Freitag, 6. November 2020

Serienempfehlung: Emily in Paris

Kennt Ihr diese Serien, die man zufällig anklickt, ohne jemals von ihnen gehört zu haben und dann in *hust hust* zwei Tagen * hust hust* die erste Staffel schaut? So eine Serie war die brandneue US-Netflix-Serie "Emily in Paris" von dem Macher von Sex and the City, Darren Star, die im Oktober 2020 herausgekommen ist. 


Darum geht´s:

Emily ist eine Amerikanerin aus dem Mittleren Westen und arbeitet bei einer Marketingfirma. Sie ergattert ihren Traumjob, als ihre Chefin schwanger wird und ihre Firma ihr die Stelle bei einer Tochterfirma in Paris anbietet. Dort angekommen reagieren die neuen Kollegen von Emily eher skeptisch auf ihren Tatendrang, außerdem erlebt sie einen Kulturschock und muss sich erst in die französische Kultur einfinden. Auch in der Liebe nimmt ihr Leben an Fahrt auf, sowohl ihr attraktiver Nachbar Gabriel als auch ihr Chef Antoine Lambert zeigen Interesse an ihr, gleichzeitig wartet in Chicago aber auch ihr Verlobter Doug auf sie.


Darum sollte ich mir die Serie ansehen:

Selten hat eine Netflixserie so stark polarisiert wie "Emily in Paris". Während man auf Instagram und von Freunden begeisterte Erzählungen von durchgebingeten Sonntagnachmittagen liest, wurde die Serie im Feuilleton regelrecht zerrissen und unteranderem als die "vielleicht dümmste Serie in der Geschichte von Netflix" bezeichnet. Ich habe von all dem Rummel um die 10 kurzen Folgen im praktischen 30-Minuten-Format erst erfahren, als ich sie weggesuchtet hatte und muss nun über sogenannte "Hate Watcher" einfach nur lachen. Wer sich herausnimmt etwas anzuschauen, nur um sich darüber aufregen zu können, hat das Prinzip einer Unterhaltungsserie wohl noch nicht ganz begriffen. 

Klar, "Emily in Paris" beinhaltet so viele Klischees über Franzosen, Amerikaner, Influencer und natürlich den Schauplatz Paris selbst, dass man die Serie inhaltlich nicht wirklich ernst nehmen kann. Hier wimmelt es nur so von rauchenden, frivolen, modeversessenen und gemeinen Damen mit winzigen Hunden neben versnobten Sexgöttern, die es mit der Treue nicht so ernst nehmen... Kein Wunder, dass die Franzosen von ihrer Darstellung in der Serie nicht begeistert waren und sogar eine Entschuldigung der amerikanischen Botschaft forderten. Klar, die Serie stellt alles stark überspitzt dar. Sie ist unrealistisch, oberflächlich, albern und laut - aber so what, ich liebe es. Denn wenn sie eines geschafft hat, dann mich zu unterhalten. 

Ich habe mich an dieser farbenfrohen, schrägen, witzigen und teilweise auch absurden Darstellung einer Amerikanerin in Paris königlich amüsiert und mich auch trotz aller Klischees in das Setting verliebt. Denn auch wenn die Macher ihre Witze oftmals auf Kosten ihrer Figuren und des dargestellten Culture Clashes machen, wird doch in jeder Folge deutlich, dass sie Paris lieben und so wird diese schräge Parodie auch eine indirekte Liebeserklärung an Champagner, Croissants, Baguettes, Käse, Cafés, "haute couture", Nachtleben und den einzigartigen Flair der Stadt. Doch nicht nur Paris regt zum Träumen an, auch die Abenteuer von Emily (toll gespielt von einer immer perfekt gestylten Lily Collins) sind so herrlich an der Realität vorbei erzählt, dass man den eigenen öden Alltag nur zu gerne hinter sich lässt. 

Zwar schüttelt man manchmal den Kopf über die Protagonistin, die kein Fettnäpfchen außen vor lässt und sich bald in einer verwirrenden Dreiecksgeschichte mit ihrer neuen Freundin Camille (Camille Razat) und deren Freund, dem Chefkoch und ihrem Nachbar Gabriel (Lucas Bravo), wiederfindet. Außerdem für Action sorgen Emilys schwierige Chefin Sylvie (ambivalent und stilsicher verkörpert von Philippine Leroy-Beaulieu) und Emilys ebenfalls nicht-französische Verbündete Mindy Chen (Ashley Park). Dass alle Beteiligten in jeder Szene schrill, modisch und sicherlich auch bemerkenswert teuer eingekleidet sind, versteht sich dabei von selbst. Die vielen Anspielungen auf Modemarken und Konflikte innerhalb der Branche sind ebenfalls offensichtlich und auch für Nicht-Mode-Kenner wie mich leicht zu verstehen.

Mein Fazit also zu dieser unterhaltsamen Serie: auch wenn an den meisten Kritikpunkten durchaus etwas dran ist, kann ich nur bekräftigen, dass auch Hate Watcher im Endeffekt Zuschauer sind, die vermutlich nur unehrlich zu sich selbst sind. Mode, Liebe, Partys und ein Neuanfang - die Serie macht süchtig und verströmt genau die Art von purer, unschuldiger Lebensfreude, die man im Lockdown gut gebrauchen kann. "Emily in Paris" verspricht leichte Unterhaltung und liefert sie auch - nicht viel mehr, aber auch nicht weniger, sodass ich jetzt gespannt auf die nächste Staffel warte.


Hier noch zum Trailer:  

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich, wenn Du einen Kommentar dalässt.
Egal ob Kritik, Verbesserungsvorschläge, Lob, Anmerkungen, Fragen oder eigene Meinung - das ist der richtige Ort dafür ;-)