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Montag, 10. Oktober 2016

Rauklands Blut

 
 
Allgemeines:
 
Titel: Rauklands Blut
Autor: Jordis Lank
Verlag: Verlagshaus El Gato (25. Oktober 2013)
Genre: mittelalterlicher Abenteuerroman
ISBN: 978-3943596366
Seitenzahl: 350 Seiten
Preis: 13,90€ (Taschenbuch)
3,99€ (Kindle-Edition)
Weitere Bände: "Rauklands Sohn"
"Rauklands Schwert"
 
 
 
Inhalt:
 
Ronan, Sohn des mächtigsten Herrschers im Nordmeer, ist nach Raukland zurückgekehrt, nachdem er hoch im Norden nicht nur die Insel Lannoch für sich gewinnen konnte, sondern auch das Herz der Prinzessin Eila. Er erwartet, dass sein lange verschollener Bruder Broghan für den Mordversuch an ihm bestraft wird, doch er wird jäh enttäuscht: Ihr Vater sieht auch in Broghan einen Anwärter auf den Thron.

Die beiden ungleichen Brüder führen einen erbitterten Kampf um die Gunst des Königs. Doch Ronan hat er nicht einfach, denn zurück aus Lannoch lehnt er sich immer häufiger gegen seinen Vater auf: zuerst will er die erbeutete Insel nicht hergeben, dann besteht er auf die Heirat mit Eila, obwohl sein Vater ihn mit Angents Prinzessin vermählen will. Diese Heirat würde den lang verfeindeten Ländern endlich Frieden bringen.

Wird Ronan seine Liebe zu Eila dieser Aufgabe opfern? Nach dem er die schwerste Entscheidung seines Lebens getroffen hat, rechnet fest mit dem Sieg, als Broghan ein furchtbares Geheimnis aufdeckt...
 
  
Bewertung:

 DISCLAIMER: Da dies der zweite Band einer Trilogie ist, können mögliche Spoiler über den ersten Teil nicht ausgeschlossen werden!
  
"Ronans Magen zog sich schmerzhaft zusammen, als er vor die Eichentür trat, hinter der die Gemächer seines Vaters lagen."

Mit diesem Satz beginnt "Rauklands Blut", der zweite Teil der wunderbaren Raukland-Trilogie von Jordis Lank.

 Das Cover ist genau gleich wie sein Vorgänger bei "Rauklands Sohn".  Zusehen ist in Dämmerung eine trutzige Burg auf einem Hügel, darunter das Meer oder ein See, im Vordergrund ein edelglänzendes Schwert. Dieses Mal ist es statt in einem dunklen Blauton, ganz in Rot und Orange gehalten, eine Unterstreichung des Blutes, nehme ich an. Thematisch passt es natürlich perfekt und vertieft den mittelalterlichen Flair, der über der Handlung schwebt angenehm. Wieder muss ich aber kritisieren, dass ich es etwas zu "Doku-mäßig" empfand und an den Vorspann von Terra X denken musste. Natürlich ist es sehr passend und hübsch gestaltet, hätte aber noch etwas mehr Potential gehabt.
Die Gestaltung rund um das Buch aber ist sehr liebevoll und hochwertig. Spannende Leseproben, hübsche Lesezeichen mit "Lebensweisheiten", ein toller Buchumschlag mit Leselasche und nicht zuletzt die tollen dicken Seiten mit der angenehmen Schriftart haben mein Leseerlebnis angenehm abgerundet.

Was mich aber wieder absolut begeistert hat, waren die Outtakes des Buches. Wer den ersten Teil gelesen hat, versteht meine Überraschung und auch Verwunderung darüber, die bei Filmen oft im Abspann laufenden und aufgrund von Pannen oder Patzern aussortierten Szenen, nun in schriftlicher Form am Ende des Buches angeführt lesen zu können.
 Sätze und Abschnitte, witzige Vertipper und kleine und größerer Logikprobleme, -Achtung Zitat-
 
"[...] verpatzt von flinken Fingern und schrägen Gedankengängen...".

So etwas habe ich angehängt an ein Buch noch niemals zuvor gesehen und mich wirklich auf das Ende gefreut. Also noch ein Aspekt, welcher die Reihe absolut einzigartig macht! 

Denn auch sonst, konnte mich "Rauklands Blut" wie auch sein Vorgänger wieder vollkommen überzeugen. Obwohl der gleiche mittelalterliche Flair über der Handlung liegt und auch die meisten Charaktere wieder wie gewohnt am Start sind, ist die Grundstimmung doch eine komplett andere. Auf Lannoch wirkte Ronan viel gelöster, alles freundlicher und weniger ernst und wichtig. Mit dem Schauplatz wechselte aber auch die Atmosphäre, passte sich dem rauen Raukland an, und wurde grausamer, politischer und von größerem Ausmaß. Natürlich ging das weder an den Charakteren noch der Spannung vorbei.
Das Buch ist gleichzeitig emotionaler und auch ereignis- und wendungsreicher als sein Vorgänger.

Nahtlos geht die Geschichte weiter als Ronan bei seinem Vater in Raukland ankommt. Doch Azel Carinn von Raukland handelt anders als gedacht: Mit offenen Armen empfängt er seinen totgeglaubten Thronfolger Broghan, den Mordversuch an Ronan sieht er als komplett unbedeutend an. Die verfeindeten Brüder erhebt er zu gleichberechtigten möglichen Erbfolgern und befiehlt ihnen, sich zu vertragen.

"Ronan schaffte es, die Hände vors Gesicht zu reißen, aber die Faust seines Vaters hatte ein anderes Ziel. Mit Wucht stieß sie in seinen Magen. Ein Feuerball aus Schmerz explodierte in seinem Inneren. In seinem Kopf hallten seine eigenen Worte wider: Du wirst mich nie wieder schlagen..."

Doch Ronan sieht rot: Er versucht seinem blutrünstigen Bruder so gut es geht aus dem Weg zu gehen, doch Broghan macht ihm das nicht leicht. Abwechslung verschafft ihm da die Ankunft Eilas, Prinzessin von Lannoch und die Frau, die im vorherigen Band Ronans Herz erobert hat. Sie begleitet ihren Großvater Merin, der nach wie vor König von Lannoch ist, auf geschäftlichen Reisen und kann so die Gelegenheit nutzen, Zeit mit ihrem Ronan zu verbringen.
Während Broghan alles tut, um in der Gunst von Azel immer weiter aufzusteigen, versucht Ronan Eila möglichst vor allen Gefahren zu schützen, die in Raukland auf sie warten, denn das Land ist wirklich rau in seinen Sitten und den Bewohnern. Auch Broghan stellt ihr immer wieder nach und lässt nichts unversucht um Ronans Glück zu zerstören. Und das ist auch nicht sonderlich schwer: Sein Vater steht kurz davor, Angent den Krieg zu erklären, eine Schlacht scheint unausweichlich, so blutig und ernst wie nie zuvor.

Genauso geschockt wie Ronan, sieht man zu, wie eine Ungerechtigkeit die andere jagt und sich Grausamkeit und Willkür immer mehr durchsetzen. Sehr dramatisch und ereignisreich wird beschrieben, wie Ronan damit zu kämpfen hat, dass alles auf dem Spiel steht, an das er je geglaubt hat. Der Thron, Raukland, Eila, seine Schwester, sein Vater, sein Pferd, sein Schwert, seine Würde und sogar seine Vergangenheit und Herkunft droht ihm zu entgleiten...

"Raukland ist gefangen ins einer eigenen Geschichte", sagte Bellingor sanft. "Angekettet von Vätern, die ihre Söhne lehren, das Rasseln nicht zu hören. Eingeschlossen in den generationenalten Erwartungen eines unglücklichen Volkes. Es ist eine Kette, die zu zerreißen etwas erfordert, was Rauklands Könige nur besitzen, damit sie es von Schlachtfeld zu Schlachtfeld treibt: Ein Herz!"

Die Autorin Jordis Lank versteht es, mich immer wieder von der ersten Seite an, in Bann zu ziehen! Es wird abwechselnd aus der Sicht von den verschiedenen Protagonisten erzählt, somit hat man einen guten Überblick über die Geschehnisse. Durch die vielen Charaktere, die unterschiedlichen Interessen, Schauplätze, gegensätzliche Gefühle und Lagen zeigt sich das Buch sehr vielseitig, behält jedoch immer einen einzigartigen Hauch.
Sehr klar und direkt verlieren sich die Formulierungen nie in endlosen und unnötigen Schnörkeln, bleiben aber malerisch und genau dabei. Dieser unglaublich schwierige Spagat zwischen ausschweifenden Landschaftsbeschreibungen und Spannungsaufbau schafft Jordis Lank meisterhaft und ließ mich so das Buch wieder flüssig und ohne Pause lesen. Auch ist die atmosphärische Gestaltung sehr mitreißend und lebendig. Durch die Wahl der Schauplätze als dunkle, aber belebte Burgen mit trutzigem Flair, sowie der Umgangsrichtlinien und Lebensweisen ihrer Bewohner erhält das Buch einen Hauch von mittelalterlicher Romantik, die die Fantasy nicht zu abgehoben und fiktiv erscheinen lässt, sondern einen echten Touch und Greifbarkeit vermittelt. Eine zeitgemäße Begriffsverwendung sowie der majestätische Plural heben die Authentizität und Vorstellungskraft noch einmal hervor.
 
