Da ich meinen "Game of Thrones"-Kater noch immer nicht überwunden habe, bin ich immer auf der Suche nach tollen neuen Fantasy-Serien, die mich über das Ende der All-Serie ein wenig hinwegtrösten können. Die US-Amerikanische Fantasy-Serie "Carnival Row" von Travis Beacham und René Echevarria war mein letzter Versuch, der zwar - wie leider bis jetzt immer - nicht an GOT herankam, aber trotzdem erfrischend anders und sehr spannend war! Mittlerweile sind 2 Staffeln mit jeweils 8 Folgen bei Prime Video zu sehen.
Darum geht´s:
Der imperialistische Stadtstaat "The Burgue" führt seit Jahren einen blutigen Krieg in der Welt der Fabelwesen gegen den „Pakt“, weshalb verschiedene Fantasy-Kreaturen sich mithilfe von Schleusern in die Stadt retten. In der Stadt entstehen infolgedessen zunehmend politische und ethnische Spannungen zwischen Einwohnern und Migranten. Als im sozialen Brennpunkt der Stadt, der "Carnival Row", eine Fee blutig ausgeweidet gefunden wird, nimmt sich Inspektor und Kriegsveteran Rycroft Philostrate dem Fall an, da er durch eine vergangene Liebschaft mit einer Fee Sympathie für die sogenannten "Kräher" hegt. Doch dann taucht diese Fee, Vignette Stonemoss, plötzlich wieder auf und auch der Fall zeigt immer mehr Verbindungen zu seiner eigenen Vergangenheit auf, sodass er sich seinem größten Geheimnis endlich stellen muss...
Warum sollte ich mir diese Serie ansehen?
Ich muss zugeben, die Serie hat es wirklich sehr darauf angelegt, das Beste aus bereits bekannten Serien zu vereinen und ein möglichst breites Publikum anzusprechen. Ich meine, Fabelwesen wie Feen, Kobolde, Zentauren, Trolle, Werwölfe und Co., die in einer viktorianischen Version von Königsmund mit allerlei Intrigen, politischen Machtspielchen und einem blutigen Krieg leben und ein Kriminalinspektor mit einem Geheimnis, der einen grausamen Jack-the-Ripper-Killer mit Superfähigkeiten sucht? Das ist schon eine ziemlich verrückte Kombination, die trotz unterschiedlicher Erzählstilen und eines wilden Stimmungsmix wunderbar funktioniert!




Gegen Ende kommen dann immer mehr Geheimnisse ans Licht und wir werden mit der ein oder anderen schockierenden Wendung und Entwicklung überrascht. Leider wirkt der Showdown am Ende - gerade nachdem sich die Macher zuvor herrlich viel Zeit gelassen haben - etwas überhastet, macht jedoch unbedingt Lust auf mehr! Zum Glück müssen wir ja auch nicht mehr allzu lange auf die zweite Staffel warten.
Mit der verbohrten High-Society der Burgue, dem Parlament voll radikaler Feen-Hasser, die ebenfalls menschlichen Kriegsgegner des "Pakts", der geflügelten Widerstandsgruppe der "Black Raven" und die neue undurchsichtige Revolution des "New Dawn" gibt es so viele unterschiedliche Parteien und Seiten des Konflikts, dass zunehmend Grauzonen entstehen und es fällt schwer fällt, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Auch Philo und Vignette finden sich in diesem Wirrwarr wieder und driften immer mehr auseinander, als sie plötzlich auf verschiedenen Seiten stehen...
Neben Philos Handlungsstrang, der zwischen Leid und Ränkespielen in der Burgue erneut einer magischen Mordserie auf den Grund gehen und währenddessen sein feeisches Erbe in sich erforschen und eine Seite im Konflikt wählen muss, gibt es noch einen weiteren, der außerhalb der Burgue spielt. In diesem verfolgen wir Agreus und Imogen, die nach ihrer Flucht auf der Burgue auf die kommunistische Revolution "New Dawn" treffen, allerdings schon bald bemerken, dass auch deren Methoden nicht die Lösung sein können. Durch die beiden Handlungsstränge wird das Worldbuilding erweitert und nochmals komplexer, leider unterbrechen sich die beiden Geschichten aber immer wieder in wichtigen Schlüsselmomenten und lassen nicht genügend Raum füreinander. Statt Philos und Vignettes Geschichte konsequent zuende zu erzählen, wird der Fokus auf andere Figuren verlagert und es schlägt die Stunde der ehemaligen Nebenfiguren. So rücken Philos Freund Darius (Ariyon Bakare), Vignettes Feen-Freundin Tourmaline (Karla Crome) oder Philos Erzfeind, Polizei-Sergeant Domby (Jamie Harris) weiter in den Vordergrund. Meine Lieblingsfigur ist und bleibt Runyan Millworthy (Simon McBurney), der auch hier wieder mit diplomatischen Höchstleistungen um Frieden ringt.
Während die erste Hälfte der Staffel genauso bedacht und atmosphärisch erzählt war wie Staffel 1, überschlagen sich in der zweiten Hälfte allerdings die Ereignisse und es scheint, als hätten die Serienmacher nach dem Absetzen der Serie dringend noch alle Handlungsstränge zu einem unfertig wirkenden Ende zusammenbasteln wollen. So bleiben nach 8 Folgen voller Identität, Humanität, Freiheit, Gerechtigkeit, Krieg und Revolution noch offene Fragen und Anknüpfungspunkte für eine weitere Staffel bestehen, die allerdings stand jetzt nicht kommen wird. Schade.
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