Montag, 23. November 2020

Montagsfrage 23.11.2020


 Hallöchen,

in der heutigen Montagsfrage geht es um ein Thema, das mir als Psychologie-Studentin besonders am Herzen liegt: Trigger-Warnungen. Ich beantworte diese Frage in einer kurzen Lücke zwischen einer Vorlesung "Klinische Psychologie" und einer Vorlesung "Pharmakologie", treffender könnte Antonia dieses Thema also kaum platziert haben...😂


Sollten Bücher, die sensible Themen behandeln, mit Trigger-Warnungen ausgestattet werden?


Wie Antonia schon ganz richtig erläutert hat, sind Trigger-Warnungen, englisch für "Auslöser-Warnung", Hinweise für Zuschauer, Zuhörer oder Leser, dass die gezeigten Inhalte eventuell provozierend, beleidigend oder verstörend wirken können. Solche häufig dem Inhalt vorangestellte Warnungen, wie man sie mittlerweile oft in Serien und Filmen findet, aber auch immer öfter in Büchern, tun meiner Meinung nach keinem weh, können aber Schlimmes vermeiden. Wichtig ist, im Kopf zu behalten, dass bei unangenehmen Themen nicht nur das eigene Wohlbefinden in Gefahr ist, sondern dass Trigger-Warnungen wichtig für Menschen mit psychischen Vorerkrankungen oder Traumata sind, damit sie potentiell retraumatisierende Situationen vermeiden oder sich zumindest bewusst mit einem potentiellen Auslöser einer Krise auseinander setzen können. 

Als Argumente gegen Trigger-Warnungen wird oftmals angebracht, dass man sich nicht gegen alles absichern kann und dass betroffenen Personen in jeglichen Situationen ihres Lebens Trigger über den Weg laufen können. Das stimmt zwar grundsätzlich, spricht für mich aber trotzdem nicht dagegen,  Bücher zu einer möglichst unproblematischen Zone für alle Leser*innen zu machen. Oftmals erfährt man aus Spoiler-Gründen aus dem Klapptext nichts über eine Wendung wie zum Beispiel ein Suizid, einen plötzlichen und letalen Autounfall oder ein anderes möglicherweise triggerndes Thema wie Magersucht, Depression, Drogensucht etc. Man kann Geschichten ja immer abbrechen, manchmal ist der Schaden dann aber schon getan.  Gerade dann finde ich es sinnvoll, der Geschichte eine Trigger-Warnung voranzustellen oder zumindest darauf zu verweisen, dass auf den letzten Seiten des Buches eine Trigger-Warnung zu finden ist. So kann dann auch garantiert werden, dass man sich als unbelasteter Leser nicht mal mit einem möglichen Spoiler konfrontiert sieht

Mal ganz von den klinisch relevanten Fällen abgesehen finde ich Triggerwarnungen auch für sensible Leser (wie ich es bin) sinnvoll. Ich für meinen Teil bin in manchen Lebensphasen (zum Beispiel bei großem Stress in Prüfungsphasen) ziemlich empfindlich gegenüber unangenehmen Themen oder heftigen Inhalten in Büchern und Filmen und suche mir deshalb durch diese Triggerwarnungen möglichst unproblematische Lektüren aus und kann mich schwierigeren Büchern dann stellen, wenn ich mich dazu in der Lage fühle. Sonst müsste ich ein angefangenes Buch vielleicht abbrechen und zu einem anderen Zeitpunkt fertig lesen. Das wäre auch kein großes Drama - ich wollte damit nur sagen, dass auch abseits der wirklichen Trigger so eine Warnung oder Inhaltszusammenfassung für manche Leser sinnvoll und hilfreich sein könnte. Und für alle anderen Leser: Ihr müsst es Euch ja nicht anschauen.  

Meiner Meinung nach sind Trigger-Warnungen also ein sehr positiv zu bewertendes Mittel, um (sich zwar in der Minderheit befindenden, aber deshalb nicht weniger wichtigen) betroffene Leser zu schützen. Diskutiert müsste meiner Ansicht nach also nicht werden, ob man solch eine Warnung für sinnvoll erachtet, sondern wo und wie man sie am besten anbringt, um die restlichen Leser nicht zu spoilern.


Was sagt Ihr dazu? Zu Trigger-Warnungen allgemein und auch zum Anbringungsort?


Liebe Grüße
Sophia

4 Kommentare:

  1. Hey Sophia,

    da ich mit meiner absolut positiven Einstellung gegenüber Trigger-Warnungen offenbar recht allein dastehe, finde ich es sehr erleichternd, dass du das genauso siehst wie ich und dieselben Argumente anbringst. :)
    Letztendlich geht es ja auch gar nicht darum, vor jeder möglichen unangenehmen Lesesituation zu schützen, sondern ausdrücklich um Gesundheitsvorsorge.

    Montagsfrage auf dem wortmagieblog
    Liebe Grüße,
    Elli

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    1. Hey Elli,

      ich war auch total überrascht (um nicht entsetzt zu sagen), wie negativ viele den Trigger-Warnungen gegenüberstehen. Dabei tun die ja wirklich keinem Weh und die Sicherheit geht meiner Meinung nach einfach vor. Vielleicht liegt das auch daran, dass viele nicht wissen, dass es hier nicht um Befindlichkeiten, sondern um ein wirkliches Risiko geht und schätzen das deshalb so ein? Anders kann ich mir die Ablehnung nicht erklären!

      Liebe Grüße
      Sophia

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  2. Sehr schöne Antwort! Sehe ich ganz genauso, und ich bin froh, das auch nochmal bei wem anders so zu lesen. :)

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    1. Hi Anica,

      danke, ja es tut wirklich gut, sich da bestätigt zu sehen! Ich bin leider noch nicht dazugekommen, alle anderen Beiträge zu lesen, werde das aber im Laufe der Woche noch machen und ein paar Kommentare hinterlassen. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass doch so viele Triggerwarnungen ablehnend gegenüberstehen...

      Liebe Grüße
      Sophia

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