Die Hintergründe sind zudem wieder einmal sehr gut recherchiert. Man kann an der Art und Weise, wie alles geschildert ist, eine gewisse Tiefsinnigkeit erkennen, welche von einem großen Wissen und einer Begeisterung erzählt. Was Kriege, Pferde und Kampfkunst angeht, sitzen Details absolut sattelfest und wurden durch viele von Profis gegengelesenen und auf Praktikabilität überprüften extra Punkte ausgebaut. Was Schwertkampf und Bogenschießen anging, so schienen mir auch diese Szenen wieder sehr authentisch und wohl durchdacht.

"Der Weg, den Ihr geht, ist immer Euer eigener, nie der eines anderen!"

Die Handlung ist dieses Mal auch wieder sehr glaubhaft und verständlich übermittelt. Trotz dass das reine Geschehen mehr in den Mittelpunkt rückt, spielen die Emotionen der Charaktere die Hauptrollen. Ich meine dabei weniger bloß Liebe, sondern die Emotionen und Gefühle, die die Hauptfiguren durchleben und damit an mich als Leser transportieren. Die volle Bandbreite wird abgearbeitet und dermaßen authentisch vermittelt,  dass ich selbst diese Emotionen selbst gespürt habe und sehr nah am Geschehen war. Ich habe mit Ronan, Zhodan, Eila, Kiara und wie sie alle heißen mit gefiebert, bis zur letzten Seite, habe viel gebangt, gehofft, gelacht, war überrascht, empört und einfach nur begeistert.
 
 Doch obwohl die Geschichte wirklich viel zu bieten hat, habe ich doch Liam etwas vermisst. Das Entstehen dieser ganz besonderen Freundschaft zwischen Ronan und dem jungen Händler nahm im ersten Teil ja eine sehr wichtige und auch interessante Rolle ein, während er leider hier nicht einmal erwähnt wurde. Sicherlich ist klar, dass der Abschied von der kleinen Insel Lannoch und der Schauplatzwechsel nach Raukland zu einer weitaus größeren Geschichte führt, es wird dramatisch, denn es geht um die Zukunft großer Königsreiche. Klar, dass Intrigen und Kämpfe nun in den Vordergrund treten, welches auch sehr gut dargestellt wurde, doch trotzdem ... eine kleine Rolle hätte ich mir für Liam dennoch gewünscht. Auch die anderen Lannocher habe ich vermisst, auch wenn mir klar war, dass sie wohl nicht wieder vorkommen würden.

"Er musste Rauklands König werden. Nicht um seiner selbst Willen, nicht um sich an Broghan zu rächen, sondern um rauklands Willen Die Welt bestand nicht aus Broghan und ihm. Sie bestand aus Raukland und den Ländern, die eine Grenze mit ihm teilten.
Aus Frieden."

Ronan ist natürlich wieder klasse! Schon von klein auf, mutterlos und alleine, wurde er von seinem Lehrmeister Zhodan hartnäckig und schonungslos dazu erzogen, ein König und Krieger zu werden, was ihn einerseits zu einem hervorragenden Kämpfer machte, andererseits aber zu einem gefühlskalten Klotz wie sein Vater. Neben der raubeinigen Seite entdeckte er im Laufe des ersten Teiles noch viele andere Seiten an ihm, die mir immer besser gefielen. Durch viel Schmerzen, einige Rückschläge, viele verrückte und hirnrissige Aktionen, Ungerechtigkeiten, Auflehnung und schlussendlich durch viel freundlicher Unterstützung von Seiten, von denen er es niemals erwartet hätte, wird er der sympathische Held, der er schon immer sein wollte. Und genau das ist das Anziehende, was seinen Charakter für mich ausmacht: Diese Entwicklung.
Durch seinen vielseitigen Charakter scheint seine Entwicklung immer weiter zu gehen und gar nicht mehr aufzuhören. Trotzdem bleibt er die ganze Zeit authentisch der selbe junge Ronan Carinn, den man am Anfang kennengelernt hat, nur in netter. Auch in "Rauklands Blut" ist seine beeindruckende Entwicklung noch nicht abgeschlossen. Hilfsbereit, schüchtern, aufbrausend, moralisch, ja sogar verletzlich scheint er immer mehr und lässt öfter seine "weichen Seiten" durchblitzen. Auch gegenüber Eila öffnet er sich immer mehr und ermöglicht dem Leser somit einen Einblick in seine Gefühle, Gedanken, seine Kindheit und Lebensgeschichte. Während er sich im ersten Teil von selbstverliebten Königssohn auf einem langem und steinigen Weg zu einem Freund und Verbündeten entwickelt hat, muss er sich nun wieder zwischen seiner neuen Art, seinen Freunden, sein eigenes Glück und der Verantwortung gegenüber Raukland entscheiden. Mehr als einmal, als er kurz davor stand, sich falsch zu entscheiden, hätte ich ihm am liebsten in den Hintern getreten und ihn wachgerüttelt. Jordis Lank macht es ihm wirklich nicht einfach, lässt viel leiden, mitfühlen, hassen, kämpfen und trauern und wir lieben ihn für seine ganz eigene Art, all das durchzustehen.

"Sie würde es verstehen. Später, so wie er es erst später verstanden hatte. Zwischen Sätteln und Zäumen lehnte er sich an die hölzerne Wand, beide Hände an sein Herz gepresst, das so übervoll war, dass nicht einmal platz darin blieb Broghan zu hassen..."

Auf Eila liegt ein größerer Augenmerk, sie ist mir mit ihrer naiven und teils kratzbürstigen Art ordentlich auf die Nerven gegangen. Natürlich liebe ich ihren widerspenstigen Charakter und so besänftigte ich mich mit dem Gedanken, dass sich auch noch irgendwann erwachsen wird...

Eine ganz neue Möglichkeit tut sich mit Hannah von Angent, der Prinzessin und Kronerbin des riesigen Landes auf, welches sich im Krieg mit Raukland befindet. Sie ist zwar blind, bemerkt jedoch mehr von der Welt, als es eine Sehende jemals vermocht hätte und hat so ein sehr zartes, einfühlsames und intelligentes Wesen. In der recht kurzen Rolle, die sie inne hatte, ist sie mir sehr ans Herz gewachsen und ich wünsche ihr eine schöne Zukunft, die für mich aber auf gar keinen Fall an Ronans Seite sein kann. Viele Leser sehen eine anbahnende Dreiecks-Geschichte, doch wenn es wirklich dazu kommen sollte, wäre ich wirklich enttäuscht. Denn das Buch sieht bis jetzt von jeglichen Klischees oder typische Handlungssträngen eines "Frauenbuchs" ab und zeigt sich viel geist- und abwechslungsreicher.

"Sein Blick traf ihren. Sie sah im genau in die Augen. Die Wange an Ronans Hals, sagte sie klar und deutlich: "Ich warte auf dich!"

Neben Kiara lernt man endlich auch noch den recht emotionslosen Zhodan näher kennen. Man erfährt viel über seine Motive und seine Vergangenheit, was ihn in einem komplett anderen Licht erscheinen lässt. Auch wenn ich schon einmal in eine solche Richtung gedacht hatte, hätte ich diese Wendung niemals hervorsehen können! Was genau ich damit meine, verrate ich euch natürlich nicht - lest selbst ;-)

Dann bleiben an Charakteren nur noch "die Bösen" zu erwähnen. Anders als vielleicht gedacht sind nicht Angent und sein Königshaus, die Familie Bellingors, der wirkliche Gegner, sondern Azel und sein verkommener Sprössling Broghan. Schon in "Rauklands Sohn" hat man die Grausamkeit und Rücksichtslosigkeit des Rauklander Königs erfahren, als dieser seinen Sohn ohne Gnade auspeitschen lassen und ihm das Wappen Raucklands auf den Rücken gebrandmarkt hat. Auch Broghan erschein schon skrupellos und blutrünstig, doch erst in diesem Teil werden die zwei wirklich verabscheuenswürdige Scheusale. Leider erfährt man nicht wirklich viel über Broghan und seine Motive und Gefühle. Er wird irgendwie abgetan als verschollener Sohn, der nun seine Herkunft zurück haben will. Warum genau er so missraten und voller Hass geworden ist, ist für mich nicht genau ersichtlich und wird leider als Ähnlichkeit zu Azel abgetan. Das Hass und Grausamkeit in Familien vererbt wird, auch wenn das Kind anderswo aufgewachsen ist, scheint mir recht fragwürdig. Doch trotzdem sind die beiden einfach zu hassen und gute Antagonisten.

An dieser Stelle komme ich nun nicht umhin, Gismo als Charakter auszuzählen ;-) Der feurige Hengst, treu, eigensinnig und Ronans bester Freund ist mir sehr schnell als Herz gewachsen. Der schwarze Teufel hat etwas an sich, dass ich mir wirklich um ihn Sorgen gemacht habe, als es ernst wurde, als wäre er ein vollwertiger Charakter.

