Dienstag, 26. Mai 2026

Lauf, Jane Young


Allgemeines

Titel: Lauf, Jane Young
Autorin: Gabrielle Zevin
Verlag: Heyne (13. Mai 2026)
Genre: Roman
Seitenzahl: 308 Seiten 
Originaltitel: Young Jane Young (übersetzt von Pauline Kurbasik
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Inhalt

Dies ist die Geschichte von fünf Frauen.

Rachel Grossman. Sie tut alles, um ihre Tochter Aviva zu schützen, auch wenn es sie am Ende alles kostet.
Jane Young. Sie kehrt dem beschaulichen Leben mit Tochter Ruby den Rücken, um sich zum ersten Mal um ein politisches Amt zu kandidieren.
Ruby Young. Sie ist überzeugt davon, dass ihre Mutter ein Geheimnis hat. Und sie hat Recht.
Embeth Levin. Ihre Karriere basiert darauf, die Fehler ihres Mannes, eines Kongressabgeordneten, zu vertuschen.
Aviva Grossman. Das Internet lässt weder sie noch irgendjemand anderen ihre früheren Verfehlungen vergessen.

Dies ist die Geschichte von fünf Frauen ... und dem Skandal, der sie miteinander verbindet.


Bewertung

"Lauf, Jane Young" ist mein zweites Buch von Gabrielle Zevin, das mir nochmal ein deutliches Stück besser gefallen hat als "Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry". Inhaltlich stark an den Monica-Lewinsky-/Bill-Clinton-Skandal angelehnt erzählt die Autorin hier eine clevere und mitreißende Geschichte über öffentliche Demütigung, gesellschaftliche Doppelmoral und zweite Chancen im digitalen Zeitalter.

Besonders spannend ist dabei, dass Gabrielle Zevin die Geschichte in fünf Abschnitten erzählt, jeweils aus der Perspektive einer anderen Frau und zudem mit ganz unterschiedlichen Stilformen und Zeitpunkten spielt. Erst nach und nach setzt sich daraus eine clever verzahnte Gesamtgeschichte zusammen. Große Überraschungen oder klassische Twists braucht der Roman dabei gar nicht, stattdessen wird bereits vieles früh angedeutet oder sogar gleich im ersten Abschnitt offen vorweggenommen. Statt von Spannung oder Schockmomenten lebt das Buch vielmehr vom Zusammenspiel der verschiedenen Perspektiven, den Beziehungen zwischen den Frauen, ihren Emotionen und Entscheidungen sowie der Frage, wie unterschiedlich sie mit gesellschaftlichen Erwartungen, Schuld, Scham und Selbstbestimmung umgehen. Jede der Perspektiven zeigt eine andere Facette der Lebensrealität von Frauen in unserer Gesellschaft, jede der Perspektive ist wichtig, um die Geschichte zu verstehen und berührt dabei auf ihre ganz eigene Weise.

Ich konnte mich dabei unterschiedlich stark mit allen fünf Frauen identifizieren. Bei manchen Perspektiven fiel mir der Zugang sofort leicht, andere blieben zunächst distanzierter und es war schwerer, sich auf ihre Sichtweise einzulassen. Doch gerade im Zusammenspiel entfaltet sich eine Geschichte, die lange im Gedächtnis bleibt. Sehr gelungen fand ich dabei, dass keine der Frauen idealisiert wird. Aviva ist nicht die stereotypisierte „Verführerin“, sondern eine junge, naive Frau, die von Macht, Aufmerksamkeit und Politik geblendet wird. Gleichzeitig zeigt der Roman sie aber auch als hilflose Tochter, ambitionierte Studentin, liebevolle Mutter und später als starke Frau, die versucht, sich nach öffentlicher Demütigung ein neues Leben aufzubauen. 

Auch die anderen Frauenfiguren dürfen widersprüchlich, verletzt, wütend oder unsicher sein und sich mit verschiedenen Facetten zeiegn. Genau darin liegt für mich die Stärke des Romans: Er erzählt eine feministische Geschichte, ohne jemals einfache Antworten oder perfekte Figuren zu präsentieren. 

Neben der Erzählweise und den Figuren ist auch der Schreibstil der Autorin sehr besonders. Trotz der ernsten Themen wie Slut-Shaming, Machtmissbrauch und öffentlicher Vorverurteilung erzählt Gabrielle Zevin ihre Geschichte mit ganz viel Wärme, Humor und Empathie. Sie schreibt klug und gesellschaftskritisch, aber gleichzeitig sehr menschlich und emotional zugänglich. 

Die Kirsche auf der Torte ist dabei noch die besondere formale Gestaltung einzelner Abschnitte. Beispielsweise ist Rubys Perspektive komplett im E-Mail-Stil erzählt, was großartig umgesetzt ist und ihrer Stimme unglaublich viel Charme verliehen hat. Noch stärker fand ich allerdings den letzten Abschnitt aus Avivas Sicht, der wie ein „Choose Your Own Adventure“-Roman aufgebaut ist - nur dass alle vermeintlichen Wahlmöglichkeiten letztlich bereits durch gesellschaftliche Erwartungen, frühere Entscheidungen und öffentliche Zuschreibungen eingeschränkt sind. Das war nicht nur formal unfassbar clever, sondern bringt auch die zentrale Aussage des Buches perfekt auf den Punkt. 

Fazit

"Lauf, Jane Young" verbindet auf beeindruckende Weise gesellschaftliche Relevanz, formale Kreativität und vielschichtige Figuren zu einer Geschichte, die nicht von großen Wendungen lebt, sondern von ihren Perspektiven, Emotionen und Beobachtungen über das Frausein in unserer Gesellschaft.


*unbezahlte WERBUNG, Rezensionsexemplar*

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar, was meine ehrliche Meinung jedoch nicht beeinflusst hat. Quelle Informationen: Amazon.de. Klapptexte und Zitate sind Eigentum des Verlags oder jeweiligen Rechtinhabers.

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