Donnerstag, 29. August 2019

Ein Schwur aus Feuerstein



Allgemeines:
 
Titel: Ein Schwur aus Feuerstein
Autor: David Zwick
Genre: Historiendrama
Verlag: Independently published (15. Mai 2019)
ISBN-10: 1795497459
ISBN-13: 978-1795497459
ASIN: B07QSWLKFH
Seitenzahl: 204 Seiten
Preis: 2,99€ (Kindle-Edition)
10,99€ (Taschenbuch)
 
 
Inhalt:
 
Nach dem Grauen des Ersten Weltkrieges muss der elfjährige Ludwig mit ansehen, wie das unerklärliche Verschwinden von Kindern sein Dorf mit Beschuldigungen und Aberglaube verseucht. Ludwig und seine Freunde Erich, Klaus und Luise beschließen, sich diesem Unheil entgegenzustellen. Mit der Hilfe eines Inspektors jagen sie eine scheinbar unsichtbare und doch allgegenwärtige Bedrohung. Dabei geraten sie immerzu tiefer in die Finsternis, welche die Gemeinde zu umklammern scheint. Schon bald ereilt die Freunde ein weiteres folgenschweres Unheil: Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Der einstige Schwur auf die ewige Freundschaft wird von Hass und Tragödien erprobt.

 
Bewertung:
 
Die Rezianfrage von David Zwick konnte ich schon nach einem ersten Blick auf das Cover positiv beantworten. Die geheimnisvollen Ausstrahlung zog mich sofort in den Bann und mit der roten Hand, dem angedeuteten Wald vor einem kleinen Dörfchen, durch den vier Kinder streifen, passen die Motive perfekt zum Inhalt.
Auch der Titel weckte gleich mein Interesse und passt gut. Insgesamt eine wunderschöne, ansprechende Gestaltung, die besser nicht hätte sein können. Großes Lob an den Selfpublisher-Autor!
 
Erster Satz: "Das Blut läuft mir am Boden entgegen und scheint meine Schuhe verschlingen zu wollen."


Mit diesen erschreckenden Eindrücken aus dem Krieg beginnt der Ich-Erzähler das Porträt seines Lebens, das gleichermaßen ein Porträt eines kleines Dörfchens zwischen zwei Weltkriegen und das Porträt einer ungewöhnlichen Freundschaft ist. Dramaturgisch gerafft und in 10 Kapitel geteilt erzählt uns Ludwig von seiner Freundschaft zu Luise, Erich und Klaus, die sich im Wald vor einem Feuerstein ewige Freundschaft schwören. Dieser Schwur wird schon bald auf die Probe gestellt, als der erst Weltkrieg ihre Väter holt, das Leid und die Arbeit danach ihre Kindheit jäh beendet und das unerklärliche Verschwinden von verschiedenen Kindern ein Klima von Hass und Misstrauen in der kleinen Gemeinde hervorruft. Sehr mitreißend wird geschildert, wie sich die Freunde immer wieder verlieren, wieder finden, wilde Abenteuer erleben, hart mit anpacken müssen, spannende Entdeckungen machen und das Leben im Dorf mitprägen.
 
David Zwicks Schreibstil ist dabei erfrischend, humorvoll und bildreich - schlicht aber dennoch träumerisch. Abenteuer im Wald, wilde Streiche, unbändige Freiheit und düstere Bedrohungen - neben der Kraft des Kindseins und der Macht der Freundschaft färbt auch eine Prise Mystery die Geschichte magisch ein. Man spürt definitiv, dass der Autor von Legenden und Sagen rund um die Wälder seiner Heimat inspiriert wurde. Gleichzeitig kommt auch die Zeitgeschichte nicht zu kurz und man erhält eine interessante Perspektive auf die Schrecken der zwei Weltkriege und ihre Auswirkungen auf selbst die entlegensten Dörfer des Landes. Gut verständlich und greifbar sind die Situationen geschildert, die Dialoge sind knapp und stimmig. Es wird eine magische, Großteils eher traurige Atmosphäre kreiert, durch die aber immer wieder Lichtblicke und schöne Erinnerungen durchscheinen, sodass die Grundstimmung leicht melancholisch aber dennoch positiv erscheint.
 
 
"Dieser Stein soll uns auf ewig verbinden. Eure Steine sollen euch stets an unsere Freundschaft erinnern. Wenn sich einer von uns in Not befindet, sei es unsere Pflicht, diesem zu helfen. Bei dem Feuerstein."

 
Sehr schade ist aber, dass man dem Autor anmerkt, dass dies sein Debütroman ist. Sein Satzbau ist sehr parataktisch und leider von leichten stilistischen Mängeln durchzogen. Am meisten gestört hat mich aber, dass die Geschichte durch die nacherzählende Perspektive sehr distanziert am Leser vorbeizieht, ohne dass wir wirklich hineingezogen werden. So ist man bei den Geschehnissen nicht dabei sondern bekommt nur von ihnen erzählt. Das fand ich natürlich sehr schade. Vor allem da auch die Protagonisten für mich recht blass blieben. Dadurch dass eine so große Zeitspanne überbrückt werden musste, konnten viele Entwicklungen für mich nicht ausreichend nachvollzogen werden und die vier Freunde blieben allesamt etwas blass im Kollektiv der Bande. Dazu kommt auch, dass der Autor im häufigsten Fall von "uns" redet und über weite Strecken des Buches fast schon eine "Wir"-Perspektive dominiert. Auch wenn das das Freundschaftsgefühl recht gut widerspiegelt, geht für mich das Individuum zu sehr unter.
 
Gegen Ende legt das zuvor behutsam erzählte Historiendrama nochmal an Tempo zu und die letzten Jahrzehnte verfliegen fast eindruckslos bevor die Geschichte auf sehr feinfühlige Art und Weise abgeschlossen wird. Insgesamt kann man wohl sagen dass der Hauptaugenmerkt der Geschichte auf der Freundschaft zwischen den vier Kindern liegt und wir die Welt mit all ihren Mängeln aber auch Wundern durch ihre Kinderaugen nahegelegt bekommen.

 

 
Fazit:

Ein kurzes aber prägnantes Buch über die Wichtigkeit von Zusammenhalt und Einfallsreichtum in schweren Zeiten. "Ein Schwur aus Feuerstein" liest sich wie eine Ode an die Freundschaft, an das Jungsein und die Kraft des Mutes, leidet aber leider unter leichten Defiziten in der Erzählweise.
 

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