"Feuchter Sand flog auf ihre Stiefel, im nächsten Moment galoppierten sie durch kniehohe Wellen. Glitzernde Wasservorhänge schossen empor und flogen in ihr Gesicht. Sie lachte, bis Gismo im tieferen Wasser langsamer wurde und das Meer schließlich im Schritttempo durchpflügte, die Nase auf dem kühlen Nass. Immer, wenn er eine Welle erreichte, warf er den Kopf hoch und ließ ein Quietschen hören, das sich mehr nach einem Ferkel anhörte, als nach einem Streitross. Eila hielt sich den Bauch vor lachen.
"Was ist das für ein Pferd?"

 Wieso genau die Trilogie mit dem Genre "Fantasy" betitelt wurde, habe ich immer noch nicht ganz verstanden, da noch nichts Übersinnliches vorkam. Das Setting ist eher historisch angehaucht und erinnerte mich durch die Lebensart und Epochenbeschreibung sehr an ein mittelalterliches Skandinavien. Ritterburgen, große Imperien mit König, die sich praktisch ständig im Krieg befinden, Handel mit entlegenen Ländern, Helden auf Pferden und edle Prinzessinnen. Natürlich wird ein ähnliches Publikum angesprochen, die Geschichte ist erfunden, doch dann hören meine Argumente auch schon auf. Wie ihr bestimmt seht, habe ich mir also die Freiheit genommen "Mittelalterlicher Abenteuerroman" als Genre festzulegen.

Das Ende ist einfach nur unfair und ich bringe es kaum über mich, es ein "Ende" zu nennen. Ein direkter Cliffhanger ist es zwar nicht, aber es endet dermaßen unentschieden, dass ich nun unglaublich gespannt auf den letzten Teil der Reihe bin!

Bleibt nur noch, mich ganz herzlich bei der Autorin Jordis Lank für das wunderschöne Rezensionsexemplar zu bedanken und mich sehr auf den nächsten Teil zu freuen.

"Broghan wird sich wünschen, er hätte nie einen Fuß nach Fehdorn Ghan gesetzt!", schrie er zurück. "Er wird sich wünschen, er wäre in diesem Fluss ersoffen! Ich werde ihn töten und wenn es das letzte ist, was ich tue!"
"Ronan", sagte Zhodan leise, aber es ging unter in Kiaras wütendem Aufschrei: "Du benimmst dich wie unser Vater!"


 
Fazit:

Eine wunderschöne Fortsetzung, ebenso tiefsinnig und mitreißend wie der vorangestellte Auftakt dieser Reihe. Geistreiche Charaktere mit Tiefe und Herz, viel Spannung, Gefühle und ein toller Stil haben mich restlos überzeugt!


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*unbezahlte WERBUNG* 
Vielen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar, was meine ehrliche Meinung jedoch nicht beeinflusst hat. 
(Quelle- Information und Coverbild: Amazon.de. Die Bilder und Cover, sowie die Inhaltsbeschreibungen und Klappentexte sind Eigentum des jeweiligen Verlages bzw. Schriftstellers oder anderweitigen Rechteinhabers.)
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Freitag, 28. Oktober 2016

Rauklands Schwert

 


Allgemeines:

Titel: Rauklands Sohn
Autor: Jordis Lank
Verlag: Verlagshaus el Gato (3. Juni 2014)
Genre: Mittelalterlicher Abenteuerroman
ISBN978-3943596434 
Seitenzahl: 350 Seiten
Preis: 5,99€ (Kindle-Edition)
13,90€ (Taschenbuch)
Weitere Bände: "Rauklands Sohn"
LinkHier klicken! 


 
Inhalt:
 
"Ronan schlang die Arme um die Knie und verkroch sich tiefer unter drei Lagen Wolle. doch gegen die Kälte in seinem Inneren halfen weder Decken noch Toröfen. Raukland. Ein Albtraum, der ihn aus dem Schlaf riss."
 
Lannochs langer Winter ist hart für Ronan, der härteste seines Lebens. Hin- und hergerissen zwischen Rauklands Schicksal, seiner Sorge um Hannah und einem Leben an Eilas Seite, weiß Ronan nicht länger wohin er gehört. Verzweifelt versteckt er sich auf Lannoch, während Raukland unter der grausamen Regentschaft von Broghan zu Grunde zu gehen droht. Sein Entschluss, seine alte Heimat für immer zu vergessen, wird endgültig zunichte gemacht, als am Horizont raukländische Schiffe sichtbar werden. Als alles verloren scheint, wird Ronan klar, dass er sich Broghan und seiner Bestimmung stellen muss...

 

Bewertung:

 DISCLAIMER: Da dies der dritte Band einer Trologie ist, können mögliche Spoiler über den ersten und zweiten Teil nicht ausgeschlossen werden!
 
Was die äußerliche Aufmachung angeht, kann ich mir nur wiederholen.  Das Cover ist ähnlich wie bei seinen Vorgängern "Rauklands Sohn" und "Rauklands Blut".  Zu sehen ist in recht dunkler und bedrohlicher Atmosphäre eine trutzige Burg auf einem Hügel, darunter das Meer oder ein See, im Vordergrund ein edel glänzendes Schwert. Nachdem ich das Cover im ersten Teil als Burg von Lannoch gedeutet hatte, im zweiten Teil eher zur raukländischen Fehdorn Ghan tendierte, bin ich nun wieder zu Lannoch gewechselt. Doch was auch immer die Burg darstellen soll, die Grundatmosphäre der Bücher ist perfekt getroffen.

"Ich schwöre, dass ich Rauklands König sein werde", sagte er laut. Jedes einzelne Wort klang in seinem Inneren wie der Nachhall eines Glockenschlags. "Der König eine Landes, in dem Frieden mehr zählt als Blut."

Dieses Mal ist das Cover ganz in dunklen Grüntönen gehalten, was Hoffnung symbolisieren könnte. Wieder muss ich aber kritisieren, dass ich es etwas zu "Doku-mäßig" empfand und mich an den Vorspann von Terra X erinnert sah. Natürlich ist es sehr passend und hübsch gestaltet, hätte aber meiner Meinung nach noch etwas mehr Potential gehabt. Die Gestaltung rund um das Buch aber ist sehr liebevoll und hochwertig. Spannende Leseproben, hübsche Lesezeichen mit "Gänsehautsätzen", ein toller Buchumschlag mit praktischer Leselasche und nicht zuletzt die hochwertigen, dicken Seiten mit der angenehmen Schriftart in breiter Bedrückung, haben mein Leseerlebnis angenehm abgerundet.
 
Was mich wieder absolut begeistert hat, sind die Outtakes am Ende des Buches. Ich denke, diese Besonderheit des Buches, wird jedem positiv aufgefallen sein. Oder habt ihr schon mal ein Buch gesehen, an wessen Ende verpatze Sätze und Abschnitte, witzige Vertipper und kleine und größerer Logikprobleme angeführt sind? Bestimmt nicht! Ich habe mich natürlich wieder sehr darauf gefreut und herzlich gelacht. Denn wie die Autorin selbst schreibt:
"Was macht ein Raukland-Buch erst komplett? Genau, die schrägen Vertipper der Autorin mit den zu schnellen Fingern :)"
 
Das Buch habe ich theoretisch geradezu verschlungen. Warum bloß theoretisch - ich habe mich fast nicht getraut es zu Ende zu lesen. Für meinen Geschmack war die wundervolle Trilogie viel zu schnell wieder vorbei und der Abschied von all den liebgewonnen Charakteren fiel mir ausgesprochen schwer. Ich habe mich wirklich sehr gefreut, wieder nach Raukland zurückkehren zu dürfen, war aber gleichzeitig schon ein bisschen wehmütig ... denn ich wusste natürlich, dass es das letzte Mal sein würde.

"Gibt auf Lannoch acht, Eila!"
"Geht nicht!", flüsterte sie.
"Ich komme zurück", hauchte er."

Doch beginnen wir doch am Anfang! Nachdem Ronans grausamer Halbbruder Broghan König von Raukland geworden ist, sah sich Ronan gezwungen ins Exil auf seine Insel Lannoch zu fliehen. Obwohl eigentlich alles so sein könnte, wie er es immer wollte, kann er einfach nicht vergessen. Er wollte nie die Verantwortung, die es mit sich bringt, König von Raukland zu sein und könnte nun mit seiner Eila glücklich werden, doch das Schicksal und Broghan lassen ihn nicht so leicht gehen. Am Anfang war es sehr schön, endlich wieder in Lannoch zu sein, all die liebgewonnenen Charakter wieder zutreffen und altbekannte Orte noch einmal zu besuchen. Doch die Freue währte nicht lange, denn während Merin dem Tod näher ist als dem Leben, tauchen plötzlich raukländische Schiffe am Horizont auf und die Inselbewohner müssen abermals Schutz in der Deckung der thermischen Höhlen auf Lannoch suchen. Fürs Erste sind sie dort sicher, doch die Belagerung zieht sich, zeiht sich,.... und zieht sich. Als ihm klar wird, was oder wen die Soldaten auf Lannoch wollen, kann er sich einfach nicht mehr verstecken und somit alle in Gefahr bringen. Seine geliebte Schwester Kiara in Gefahr wähnend, macht er sich schließlich nach einer Drohung eines Soldaten doch überstürzt auf den Weg nach Raukland. Ronan will eigentlich nicht um etwas kämpfen, das ihm nicht gehört, doch angesichts all des Leids, das er dort sieht, fällt es ihm schwer, gleichgültig zu bleiben. Da kommen ihm die aufgebrachten Bauern ganz recht, die sich erheben und einen Aufstand planen...

