Dienstag, 6. Januar 2026

Serienempfehlung: Lessons in Chemistry

Auf die Verfilmung von Bonnie Garmus´ Roman "Lessons in Chemistry" (deutsch: "Eine Frage der Chemie") bin ich schon gespannt, seit ich im Mai 2024 das Buch gelesen und geliebt habe. Die Geschichte der Chemikerin Elizabett Zott ist aber leider nur bei Apple TV zu sehen, weshalb ich es bisher nicht geschafft habe, reinzuschauen. Vor Weihnachten habe ich mir dann aber doch endlich mal ein Probeabo geholt und die acht Episoden an zwei Abenden inhaliert. 


Darum geht´s:

Elizabeth Zott (Brie Larson) ist eine Frau mit dem unverkennbaren Auftreten eines Menschen, der nicht durchschnittlich ist und es nie sein wird. Doch es ist 1961, und die Frauen tragen Hemdblusenkleider und treten Gartenvereinen bei. Niemand traut ihnen zu, Chemikerin zu werden. Außer Calvin Evans (Lewis Pullman), dem einsamen, brillanten Nobelpreiskandidaten, der sich ausgerechnet in Elizabeths Verstand verliebt. Aber auch 1961 geht das Leben eigene Wege. Und so findet sich eine alleinerziehende Elizabeth Zott bald in der TV-Show »Essen um sechs« wieder. Doch für sie ist Kochen Chemie. Und Chemie bedeutet Veränderung der Zustände...


Das denke ich zur Serie:

"Lessons in Chemistry" ist eine großartige Serie, eine ebenso großartige Buchverfilmung und damit das späte Serienhighlight des Jahres 2025 geworden. Die acht Folgen treffen den heiter-ernsten Ton des Buches ganz hervorragend, nehmen die Handlung der Vorlage ernst und erwecken die eigenwilligen Figuren so charmant zum Leben, dass man sich am Ende wünscht, es wäre nicht nur eine Mini-Serie gewesen.

Am besten gefallen hat mir, dass die verschachtelte Erzählweise des Buches beibehalten wurde und die Serie ähnlich mit Zeitsträngen, Rückblenden, Voice-Overs und Erzählerwechsel arbeitet. Die Geschichte beginnt zunächst mitten im Leben von Elizabeth Zott, zu einem Zeitpunkt, an dem sie  bereits eine Tochter (Mad, Alice Halsey)  hat und erfolgreiche TV-Köchin ist. Nach diesem kurzen Vorgriff, setzt die Erzählung allerdings wieder früher in ihrem Leben an und greift in einer chronologischen Erzählung auf, wie sie als Wissenschaftlerin, die in der Forschung Karriere machen und eigentlich nie Kinder bekommen wollte, an diesen Punkt gelangt ist. Nicht nur ihr Kollege Calvin, sondern auch ihre Nachbarin Sloan und sogar der Hund Halb-Sieben spielen dabei eine wichtige Rolle und dürfen für eine kurze Passage die Erzählung übernehmen. In den so recht komplex aufgebauten Folgen hält die Serie viele Wendungen, Überraschungen und Fügungen bereit und nimmt uns mit durch Höhen und Tiefen des Lebens der Figur. 

Brie Larson verkörpert Elizabett dabei grandios. Selbstbewusst, entschlossen, kühl, hochintelligent, systematisch, aber auch gesellschaftlich etwas naiv und definitiv auf dem autistischen Spektrum. Die Schauspielerin transportiert treffend die innere Stärke und Vielschichtigkeit ihrer Figur. Aber auch Lewis Pullman (Calvin) und Aja Naomi King (Harriet Sloane) liefern starke Nebenrollen ab, die im Gedächtnis bleiben. Der Handlungsstrang von letzterer, Nachbarin Harriet Sloan, ist allerdings im Vergleich zum Buch verändert worden, aber dies war für mich eher eine stimmige Korrektur statt störender Abweichung. 

Aufgrund der warmherzigen Atmosphäre, die durch die liebevolle Darstellung der Figuren entsteht, ist "Lessons in Chemistry" für mich eindeutig eine Wohlfühlserie, obwohl eigentlich alles andere als Wohlfühlthemen behandelt werden. Denn zwar wird hier eine Liebesgeschichte zwischen zwei außergewöhnlichen Persönlichkeiten erzählt und Freundschaft, Feminismus, Empowering, Mitgefühl und weibliche Größe abgebildet, es geht allerdings auch um Sexismus, Tod, sexuelle Übergriffe, Depressionen, Verlust, Schicksalsschläge, Diskriminierung, Traumata und ungewollte Schwangerschaft. Elizabeths Weg ist alles andere als geradlinig und einfach und so wird ein schmerzhaft realistisches Bild der gesellschaftlichen Ungerechtigkeit und Grausamkeit gegenüber Frauen gezeichnet. Elizabeths bestärkende Botschaft an andere Frauen, sich trotzdem nicht unterkriegen zu lassen und gegen den Strom zu schwimmen, um die eigenen Ziele zu erreichen, ist damit umso gewichtiger und regt zum Nachdenken über Geschlechtergerechtigkeit, -stereotype und Gleichberechtigung an. Denn wenn Elizabeth sich in den 1950ern nicht hat stoppen lassen, was soll dann uns heute davon abhalten, durchzustarten und Ungerechtigkeiten des Patriarchats hinter uns zu lassen...?

Positiv hervorheben möchte ich auch Set und Maske. Durch Oldtimer, Hemdkleider mit ausfallenden Röcken, Fönfrisuren, dem tollen Laborset und nicht zuletzt dank der wunderbaren DarstellerInnen wird das Setting in Amerika in den 1950ern wunderbar zum Leben erweckt. Minimalistische, authentische Drehorte, unterbrochen von dem ein oder anderen ruhigen Naturpanorama, untermalt von zeitgemäßer Musik - hier stimmte für mich optisch und auditiv einfach alles. 

Mein Urteil:

"Lessons in Chemistry" ist eine handwerklich herausragende Serie voller großer Emotionen, leiser Momente, wichtiger Themen und mitreißender Figuren. Ich bin ein großer Fan des Buches und nun ebenso der Serie, was wahrlich nicht oft vorkommt.


Zum Trailer:




Bild-Quellen: Moviepilot.de

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