Freitag, 3. Juli 2026

Serienempfehlung: Off Campus

"Off Campus" ist die neue Prime Serie, die seit Mai das Internet gestürmt hat. Als Adaption der fünfteiligen Off-Campus-Reihe von Elle Kennedy setzt sie in acht Folgen das erste Buch, "The Deal" rund um Hannah und Graham um, weitere Staffeln zu Grace und Logan ("The Mistake") oder Dean und Allie ("The Score") sind aber auch schon in Planung... Ich habe die Serie ganz ohne Erwartungen begonnen, da ich das Buch bereits 2024 gelesen habe und sehr mittelmäßig fand. Umso mehr überrascht wurde ich von dieser mitreißenden und deutlich frischer erzählten Geschichte...


Darum geht´s:

Hannah Wells (Ella Bright) ist verknallt. Doch während die gewissenhafte Einser-Studentin für gewöhnlich nicht auf den Mund gefallen ist, bringt sie ihrem Schwarm Justin (Josh Heuston) gegenüber leider kein Wort heraus. Sie ist verzweifelt. Warum sonst hätte sie sich auf das Angebot von Garrett Graham (Belmont Cameli), dem selbstverliebten, kindischen und vor allem sturen Captain des Eishockey-Teams einlassen sollen? Der Deal: Sie gibt ihm Nachhilfe, damit er die Abschlussprüfung besteht, und er steigert Hannahs Popularität und damit auch ihre Attraktivität, indem er so tut, als wäre sie sein Date. Traurig aber wahr: Der Plan könnte aufgehen..



Das denke ich zur Serie:

Gleich vorweg: Der große Erfolgsfaktor der Serie kann auf jeden Fall nichts mit der Handlung zu tun haben. Die klischeehafte College-Liebesgeschichte erfindet das Genre nämlich definitiv nicht neu. Mit Fake-Dating, Friends-to-Lovers, Nerd-Meets-Sportler, College-Coming-of-Age sowie dem aktuell anschlussfähigen Eishockey-Hype (der direkt an "Heated Rivalry" anknüpft) bedient die Geschichte eigentlich alle gängiges Tropes und Erzählklischees, die wir seit Jahren in dem Genre finden. Auch sonst sind die acht ca. einstündigen Folgen mit eher langsamem Erzähltempo, gelegentlichen Zeitsprüngen und unterschiedlichem Fokus sehr unspektakulär erzählt und stellen einen geringen Anspruch an ihre Zuschauer*innen. Warum also hat die Serie dennoch einen Nerv getroffen, sodass auch ich sie in kürzester Zeit gebinged habe? 

Die Antwort liegt weniger im Was als vielmehr im Wie. Die Serienmacher haben die teilweise sehr sexistische und inzwischen deutlich angestaubt wirkende Buchvorlage behutsam modernisiert und an den aktuellen Zeitgeist angepasst. Besonders die männlichen Figuren wirken emotional zugänglich, respektvoll und begegnen den Frauen auf Augenhöhe, was leider auch in modernen Erzählungen nicht zum Standard gehört und deshalb das Herz der Sport-Romance-Fans im Sturm erobert hat. Gerade Garrett entwickelt sich im Laufe der Staffel zu einer Figur, die klassische Sport-Romance-Fantasien bedient, dabei aber ein zeitgemäßes Verständnis von Männlichkeit vermittelt. Dadurch fühlt sich die Geschichte überraschend aktuell und einzigartig an, obwohl ihre Grundstruktur alles andere als neu ist. 

Auch schwierige Themen wie häusliche und sexuelle Gewalt werden aufgegriffen. Zwar bleiben diese Handlungsstränge eher oberflächlich und hätten durchaus mehr Raum verdient, dennoch geht die Serie damit wesentlich (!) sensibler und reflektierter um als die Buchvorlage. Gleichzeitig darf man jedoch nicht übersehen, dass die Serie weiterhin stark in der typischen College-Ästhetik verankert bleibt: exzessive Partys, Alkohol, Hook-up-Kultur und ein insgesamt stark romantisiertes Bild des Campuslebens bilden Grundlage und Setup für die Geschichte. Von einer wirklich konsequenten, sensiblen Coming-of-Age-Erzählung ist Off Campus damit also trotz der guten Anklänge weit entfernt. Es handelt sich wohl eher um eine unterhaltsame, stilisierte, emotional aufgeladene Version davon, die vor allem darauf ausgelegt ist, die Massen zu überzeugen.

Vor allem gelingt der Serie dies mit ihrem Cast. Ella Bright und Belmont Cameli harmonieren hervorragend miteinander und tragen die Geschichte mühelos, auch wenn Belmont Cameli für einen College-Erstsemester stellenweise etwas zu alt wirkt. Besonders positiv überrascht haben mich außerdem die Nebenfiguren. Die Freundschaften fühlen sich authentisch an und Figuren wie Allie und Dean stehlen den Hauptcharakteren stellenweise sogar die Show. Ihre Dynamik macht bereits jetzt Lust auf die geplante Adaption des dritten Buches.

Neben den überraschend reifen Figuren und gesunden Beziehungsformen punktet die Serie mit einem reizvollen Hochglanzlook und einem abwechslungsreichen Soundtrack. Die lässigen Outfits, ein extrem gut aussehender Cast, dynamisch inszenierte Eishockey-Szenen und eine angenehm dosierte Portion Erotik sorgen dafür, dass die acht Folgen kaum langweilig werden. So überrascht es mich schlussendlich nicht, dass die Serie so eingeschlagen ist und auch ich freue mich auf die bereits angekündigten Fortsetzungen!


Mein Urteil:

"Off Campus" ist keine Serie, die das Romance-Genre neu definiert, da sie von bekannten Tropes, attraktiven Figuren und einer vorhersehbaren Handlung lebt. Trotzdem schafft sie etwas, woran viele ähnliche Produktionen scheitern: Sie erzählt ihre Geschichte mit viel Charme, modernen Figuren und einem Gespür dafür, was das Publikum heute sehen möchte.


Zum Trailer:




Bild-Quellen: Moviepilot.de

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