Hallöchen,
Lesen ist ja nichts Statisches – unser Geschmack verändert sich, manchmal schleichend, manchmal ganz offensichtlich. Bücher, die uns früher begeistert haben, lassen uns plötzlich kalt, während wir ganz neue Genres oder Erzählformen für uns entdecken. Gerade ein Jahreswechsel - und ein ausführlicher Jahresrückblick, für den wir stundenlang in Lesestatistiekn wühlen, hahaha - macht diese Entwicklungen oft besonders sichtbar. Deshalb wollen wir heute nochmal auf einer etwas abstrakteren Ebene auf das Lesejahr 2025 zurückblicken und darüber nachdenken:
Was habt Ihr 2025 über Euren eigenen Lesegeschmack gelernt?
2025 war für mich ein Jahr, in dem sich an den harten Fakten der Zahlen oder der Genreverteilung gar nicht so viel zu den Vorjahren verändert hat, wie ich in meinem Jahresrückblick festgestellt habe. Allerdings hat sich mein Lesegeschmack doch ein wenig, aber spürbar verschoben und erweitert. Ich habe einiges für mich neu entdeckt und bemerkt, dass mich anderes ermüdet und werde meine Auswahl in 2026 deshalb ein bisschen anpassen...
Zunächst habe ich besonders gegen Ende des Jahres das Genre der Cozy Fantasy für mich entdeckt. Geschichten mit überschaubarem Weltenbau, in denen Wärme, Gemeinschaft und Atmosphäre statt epischer Bedrohungen im Vordergrund stehen. Zwar lese ich weiterhin gerne klassische High Fantasy, aber ich habe festgestellt, dass es ein Format kleiner (als Alternative zur Romantasy) für mich auch tut. Das hängt auch damit zusammen, dass ich bemerkt habe, dass meine Geduld für sehr lange Bücher oder Reihen mit vielen Bänden deutlich nachgelassen hat. Zwar schätze ich weiterhin umfangreiche Reihen, aber in meinen Alltag sind kürzere Bücher doch besser integrierbar. Vor allem, da ich auch 2025 begonnen habe, häufiger mehrere Bücher parallel gelesen. Dieses „Patchwork-Lesen“ hat mir erlaubt, je nach Stimmung zwischen Texten, Medien und Genres zu wechseln, ohne mich zu etwas zwingen zu müssen.
Ein weiterer Punkt, der damit zusammenhängt: Ich habe eine deutliche Ermüdung gegenüber klassischer Romance, Romantasy und Büchern mit sehr offensichtlichen Tropes festgestellt. War ich vor zwei Jahren noch ein großer Fan von Enemies-to-Lovers, One-Bed-Trope, He-Falls-First und einiges mehr, kann ich mittlerweile nur noch höchstens eine Geschichte pro Lesemonat nach diesem Muster ertragen. Versteht mich nicht falsch, ich genieße immer noch gerne gelegentlich klischeehafte Romantasy (das hat mir zum Beispiel "Mate" von Ali Hazelwood gezeigt, mit dem ich trotz etwas trashiger Handlung viel mehr Spaß hatte als ich erwartet hatte), aber kann sie nicht mehr reihenweise weglesen wie früher. Im Fantasy Genre habe ich deshalb zusätzlich zu Cozy Fantasy bemerkt, dass es mich mehr zu originellen, „abgefahreneren“ Büchern zieht, die etwas wagen, mit Erwartungen brechen oder sich nicht eindeutig einordnen lassen. Kein Wunder, dass ich mittlerweile ein großer Fan von Walter Moers bin... Im Romance Genre habe ich angefangen, deutlich mehr queere Bücher zu lesen, die mir oft neue Perspektiven eröffnet und sich natürlicher, vielfältiger und frischer angefühlt haben die klassischen heteronormativen Geschichten.
Generell habe ich bemerkt, dass mir Bücher mit ungewöhnlicher Erzählweise, originellen Ideen oder poetischer Sprache stärker im Gedächtnis geblieben als perfekt geplottete Geschichten. Ich habe 2025 so viele literarische Romane gelesen wie noch nie zuvor und das sehr genossen. Eine echte Neuentdeckung war für mich auch englischsprachige Lyrik. Gedichte, die mit Sprache, Rhythmus und Bildern spielen, haben mich teilweise stärker berührt als so mancher Roman. Unterm Strich hat sich mein Lesegeschmack 2025 ein Stück weit „literarischer“ entwickelt – ohne dass ich deshalb auf Unterhaltung verzichten möchte. Ich greife weiterhin gern zu leichten, zugänglichen Büchern, aber ich schätze zunehmend Texte, die mich sprachlich oder formal herausfordern und länger in mir nachhallen. Dieses Gleichgewicht zu finden, ist nicht ganz einfach, aber ich werde 2026 mein Bestes geben!
Wie ist das bei Euch?
Liebe Grüße
Sophia
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Nächste Woche bei der Montagsfrage:
Welches Buch war für Euch der ultimative Mood-Booster – pure gute Laune zwischen zwei Buchdeckeln?
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