Donnerstag, 9. April 2026

Serienempfehlung: The Great

"The Great" ist eine US-amerikanisch-britische satirische Historienserie, die vom Streamingdienst Hulu produziert wurde und sich selbst augenzwinkernd als „anti-historisch“ bezeichnet. In insgesamt drei Staffeln mit 30 Episoden à etwa 50 bis 60 Minuten erzählt die Serie lose den Aufstieg Katharinas der Großen zur Kaiserin von Russland. Als großer Fan von historische Motive in Kombination mit bewusst freier, fiktionaler Interpretation sowie schwarzem Humor und moderner Erzählweise, war die Serie für mich ein absolutes Muss und ich muss Euch unbedingt davon berichten:


Darum geht´s:

Die junge Katharina (Elle Fanning) muss ihr Leben in Österreich zurücklassen, als sie mit dem russischen Kaiser Peter III (Nicholas Hoult ) verheiratet wird. Sie verspricht sich viel von ihrem neuen Leben in Russland. Voller Hoffnung auf Liebe und ein erfülltes Leben kommt sie an den russischen Hof und wird stattdessen mit einer brutalen, dekadenten und geistig stagnierenden Welt konfrontiert. Schnell erkennt sie, dass sie nicht nur überleben, sondern dieses System grundlegend verändern muss. Der Weg dahin ist radikal: Intrigen, Machtspiele und letztlich sogar Mord werden zu notwendigen Mitteln, um ihren Platz als "Katharina die Große" in der Geschichte einzunehmen.


Das denke ich zur Serie:


Schon im Trailer wird die Hauptzutat von "The Great" erkennbar: der großartige, tiefschwarze Humor. Wer sich auf die Serie einlassen will, muss von vornherein wissen, dass es sich hier keineswegs um eine leichte oder gemütliche Historienkomödie handelt. Vielmehr geht es hier oft derb, explizit und stellenweise unnötig blutig zu, um in satirischer Weise die Lebensart am russischen Zarenhof zu überspitzen. Ebenfalls vorab einstellen muss man sich auf den losen Umgang mit historischen Fakten. Wie schon der Untertitel - "Eine stellenweise wahre Geschichte" - ankündigt, nimmt "The Great" es mit der historischen Genauigkeit nicht so eng und mischt mit lockerer Hand Fakten mit Fiktion. Wer sich von beiden Punkten nicht abschrecken lässt, den erwartet über drei Staffeln allerdings ein intelligentes, spaßiges, vielschichtiges und hochspannendes Seherlebnis!

Das liegt vor allem daran, dass die Serie thematisch Serie thematisch weit über ihre historische Oberfläche hinausgeht. Versteckt hinter überspitzen Konflikten und Witzen verhandelt die Handlung Fragen von Feminismus, Gleichberechtigung und Macht ebenso wie toxische Männlichkeit, Liebe, Sexualität und Intellekt. Gleichzeitig erzählt sie davon, wie Privilegien Menschen korrumpieren, blenden oder zumindest von grundlegenden moralischen Fragen ablenken können. All dies spielt sich vor dem Hintergrund eines moralisch verlotterten, dekadenten und zugleich bildungsfernen Hofes ab, dessen Reform zu einem ebenso ambitionierten wie gefährlichen Unterfangen für die junge Katherina wird. 

Mit ihr steht eine starke weibliche Hauptfigur im Fokus, deren Entwicklung zu den größten Stärken der Serie zählt. Großartig dargestellt von Elle Fanning überzeugt Katherina mit beeindruckendem komödiantischem Timing und einem glaubhaften Wandel von einer naiven Idealistin zur zunehmend klugen und strategischen Intrigantin. Überraschenderweise wurde aber gar nicht sie, sondern ihr angetrauter, der psychopathische Kaiser Peter III. zu meiner Lieblingsfigur. Denn Schauspieler Nicholas Hoult gelingt es meisterhaft, die Balance zwischen kindlicher Unsicherheit und grausamer Willkür zu halten, wodurch seine Figur gleichermaßen abstoßend wie unterhaltsam und gelegentlich sogar niedlich und liebenswürdig wirkt.

Auch die Nebenfiguren sind durchweg lebendig und vielschichtig gestaltet,  entwickeln sich stetig weiter und treffen immer wieder nachvollziehbare, wenn auch moralisch fragwürdige Entscheidungen. Besonders dynamische Charaktere wie der Patriarch der orthodoxen Kirche (Adam Godley), Peters Tante Elisabeth (Belinda Bromilow) oder Katherinas durchtrieben Zofe Marial (Phoebe Fox) halten die Spannung dauerhaft hoch und mischen die Karten in beinahe jeder Folge neu. Im komplexen Geflecht aus Beziehungen, Interessen und Abhängigkeiten entsteht dadurch eine großartige Dynamik und Dramaturgie, die die Serie über drei Staffeln durchweg spannend macht. Dass jederzeit wirklich alles passieren kann, zeigen vor allem die letzten drei Folgen der dritten Staffel, die mich total entsetzt haben, die aber einen gelungenen Abschluss der Serie bilden. Denn diese wurde leider nach drei Staffeln von Hulu abgesetzt. Das ist sehr bedauerlich, schmälert jedoch nicht ihren Eindruck als außergewöhnlich unterhaltsames und zugleich kluges Serienerlebnis.

Auch auf produktionstechnischer Ebene überzeugt "The Great" auf ganzer Linie: Neben dem dynamischen Drehbuch, dem treffsicheren Humor und der großartigen schauspielerischen Leistung bewegen sich auch Ausstattung und Inszenierung durchgehend auf höchstem Niveau. Eine raue, aber wunderschöne Landschaft, ein prachtvolles Schloss, opulente Kleider, brüllende Bären, nackte Haut und rollende Köpfe - wir bekommen hier genau das zu sehen, was man von einem Russland dieser Zeit erwarten würde. Darauf ein ausdrückliches Huzzah! 

Mein Urteil:

"The Great" ist eine mutige, bissige und außergewöhnlich unterhaltsame Serie, die mit schwarzem Humor, starken Figuren und thematischer Tiefe weit über klassische Historienunterhaltung hinausgeht. Wer sich auf ihren derben Ton und den lockeren Umgang mit Geschichte einlässt, wird mit einem intelligenten, spannenden und visuell opulenten Serienerlebnis belohnt – Huzzah!


Zum Trailer:




Bild-Quellen: Moviepilot.de

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