Freitag, 5. April 2019

Rayne - Die Macht der Schatten


 
Allgemeines:
 
Titel: Rayne - Die Macht der Schatten
Autor: Rachel Crane
Genre: Fantasy
Verlag: cbt (11. März 2019)
ISBN-10: 3570311570
ISBN-13: 978-3570311578
ASIN: B07C3X1Y5D
Preis: 9,99€ (Kindle-Edition)
13€ (Taschenbuch)
Seitenzahl: 544 Seiten
Weitere Bände: Elathar - Das Herz der Magie
 
 
 
Inhalt:
 
Als Tochter des Königs kennt Rayne keine Sorgen. Doch dann fällt ihre Mutter nach einem Angriff in einen todesähnlichen Schlaf und nicht einmal Raynes Magie kann ihr helfen. Schnell muss Rayne erkennen, dass die Angreifer nun hinter ihr her sind – dunkle Kreaturen, die vor nichts zurückschrecken, um an ihr Ziel zu gelangen. Nur mithilfe von Skandar, dem in Ungnade gefallenen Bruder ihres Verlobten, gelingt ihr die Flucht. Als klar wird, dass der Gegner weit mächtiger ist, als Rayne für möglich gehalten hätte, muss sie sich entscheiden: Setzt sie das Königreich und das Leben ihrer Mutter aufs Spiel oder vertraut sie einem Mörder und nimmt an Skandars Seite den Kampf gegen die Schatten auf?
 
 
Bewertung:
 
Ich habe zurzeit seltsamerweise verstärkt Lust auf High-Fantasy-Romane, weshalb ich sofort zugegriffen habe, als "Rayne - Die Macht der Schatten" von Rachel Crane, dem Pseudonym der deutschen Autorin Brigitte Melzer, erschien. Dass diese Geschichte gar kein Einzelband ist, sondern eine Fortsetzung zu "Elathar - Das Herz der Magie" und sich auf die Tochter der Protagonisten aus Band 1 bezieht, habe ich dann erst bemerkt, als ich das Buch aufschlug und diese Information auf der ersten Seite abgedruckt fand. Natürlich habe ich mich zuerst ein wenig aufgeregt, dann beim Lesen aber bemerkt, dass Kenntnisse zur Vorgeschichte nicht unbedingt notwendig sind, um diese Geschichte verfolgen zu können. Es wird viel der Vergangenheit einfach noch einmal erzählt und Rayne darf ein eigenständiges Abenteuer erleben, weshalb man dieses Buch definitiv als Einzelroman lesen kann. Da mir diese Geschichte im Endeffekt sehr gut gefallen hat, werde ich wahrscheinlich irgendwann noch zur Vorgeschichte greifen. 
 

Doch beginnen wir wie immer mit dem Cover: Auch wenn ich es - wie schon so oft erwähnt - eigentlich nicht besonders mag, wenn Models abgedruckt werden, hat mich dieses Motiv sehr angesprochen. Durch das Kleid und den wehenden Umhang der jungen Frau wird der historische Touch des Settings  hervorgehoben, während die roten Blätter, das sanfte Leuchten des Hintergrundes und der verschnörkelte Titel der Gestaltung einen magischen Hauch verleihen. Da die Protagonisten im Laufe der Handlung viel in Tharennia herumkommen, hat der Verlag eine Karte des Königreichs angefügt. Leider aber ganz am Ende des Romans, wo sie jeder durchschnittliche Leser wohl eher nicht vermuten würde - so auch ich nicht. Im Nachhinein habe ich im Impressum zu Beginn einen winzigen Verweis auf die Karte gefunden, doch leider habe ich das vor dem Lesen nicht bemerkt - ganz ehrlich wer liest schon das Impressum? - und musste mich ohne grafische Hilfestellung auf die Reise durch Tharennia begeben. Natürlich ist das auch ein wenig meiner Schusseligkeit zuzuschreiben, aber vielleicht könnte man den Verweis in zukünftigen Büchern größer machen oder die Karte einfach an den Anfang stellen.
 
Erste Sätze: "Wenn ich dich erwische, wirst du das fressen. jeden einzelnen Krümel!"
 