"Zerlumpte Kinder und gekrümmte Alte streckten ihm die Hände entgegen, Frauen boten ihre Körper feil. Es waren so viele, viel mehr als früher. Von einem Bauernaufstand war hier nichts zu spüren. Es war nicht der Geist der Rebellion, der diesen Menschen ins Gesicht geschrieben stand: Es war Hunger und der Kampf ums Überleben."

Sehr mitreißend wird die Geschichte zu Ende erzählt, ein langes Abenteuer voller Schrecken, Angst, Mut, Liebe, Hass, neuen Freundschaften, Versprechen und viel Herz. Der Weg, den die Protagonisten gehen müssen ist mal wieder nicht sehr einfach sondern verwinkelt, steinig und schwer. Rückschläge, überraschende Wendungen und viele "OMG-Momente" lassen den Leser dabei fast verzweifeln.

Denn in diesem Buch bedient sich Jordis Lank so ziemlich allen Mitteln, um ihre Leser scheinbar zu quälen. Einer meiner absoluten Lieblingscharakter stirbt tragisch, Ronan leidet unter einer wirklich authentischen Zerrissenheit zwischen zwei Frauen, ein Rückschlag oder falsche Entscheidung folgt auf die nächste und viel Blut, Schweiß und viele Tränen müssen vergossen werden, bis endlich alles so ist, wie es sein sollte. Das Happy End lässt wirklich sehr lange auf sich warten, ... doch es kommt, und das ist es, was wichtig ist!

Die Spannung - mir kommt es fast überflüssig vor, das jetzt noch zu sagen - ist natürlich die ganze Zeit sehr hoch, was es mir sehr schwer gemacht hat, das Leseerlebnis so lange wie möglich hinauszuzögern. Ich bin eigentlich ein absoluter Schnellleser und überfliege aus Versehen oft ganze Kapitel, doch bei diesem Buch habe ich versucht, mir die Zeit zu nehmen, ganz bewusst zu lesen. Das Ergebnis war ein ultra intensives Abenteuer, das mich durch die ganze Gefühlspalette hindurchbegleitet hat.

"Alles kam zurück. Der Rauch, der ihm das Atmen schwer machte. Die hilflose Verzweiflung, mit der sein Herz gegen seine Rippen schlug. Die ohnmächtige Wut, die ihn schüttelte, bis er glaubte zu zerspringen..."

Die Charaktere haben mich wieder bezaubert. Immer noch wird abwechselnd aus der Sicht von den verschiedenen Protagonisten erzählt, weshalb man einen guten Überblick über die Geschehnisse erhält. Auf Ronan wird aber dieses Mal ein klarer Fokus gesetzt, bloß für Eila wird seine Perspektive einige Male unterbrochen.

Ronan hat es mir sehr angetan, wie ich nicht genug betonen kann. Schon von klein auf, mutterlos und alleine, wurde er von seinem Lehrmeister Zhodan hartnäckig und schonungslos dazu erzogen, ein König und Krieger zu werden, weshalb er immer noch nach zwei entwicklungsreichen Teilen Schwierigkeiten hat, sich zu öffnen und vor allem: Zhodan als seinen Vater zu akzeptieren. Durch viel Schmerzen, einige Rückschläge, viele verrückte und hirnrissige Aktionen, Ungerechtigkeiten, Auflehnung, Mut und Vertrauen entwickelt er sich immer weiter auf seinem Weg. Trotzdem schafft er es immer noch die ganze Zeit authentisch der selbe junge Ronan Carinn zu bleiben, den man am Anfang kennengelernt hat und das stelle ich mir für einen Autor sehr schwierig vor.
Während er sich im ersten Teil von selbstverliebten Königssohn auf einem langem und steinigen Weg zu einem Freund und Verbündeten entwickelt hat und im zweiten Teil zwischen seiner neuen Art, seinen Freunden, seinem eigenen Glück und der Verantwortung gegenüber Raukland entscheiden musste, steht er im dritten Teil wieder vor einer unglaublichen Verantwortung und am Ende sogar vor dem Tod. Lange hadert er mit der Rebellion, die seine Zwillingsschwester Kiara angezettelt hat, will nicht um etwas kämpfen, das ihm nicht gehört, doch angesichts Broghans Grausamkeit und Rücksichtslosigkeit, die Raukland in den Ruin zu treiben droht, rafft er sich zusammen.

"Irgendwo muss es einen Anfang nehmen!", hatte Kiara gesagt. Doch eine Rebellion wurde mit Blut bezahlt und das meiste davon würde in ihren Reihen fließen. Er hatte kein Recht das Leben all der Männer und Frauen aufs Spiel zu setzte. Raukland war nicht länger sein Land. (...) Broghan zu stürzen verlangte, mit dem Wissen in den Tod zu gehen, dass die eigenen Kinder als Waisen aufwuchsen. Es verlangte, für diejenigen zu sterben, die neben einem marschierten. Es verlangte, unter Folter zu schweigen um die zu schützen, die weiter machten. Diese Schlacht würde nicht mit Waffen entschieden werden, sondern mit dem Herzen. Wie sollten sie siegen, wenn nicht einmal seines für den Kampfs schlug?"

Beim Lesen habe ich mich manchmal gefühlt, wie eine besorgte Mutter, die ihm am liebsten ordentlich in den Hintern getreten und wachgerüttelt hätte, wenn er mal wieder kurz davor stand, sich falsch zu entscheiden. Jordis Lank macht es ihm wirklich nicht einfach, lässt viel leiden, mitfühlen, hassen, kämpfen und trauern und wir lieben ihn für seine ganz eigene Art, all das durchzustehen. Als er am Ende endlich zu verstehen scheint, Zhodan als seinen Vater anerkennt und seine Bestimmung annimmt, war ich unendlich erleichtert. Lange Rede, kurzer Sinn: Er ist einfach ein unglaublich sympathischer, sich wandelnder und auch stur moralischer Charakter, der für seine Lieben mit allen Mitteln kämpft.

Liam hat endlich auch wieder eine kleine Rolle zu spielen, nachdem ich ihn im zweiten Teil so schmerzlich vermisst habe. Er kämpft immer noch mit seiner Angst, schafft es aber nach und nach den Feigling in ihm zu besiegen und sich schließlich sogar zu opfern - wer jetzt schon Angst um seinen Lieblingscharakter bekommt: NEIN, er ist es nicht, der stirbt, sondern bekommt auch sein Happy End.

Ich habe in meinen vorherigen Rezensionen schon erwähnt, dass ich Eila, die kratzbürstige Prinzessin Lannochs nicht so ganz mochte. Mit ihrer recht naiven und draufgängerischen Art ist sie mir in Band 1 und 2 schon ordentlich auf den Nerven herumgetanzt. Natürlich liebe ich ihren widerspenstigen und freiheitsliebenden Charakter, doch auch in diesem Buch scheint sie erst sehr spät erwachsener zu werden. Sie leidet sehr unter dem Tod ihres Großvaters Mein, der ihre einzige Familie war, nachdem ihre Eltern bei einem Schiffsunglück umkamen. Leider wird sie mir hier etwas zu sehr von einem Protagonisten zu einem Druckmittel degradiert. Recht ruppig wird sie von einer Seiet zur anderen geschoben, ausgetauscht, gefangen gehalten und weit weg in Sicherheit abgeschoben. Das ist recht realistisch in so einer Situation und zeigt anschaulich die Skrupellosigkeit Broghans, aber auch, was Ronan alles zu tun bereit ist, um die, die er liebt zu schützen.

"Ronan, der wahre König. Das war es, was sie riefen, während sie die Fäuste in Richtung Fehdorn Ghan schüttelten. (...) Nun sah er, dass Kiara recht gehabt hatte. Wenn er nur genügend Bauern dazu bringen konnte, sich ihm anzuschließen, konnte ihre schiere Masse Broghans Männer bezwingen."

Worüber ich zuerst leicht angesäuert war, ist die sich entwickelnde Dreiecksbeziehung. Ich fürchtete, das das Buch, welches bisher von jeglichen Klischees oder typische Handlungssträngen eines "Frauenbuchs" abgesehen hatte, nun doch in Gewohntes abrutscht und seinen geist- und abwechslungsreichen Touch verliert. Ronan findet sich, wie schon im zweiten Teil angedeutet, in einem Dilemma wieder. Einerseits hat er Eila verspochen, sie zu heiraten, liebt sie und will im Grunde seines Herzens ein ganz "normales" Leben mit ihr führen. Doch da ist auch Hannah von Angent...

