Donnerstag, 22. Januar 2026

Wilde Reise durch die Nacht


Allgemeines

Titel: Wilde Reise durch die Nacht
Autor: Walter Moers
Verlag: Penguin (neue Auflage 2022)
Genre: illustriertes Kunstmärchen
Seitenzahl: 223 Seiten
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Inhalt

Der junge Gustave möchte unbedingt ein großer Zeichner werden. Aber zuvor muss er in einer einzigen Nacht von der Erde zum Mond und einmal quer durchs Universum reisen, denn er hat eine Wette mit dem Tod abgeschlossen, bei der es um nichts Geringeres als sein Leben und seine Seele geht.


Bewertung

Als großer Walter-Moers-Fan war es nur eine Frage der Zeit, bis ich mich auch seinem Kunstmärchen "Wilde Reise durch die Nacht" widmen würde. Dieses kurze, aber intensive literarische Experiment ist mir deutlich mehr ans Herz gewachsen, als ich ursprünglich erwartet hätte und hat mich einen gemütlichen Sonntagmorgen lang auf eine absurde, wilde, abenteuerliche Reise durch Fantasie, Abenteuer und Kunstgeschichte mitgenommen. 

"Das Leben, mein Junge, ist nicht nur eine wilde, schöne Reise. Leben, das heißt auch: dem Tod bei der Arbeit zuzusehen. Das ist das Härteste überhaupt! Das muss man aushalten können. Bist du bereit, das auszuhalten, mein Junge?”

Walter Moers ist ja mittlerweile für seinen Einfallsreichtum und seine überbordenden Fantasy-Welten bekannt. Das Zentrum der Geschichte ist in diesem Fall ausnahmsweise mal nicht ausschließlich seiner eigenen Fantasie entsprungen, sondern basiert auf Illustrationen des bekannten französischen Illustrators Gustave Doré. Sich auf Grundlage von 21 Bildern aus verschiedenen Werken ein mitreißendes, originelles, lebendiges Abenteuer auszudenken, das den Illustrator selbst zum Protagonisten macht, fand ich eine erfrischende Idee, auf die wohl auch nur Walter Moers kommen kann. Abgedruckt sind die 21 Illustrationen in schwarz-weiß und einem seitenfüllenden Format. Zusätzlich werden die Bilder auch ausführlich beschrieben und wunderbar in die Handlung eingebettet, sodass schnell vergessen ist, dass Autor und Illustrator mehrere Generationen trennen und die beiden sich niemals getroffen haben. Wer hätte gedacht, dass Erzählkunst aus dem 21. Jahrhundert und Illustrationen aus dem 19. Jahrhundert so gut zusammenpassen würden. 

"Bist du ein Diener des Todes?" fragte Gustave. "Sind wir das nicht alle?"

Auf knapp 200 Seiten begleiten wir den zwölfjährigen Gustave auf seiner wilden Reise durch eine einzige Nacht. Um dem Tod zu entkommen, muss er mehrere haarsträubende Aufgaben erfüllen, begegnet fürchterlichen Kreaturen, erlebt aberwitzige Überraschungen und trifft auf unerwartete Begleiter. In 16 Kapiteln treibt Moers das Geschehen mit einem irren Erzähltempo voran, hetzt von einer lebensbedrohlichen Situation zur nächsten und erzeugt dabei eine Sogwirkung, bei der die die einzelnen Szenen ineinander verschwimmen, wie es nur in Träumen geschieht. Zwischen den schnelllebigen Abenteuern gibt es allerdings auch beinahe philosophische Passagen über Tod, Zeit, Sorgen und Kunst sowie etliche clevere Anspielungen auf historische Werke wie die "Göttliche Komödie" oder "Don Quijote", sowie andere Bücher, die von Gustave Doré illustriert wurden. So tritt beispielsweise Dante selbst als Matrose auf und Gustave reitet auf einem Ross namens Pancho Sansa. 

"Gustave war über den Mond hinweggeflogen, durch Raum und Zeit und durch einen Galaktischen Gully, er hatten den Tod bei der Arbeit zugesehen und er war erneut dem Zwillingstornado entronnen, er durfte die letzten Tiere und den Pferdekopfnebel bestaunen. Und er hatte die Verwaltungsabteilung des Universums besichtigt, die Futuristischen Eventualitätswaben mit ihrer Raumzeitkontinuierlichen Möglichkeitsprojektionen. Und nicht zuletzt war er sich selbst begegnet und hatte ein eigenes Sonnensystem vermacht bekommen. Das war keine schlechte Bilanz für eine Nacht."

Trotz des kunsthistorischen Kontextes und der klaren Hommage an Gustave Doré erkennt man Walter Moers Humor und Schlagkraft aber in jeder Szene durchschimmern. Hier gibt es beispielsweise Jungfrauen, die Drachen jagen und aus ihnen industriell Saft gewinnen, Ungeheuer, die sich gegenseitig brüsten, wer das allerschrecklichste ist, die Physik von Galaktischen Gullies und Traumberater, die sich im eigenen Traum verirren. So ist "Wilde Reise durch die Nacht" trotz ernsthafterer Atmosphäre ähnlich lebendig und absurd wie seine Zamonien-Romane, wenn auch etwas konzentrierter, dichter, literarischer. Rundum ein tolles Werk, das Walter Moers´ Können nochmal einem anderen Publikum zugänglich macht!

Fazit

„Wilde Reise durch die Nacht“ ist ein ebenso verspieltes wie nachdenkliches Kunstmärchen, das Fantasie, Humor und kunsthistorische Tiefe auf einzigartige Weise verbindet und eindrucksvoll zeigt, wie vielseitig Walter Moers als Erzähler ist.

*unbezahlte WERBUNG, Rezensionexemplar*

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar, was meine ehrliche Meinung jedoch nicht beeinflusst hat. Quelle Informationen: Amazon.de. Klapptexte und Zitate sind Eigentum des Verlags oder jeweiligen Rechtinhabers.

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