Sonntag, 26. Januar 2020

Serienempfehlung: The Witcher

 
Wer nicht hinterm Mond lebt, ein Serienhasser ist oder zu den armen Seelen gehört, die kein Netflix haben, wird vermutlich schon von dieser Serie gehört haben: "The Witcher" wurde von Netflix nach dem erfolgreichen Computerspiel und der fünfbändigen Fantasy-Reihe von Andrzej Sapkowski konzipiert und galt lang als DER Nachfolger für "Game-of-Thrones". Da mich der große Hype neugierig gemacht hat, ich nach der Absetzung von Grimm (danke auch Netflix, grrr) sowieso eine neue Obsession benötigte und noch mit dem Serie-Tief zu kämpfen hatte, das das Ende von GOT in mir hinterlassen hat, habe ich guter Hoffnung auch diese Serie angefangen. Auch wenn sie durchaus sehenswert ist, konnte sie aber meine Erwartungen gar nicht erfüllen und ich warte nun etwas angesäuert aber definitiv süchtig gemacht auf die zweite Staffel, die erst im nächsten Jahr erscheinen wird.

Worum geht´s?

Der mutierte Hexer Geralt von Riva kämpft um einen Platz in der Welt und für Gold gegen gefährliche Monster. An seiner Seite verkündet der Barde Rittersporn seine Heldentaten. Immer wieder begegnen diebeiden der Magierin Yennefer van Vennerberg, die mit ihrem Schicksal kämpft, das genau wie Geralts mit dem der jungen Thronerbin Cirilla verbunden zu sein scheint, welche nach der Zerstörung ihrer Heimat vor der nilfgaardischen Armee flüchtet und besondere Kräfte zu haben scheint. 



Warum sollte ich mir die Serie ansehen?

Mittelalterliche Fantasy, slawische Mythen, gefährliche Monster, ein grimmiger Held, eine schöne Magierin, eine mutige Prinzessin und ein Netz aus Intrigen... Das klingt doch schon mal nach einer ganz ordentlichen Grundlage für eine epische Serie, oder nicht? Und die Grundlage ist auch nicht wirklich das Problem, sondern viel mehr die Erzählweise. Die erste Staffel basiert auf zwei Kurzgeschichten ("Der letzte Wunsch" und ein Ausschnitt aus "Das Schwert der Vorsehung"), sowie Teilen des ersten Bandes der Pentalogie "Das Erbe der Elfen", während die weiteren fünf geplanten Staffeln jeweils einen ganzen Band der Reihe abdecken sollen. Und wie hat Netflix diese Kurzgeschichten auf 8 Folgen mit im Schnitt ca. 50 Minuten Laufzeit gestreckt? Nun ja, mit drei undurchsichtigen Handlungssträngen, horizontaler und vertikaler Erzählweise und viele Gewalt- und Sexszenen.

Das will ich keineswegs verurteilend abtun - in "Game of Thrones" hat dieses Konzept schließlich auch wunderbar gewirkt. Bei dem Fokus auf die zwei großen "Gs" der Filmgeschichte (Gewalt udn Geschlechtsverkehr ^^) und dem mittelalterlichen Setting hören die Gemeinsamkeiten zur Über-Serie "Game of Thrones" aber auch schon wieder auf. Denn statt langsam in eine komplexe Fantasy-Welt einzuführen und ein verzweigtes Handlungsgefüge zu entwickeln, wird der vorkenntnislose Zuschauer mit der Welt in "The Witcher" hilflos alleine gelassen. Keine Karte, keine Namenserklärungen, keine lineare Erzählzeit helfen zu verstehen, wer oder was jetzt eigentlich "Nilfgaard" ist, warum die Festung "Kaer Morhen" von so großer Bedeutung ist, was der Unterschied zwischen Magiern und Hexern ist und warum Geralt von Riva (so scheint es zumindest) die Gesichtsmuskeln entfernt wurden. Zusätzlich verkompliziert die wirre Erzählweise den Einstieg in die Geschichte. Es laufen drei Handlungsstränge auf teils unterschiedlichen Zeitebenen parallel und auch innerhalb dieser Ebenen werden immer wieder Zeitsprünge und Ortswechsel vorgenommen, welche niemals als solche gekennzeichnet werden, sodass man sehr leicht den Überblick verliert und die Folgen bald zu einem einzigen Durcheinander aus düsteren, mystischen Szenen verschwimmen, die scheinbar miteinander zusammenhängen. Vielfalt und Handlungstiefe wie in GOT gibt es hier also leider nicht und der Eindruck von Komplexität kommt wohl nur durch die verwirrende Erzählweise zustande.