Zuerst ist sie für ihn nur ein kluger Schatzung, bloß Prinzessin und Kronerbin eines riesigen Landes, welches sich im Krieg mit Raukland befindet. Sie zu heiraten und die beiden Mächte zu vereinen, würde Frieden in die ewige Feindschaft bringen. Doch als sie und ihr Vater, König Bellingor von Agent in die Fänge Broghans geraten und Ronan erfährt, dass er gar nicht Rauklands Thronerbe ist, rückt dieser Aspekt in den Hintergrund. Stattdessen fühlt er sich immer mehr zu Hannah hingezogen, lernt ihre ruhige und sanfte Art zu schätzen, nicht ihre Stellung und ihr Erbe. Sie ist zwar blind, bemerkt jedoch mehr von der Welt, als es eine Sehende jemals vermocht hätte und hat so ein sehr zartes, einfühlsames und intelligentes Wesen. Als Broghan sie zwingt, ihn zu heiraten, geht sie keineswegs unter der Bürde ein, sondern entwickelt als Königin von Raukland eine bemerkenswerte Stärke und Willenskraft. In der recht kurzen Rolle, die sie innehatte, ist sie mir schon im vorherigen Band sehr ans Herz gewachsen, für mich kam aber auf gar keinen Fall in Frage, dass Ronan sich für sie entscheidet - obwohl ich sie lieber mochte als Eila. Wie genau er sich entscheidet, will ich natürlich ein Geheimnis lassen. Am Ende ist die ganze Sache dann recht elegant gelöst, was mich auch überzeugt hat. Leider macht Jodis Lank es sich etwas zu einfach dabei. Da ich bei Happy Enden aber immer recht sentimental werde, hat es mir trotzdem gefallen.

"Ronan schnappte nach Luft. "Er ... er liebt Euch?" Er hörte Hannah atmen. Er hörte sich selbst atmen, viel zu schnell. Das Bild von Hannah und Broghan, beisammen im Turmzimmer, stand vor ihm in der Dunkelheit. Wie konnte sie all das ertragen und ihn dennoch in Schutz nehmen? Sie legte die Hand an seine Wange und strich mit dem Daumen darüber. "Er weiß nicht wirklich, was liebe ist, Ronan.", sagte sie leise. "Nicht so wie Ihr und ich."

Über Broghan habe ich ja jetzt schon ganz viel geredet, will aber seinen Charakter noch einmal etwas genauer erläutern. Im Grunde ist er einfach ein scheußliches, grausames und vernachlässigtes Kind, das sich nach Liebe und Aufmerksamkeit sehnt. Ich habe ihn wirklich gehasst, wie bestimmt jeder Leser dieser Reihe, doch es mischte sich auch tatsächlich etwas Mitleid unter den Abscheu. Auch Hannah schafft es, ein kleines Fünkchen Verständnis für den Fiesling aufzubringen und so verliebt sich Broghan in sie. Man glaubt kaum, dass er wirklich dazu fähig ist, zu lieben, doch es schient, als ob sie ihm wirklich am Herzen läge. Wie schon gesagt finde ich den, oft als Erklärung in Betracht gezogenen Aspekt, seine Grausamkeit läge ihm einfach im Blut, recht weit hergeholt. Solche Wesenszüge lassen sich meiner Meinung einfach nicht vererben. Da er sich aber immer mehr in seine Rolle hineinsteigert, keine Grenzen kennt und schließlich fast verrückt wird, denke ich, dass diese Schreie nach Beachtung eher von seiner missratenen Kindheit herrühren.
  
"Was habe ich von dir mitbekommen?", flüsterte Ronan. Zhodan sah auf ihn herunter.
"Sturheit", sagte er.
Ein seltenes Lächeln kroch in seine Augen. Sturheit. Das Wort warf ein Echo, das etwas in Ronan zum Schwingen brachte. Es kroch seinen Hals hinauf, legte sich auf seine Lippen und dann lächelten sie einander an, das erste Mal seit Jahren."

Zhodan öffnet sich endlich Ronan gegenüber und so bekommt auch der Leser zum ersten Mal mit, dass der gefühlskalte und tapfere Fechtmeister doch tatsächlich Gefühle hat. Es wird von seinem inneren Konflikt erzählt, seine Entscheidungen beleuchtet und obwohl ich ihn zu Beginn noch für seine Entschlüsse und das Handeln in der Vergangenheit verurteilt habe, begann ich gegen Ende zusammen mit Ronan seien Beweggründe zu verstehen und zu akzeptieren. Denn als sich die verbliebenen Seiten dem Ende zu neigten, begann sich alles zu wiederholen. Es passiert Ronan genau dasselbe, wie Zhodan damals, was sehr rührend zeigt, dass sich alles wiederholt. Doch eine wesentliche Sache ist grundlegend anders: Es endet diesmal gut!

Wieso genau die Trilogie mit dem Genre "Fantasy" betitelt wurde, blieb mir immer noch schleierhaft. Ich habe unzählige Rezensionen gelesen, die sich begründen "der Plot berufe sich nicht auf wahre Ereignisse sondern sei frei erfunden". Das stimmt natürlich, doch ein Krimi oder ein Romanze zum Beispiel beruht auch nicht auf wahren Begebenheiten sondern ist erfunden, deshalb bleibt es trotzdem ein Krimi oder eine Romanze und kein Fantasy-Roman. Das Setting der Raukland-Trilogie ist eher historisch angehaucht und erinnerte mich durch die Lebensart und Epochenbeschreibung sehr an ein mittelalterliches Skandinavien. Ritterburgen, große Imperien mit König, die sich praktisch ständig im Krieg befinden, Handel mit entlegenen Ländern, Helden auf Pferden und edle Prinzessinnen. Natürlich wird ein ähnliches Publikum angesprochen, welches auch Fantasy liest, die Geschichte ist erfunden, doch dann hören meine Argumente für die Betitelung mit "Fantasy" auch schon auf. Ein historischer Roman ist es nicht, da stimme ich den vielen Leserstimmen zu. Deshalb habe ich mir also die Freiheit genommen "Mittelalterlicher Abenteuerroman" als Genre festzulegen. 

"Links, rechts. Links, rechts. Auf dem Waldboden tanzten Sonnenkringel. Das grelle Licht flirrte vor Ronans Augen. Seine Haut war heiß, sein Mund trocken. Das Pochen in seinen Schläfen spürte er am ganzen Körper.
Liam, dachte er bei jedem Schritt. Eila.
Liam. Eila.
Übelkeit kroch in ihm empor. Der Waldboden schwankte. Das letzte, was er hörte, war Kiara, die seinen Namen rief."

Was den Schreibstil und die Gestaltung rund um die alleinige Handlung angeht, kann ich mich nur wiederholen. Sehr klar und direkt verlieren sich die Formulierungen nie in endlosen und unnötigen Schnörkeln, bleiben aber malerisch und detailliert dabei. Dieser unglaublich schwierige Spagat zwischen ausschweifenden Landschaftsbeschreibungen und Spannungsaufbau schafft Jordis Lank meisterhaft und ließ mich so das Buch wieder flüssig und ohne Pause lesen. Mitreißend und lebendig wird ein raues, vielseitiges Land erschaffen, das wie seine Charaktere sich immer wieder entwickelt, größer, handfester und bildhafter wird. Durch die Wahl der Schauplätze als dunkle, aber belebte Burgen mit trutzigem Flair, sowie der Umgangsrichtlinien und Lebensweisen ihrer Bewohner erhält das Buch einen Hauch von mittelalterlicher Romantik, die die Handlung nie abgehoben und fiktiv erscheinen lässt, sondern einen echten Touch und Greifbarkeit vermittelt. Eine zeitgemäße Begriffsverwendung sowie der majestätische Plural heben die Authentizität und Vorstellungskraft noch einmal hervor. Ausführliche Beschreibungen und bildgewaltige Details müssen leider zugunsten des Erzähltempos etwas zurückstecken, vermindern den Lesegenuss aber um kein Stück.
 
Die Hintergründe sind zudem wieder einmal sehr gut recherchiert. Man kann in der Art und Weise, wie alles geschildert ist, eine gewisse Tiefsinnigkeit erkennen, welche von einem großen Wissen und einer Begeisterung zu dem Thema erzählt. Was Kriege, Pferde und Kampfkunst angeht, sitzen Details absolut sattelfest und wurden durch viele, von Profis gegengelesenen und auf Praktikabilität überprüften, extra Punkten ausgebaut. Was Schwertkampf und Bogenschießen anging, so schienen mir auch diese Szenen wieder sehr authentisch und wohl durchdacht. 

Beim Ende jedoch herrscht ordentlich Redebedarf! Wie schon erwähnt, macht sich die liebe Jordis die Lösung recht einfach. Doch auch von der Länge gesehen war ich etwas enttäuscht. Natürlich ist es ganz nett ausgearbeitet, aber für mich blieb es etwa zu vage. Der Showdown nimmt sehr viel Platz ein, überzeugte und brachte mein Herz zum Rasen und meine Augen zum Tränen, doch was danach kommt wird mit wenigen Sätzen abgespeist. Man trifft endlich Shea, Ronans verschollene Mutter, erfährt dann aber gar nichts über ihre Geschichte oder ihren Charakter. Auch bekommen Zhodan und Ronan gar nicht mehr die Möglichkeit sich auszusprechen. Fragen, die mir irgendwie noch wichtig waren, wurden ganz unter den Tisch fallen gelassen. Was ändert sich in Raukland? Was passiert mit Raukland und ihren Bewohnern? Wie macht sich Ronan in seiner neuen Rolle? Was passiert mit Broghans Sympathisanten? Wird Weißohr sein Pferd? ... Teilweise recht unwichtig, für mich aber relevante Aspekte.

