Donnerstag, 15. Oktober 2026

Spotlight Sachbuch: More Than Gossip


Die Fakten

Titel: More than Gossip: Sehnsucht, Sex, Skandale: Warum die Popkultur bestimmt, wer wir sind
Autorin: Gizem Çelik
Verlag: Goldmann Verlag (23. September 2026)
Genre: Sachbuch
Seitenzahl: 305 Seiten
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Meine Eindrücke

In "More Than Gossip" widmet sich Gizem Çelik den unterschiedlichsten Phänomenen der Popkultur – von der Manosphere über Popfeminismus bis hin zum Dark Romance Trend und Hollywood Beziehungen. Dazu greift sie in 16 Essays bekannte Persönlichkeiten, öffentliche Kontroversen oder Fälle auf, anhand derer sie systematisch aufzeigt, dass hinter vermeintlich oberflächlichem Celebrity Gossip weit mehr steckt als bloße Neugier, Geltungsdrang und Unterhaltung. Stattdessen arbeitet sie heraus, dass es immer um Macht, Moral, gesellschaftliche Normen und die Frage geht, wer öffentliche Narrative prägt und von ihnen profitiert. 

"Wenn wir also über Stars sprechen, über öffentliche Beziehungen, über Skandale, Abstürze, Comebacks, dann tun wir das nicht nur aus Neugier oder Häme. Wir tun es, weil wir im Reden über andere üben, wie wir über uns selbst denken. Gossip ist kein Ersatz für echte Gespräche, aber er kann ein Trainingsfeld sein für Empathie und Widerspruch. Und vielleicht ist genau das heute so dringend nötig. Nicht weniger Gespräche über Popkultur, sondern bessere."

Schon bei einem Vorabblick auf das reichhaltige und ausgewogene Inhaltsverzeichnis mit der abwechslungsreichen Themenauswahl, war ich positiv überrascht von der gedanklichen Tiefe des Buches. Womit ich vor dem Lesen allerdings nicht gerechnet habe, ist dass die Autorin anhand ihrer Beispiele auch tief auf Themen wie Klasse, Race, Queerness, Kapitalismus und Feminismus eingeht. Obwohl die 16 Kapitel sich als alleinstehende Essays grundsätzlich unabhängig voneinander lesen lassen, ergibt sich so im Gesamtbild ein roter Faden, der deutlich macht, wie Gossip unsere kollektiven Werte, Ängste und Widersprüche widerspiegelt und wie eng Popkultur mit gesellschaftlichen sowie politischen Diskursen verwoben ist. 

"Sobald Frauen sichtbar sind, werden sie zur Leinwand für all das, was unsere Gesellschaft an selbstbestimmten Frauen nervös macht."

Besonders gelungen fand ich außerdem, dass die Autorin nicht voraussetzt, dass man sich bereits intensiv mit der Welt der Celebrities beschäftigt. Auch wenn man wie ich den öffentlichen Klatsch und Tratsch normalerweise eher am Rande verfolgt und bisher beispielsweise nichts über das Liebesdreieck zwischen Justin Bieber, Hailey Bieber und Selena Gomez wusste, sind die gesellschaftlichen Fragen dahinter interessant und gut nachvollziehbar aufbereitet, da die Fälle nur als Aufhänger verwendet werden. Außerdem verbindet die Autorin fundierte Argumente und treffende Beobachtungen mit persönlichen Anekdoten und Reflexionen über ihren eignen Medienkonsum, wodurch sich das Buch angenehm flüssig lesen lässt und ein persönlicher Anstrich mit inhaltlicher Tiefe gut ausbalanciert werden.

An manchen Stellen wiederholen sich einzelne Gedanken zwar etwas - da es eben um sich wiederholende Narrative und gleichbleibende Systeme geht, die die Fälle miteinander verbinden - insgesamt hat mich das aber kaum gestört. In Kombination mit der ausführlichen Bibliografie am Ende, die dazu einlädt, sich mit den angesprochenen Themen weiter zu beschäftigen und einzelne Aspekte zu vertiefen, bleibt so der Eindruck eines modernen, relevanten und pointiert geschriebenen Sachbuches zurück, das ich sehr gerne weiterempfehle. 

"Es geht schließlich nicht darum, über andere zu urteilen, sondern darum, mit anderen zu verhandeln, was Menschlichkeit eigentlich bedeutet. Und wenn wir aufhören, das zu tun, wenn wir nur noch mit unserer KI reden, nur noch in unseren Echokammern bleiben, Menschen, die unbequem sind, nur noch aus unserem Leben streichen, dann verlieren wir die Fähigkeit, gemeinsam in einer Gesellschaft zu leben."

Das Urteil

"More Than Gossip" ist eine abwechslungsreiche, zugängliche und zugleich tiefgründige Auseinandersetzung mit der politischen Dimension von Popkultur. Gizem Çelik zeigt überzeugend, dass hinter Gossip gesellschaftliche Machtverhältnisse, moralische Vorstellungen und kollektive Aushandlungsprozesse stecken – und liefert damit auch für Menschen spannende Denkanstöße, die sich sonst kaum für Celebrity-Klatsch interessieren.

*unbezahlte WERBUNG, Rezensionsexemplar*

Quelle Informationen: Goodreads.de. Klapptexte und Zitate sind Eigentum des Verlags oder jeweiligen Rechtinhabers.

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