Mittwoch, 9. Dezember 2020

Inspired - Magie der Muse


Allgemeines:

Titel: Inspired - Magie der Muse
Autorin: Nicole Gozdek
Genre: Urban Fantasy
Verlag: Piper (30. November 2020)
ISBN-13: 978-3492282222
ISBN-10: 3492282229
Seitenzahl: 400 Seiten
Preis: 15€ (Taschenbuch)
12,99€ (Kindle-Edition)

Inhalt:

In Tressina City gelten die goldäugigen Musen als die Elite unter den Völkern. Sie gehen meist ein Bündnis mit einem menschlichen Partner ein, um ihre magischen Kräfte entfalten zu können. Der 22-jährige Jay aus dem menschlichen Getto sieht in den Musen jedoch nur seine Chance, um mithilfe ihrer Magie zum Verbrechergenie zu werden. Kurzerhand entführt er die 18-jährige Muse Niliana, die allerdings keineswegs die Absicht hat, ihm zu helfen. Als die beiden bei einem Streit ungewollt das Musenbündnis und damit Nilianas volle Kräfte aktivieren, kann sie ihre Macht nur noch in Zusammenarbeit mit Jay einsetzen – und möchte ihren ahnungslosen Verlobten so schnell wie möglich wieder loswerden.


Bewertung:
 
"Inspired - Magie der Musen" ist das dritte von drei Büchern, die ich mir aus dem Piper-Verlagsprogramm ausgeguckt hatte. Und nachdem mir schon "Love Like Magic" und "Love is Wild" sehr gut gefallen hatten, ist auch der neuste Fantasy-Roman von Nicole Gozdek ein echter Glückstreffer. 

Das Cover ist mit dem zartrosa und dunkelblauen Farbverlauf wunderhübsch anzusehen, sodass mich noch nicht mal das abgebildete Gesicht groß gestört hat. Treue Leser meines Blogs wissen, dass ich mich oftmals an Model-Gesichtern auf Cover störe, das hier abgebildete Mädchen mit den goldenen Augen deckt sich aber erstaunlich gut mit meiner Vorstellung von Protagonistin Niliana, sodass ich mich nicht beschweren kann. Die dynamischen Wirbel rund um den großen weißen Titel lassen sich auch zu jedem der 30 Kapitelanfänge finden und der Titel passt natürlich super zur Handlung. Für die Gestaltung gibt es von mir also einen Daumen nach oben! 

Erster Satz: "Als ein Krampf im Unterschenkel seine Position unbequem machte, erhob ich Jay von den niedrigen Stufen vor dem Springbrunnen in der Mitte des berühmten Place de la Créativité."

Nicole Gozdek beginnt ihren rasanten Ausflug ins Land der Musen, Menschen, Elfen, Trolle und Höllenbewohner mit einer Entführung. Ohne große Umschweife finden wir uns mit dem ersten Protagonisten Jay im Musenviertel der Stadt Tressina City wieder, wo er auf sein Opfer wartet: eine Muse. Diese wunderschönen Frauen und Männer sind nämlich nicht nur Teil der Elite der Stadt, sondern haben auch magische Kräfte, die sie mit ihren Lebenspartnern teilen können, wenn sie ein lebenslanges Bündnis mit ihnen eingehen. Wie man ein solches Bündnis aktiviert, dass es unzerstörbar ist und welche Konsequenzen sein Handeln haben wird, weiß der verzweifelte Jay genauso wenig, wie dass die zarte junge Frau, auf die seine Wahl fällt, Niliana, die Tochter des Gouverneurs ist und deren Entführung ihn in noch größere Schwierigkeiten bringen wird...
Niliana wünscht sich nichts mehr, als selbst eine angesehene Schriftstellerin zu werden und ihre magischen Kräfte als Muse der Literatur für sich alleine kreativ ausleben zu können. Ein Bündnis eingehen steht deshalb nicht auf ihrem Plan. Schon gar nicht mit ihrem Entführer Jay, der sie verschleppt und dazu bringen will, ihm bei einem großen Raubzug zu helfen, um seine Geldprobleme zu lösen. Die Musengöttin hat jedoch andere Pläne und als sie sich an Jay bindet, versucht sie, ihn wieder loszuwerden - mit fatalen Folgen...

"Wo bleibt da unsere Freiheit, unser Mitbestimmungsrecht? Kreativität bedeutet, außerhalb der Box, außerhalb der Regeln und Konventionen zu denken und etwas Neues zu erschaffen."

Die Autorin erzählt die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive unserer zwei Hauptprotagonisten Niliana und Jay, wobei sie einen personalen Er-Erzähler wählt. Dadurch haben wir einen guten Einblick in die Gefühle und Gedanken der beiden, erleben die Geschichte aber deutlich weniger personenzentriert, was angesichts Nicole Gozdeks Schwerpunkt ein großer Vorteil ist. Denn anders, als ich zu Beginn gedacht hatte, hat die Autorin mit "Inspired" keinen reinen Urban Fantasy Roman in modernem, dystopischen geschrieben, sondern legt auf die Action und Abenteuerkomponente ihrer Geschichte großen Wert. Von Fluchten durch heruntergekommene Ghettos, minutiös durchgeplante Entführungen, Verfolgungsjagden mit Gangs, Schießereien mit Verbrechern, kurzen Gefängnisaufenthalten, gefährlichen Autounfällen, über gemeinschaftliche Rätselentschlüsselungen, unterirdischen Labyrinths, Begegnungen mit gefährlichen Höllenbewohnern bis hin zu einem kurzen Abstecher auf den Planet Hölle selbst, ist alles dabei, was sich ein actionbegeisterter Leser wünschen würde. 