"Fürchtet Ihr den Tod?", fragte Hannah. Er lächelte schmerzlich. (...)
"Nicht den Tod", sagte er. Den würde er mit offenen Armen willkommen heißen, sehr bald schon. "Ich fürchte, was davor kommt."

Dieses Buch hebt sich vor allem durch einen Aspekt sehr von seinen Vorgängern ab: der Dramatik. Neben dem Ausmaß dieses Plottes wirken die beiden anderen Bücher geradezu "Friede-Freude-Eierkuchen-mäßig". Das erste Buch kam mir schon recht düster vor, endete aber in "Selbstfindungs-Manier". Im zweiten Teil änderte sich die Grundstimmung, passte sich dem rauen Raukland an, und wurde grausamer, politischer und von größerem Ausmaß. Doch dieser Teil vereinte die inneren Probleme der Protagonisten, Romantik, eine auf Krawall gebürstete Gesellschaft und ein ausgewachsenes Unrechtsregime auf so prickelnde Art und Weise, dass ich fast der Meinung bin, nie wieder einen "Mittelalterlichen Abenteuerroman" lesen zu können, ohne ihn fade zu finden. Ich bin nun wirklich froh, mir die "legendären Fünf Sterne" aufgespart zu haben, um nun meine Bewertung gegenüber den anderen Teilen noch etwas steigern zu können. Die Autorin schreibt in ihrer Danksagung etwas, was mir wirklich aus der Seele gesprochen hat, obwohl ich "nur Leserin" bin:

"Jetzt, wo ich Ronan, Liam und all die anderen sich selbst überlassen muss, wünsche ich mir, ich könnte die Zeit zurück drehen und all das erneut zum ersten Mal erleben. Es wird andere Geschichten und andere Welten geben. Aber Raukland wird für immer etwas Besonderes sein."


 
Fazit:

Ein letztes Mal durften wir Leser Ronan durch ein Abenteuer voller Zweifel, Niederlagen und neuer Zuversicht, durch Angst, Blut, ungeahnter Freundschaften und neuer Verbündeter begleiten.
Es wird spannend gekämpft, ordentlich gelitten, leidenschaftlich geliebt und genauso abgründig gehasst. Ich habe mitgelitten bis zum Ende und dann einige Tränen vergossen!! Ich kann euch das Buch wirklich wärmstens empfehlen: Begleitet Ronan auf seinem Abenteuer und lasst euch so verzaubern, wie ich es bin.


Also vielen Dank Ronan, Eila, Hannah, Gismo, Zhodan, Kiara, Broghan und natürlich ihre Erschaffern Jordis Lank, dass ich auf diese Reise mitkommen durfte!!!!!

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*unbezahlte WERBUNG* 
Vielen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar, was meine ehrliche Meinung jedoch nicht beeinflusst hat. 
(Quelle- Information und Coverbild: Amazon.de. Die Bilder und Cover, sowie die Inhaltsbeschreibungen und Klappentexte sind Eigentum des jeweiligen Verlages bzw. Schriftstellers oder anderweitigen Rechteinhabers.)
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Mittwoch, 7. September 2016

Rauklands Sohn



Allgemeines:

Titel: Rauklands Sohn
Autorin: Jordis Lank
Verlag: Verlagshaus El Gato (2013)
Genre:  mittelalterlicher Abenteuerroman
ISBN: 978-3943596045
Seitenzahl: 364 Seiten
Preis: 0,99€ (Kindle-Edition)
12,90€ (broschiert)
Weitere Bände: Rauklands Blut;
Rauklands Schwert




Inhalt:

"Du allein bestimmst, wer du bist "

Der siebzehnjährige Ronan Carinn ist Sohn des Königs Azel Carinn von Raukland. Sein Vater ist der mächtigste Herrscher im Nordmeer: ein machtgieriger Mann, der sein Land von einem Krieg in den anderen führt. Ronan hat nie gelernt, das infrage zu stellen: Freundschaften sind ihm unbekannt und die einzige Liebe, die er kennt, gilt seinem Schwert.
Doch dann fällt Ronan in Ungnade und wird auf die nordische Insel Lannoch verbannt um für einen Fehler geradezustehen, den er sich nicht erklären kann. Anstatt bei einem Gefecht seinen Trupp anzuführen, lag er besinnungslos in seinem Zelt, betrunken, wie alle behaupten, weshalb der Krieg verloren wurde. Doch Ronan fehlt jede Erinnerung an die Stunden und neigt nicht zu solchen Handlungen. Nachdem er dem besinnungslosen Ärger seines Vaters ausgeliefert war, muss er nun die kleine Insel einnehmen oder er verliert sein Erbe auf Rauklands Thron.

Dort regiert der gerissene König Merin, der einwilligt demjenigen den Thron zu überlassen, der innerhalb eines Jahres alle ihm vorgeschriebenen Aufgaben erfüllen kann. Mit Waffengewalt und Sturheit kommt er hier jedoch nicht weit: Ronan braucht nicht nur einen Freund an seiner Seite, er muss auch die Achtung der Prinzessin Eila und der Bevölkerung von Lannoch gewinnen. Doch das stellt sich bald als schwieriger heraus, als gedacht und Ronan muss erkennen, dass der größte Kämpfer der ist, der sich selbst besiegen kann...


Bewertung:

"Was hast du getan?"
Der Schrei trieb durch seine bleierne Müdigkeit. Ein Schatten wuchs über ihm, Hände krallten sich in sein Haar und rissen seinen Kopf zurück.
Der Schatten war sein Vater..."

Von dem unglaublichen Zorn seines Vaters Azel, König von Raukland, wacht man genauso ahnungslos wie er, zusammen mit Ronan auf. Man findet sich in einer absolut misslichen Lage wieder, denn komplett verkatert und übernächtigt liegt er in seinem Bett, anstatt den geplanten Hinterhalt, der zum Sieg Rauklands führen sollte, anzuführen. Schnell versteht man, das es Azel keineswegs verdient, sich Ronans Vater zu nennen, denn zur Strafe lässt er ihn vor versammelter Mannschaft auspeitschen und brandmarkt ihn mit dem Pferdezeichen Rauklands. Äußerst qualvoll und brutal kommt man in der rauen Mittelalterwelt Rauklands an und verfolgt die Tortur mit angehaltenem Atem. Knapp am Tod vorbei geschrammt, nach langer Ohnmacht findet sich Ronan dann auf einem Schiff zu der Insel Lannoch wieder, auf die er zur Strafe ins Exil geschickt wurde.
"Entsetzen spiegelte sich auf seinem Gesicht. Das glutrote Eisen sank ins Ronans Rücken. Ein grässliches Zischen, der Geruch von verbranntem Fleisch. Seine erste Empfindung war nicht Hitze, sondern eisige Kälte. Aber dieses Gefühl hielt nur einen Atemzug lang an, dann brach der Schmerz über ihn herein und sein Körper zerbarst..."
Dank günstiger Handelslage will Azel Lannoch einnehmen, doch aufgrund der Beschaffenheit der Insel, ist es äußerst mühsam, sie auf militärischem Wege einzunehmen. Auf Lannoch gelten aber eigene Regeln und so steht es jedem frei, sich das Recht auf den Thron Lannochs zu verdienen. Dafür müssen innerhalb eines Jahres alle Aufgaben gelöst werden, die die vorangegangenen Könige in einem Buch gestellt haben. Der derzeitige König Merin und seine Enkelin Eila wollen keinesfalls, dass Lannoch an Raukland fällt. Trotzdem bleibt ihnen nichts anderes übrig, als auf Ronans Scheitern zu hoffen. So nimmt die Geschichte langsam ihren Lauf und man begleitet Ronan bei seinen Aufgaben, sieht wie er leidet, verzweifelt, neue Freundschaften knüpft und langsam zu sich findet.

"Ihr braucht einen Freund, um eure Aufgaben zu bewältigen."
"Es sind mehrere?" Merin nickte.
Darüber dachte Ronan einen Moment nach. "Dazu brauche ich einen Helfer?"
"Einen Freund", sagte Merin sanft.
Der Raukländer beugte sich vor, die Arme auf dem Tisch verschränkt. "Und wenn ich keinen brauche?"
"Oh ihr werdet einen brauchen. Jeder braucht einen Freund."

 Wieso genau also die Trilogie mit dem Genre Fantasy betitelt wurde, habe ich nicht verstanden, da noch nichts Übersinnliches vorkam. Das Setting ist eher historisch angehaucht und erinnerte mich durch die Lebensart und Epochenbeschreibung sehr an ein mittelalterliches Skandinavien. Ritterburgen, große Imperien mit König, die sich praktisch ständig im Krieg befinden, Handel mit entlegenen Ländern, Helden auf Pferden und edle Prinzessinnen. Die Insel Lannoch jedoch fällt durch die Ruhe und den Frieden etwas aus der Reihe und so ist auch Ronan, der durch Raukland eher ein rauer, auf Krawall gebürsteter Kerl ist, trainiert um später auch einmal kompromisslos ein Land zu führen, zuerst etwas verwirrt.
 Lannoch ist ein kleines, raues, nordisches Fleckchen Land mit  peitschendem Meereswind, donnernden Wellen, kreischenden Seevögel, steilen Klippen, harten Wintern, rauschenden Festen und vielen interessanten und netten Menschen.

