Mittwoch, 18. Dezember 2019

Bring Down The Stars



Allgemeines:

Titel: Bring Down The Stars
Autorin: Emma Scott
Verlag: LYX (27. November 2019) 
Genre: New Adult
Preis: 9,99€ (Kindle-Edition)
12,90€ (Broschiert)
Seitenzahl: 400 Seiten
ISBN-10: 3736311281
ISBN-13: 978-3736311282
Weitere Bände: Light Up The Sky (31.01.20)



Inhalt:

"Sie sagt, sie liebt meine Seele. Doch meine Seele ... bist in Wirklichkeit du!"

College-Studentin Autumn ahnt nicht, dass die wunderschönen Gedichte, die ihr der attraktive Connor schickt, von dessen Freund Weston stammen. Und obwohl Autumn sich stark zu Connor hingezogen fühlt, spürt sie auch zu Wes eine unerklärliche, tiefe Verbindung. Während ihre verwirrenden Gefühle Autumn zunehmend in Seelennot bringen, verstricken die beiden Freunde sich immer weiter in ihrer gut gemeinten Täuschung. Und als Connor nach einem Streit mit seiner Familie eine folgenschwere Entscheidung trifft, steht plötzlich noch viel mehr als nur ihre Freundschaft auf dem Spiel …


Bewertung:

Seit ich Emma Scotts "The Light In Us" gelesen habe, würde ich mich auf jeden Fall als Fan bezeichnen, weshalb ich mich natürlich sehr über ihre neue Reihe gefreut habe. "Bring Down The Stars" ist jedoch eng mit einem privaten Schicksalsschlage der Autorin verknüpft und in einer ganz anderen Zeit und Lebenssituation verfasst wie "The Light In Us" - und das spürt man auch. So fiel die Geschichte ganz anders aus als ich erwartet hätte und ich bin mir noch nicht ganz sicher, wie ich das finden soll.

"Weißt du, warum die Morgendämmerung so schön ist, Autumn?", hatte Dad gefragt. "Weil jeder Tag die Möglichkeit von etwas Wunderbarem birgt. Du musst nur bereit sein dafür."

Das Cover ist ein üblicher LYX-Traum mit dem dominanten Titel in gravierten Großbuchstaben und den glitzernden Lichtpunkten auf dem creme-lila Grund. Auch wenn mir die Farb- und Lichtakzente sehr gut gefallen finde ich es ein wenig zu fröhlich und glamourös für diese teilweise eher schwermütige Geschichte. Versteht mich nicht falsch - die Gestaltung ist wirklich wunderhübsch, auf mich wirkt sie aber ein wenig zu harmlos. Das Cover des zweiten Teils mit dem dunklen Grund und den starken Akzenten, macht in meinen Augen da schon viel mehr her und kann die Dramatik besser einfangen. Geteilt in 6 Teile umfasst die Geschichte 32 Kapitel, die entweder aus Westons oder aus Autumns Sicht erzählt sind. Zu Beginn erklärt die Anmerkung der Autorin einiges zum Entstehungskontext, dann folgt eine kurze Playlist und ein anrührender Prolog über Westons Kindheit. Besonders schön ist jedoch dass ganz am Ende noch Westons Gedichte in englischer (also Original-)Fassung eingefügt worden sind, die eine ganz andere Magie entfalten als die deutschen Übersetzungen (auch wenn man an jener nichts aussetzen kann). Das war eine wunderbare Idee des Verlags, die einiges hermacht!

Erster Satz: "Ich war sieben Jahre alt, als mein Vater uns verlassen hat."

Der Klapptext impliziert eine Dreiecksgeschichte zwischen Autumn, Connor und dessen Freund Weston, welcher ich eher mit gemischten Gefühlen entgegensah, da ich mit der typischen Dreiecksbeziehung in all den Jahren meiner "Lesekarriere" selten eine gute Erfahrung gemacht habe. Anders als erwartet, steht hier jedoch der Protagonist und Sympathieträger des Lesers schon von der ersten Seite an fest und die Frage, wer Autumns wahre Liebe ist, wird dadurch vorweggenommen, dass der Prolog zu Beginn Nähe und Verständnis zu Weston aufbaut. Obwohl wir nach dem Prolog erstmal in Autumns Leben am Amherst College einsteigen, wo sie zuerst den attraktiven Connor mit dem gewinnenden Lächeln und dann den ebenso gutaussehenden Weston mit seiner beißenden Abwehrhaltung kennenlernt, ist Weston durch den Einschub seiner Geschichte von Beginn an der eigentliche Favorit des Lesers.

