten
Titel: More than Gossip: Sehnsucht, Sex, Skandale: Warum die Popkultur bestimmt, wer wir sind
Autorin: Gizem Çelik
Verlag:
Goldmann Verlag (23. September 2026)
Genre: Sachbuch
Seitenzahl: 305 Seiten
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Meine Eindrücke
In "More Than Gossip" widmet sich Gizem Çelik den unterschiedlichsten Phänomenen der Popkultur – von der Manosphere über Popfeminismus bis hin zum Dark Romance Trend und Hollywood Beziehungen. Dazu greift sie in 16 Essays bekannte Persönlichkeiten, öffentliche Kontroversen oder Fälle auf, anhand derer sie systematisch aufzeigt, dass hinter vermeintlich oberflächlichem Celebrity Gossip weit mehr steckt als bloße Neugier, Geltungsdrang und Unterhaltung. Stattdessen arbeitet sie heraus, dass es immer um Macht, Moral, gesellschaftliche Normen und die Frage geht, wer öffentliche Narrative prägt und von ihnen profitiert.

Schon bei einem Vorabblick auf das reichhaltige und ausgewogene Inhaltsverzeichnis mit der abwechslungsreichen Themenauswahl, war ich positiv überrascht von der gedanklichen Tiefe des Buches. Womit ich vor dem Lesen allerdings nicht gerechnet habe, ist dass die Autorin anhand ihrer Beispiele auch tief auf Themen wie Klasse, Race, Queerness, Kapitalismus und Feminismus eingeht. Obwohl die 16 Kapitel sich als alleinstehende Essays grundsätzlich unabhängig voneinander lesen lassen, ergibt sich so im Gesamtbild ein roter Faden, der deutlich macht, wie Gossip unsere kollektiven Werte, Ängste und Widersprüche widerspiegelt und wie eng Popkultur mit gesellschaftlichen sowie politischen Diskursen verwoben ist.
"Sobald Frauen sichtbar sind, werden sie zur Leinwand für all das, was unsere Gesellschaft an selbstbestimmten Frauen nervös macht."Besonders gelungen fand ich außerdem, dass die Autorin nicht voraussetzt, dass man sich bereits intensiv mit der Welt der Celebrities beschäftigt. Auch wenn man wie ich den öffentlichen Klatsch und Tratsch normalerweise eher am Rande verfolgt und bisher beispielsweise nichts über das Liebesdreieck zwischen Justin Bieber, Hailey Bieber und Selena Gomez wusste, sind die gesellschaftlichen Fragen dahinter interessant und gut nachvollziehbar aufbereitet, da die Fälle nur als Aufhänger verwendet werden. Außerdem verbindet die Autorin fundierte Argumente und treffende Beobachtungen mit persönlichen Anekdoten und Reflexionen über ihren eignen Medienkonsum, wodurch sich das Buch angenehm flüssig lesen lässt und ein persönlicher Anstrich mit inhaltlicher Tiefe gut ausbalanciert werden.
An manchen Stellen wiederholen sich einzelne Gedanken zwar etwas - da es eben um sich wiederholende Narrative und gleichbleibende Systeme geht, die die Fälle miteinander verbinden - insgesamt hat mich das aber kaum gestört. In Kombination mit der ausführlichen Bibliografie am Ende, die dazu einlädt, sich mit den angesprochenen Themen weiter zu beschäftigen und einzelne Aspekte zu vertiefen, bleibt so der Eindruck eines modernen, relevanten und pointiert geschriebenen Sachbuches zurück, das ich sehr gerne weiterempfehle.

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