"Hin und wieder war sie jungen Dichtern und Schriftstellern auf der Uni vorgestellt worden, die sie bewundernd oder anzüglich gemustert hatten, was ihr stets unangenehm gewesen war. Doch Jays Blick war keins von beidem gewesen, sondern lediglich intensiv. Als hätte er ihr bis in die Seele blicken wollen - und können."

Niliana und Jay - und somit auch dem Leser - wird kaum eine Sekunde zum Verschnaufen gegönnt und dann geht es auch schon mit der nächsten brenzligen Situation weiter. Dass die beiden sich eigentlich nicht leiden können und eine Entführung nicht der beste Start für ein sicheres Vertrauensverhältnis ist, trägt natürlich auch nicht gerade dazu bei, dass die Abenteuer, die sie erleben, weniger spannungsgeladen ablaufen. Was Musen eigentlich sind, wie die Bündnisse funktionieren, wie die Welt aufgebaut ist, in der wir wie irre herumrennen und weshalb Jay sich überhaupt erst dazu entschlossen hat, eine Muse zu entführen, wird dabei eher beiläufig in kleinen Häppchen erklärt und geschickt zwischen den Actionszenen platziert, sodass das hohe Erzähltempo nicht ausgebremst wird. Da ich ein großer Fan von ausschweifenden Erklärungen und solidem Worldbuilding bin und die Idee mit den Musen auch sehr faszinierend neu und originell fand (das habe ich tatsächlich noch nirgendwo so gelesen und das kommt selten genug vor), hätte ich mir an einigen Stellen aber doch noch ein paar mehr Hintergründe zum Setting gewünscht. Vor allem der große Rahmen der Geschichte, Informationen über die Göttin, die Gesellschaft, die Vergangenheit der Figuren oder der Musen allgemein gehen leider etwas im nur rudimentären Worldbuildung unter, das gerade ausreichend betrieben wird, um als fundierte Basis für die Handlung zu wirken. 

"Nie zuvor hatte sich etwas so richtig angefühlt und voller neu entdeckter Zärtlichkeit sah er das Mädchen an, das sein Herz geraubt hatte und nun seinen Blick staunend erwiderte. Er wollte ihr zuflüstern: "Hier, nimm es! Behalte es! Hüte es! Es ist dein!". Doch das kam ihm reichlich kitschig vor und so ließ er es bleiben."

Ebenfalls etwas unter gehen die beiden Protagonisten an sich und deren Beziehung zueinander. Da die 400seitige Geschichte eine erzählte Zeit von wenigen Tagen abdeckt ist natürlich klar, dass man nicht mit einer riesigen Charakterentwicklung oder einer epischen Liebesgeschichte rechnen kann. Was Niliana und Jay angeht, arbeitet Nicole Gozdek deshalb mehr mit dem häppchenweisen Hinzufügen von Details und Motiven, die unseren Blick auf sie ein bisschen verändern, als mit einer wirklichen Charakterentwicklung. Gerade bei Jay funktioniert das ganz gut und er wird vom anfänglich undurchsichtigen Verbrecher zu einem starken Sympathieträger. Niliana hingegen wirkte manchmal naiv, unbeholfen und schwach in ihrer ungewohnten Umgebung, nur um dann in anderen Situationen plötzlich Ninja-Skills auszupacken. Ihre ständigen Schwankungen zwischen "Damsel in Distress" und starker Kämpferin waren für mich ein bisschen zu schwer nachzuvollziehen und sie für mich deshalb nicht ganz so rund. 

"Es war seine Geschichte. Er schrieb sie weder mit einem Bleistift oder Kugelschreiber auf Papier, noch tippte er sie mit seinen Fingern auf einer Tastatur oder diktierte sie in ein Aufnahmegerät. Er selbst war der Stift, die Umgebung um sie herum das Papier, das er nach Belieben füllte."

Sehr ans Herz gewachsen sind mir aber auch die Nebenfiguren wie zum Beispiel Nilianas kleine Brüder Ben und Hafius, oder Jays bester Freund Umkius. Auch die Liebesgeschichte hat durch die geringe verstreichende Zeit der Erzählung und die actionlastige Handlung nur wenig Raum, sich langsam zu entwickeln und geht deshalb für meinen Geschmack ebenfalls zu plötzlich vonstatten. Da die Geschichte aber auch noch in einem starken Ende gipfelt, kann man der Mischung aus Abenteuerroman, Urban Fantasy und Liebesgeschichte diese Schnitzer gut verzeihen. 




Fazit:

In dieser rasanten Mischung aus Abenteuerroman, Urban Fantasy und Liebesgeschichte kommen aufgrund der stark actionlastige Handlung des hohen Erzähltempos und der kurzen Erzählzeit das Worldbuilding, die Protagonisten und deren Beziehung etwas zu kurz. Dafür wartet "Inspired - Magie der Musen" mit einer großartigen Sogwirkung und einer originellen Grundidee auf.



PS: Vielen Dank an den Piper Verlag für das Rezensionsexemplar, was meine ehrliche Meinung jedoch nicht verändert hat.

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