Donnerstag, 8. Januar 2026

Natural Flow - Wie du die Psychologie deines Zyklus für dich nutzt


Allgemeines

Titel: Natural Flow
Autorin: Miriam Stark
Verlag: Lübbe (24. November 2023)
Genre: Ratgeber
Seitenzahl: 305 Seiten
Link: Hier klicken!




Inhalt

Der weibliche Zyklus hat keinen guten Ruf, meist wird er mit PMS, Schmerzen und schlechter Laune verbunden. Völlig zu Unrecht, denn in ihm stecken echte Superkräfte! Wie man die nutzt? Durch ein zyklusorientiertes Der Körper folgt einem natürlichen, hormonellen Rhythmus. Jede Phase bringt eigene Bedürfnisse und besondere Fähigkeiten mit sich. Wird dem Raum gegeben, können sich psychische und physische Leiden auflösen, und die eigene Vielseitigkeit kraftvoll gelebt werden. Miriam Stark erklärt, wie das gelingt, und ermutigt Frauen, Paare, Unternehmen u.v.a., die Bedürfnisse menstruierender Menschen zu achten und so beruflich und privat das volle Potenzial des "Natural Flow" zu nutzen.



Meine Meinung

"Natural Flow" ist ein Ratgeber, der den weiblichen Zyklus weg von Defizitnarrativen rund um PMS, Schmerzen und Leistungseinbußen, hin zu einem Verständnis des Zyklus als Quelle von Potenzial, Vielfalt und innerer Stärke neu ausrollen möchte. Dieser Ansatz der promovierten Wirtschaftspsychologin Miriam Stark, zyklische Prozesse nicht als Belastung, sondern als Ressource zu betrachten, hat mich zunächst sehr angesprochen, weshalb ich gespannt zum Buch gegriffen habe. 

Der Einstieg mit einer persönlichen Herleitung und der Erklärung der hormonellen Grundlagen der Zyklusphasen hat mir schonmal sehr gut gefallen. Die Autorin erklärt gut strukturiert, verständlich und anschaulich die Verbindung zwischen körperlichen Prozessen und psychischen Zuständen. Auch das Konzept der vier inneren Anteile – Junge, Mutter, Magierin und Alte –, die in den Zyklusphasen aktiv werden, fand ich zunächst als Denkmodell gar nicht schlecht. Zumindest als metaphorischer Impuls zur Selbstbeobachtung und weiteren Erkundung halte ich die Idee für sehr interessant. Allerdings hätte ich hier schon bemerken können, dass die Autorin nicht vor hat, es bei metaphorischen Sinnbildern für körperliche Zustände zu belassen, sondern im Verlauf ins geradezu Spirituelle driftet. 

Nach der Einführung in die Grundlagen des weiblichen Zyklus stellt sie nämlich die inneren Anteile genauer vor und nimmt sich verschiedene Lebensdomänen vor, auf die unser Zyklus Einfluss nimmt. Hier hat mich die Autorin leider regelmäßig verloren. Meditationen, innere Reisen, spirituelle Konzepte und stark vereinfachte psychosomatische Erklärungen nehmen viel Raum ein, während wissenschaftliche Einordnung, Quellen oder differenzierte Argumentationen weitgehend fehlen. Besonders bei sensiblen Themen wie Endometriose, Krebs, Unfruchtbarkeit oder psychischen Diagnosen hätte ich mir mehr Sorgfalt, Tiefe und Kontext gewünscht. Einige Aussagen empfand ich als zu pauschal, teils realitätsfern und nicht immer so empowernd, wie sie vermutlich gemeint sind. Wenn sie beispielsweise vorschreibt, was die einzig richtige Variante ist zu bluten, zu verhüten und zu leben, scheint das stark dogmatisch und möchte eher ihr eigenes Konzept verkaufen, als verständnisvoll ihre diversen Leserinnen an die Hand nehmen. 

Hinzu kommt, dass viele der vorgeschlagenen Alltagstipps – insbesondere im beruflichen Kontext – implizit von einem sehr privilegierten Lebens- und Arbeitsumfeld ausgehen. Flexible Arbeitszeiten, Rückzugsmöglichkeiten oder mehrtägige Pausen während der Menstruation sind für viele Menschen schlicht nicht umsetzbar. Dadurch hatte ich zunehmend das Gefühl, dass sich das Buch an eine eher sozioökonomische Elite richtet und andere Lebensrealitäten kaum mitdenkt. Außerdem liegt ein sehr starker Fokus auf heteronormative Paarbeziehungen mit Kindern. Die Zielgruppe ist also wohl nicht jede Frau, sondern spezifisch eine mittelalte, spirituell veranlagte Karrierefrau mit Kindern. 

Eine zusätzliche Herausforderung war für mich die Sprache. Zwar habe ich mich mittlerweile mit dem lockeren Stil von modernen Ratgebern ziemlich gut angefreundet und bin auch kein Feind von Anglizismen, aber die Autorin hat es hier doch stark auf die Spitze getrieben, sodass sie selbst mir ab und zu ein Augenrollen entlockt hat. „Body illitaracy ist leider a fucking real thing.“, „...wem das zu spiri-crazy-spacy ist..“, „I know cheesy but true“, oder ein lautes „YEEEEEEAAAAAH“ - Der sehr umgangssprachliche, teilweise lautmalerische und coachartige Stil mag Nähe erzeugen wollen, wirkte auf mich jedoch oft überzogen, gestellt und ermüdend.  

Trotz dieser Kritikpunkte würde ich von dem Buch nicht generell abraten. Denn "Natural Flow" enthält durchaus wertvolle Impulse: den Appell, den eigenen Körper ernst zu nehmen, Bedürfnisse wahrzunehmen und sich selbst besser kennenzulernen, halte ich für wichtig und unterstützenswert. Einzelne Abschnitte haben mir tatsächlich weitergeholfen, anderes konnte ich guten Gewissens sofort wieder für mich abhaken. 

Fazit

"Natural Flow" ist für mich ein ambivalenter Ratgeber, der sich einem starken, relevanten Grundthema widmet und einige interessante Denkanstöße gibt, mich aber durch starke Spiritualisierung und teilweise geradezu dogmatische Einseitigkeit immer wieder verloren hat.

*keine WERBUNG, selbstgekauft*

 Quelle Informationen: Goodreads.de. Klapptexte und Zitate sind Eigentum des Verlags oder jeweiligen Rechtinhabers.

1 Kommentar:

  1. Guten Abend liebe Sophia,
    als ich gerade das Buch gesehen habe, da dachte ich cooool ein Buch wo man vielleicht ein bisschen über den Tellerrand blickt und das Problem besser erfasst, aber irgendwie ist es doch nur so ein Ratgeber der letztlich nichtssagend ist oder jedenfalls für mich nicht das Richtige ist. Danke dass Du so ehrlich von Deinen Eindrücken erzählst. Das Thema ist ja total aktuell und wenn man selbst davon betroffen ist versucht man ja alles mögliche auzuprobieren.
    Aber so wie es aussieht kann ich mir dann diese Lektüre sparen :)
    Liebe Neujahrsgrüße
    Andrea ♥

    AntwortenLöschen

Ich freue mich, wenn Du einen Kommentar dalässt.
Egal ob Kritik, Verbesserungsvorschläge, Lob, Anmerkungen, Fragen oder eigene Meinung - das ist der richtige Ort dafür ;-)