Dienstag, 22. September 2026

More - Mehr sexuelle Fantasien der Frauen im 21. Jahrhundert

Allgemeines

Titel: More - Mehr sexuelle Fantasien der Frauen im 21. Jahrhundert
Autorin: Gillian Anderson (Editorin), Verfasserinnen anonym
Verlag: dtv (10. September 2026)
Genre: Sachbuch
Originaltitel: More (übersetzt von Sylvia Bieker, Claudia Amor, Gisela Fichtl und Anke Wagner-Wolff)
Seitenzahl: 362 Seiten
Weitere Bände: Want (Band 1)
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Inhalt


Nach dem weltweiten Erfolg von ›want‹ kehrt Gillian Anderson mit ›more‹ zurück – einem noch internationaleren, mutigeren und intimeren Blick auf weibliche Lust. Tausende Frauen aus aller Welt haben anonym ihre sexuellen Fantasien geteilt – ehrlich, sinnlich, verletzlich. Dieses Manifest weiblicher Freiheit und Selbstbestimmung ist keine Sammlung erotischer Beichten, sondern ein einzigartiges Experiment: Lust als Sprache der Selbstermächtigung zu begreifen. Ein Buch, das bewegt, befreit und verbindet.

 

Bewertung

In "Want" versammelte die Aktivistin und Schauspielerin Gillian Anderson (zum Beispiel bekannt für ihre Rolle der Jean Milburn aus der Serie "Sex Education") bereits 2024 anknüpfend an Nancy Fridays "My Secret Garden" (1973) anonyme Sexfantasien von Frauen aus der ganzen Welt. Mir hat das empowernde und enttabuisierende Buchprojekt damals sehr gut gefallen, weshalb ich mich sehr darüber gefreut habe, dass sich die Herausgeberin und der Verlag mit "More" für eine Fortsetzung entschieden haben. 

Dabei bleibt das Grundprinzip dasselbe wie in "Want": Frauen aus über fünfzig verschiedenen Ländern bekommen Raum, ganz persönlich und anonym über Lust und Intimität zu sprechen, ohne sich rechtfertigen oder an gesellschaftliche Erwartungen anpassen zu müssen. Auch in diesem Band ist die Vielfalt der Einsendungen eine der größten Stärken. Wieder treffen ganz unterschiedliche Lebensrealitäten, Altersgruppen, sexuelle Orientierungen und Beziehungskonstellationen aufeinander.  Man erkennt sofort, dass sich abermals große Mühe gegeben wurde, die gesamte Bandbreite an weiblich gelesenen Personen abzudecken und besonders gefreut hat mich, dass dieses Mal viele der Beiträge von Frauen handeln, die Frauen lieben. 

Diesmal sind die Beiträge in die fünf Kategorien "Verlangen", "Fordern", "Wagen", "Verehren" und "More" unterteilt, die jeweils mit mal persönlichen, mal allgemeinen hinführenden Bemerkungen von Gillian Anderson eingeleitet werden. Was mir dabei wieder besonders gut gefallen gefallen hat: Die Herausgeberin versucht nicht, die Fantasien zu erklären oder zu bewerten. Sie lässt die Frauen selbst zu Wort kommen. Dadurch entsteht kein allgemeingültiges Bild davon, was „weibliche Sexualität“ ausmacht, sondern vielmehr ein Mosaik aus ganz unterschiedlichen Vorstellungen, Bedürfnissen und Erfahrungen. Gerade diese Widersprüchlichkeit empfinde ich als eine der größten Stärken des gesamten Projekts.

Der größte Unterschied zu "Want" liegt für mich in der emotionalen Tiefe der Beiträge. Denn während der erste Band mich vor allem durch seine Überraschungsmomente und teilweise sehr außergewöhnlichen und „wilden“ Fantasien begeistert hat, wirkt "More" auf mich insgesamt deutlich roher und emotionaler. In einigen Briefen wird nicht ausschließlich von einer Fantasie erzählt, sondern erinnert, reflektiert und sich mit der eigenen Geschichte, dem eigenen Leben, Beziehungen und dem eigenen Körper auseinandergesetzt. Dadurch wird Sexualität nicht isoliert betrachtet, sondern erscheint als etwas, das untrennbar mit Selbstbild, Intimität, Verletzlichkeit und Selbstbestimmung verbunden ist. Auch wenn hier ebenfalls wieder die volle Bandbreite der menschlichen Fantasie abgebildet wird, stehen über die fünf Kategorien hinweg universelle Themen wie Sehnsucht, Scham, Verletzlichkeit, Risiko, Kontrolle, Intimität und Entfaltung im Vordergrund. Die Briefe handeln von Unsicherheit und Selbstzweifeln, von Macht und Hingabe, von Einsamkeit und Nähe, von vergangenen Erfahrungen und neuen Möglichkeiten. 

Naturgemäß sind die einzelnen Berichte wieder in unterschiedlichem Stil, Umfang und literarischer Qualität verfasst. Manche Beiträge sind explizit, andere beinahe poetisch, wieder andere erschreckend nüchtern. Und einige haben mich tatsächlich viel stärker berührt, als ich erwartet hatte. Während manche Frauen seitenweise in die Tiefe gehen, ausführliche Szenarien bildhaft beschreiben, konzentrieren sich manche Beiträge auf die Gefühlsebene und wieder andere Autorinnen beschränken sich auf wenige Sätze. Doch das spielt im Endeffekt keine Rolle, denn statt um literarische Qualität geht es hier vielmehr um die authentische und unzensierte Darstellung weiblicher Sehnsüchte, die sowohl Fantasie als auch Realität beleuchten und in ihrer Direktheit erfrischend enttabuisierend wirken. Und auch diesmal kann ich nicht umhin, den Mut der Frauen zu bewundern, die auf Andersons Aufruf reagiert und so persönliche Einblicke in ihre Gedanken und ihr Leben gegeben haben.

Ich bin deshalb nach wie vor ein großer Fan der Idee hinter "Want" und "More". Beide Bücher zeigen auf unterschiedliche Weise, wie vielfältig weibliches Begehren sein kann und wie eng Sexualität mit Fragen nach Selbstbestimmung, Intimität und dem eigenen Körper verbunden ist. Während "Want" für mich stärker von der Neugier auf das Ungewöhnliche und teilweise Unerwartete gelebt hat, hat mich "More" vor allem durch seine Verletzlichkeit und emotionale Tiefe erreicht. Und vielleicht fasst Anderson selbst am Ende am schönsten zusammen, was sie sich mit diesem Projekt wünscht:

"Ich hoffe, dass Sie in MORE etwas finden, das Sie zum Klingen bringt. Etwas, das Vergnügen bereitet. Etwas, das herausfordert und das Gefühl gibt, wahrgenommen zu werden und weniger allein zu sein. Und vielleicht mehr als alles andere hoffe ich, dass es Sie dazu inspiriert, sich nach etwas zu sehnen, etwas zu wollen, etwas zu wagen und sich einzugestehen, dass Sie mehr wollen - MORE."



Fazit

"More" ist ein vielstimmiges Porträt von Lust, Intimität, Verletzlichkeit und Selbstbestimmung, das nicht besser in die aktuelle Zeit passen könnte. 

Da es sich falsch anfühlen würde, die Fantasien zahlloser Frauen zu bewerten, entfällt die Sternebewertung hier wieder. Ich kann aber nur empfehlen, in diese außergewöhnliche Sammlung reinzulesen oder reinzuhören!

*unbezahlte WERBUNG, Rezensionsexemplar*

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