Freitag, 24. Juli 2026

Zeit nach Mitternacht


Allgemeines

Titel: Zeit nach Mitternacht
Autorin: Naomi Novik
Verlag: cbt (12. August 2026)
Genre: Kurzgeschichten Sammlung
Seitenzahl: 617 Seiten
Originaltitel: Buried Deep (übersetzt von Marianne Schmidt)
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Inhalt

Was wäre, wenn Elizabeth Bennet und Mr Darcy Drachenreiter wären, im alten Rom auf einmal Dracheneier ausgebrütet würden und eine Pilzhexe auf der Scholomance-Akademie lernen müsste, dass der schlimmste Feind manchmal der eigene Mitbewohner ist?
13 fantastische Kurzgeschichten entführen in bekannte und in brandneue Welten, von den düsteren, magischen Hallen der Scholomance-Akademie, über das kalte Reich des Silbers und hoch hinaus in die Lüfte, auf dem Rücken eines Drachens. Die Geschichten lassen liebgewonnene Charaktere auferstehen, erschaffen neue, spannende Figuren und geben sogar einen ersten, exklusiven Einblick in Naomi Noviks kommende Fantasy-Reihe.



Meine Meinung


Nachdem mich Naomi Novik mit Romanen wie „Das kalte Reich des Silbers“ und „Das dunkle Herz des Waldes“ begeistert hat, war ich sehr gespannt auf ihre Kurzgeschichtensammlung „Zeit nach Mitternacht“. Und obwohl Kurzgeschichten für mich oft das Problem haben, dass gute Ideen zu schnell wieder vorbei sind, hat diese Anthologie genau das bestätigt: Die Geschichten sind so originell und atmosphärisch, dass ich sie am liebsten alle als vollständige Romane gelesen hätte.

Die 13 Geschichten in „Zeit nach Mitternacht“ decken ein breites Spektrum des Fantasy-Genres ab. Einige sind Märchen- und Mythologie-Neuerzählungen, etwa von Ariadne und dem Minotaurus ("Tief begraben"), Rumpelstilzchen ("Das kalte Reich des Silbers") oder klassischen Feenmärchen ("Segenswünsche"). Andere führen zurück in bereits bekannte Welten wie Temeraire ("Vici") oder Scholomance ("Zeit nach Mitternacht"). Daneben finden sich mehrere eigenständige Kurzgeschichten, die von mittelalterlichen Burgen ("Die Burg Coeurlieu"), Piratenabenteuern ("Araminta oder das Wrack der Amphidrake"), viktorianisch anmutender Science-Fiction ("Sieben"), Sherlock-Holmes-inspirierten Kriminalgeschichten ("Die gewöhnliche Seite der Existenz"), Kriegsgeschichten (z.B. "Lord Dundanys Teekanne") bis hin zu klassischen High-Fantasy-Abenteuern ("Der lange Weg") reichen. Jede der Geschichten wird mit einem kurzen Vorwort der Autorin eingeleitet, das die Entstehungsgeschichte sowie weiterführende Ideen ergänzt.

"Ich habe diese Worte geschrieben, und andere haben sie lektoriert und formatiert und gedruckt, aber wir sind nur so weit gekommen, wie es eben ging. Der Rest der Reise gehört dir, wenn du dich entschließt, den Worten deine Augen zu leihen, und ihnen dein Gehirn zur Verfügung stellst, damit sie eine kleine Weile darin leben können."

Manche der Geschichten sind nur wenige Seiten lang, andere ausgewachsene Novellen. Trotz ihrer unterschiedlichen Länge, Schauplätze und Stimmungen verbindet sie das Gespür der Autorin für atmosphärisches Worldbuilding, märchenhafte Magie und Figuren, die selbst auf wenigen Seiten lebendig wirken. Man hat nie das Gefühl, nur einen Ausschnitt zu lesen, sondern vielmehr einen kurzen Blick in eine Welt zu werfen, die weit über die eigentliche Geschichte hinaus existiert. Gleichzeitig passt sie ihren Schreibstil jeder Erzählung an – mal märchenhaft, mal humorvoll, mal geheimnisvoll oder abenteuerlich –, ohne dass der Lesefluss darunter leidet.

Natürlich funktionieren nicht alle Geschichten gleich gut. Die Anthologie gleicht einer kleinen Reise durch Naomi Noviks gesamtes schriftstellerisches Schaffen. Besonders die Erzählungen aus den Universen von Temeraire und Scholomance profitieren davon, wenn man die entsprechenden Reihen bereits kennt. Wer Naomi Noviks Bücher bisher noch nicht gelesen hat, kann die Anthologie zwar trotzdem genießen, wird aber vermutlich nicht alle Anspielungen und Hintergründe gleichermaßen wertschätzen. Meine persönlichen Highlights waren die Piratengeschichte rund um Lady Araminta, die Neuinterpretation der Ariadne-Sage sowie die alternative Version von "Das kalte Reich des Silbers", welches ja später zu dem gleichnamigen Roman ausgebaut wurde. Gerade diese Geschichten zeigen eindrucksvoll, warum Naomi Novik für mich zu den spannendsten Fantasyautorinnen der Gegenwart gehört: Sie nimmt bekannte Motive und entwickelt daraus etwas Eigenständiges, das sich frisch und überraschend anfühlt.

Fazit

„Zeit nach Mitternacht“ ist eine abwechslungsreiche Anthologie voller kreativer Ideen, faszinierender Welten und Figuren, von denen man sich oft nur ungern wieder verabschiedet. Wer Naomi Novik bereits kennt, erhält spannende Einblicke in ihre verschiedenen Universen und Inspirationen; wer sie erst kennenlernen möchte, bekommt einen guten Eindruck von ihrer Fantasie – auch wenn ihre großen Romane ihre Stärken noch besser zur Geltung bringen. 


*unbezahlte WERBUNG, Rezensionsexemplar*

Vielen Dank an Netgalley für das Rezensionsexemplar, was meine ehrliche Meinung jedoch nicht beeinflusst hat. Quelle Informationen: Amazon.de. Klapptexte und Zitate sind Eigentum des Verlags oder jeweiligen Rechtinhabers.

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