Auch im Laufe der Geschichte werden Autumns Gefühle für Connor durch das Wissen um die eigentliche Herkunft der anrührenden, perfekten Textnachrichten, Telefonanrufe, Briefe und Gedichte, die Autumn in Connors Namen erreichen, als Projektion und Täuschung entlarvt. Je näher sich Connor und Autumn kommen, desto mehr wundert sie sich darüber, wie er schriftlich so romantisch und perfekt sein kann, es aber oft nicht funkt, wenn sie sich gegenüber stehen. Auf der anderen Seite ist sie verwirrt von den Gefühlen, die Connors abweisender Freund Weston in ihr auslöst. Wer sich also von dem Ausblick auf eine Dreiecksgeschichte abschrecken lassen würde: wir haben es hier nicht mit einem nervtötenden Hin und Her zu tun sondern erleben ein authentisches, mitreißendes Gefühlsdilemma. Die Konstellation von Autumn, die nach einem enttäuschenden Beziehungsende eigentlich keine neue Liebschaft will, dem Aufreißer Connor, der seinen besten Freund um Ratschläge bittet und dem tiefgründigen Weston, der für die beiden aus Liebe nur das Beste will, hat eine herzzerreißende Dynamik, sodass bald klar wird, dass nicht jede Dreiecksgeschichte ein Reinfall werden muss.

"Ganz langsam. Dir hat gerade jemand das Herz gebrochen, und du kletterst schon wieder auf den Felsvorsprung und überlegst, erneut zu springen. (…) Doch bei jedem Lächeln von Connor, jedem Lachen und jeder beiläufigen Berührung spürte ich diese Anziehung, die mir zuflüsterte, dass ich springen sollte, dass es mich glücklich machen würde. Nur erinnerte ich mich noch allzu gut, wie hart und unnachgiebig der Boden sein konnte."

Ganz anders als gewohnt, lässt sich die Geschichte viel Zeit und konzentriert sich auf das Spannungsgefüge zwischen Connor, Autumn und Weston ohne dass es schnell konkret wird. Brodelnde Leidenschaft sucht man hier also ebenso vergebens wie Lockerheit und Fröhlichkeit. Denn trotz des zuerst eher unproblematischen Hintergrunds kommt der Roman weitaus schwermütiger daher, als erwartet, als überschatte eine dunkle Vorahnung die ersten Gefühle zarter Liebe. Zur Erschaffung dieser bittersüßen Grundstimmung, trägt vor allem Emma Scotts Schreibstil bei. Die Sensibilität, mit der sie dem Leser einen Blick ins Innere ihrer Protagonisten gewährt, die Grausamkeit, mit der sie uns und ihre Geschöpfe konfrontiert und die viele Liebe, mit der sie ihre und unsere Herzen heilt, sind wirklich erstaunlich. Sie erschafft durch die Mischung von drei zerbrechlichen und doch starken Protagonisten, einer wunderschöner und doch hässlicher Stadt und herzzerreißend traurigen und anrührend süßen Momenten einen ambivalenten Mix voller Kontraste, Wahrheit und Tiefgründigkeit.

"Sie haben die Liebe von tausend Herzen zu geben. Tausend Tränen können fallen, wenn ein Herz bricht. Aber weinen Sie nie vor Scham." Er nahm mein Kinn in seine große Hand. "Auch verlorene Liebe ist sinnvoll verschenkt."