"Raukland ist ein raues Land", hörte sich Ronan wieder einmal sagen. "Lannoch ist anders. Her ist eher das Land rau und nicht die Menschen."
"Ist es auf Lannoch schöner?", fragte Eila.
"Anders", entgegnete Ronan."

Sofort war ich eingenommen von der mittelalterlichen Lebensweise, der Kälte und Dunkelheit aber auch von den Abenteuern und der Romantik die ich mit dieser Zeit verbinde. Die  die Beschreibung der Burg, der Stand der Heilkunst und vor allem die vielen Fechtszenen schienen mir sehr authentisch und fachmännisch erzählt. Anstatt wie wild aufeinander einzuprügeln kämpfen die Protagonisten in Grundhuten und mit gezielten Hieben, die Namen tragen.

"Am Morgen lag dichter Nebel über der Insel. Nicht ein Lüftchen regte sich, als Ronan über den Dorfplatz schritt, das Knirschen unter seinen Sohlen seltsam laut in der weiß schwebenden Stille. Der Brunnen schien im Nichts zu schweben und selbst die trutzige Burg war nicht mehr als ein Schatten hinter Nebelschwaden.
Es war, als hätte jemand eine riesige Glasglocke über Lannoch gestülpt. Die geisterhafte Stille verschluckte selbst die Schreie der Möwen..."

Was das Buch aber wirklich interessant macht, sind die Charaktere und ihre Entwicklung. Vor allem Ronan hat es mir angetan und ich fand es bald sehr erfrischend, endlich mal wieder etwas von einem guten männlichen Hauptcharakter zu lesen.

Schon von klein auf, mutterlos und alleine, wurde er von seinem Lehrmeister Zhodan dazu erzogen, ein König und Krieger zu werden, was ihn einerseits zu einem hervorragenden Kämpfer macht, andererseits aber zu einem gefühlskalten Klotz wie sein Vater. Lesen und Schreiben kann er nur im Ansatz und in anderen Menschen erkennt er nichts als seinen Schaden oder Nutzen. Unsägliche Schmerzen kann er ohne ein Laut von sich zu geben aushalten, doch Liebe, Zuneigung, Mitgefühl oder andere Emotionen empfindet er als Schwäche. Er ist also eigentlich ein absolutes Scheusal und auf gar keinen Fall würdig, Lannochs neuer König zu werden, doch ich habe ihn trotzdem ins Herz geschlossen. Neben der raubeinigen Seite entdeckt er im Laufe der Geschichte noch viele andere, geheimnisvoll und mysteriös, hilfsbereit, schüchtern scheint er immer mehr und lässt öfter seine "weichen Seiten" durchblitzen. Durch viel Schmerzen, einige Rückschläge, viele verrückte und hirnrissige Aktionen, eine plötzlich kinderfreundliche Ader und schlussendlich durch viel freundlicher Unterstützung wird er der sympathische Held und König, der er schon immer sein wollte. Und genau das ist das Anziehende, was seinen Charakter für mich ausmacht: Diese Entwicklung. Durch seinen vielseitigen Charakter scheint seine Entwicklung immer weiter zu gehen und gar nicht mehr aufzuhören. Trotzdem bleibt er die ganze Zeit authentisch der selbe junge Ronan Carinn, den man am Anfang kennengelernt hat, nur in netter. Gegen Ende wirkt er treu, aufopferungsvoll und verletzlich, was drei Adjektive sind, die ich am Anfang niemals gedacht habe, dass ich sie im Zusammenhang mit ihm verwende.

"Liam beugte sich vor und drückte sacht Ronans Schultern. Als er sich aufrichtete streckte Ronan die Hand nach ihm aus.
"Danke", wisperte er."

Wer wohl vorrangig zu seiner Veränderung beigetragen hat, ist Liam, der schreckhafte und schwächelnde Händler, den Ronan aus dem stürmischen Wasser rettet. Die beiden schließen einen Deal: Ronan beschützt ihn vor seinen Verfolgern und Liam spielt Ronans Freund, welchen er für seine Aufgaben braucht. Die krasse Gegensätzlichkeit zwischen den beiden jungen Männern war sehr faszinierend. Liam ist gewaltablehnend, angstvoll, unsportlich, aber dafür mitfühlend, gebildet und eher zartbesaitet. Wie auch Ronan macht er eine Entwicklung durch, nur genau in die andere Richtung. Er lernt zu vertrauen, mehr Mut ins sich selbst zu fassen, sich zu überwinden, trainiert zusammen mit Ronan seine körperlichen Fähigkeiten und lernt die Kunst des Fechtens. Auch er hat eine tragische wie interessante Vergangenheit, die sich perfekt in sein Charakter einreiht. Auch über ihn könnte ich noch Romane schreiben, doch ich belasse es dabei.

"In den kurzen Zeitspannen, in denen sich die Nebel in seinem Kopf lichteten, war ihm am deutlichsten Liams Gegenwart bewusst. Es war Liam, der ihn mit sanfter Gewalt dazu brachte zu trinken. Liam, der seinen heißen Körper mit feuchten Tüchern bedeckte. Lam dessen Hände auf seinem Arm lagen, wenn Beth ihm einen gallebitteren Trank einflößte und er mit verzweifelter Anstrengung versuchte, sich um Himmels willen nicht zu übergeben. (...) Ronan klammerte sich an diese Stimme, an die sachten Berührungen, und betete darum, dass nicht auch diesem einzig ruhenden Pol Zähne und Klauen wuchsen, die ihn doch zerrissen."

Die vielen Nebencharakter auf Lannoch und aus Raukland sind allesamt sehr liebevoll gezeichnet und unterschiedlich. Eila, die Enkelin von Merin und Ronans Herzdame, so stürmisch und wild wie das Land selbst, die allen bekannten Prinzessinnenklischees gekonnt ausweicht, die immer quasselnde Fiona, der grausame und blutrünstige Azel, die heilbegabte Hebamme Beth, der grobschlächtige aber liebenswerte Schmied Fergus und eine ganze Schar abenteuerlustiger Jungs. Alle sind sie mir sehr ans Herz gewachsen und ein Wiedersehen würde mich sehr freuen. Vor allem von dem kleinen Waisenjungen Torin bin ich ein großer Fan. Mit seiner kindlichen Unschuld, dem Beschützerinstinkt den er immer wieder in verrückten Aktionen beweist, der süßen Faszination für das Fechten, welche Ronan bald zu seinem größten Vorbild heranwachsen lässt und den Behauptungen, er würde Eila heiraten, wenn er groß ist, hat er mich des Öfteren zum schmunzeln gebracht.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr klar und direkt, sie beschreibt die Landschaft Lannochs sehr treffend und auf den Punkt gebracht, setzt aber in Beschreibungen und auch Gedanken klare Abstriche um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Während also in anderen Büchern Charaktere zigmal genau dasselbe denken, sind Ausschweifende Erklärungen und auch die Einblicke in die Gefühlswelt der Charakter sehr bedacht gewählt.  Dadurch bekommt der Leser das Wichtigste gleich gebündelt vorgesetzt und kann ganz leicht in den Seiten versinken. Sehr gut hat mir auch gefallen, wie die Personen sich die ganze Zeit mit dem majestätischen Plural anreden. So etwas wie "Geht es Euch gut?", "Ihr werdet es schon merken.", oder "Kann ich Euch helfen?" war zwar zu Beginn etwas seltsam, da ich immer instinktiv von mehreren angesprochenen Personen ausging, diese mittelalterliche Höflichkeitsform hat mir dann aber schließlich sehr gefallen.
"Die nächsten Tage waren sonnig und heiß. Heu trocknete auf den Wiesen, unaufhörlich auseinandergeworfen von Männern mit bloßem Oberkörper, denen die feinen Spelzen auf der feuchte Haut klebten. Die Luft roch nach Thymian und warmem Gras. Feine Spinnweben schwirrten umher, glitzerten in der gleißenden Sonne, die nun jeden Tag deutlich später über dem Burgdorf erschien und früher über dem Hafen im Meer versank."
Das Cover ist genau wie der Schreibstil klar und deutlich, ohne malerische Schnörkel, mittelalterlich gehalten. Zusehen ist in Dämmerung eine Burg auf einem Hügel, darunter das Meer, im Vordergrund ein edelglänzendes Schwert. Es ist wirklich hübsch gestaltet, hat für mich aber nicht sein volles Potential ausgeschöpft. Ehrlich gesagt fand ich es etwas zu "Doku-mäßig" und musste an den Vorspann von Terra X denken. Thematisch passt es natürlich perfekt und auch vom Stil her reiht es sich in die Welle der historischen Eindrücke, die das Buch zurücklässt.

