Allgemeines
Titel: Lauf, Jane Young
Autorin: Gabrielle Zevin
Verlag:
Heyne (13. Mai 2026)
Genre: Roman
Seitenzahl: 308 Seiten
Originaltitel: Young Jane Young (übersetzt von Pauline Kurbasik
Link:
Hier klicken!
Inhalt
Bewertung
"Lauf, Jane Young" ist mein zweites Buch von Gabrielle Zevin, das mir nochmal ein deutliches Stück besser gefallen hat als "Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry". Inhaltlich stark an den Monica-Lewinsky-/Bill-Clinton-Skandal angelehnt erzählt die Autorin hier eine clevere und mitreißende Geschichte über öffentliche Demütigung, gesellschaftliche Doppelmoral und zweite Chancen im digitalen Zeitalter.

Besonders spannend ist dabei, dass Gabrielle Zevin die Geschichte in fünf Abschnitten erzählt, jeweils aus der Perspektive einer anderen Frau und zudem mit ganz unterschiedlichen Stilformen und Zeitpunkten spielt. Erst nach und nach setzt sich daraus eine clever verzahnte Gesamtgeschichte zusammen. Große Überraschungen oder klassische Twists braucht der Roman dabei gar nicht, stattdessen wird bereits vieles früh angedeutet oder sogar gleich im ersten Abschnitt offen vorweggenommen. Statt von Spannung oder Schockmomenten lebt das Buch vielmehr vom Zusammenspiel der verschiedenen Perspektiven, den Beziehungen zwischen den Frauen, ihren Emotionen und Entscheidungen sowie der Frage, wie unterschiedlich sie mit gesellschaftlichen Erwartungen, Schuld, Scham und Selbstbestimmung umgehen. Jede der Perspektiven zeigt eine andere Facette der Lebensrealität von Frauen in unserer Gesellschaft, jede der Perspektive ist wichtig, um die Geschichte zu verstehen und berührt dabei auf ihre ganz eigene Weise.
Ich konnte mich dabei unterschiedlich stark mit allen fünf Frauen identifizieren. Bei manchen Perspektiven fiel mir der Zugang sofort leicht, andere blieben zunächst distanzierter und es war schwerer, sich auf ihre Sichtweise einzulassen. Doch gerade im Zusammenspiel entfaltet sich eine Geschichte, die lange im Gedächtnis bleibt. Sehr gelungen fand ich dabei, dass keine der Frauen idealisiert wird. Aviva ist nicht die stereotypisierte „Verführerin“, sondern eine junge, naive Frau, die von Macht, Aufmerksamkeit und Politik geblendet wird. Gleichzeitig zeigt der Roman sie aber auch als hilflose Tochter, ambitionierte Studentin, liebevolle Mutter und später als starke Frau, die versucht, sich nach öffentlicher Demütigung ein neues Leben aufzubauen.
Auch die anderen Frauenfiguren dürfen widersprüchlich, verletzt, wütend oder unsicher sein und sich mit verschiedenen Facetten zeiegn. Genau darin liegt für mich die Stärke des Romans: Er erzählt eine feministische Geschichte, ohne jemals einfache Antworten oder perfekte Figuren zu präsentieren.
Neben der Erzählweise und den Figuren ist auch der Schreibstil der Autorin sehr besonders. Trotz der ernsten Themen wie Slut-Shaming, Machtmissbrauch und öffentlicher Vorverurteilung erzählt Gabrielle Zevin ihre Geschichte mit ganz viel Wärme, Humor und Empathie. Sie schreibt klug und gesellschaftskritisch, aber gleichzeitig sehr menschlich und emotional zugänglich.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Ich freue mich, wenn Du einen Kommentar dalässt.
Egal ob Kritik, Verbesserungsvorschläge, Lob, Anmerkungen, Fragen oder eigene Meinung - das ist der richtige Ort dafür ;-)