Freitag, 29. Mai 2026

Serienempfehlung: Valeria

"Valeria" ist eine spanische Netflix-Serie, die in vier Staffeln das Leben von vier Freundinnen in Madrid über mehrere Jahre verfolgt. Basierend auf der Buchreihe "En los zapatos de Valeria" von Elísabet Benavent sind zwischen 2020 und 2025 30 Episoden erschienen, mit denen ich viel Spaß hatte und denen etwas gelingt, das vielen modernen Dramaserien nicht können: Sie fühlt sich trotz aller Überzeichnung erstaunlich menschlich an!


Darum geht´s:

Valeria (Diana Goméz) ist Schriftstellerin und hat ein großes Problem. Nicht nur leidet sie unter einer akuten Schreibblockade, auch in der Ehe zu ihrem Mann kriselt es gewaltig. Glücklicherweise kann Valeria die drei Frauen Carmen (Paula Malia), Lola (Silma López) und Nerea (Teresa Riott) zu ihren besten Freundinnen zählen. Trotz eigener Probleme unterstützen sie ihre Freundin bei all ihren Abenteuern und geben ihr Kraft und Mut. Eines haben sie alle gemeinsam: sie alle befinden sich in einem Strudel der Gefühle mit Herzschmerz, Geheimnissen, Eifersucht und anderen Sorgen, die sie nur gemeinsam bewältigen können... 


Das denke ich zur Serie:

Auf den ersten Blick ist "Valeria" eine klassische moderne Drama-Serie im Stil von "Sex & the City", die eine romantisierte und stilisierte Version des Lebens der Generation Y in der Großstadt zeigt. Kurzweilig inszeniert mit knalligen Farben, vor der wunderschönen Kulisse Madrids, in bunt eingerichteten Wohnungen, peppigen Outfits und mit erstaunlich viel erotischen Szenen wird das Leben der vier Freundinnen Valeria, Carmen, Lola und Nerea ausgeleuchtet. Künstlerische Einspieler, Stillleben, interessante Erzähl- und Schnitttechniken, eingeblendete Chats und Spielerein peppen die Geschichte zusätzlich auf.  

Von den hipp eingerichteten Wohnungen, der rauschenden Romantik und schicken Outfits, sollte man sich aber nicht täuschen lassen: In den vier Staffeln behandelt die Serie ganz reale Themen wie Zukunftsängste, Selbstzweifel, unerfüllte Erwartungen und die Schwierigkeit, als Erwachsene wirklich anzukommen. In kurzweiligen 45-minütigen Folgen begleiten wir die vier Frauen durch ihren Alltag in Madrid und beobachten, wie sie zwischen Job, Privatleben und Familie mit wechselnden Herausforderungen jonglieren. Über die einzelnen Staffeln hinweg gilt es Beziehungen, Trennungen, Kinder, Karriere, Umzüge, Konflikte und Verlust zu verarbeiten und sich dabei selbst treu zu bleiben. Gerade dieser Kontrast aus glamouröser Inszenierung und ehrlichen Problemen macht für mich den besonderen Reiz der Serie aus.

Vor allem aber ist „Valeria“ eine Serie über Freundschaft. Während Beziehungen kommen und gehen, Krisen eskalieren und Lebenspläne sich verändern, bleiben Valeria, Carmen, Lola und Nerea füreinander da, stehen alles gemeinsam durch und priorisieren sich am Ende immer. Die Freundschaft der Figuren wirkt herzlich, chaotisch, manchmal anstrengend, aber immer glaubwürdig. Generell sind die vier Figuren sehr schön geschrieben und lassen in ihrer Komplexität, dass es sich um eine Buchverfilmung handelt. Alle vier haben ihre Ecken und Kanten und gehen mit den ähnlichen großen Themen und Fragen - Wohin soll es gehen? Was macht sie glücklich? Wen möchten sie an ihrer Seite haben? - unterschiedlich um. Auch wenn Valeria die Hauptfigur ist, stehen die vier Frauen wechselnd im Fokus und bekommen mal mehr und mal weniger Screentime für ihre Handlungsstränge. So findet jede ZuschauerIn irgendwo Anknüpfungspunkte und kann sich von den authentischen Dialogen und der Herzlichkeit ihrer Freundschafft mitreißen lassen. 

So wurde ich problemlos durch die vier Staffeln getragen, von denen ich die erste und die vierte mit Abstand am besten finde. Denn dazwischen dümpelt die Handlung ein wenig vor sich hin und nimmt mal den ein oder anderen unnötigen Umweg. Manche Konflikte ziehen sich länger als nötig und nicht jede romantische Verwicklung funktioniert gleich gut. Dafür ist sehr angenehm, dass die Serie nach den vier Staffeln mit einem runden Ende abgeschlossen ist. Gerade in Zeiten ständiger Cliffhanger und spontaner Absetzungen fühlt es sich fast schon ungewöhnlich befriedigend an, dass eine Geschichte ohne offenes Warten und ohne das Gefühl, mitten im Leben der Figuren zurückgelassen zu werden, wirklich zu Ende erzählt werden darf. 

Mein Urteil:

Mit „Valeria“ ist Netflix eine warmherzige, stylische und überraschend ehrliche Serie über Freundschaft, Liebe und das Erwachsenwerden gelungen, die trotz kleiner Längen durch ihre authentischen Figuren und die emotionale Dynamik der vier Freundinnen trägt. Wer moderne Dramaserien mit viel Herz, Großstadtflair und einem runden Abschluss mag, sollte dieser viel zu unbekannten Perle unbedingt eine Chance geben.


Zum Trailer:



Bild-Quellen: Moviepilot.de

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