Was mich aber absolut verwundert und dann begeistert hat, waren die Outtakes des Buches. Ja, ihr habt richtig gelesen und ich weiß auch, was dieses Wort bedeutet: Outtakes!!!
So etwas habe ich angehängt an ein Buch noch niemals gesehen. Bei Filmen liebe ich diese Szenen, die manchmal angehängt im Abspann laufen und einige aufgrund von Pannen oder Patzern Aussortierte Szenen zeigen und auch in diesem Buch fand ich es genial. Jordis Lank hat solche schriftlichen Outtakes am Ende ihrem Buch aufgeführt, welche Sätze oder Abschnitte anführen, in denen etwas schief gegangen ist  -Achtung Zitat-
"[...] verpatzt von einem Autorinnenhirn, das manchmal schneller denkt, als die Finger tippen ...."
Absolut witzig und einzigartig!

Das Ende bringt noch einige Überraschungen, die ich so in diesem Ausmaß nicht mehr erwartet hatte. Doch dieses Buch hat durchaus das Potenzial ein ums andere Mal zu erstaunen. Und so steigert sich die Spannung noch einmal in einem finalen Kampf und endet in einem guten aber leicht offenen Ende, das einen den nächsten Teil sehnsüchtig erwarten lässt.

Beenden möchte ich diese Rezension wie ich sie begonnen habe - mit einem wunderschönen Zitat...

„Der beste Weg, einen Freund zu finden, ist der, selbst einer zu sein.“



Fazit:

Neben dem gutaufgebauten Plot, der Spannung, den Landschaftsbildern und der Abenteuerstimmung, die sich beim Lesen regt, lebt das Buch vor allem von seinen Charakteren, deren Entwicklung und der langsamen Entstehung einer einzigartigen Freundschaft zwischen zwei komplett gegensätzlichen Männern. Insgesamt also ein sehr ansprechender Auftakt einer vielversprechenden Reihe, der Lust auf mehr macht.


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*unbezahlte WERBUNG* 
Vielen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar, was meine ehrliche Meinung jedoch nicht beeinflusst hat. 
(Quelle- Information und Coverbild: Amazon.de. Die Bilder und Cover, sowie die Inhaltsbeschreibungen und Klappentexte sind Eigentum des jeweiligen Verlages bzw. Schriftstellers oder anderweitigen Rechteinhabers.)
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Dienstag, 24. Mai 2022

Königswächter


Allgemeines

Titel: Königswächter
Autorin: Jordis Lank
Verlag: Selfpublished (17. Februar 2022)
Genre: Mittelalter-Abenteuer
ISBN-13: 979-8794230703
ASIN: B09SV2C3RR
Seitenzahl: 398 Seiten
Preis: 12,99€ (Taschenbuch)
2,99€ (Ebook)
Link: Hier klicken!



Inhalt

Kjar ist Leibwächter der Königin. Sie befiehlt ihm, einen Jungen namens Jorin in ihre Festung zu holen. Kjar tritt die weite Reise nur widerwillig an: Mit Kindern kann er nichts anfangen.
Warum nur hat die Königin ihm befohlen, Jorin zu ihr zu bringen? Und wieso hängt ein Königswächter am Galgen, als Kjar aus der Festung reitet?

Bewertung

Als Fan von Jordis Lanks "Raukland-Trilogie" war ich natürlich sofort wieder am Start, als sie das Erscheinen eines neuen mittelalterlichen Abenteuerroman verkündet hat. "Königswächter" ist diesmal ein Einzelband und kann deshalb zwar nicht den Epos der Raukland-Trilogie entwickeln, erzählt aber auf spannende Weise eine vielschichtige Geschichte über Macht, Freundschaft, Loyalität, Geheimnissen und Familie. 

Freitag, 14. Februar 2020

Die Raukland Reihe in neuem Gewand...



Vor relativ genau drei Jahren habe ich eine Buchreihe gelesen, die mich wirklich beeindruckt hat: Die Raukland-Trilogie von Jordis Lank. Der runde, mittelalterliche Flair, die spannende Handlung, die beeindruckende Charakterentwicklung und der mitreißende Schreibstil von "Rauklands Sohn", "Rauklands Blut" und "Rauklands Schwert", haben mich zu einem Fan der Autorin gemacht. Dass sich Jordis Lank jetzt entschieden hat, ihre Trilogie nochmal auf eigene Faust zu veröffentlichen finde ich wirklich super und sehr mutig! Besonders freut mich dies jedoch weil die Reihe nun endlich passende, wunderschöne Cover bekommt. Die alten waren mir immer zu "Dokumäßig" und erinnerten mich an den Vorspann zu "Terra X", die drei neuen Cover in den unterschiedlichen Farben, den verspielten Schnörkeln und mit den drei großen mittelalterlichen Motiven passen da meiner Meinung nach viel besser!

Den ersten Teil findet ihr HIER! für 0,99€ (Ebook) oder 12,99€ (Taschenbuch). Ich kann euch die Reihe nur von Herzen empfehlen und euch raten, Ronan auf einem Abenteuer voller Zweifel, Niederlagen und neuer Zuversicht, durch Angst, Blut, ungeahnter Freundschaften und neuer Verbündeter zu begleiten und euch so verzaubern zu lassen, wie ich es wurde. Es wird spannend gekämpft, ordentlich gelitten, leidenschaftlich geliebt und genauso abgründig gehasst. Ich habe mitgelitten bis zum Ende und dann einige Tränen vergossen!!


Doch worum geht´s?

Eine Reise, die dich für immer verändert
Ronan ist Sohn des mächtigsten Herrschers im Nordmeer. Er fürchtet weder Schmerz noch den Tod, doch auf der nordischen Insel Lannoch muss er sich einer Prüfung stellen, bei der sein Schwert nutzlos ist: Will Ronan den Thron behalten, braucht er nicht nur einen Freund an seiner Seite, er muss auch die Achtung der Prinzessin von Lannoch gewinnen. Wie man das anstellt, kam in seinem Schwerttraining jedoch nicht vor …



Über die Autorin:

Jordis Lank kam Anfang der siebziger Jahre im äußersten Zipfel des Bergischen Landes zur Welt. Zusammen mit vierzehn Hühnern, einem Hahn, 623.484 Bienen und geschätzten fünf Kaninchen wuchs sie in einem riesigen, halbwilden Garten auf, veranstaltete Schneckenwettrennen und konnte aus Weidenrinde unglaublich laute Hupen basteln. Wenn sie nicht gerade schreibt, wirft sie Bälle und Keulen in die Luft, sucht verborgene Schätze per GPS oder spielt sich mit Freunden durch Brettspielestapel - das Erzählen von Geschichten ist und bleibt jedoch ihre größte Leidenschaft.
Jordis Lank freut sich, von ihren Lesern zu hören - gerne könnt Ihr mit ihr über ihre Homepage http://www.jordis-lank.de/ 
oder ihr Facebook Profil https://www.facebook.com/jordis.lank 
in Kontakt treten.



(Quelle - Information und Coverbild: Amazon.de. Die Bilder und Cover, sowie die Inhaltsbeschreibungen und Klappentexte sind Eigentum des jeweiligen Verlages bzw. Schriftstellers oder anderweitigen Rechteinhabers.)

Freitag, 8. November 2024

Federohr und Flitzepfote - Der blaue Geist

Von Jordis Lank habe ich schon ihre "Raukland Trilogie" und ihr Einzelband "Königswächter" sehr gerne gelesen. Als sie mir angekündigt hat, dass sie eine neue Kinderbuchreihe für Kinder von etwa 6 bis 9 Jahren herausbringt, war ich sofort begeistert. "Federohr und Flitzepfote" lautet der Reihentitel der mehrbändigen Reihe, dessen bereits schon fünfter Band, "Der blaue Geist" heute erscheint. Schon mit Band 1, "Der Kopfwärmer", Band 2, "Der maskierte Dieb", Band 3, "Der verborgene Gang" und Band 4, "Das sprechende Huhn" hatte ich großen Spaß. Meine gesammelte Rezensionen zu den bisher erschienenen Bänden findet Ihr nun in diesem Beitrag. 

Inhalt

Die kleine Eule Flumm schläft tief und fest, als etwas quiekend durch das Blätterdach stürzt und mitten im Eulennest landet! Das rotbraune Wesen mit den Pinselohren ergreift sofort die Flucht. Flumm hat jedoch etwas, das es unbedingt wiederhaben möchte. So beginnen die unglaublichen Erlebnisse von Federohr und Flitzepfote! Eine neugierige Eule und ein quirliges Hörnchen werden dort Freunde, wo sich Tag und Nacht begegnen: im Dämmerwald.


Teil 5: "Der blaue Geist"

Auch in "Der blaue Geist" geht es wieder hoch her. Beim Brombeer-Pflücken von einem Gewitter überrascht müssen unsere beiden Abenteurer Unterschlupf in einem Steingarten suchen. Das Problem nur: Dort soll ein gefährlicher Geist hausen, der die anderen Tiere des Waldes in Angst und Schrecken versetzt. Als den cleveren Freunden tatsächlich eine blaue Gestalt erscheint, sind sie so erschrocken wie entschlossen, dem Störenfried auf den Grund zu gehen. Doch was steckt nun hinter dem streng riechenden Geist und schafft das dynamische Eulen-Eichhörnchen-Duo es, das Geheimnis zu lösen?