Während ich also versucht habe, die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Szenen und Handlungsstränge zu erkunden und ein wenig Ordnung in den Handlungsablauf zu bekommen, wartete ich auf die große Erleuchtung am Ende, darauf, dass in einer plötzlichen Wendung die Verbindung zwischen den Handlungssträngen enthüllt wird und den Geschehnissen einen tieferen Sinn verliehen wird. Ich hatte so tolle Theorien von Liebschaft, Verwandtschaft, Magie und Intrigen... doch anstatt mich mit einer erwarteten Enthüllung umzuhauen, plätschert die Handlung weiter vor sich hin und wir erhalten als "großes Finale" eine scheinbar total unnötige Schlacht, in der ungefähr die Hälfte der Protagonisten stirbt und noch mehr Fragen.

Das klingt bislang alles sehr negativ und auch wenn ich von diesen negativen Aspekten wirklich angenervt war, spricht aus mir mehr die Enttäuschung als die Abneigung. Denn trotz dass meine Erwartungen (vielleicht waren sie durch den ständigen Vergleich mit GOT auch ein wenig überhöht?) nicht erfüllt wurden, hatte ich Spaß beim Schauen dieser Serie. Die Spezialeffekte sind toll, die Actionszenen sind wunderbar choreografiert, die Musik ist einfallsreich eingesetzt und die Schauspieler gestalten die Protagonisten überzeugend. Vor allem hat mir aber der trockene Humor gefallen, der zwar manchmal ein wenig fehl am Platz wirkt, die grausame, düstere Handlung aber gekonnt auflockert.

Geralt von Riva (Supermandarsteller Henry Cavill) ist ein weiteres Argument, die Serie anzuschauen. Er ist wohl (neben der Fragen was zum Teufel Nilfgaard ist) DAS Mysterium der Serie und verzaubert die Zuschauer als großer, undurchschaubarer Unbekannter voller Geheimnisse, der nicht besonders viel redet (außer mit seinem Pferd) und sich nicht in die Karten schauen lässt. Dass er mit seiner sparsamen Mimik (wirklich SEHR sparsam ;-)), seinem stechendem Blick und dem durchtrainierten Körper der dank der vielen Nacktszenen häufig zu sehen ist, vor allem die weiblichen Zuschauer in den Bann zieht ist natürlich ein angenehmer Nebeneffekt. 
Mein Lieblingshandlungsstrang war jedoch Yennefers (Anya Chalotra) Weg von der verkrüppelten Bauerntochter zu einer mächtigen, wunderschönen Magierin, auch wenn diese Entwicklung leider total überhastet ablief. Etwas mehr Zeit nimmt die Serie sich dagegen für die junge Prinzessin Ciri (Freya Allan), die dank einer glaubwürdigen Mischung aus Verletzlichkeit, Mut, Naivität und Starrsinn schnell ans Herz wächst. 

Alles in allem kann ich die Serie für Fantasy-Fans durchaus weiterempfehlen mit dem eindrücklichen Hinweis, sich nicht vom konfusen Handlungsaufbau verwirren zu lassen und eine der hilfreichen Grafiken im Fandom-Wiki zur Hand zu nehmen wenn man mal wieder nicht versteht, wer was wann warum gemacht hat. Ich werde auf jeden Fall der zweiten Staffel noch eine Chance geben - vor allem da ich gehört habe, dass diese stringenter erzählt und mit mehr Inhalt gefüllt werden soll.


Trailer:


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