Das klingt ja soweit ganz wundervoll, also warum bin ich mir nicht sicher, was ich von der Geschichte halten soll? Hauptsächlich liegt das daran, dass mich Autumn als Protagonisten überhaupt nicht erreichen konnte. Trotz dass ich viele Gemeinsamkeiten mit ihr habe (Ausgehmuffel, Faible für Second-Hand-Chic, Workaholic, Studium mit Stipendium, immer überarbeitet, ehemaliges Landei), konnte ich sie nicht wirklich als Charakter greifen, weshalb mir ihre Seite der Geschichte schwer zugänglich blieb. Auch gegen Connor habe ich bald unabsichtlich eine Aversion entwickelt. Auch wenn er mit seinem strahlenden Lachen, der aufgeschlossenen Art und der Loyalität gegenüber Weston grundsätzlich sympathisch ist, hat mich sein Verhalten Autumn gegenüber oft ziemlich gestört und auch seine Blindheit gegenüber Westons Gefühlen hat ihm viele Minuspunkte eingebracht. So habe ich mich schon bald dabei erwischt, mir einfach nur zu wünschen, er möge doch endlich einfach gehen und Wes das Feld überlassen.
Der große Lichtblick, der die Schwäche der beiden anderen Protagonisten wieder ausbügelt ist Weston Turner, der zu den anbetungswürdigsten Charakteren gehört, von denen ich je gelesen habe. Er besitzt eine poetisch Tiefgründigkeit und gequälte Intensität, die Connor definitiv fehlt und das zeigt sich nicht nur darin, dass er wundervolle Gedichte schreibt. Nein, die Art und Weise, wie er seine Gefühle reflektiert, die Folgen seines Verhaltens auslotet und sein eigenes Glück hinter das der Menschen, die er liebt zurückstellt, ist einfach hinreißend, auch wenn er mich mit seinen masochistischen, aufopferungsvollen Zügen in den Wahnsinn trieb. 

"Was ist passiert, dass Sie das Gefühl haben, selbst nichts Gutes zu verdienen?" (…)
"Das Gute fühlt sich unerreichbar an", murmelte ich. "Ich hatte mal etwas Gutes und habe es verloren." 
"Und jetzt greifen sie nur nach Dingen, deren Verlust nicht wehtut." (…) 
"Es ist zu spät" 
"Ist es das? Sie sitzen hier quicklebendig vor mir, durch ihre Adern fließt Blut, ihre Lungen atmen. Für mich sieht das nicht nach zu spät aus."

Dadurch dass man als Leser die ganze Zeit weiß, was Autumn verborgen bleibt und wie sehr Weston unter der Situation leidet, möchte man am liebsten in die Geschichte einsteigen und ihr die Wahrheit ins Gesicht brüllen. So einfach macht es uns die Autorin jedoch nicht und gerade als man denkt, die Geschichte bewege sich endlich in die richtige Richtung, schockiert sie uns mit einem fiesen Bruch. Durch eine im Affekt getroffene Entscheidung geht es plötzlich um weitaus mehr als unerwiderte Liebe. Doch anstatt die plötzliche Wendung zu nutzen um mehr Tiefe in die Geschichte zu bekommen, überspringt die Autorin wichtige Schlüsselszenen einfach durch extrem große Zeitsprünge, weshalb ich endgültig die Verbindung zu Connor und Autumn verloren habe. Etwas enttäuscht war ich auch, dass wir von den vielen Briefen, die Weston im hinteren Teil der Geschichte schreibt nur einen einzigen abgedruckt bekommen und so alles, was zuvor sehr langsam entwickelt wurde plötzlich viel zu schnell vonstatten geht.

"Eine kupferrote Strähne wehte über ihre porzellanweiße Wange. Ihr braunen Augen waren voller Gedanken über die Welt und die Menschen darin. Sie ist zu süß für meine Bitterkeit. Zu freundlich für meine boshafte Ader."

Und dann... dann kommt das Ende mit einem Cliffhanger, der es in sich hat. Anders als in den meisten YA-Büchern kommt kein übertriebenes Schmalz-Happy-End mit Flughafen-Renn-Szene, Heiratsantrag, Kinder oder Haus oder vielleicht ein Cliffhanger der "es gab einen schlimmen Streit, werden wir das je wieder gerade biegen"-Sorte, nein, Emma Scott lässt ihre Protagonisten in einer Szene zurück, bei der ich mich wirklich gefragt habe: "Warum tust du uns das an?". Ein Ende, das gleichzeitig der Anfang einer neuen Geschichte voller Schmerz und Liebe ist … und auf die wir noch bis zum 31. Januar 2020 warten müssen!



Fazit:

Eine dynamische Dreiecksgeschichte mit bittersüßer Grundstimmung, die sich zu Beginn viel Zeit lässt, nur um nach einem fiesen Bruch mit dem heftigsten Cliffhanger aller Zeiten zu enden. Ein sensibler Schreibstil, viel Gefühle und "der anbetungswürdigste Charakter ever" stehen sonst eher mittelmäßigen Protagonisten und einem überhasteten Schlussteil gegenüber, die meine Bewertung leider herunterziehen. Schön aber bei Weitem nicht Emma Scotts bestes Werk!


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*unbezahlte WERBUNG* 
Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar, was meine ehrliche Meinung jedoch nicht beeinflusst hat. 
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