Nach einem vorangestellten Blick in die Vergangenheit und einem erklärenden Prolog steigen wir dann in das Leben der jungen Prinzessin Rayne Fjal'Har ein, welche in einer Welt lebt, die nur dank des beherzten Eingriffs ihrer Eltern vor einigen Jahren (siehe "Elathar - Das Herz der Magie") ihr Kriegsbeil mit der Magie begraben hat und beginnt, den Zauberern unter ihnen zu vertrauen anstatt sie zu verfolgen. Als jedoch eine neue Macht mit dunkler Magie das Königreich unsicher macht, brechen die alten Wunden des Misstrauens wieder auf. Auch Raynes Mutter fällt den Schatten zum Opfer und als Rayne ebenfalls in das Visier der dunklen Kreaturen gerät, dämmert ihr, dass die Schatten nicht aus reiner Mordlust Leichenberge zurücklassen, sondern sich gezielt auf der Suche nach etwas befinden, was seit Jahren verborgen wurde: die Essenz der Magie, die Rissa Fjal'Har in sich aufnahm um die Welt zu retten und die die Schatten jetzt bei Rayne vermuten. Nur mit einem verstoßenen und stigmatisierten Verräter gelingt ihr die Flucht vor den Häschern der neu erwachten Dunkelheit und es beginnt eine Hetzjagd durch ganz Tharennia, während dieser sich Rayne fragen muss, wem sie überhaupt vertrauen kann, was in der Vergangenheit wirklich geschehen ist und vor allem: ob sie die unendliche Macht wirklich in sich trägt, nach der die Schatten suchen...
 
 
"Ein strahlend weißes Licht breitete sich im Saal aus und erfüllte ihn bis in den letzten Winkel. Geblendet blinzelnd hob Skandar den Kopf, auf der Suche nach seinem Ursprung. Um ihn herum waren die Kämpfe zum Erliegen gekommen. Schatten wie Menschen hatten innegehalten und starrten auf die Quelle des Leuchtens. Rayne stand jetzt unmittelbar vor Darathor, gehüllt in eine Kugel aus Licht. Nein, erkannte Skandar. Sie war das Licht. Ein strahlend helles Wesen. Ätherisch und nicht von dieser Welt. Eine Göttin."
 
 
Mit einem relativ rasanten Beginn, der schon viele Informationen, Action und Hintergrundwissen beinhaltet, werden wir im Schnelldurchlauf in eine typische High-Fantasy-Welt eingeführt, die wie eine romantisierte Variante des Mittelalters erscheint. Die Einwohner Tharennias wohnen in einfachen Städten, Dörfern, ihre Könige und Fürsten in Burgen; sie tragen einfache Lederwämser, Leinenhemden und Umhänge; sie ernähren sich von Brot und Eintopf; sie kämpfen mit Dolchen und Schwertern; sie reiten auf Pferden und fahren in Kutschen; sie bestellen Felder, handeln und erzählen Geschichten, wie es jedes andere, normale Volk eben tut. Was viele der Menschen jedoch nicht wissen, ist, dass ihr Land eine lange, magische Vergangenheit hat und eine große Menge Wissen aber auch einige dunkle Gefahren dieser alten Ära noch verborgen unter ihnen weilen und vor allem: dass in vielen ihrer Legenden und Mythen ein wahrer Kern steckt. So auch in der eines Tyrannen, der der Legende nach unter einem Bergmassiv zusammen mit seinen dunklen Priestern verschüttet wurde. Denn diesen Tyrannen gibt es wirklich und er ist kein Geringerer als ein dunkler Gott, dessen Macht wieder erwachen wird, sobald ein verfluchter Schweifstern am Himmel auftaucht...
 
 
"Die wenigen Momente der Nähe, die Augenblicke, in denen er sich vorstellen konnte, dass mehr zwischen ihnen sein könnte, waren nichts anderes als schöne Tagträume. Träume, die niemals wahr werden würden und deshalb auch nicht die Gefahr bargen, Rayne zu enttäuschen oder gar zu verlieren. Wie könnte ich etwas verlieren, das ich nie besessen habe?"
 
 
 Diese mythische Grundidee hinter der Geschichte und auch der gleichermaßen gewohnte wie auch in kleinen Details geheimnisvolle Weltenaufbau haben mir als Basis der Geschichte sehr zugesagt. So hat der rasante Beginn in Zusammenhang mit den immer komplexer werdenden Handlungssträngen durch Perspektivwechsel seine Funktion erfüllt und das Buch versprach ein Pageturner zu werden.
Leider konnte ich mich mit der Szenengestaltung der Autorin absolut nicht anfreunden und es erschien mir, als erzähle sie an der Handlung vorbei. Anstatt Szenen und Situationen in erlebter Rede zu erzählen, greift sie während der Reise durch das Land in einem Großteil der Zeit auf eine passive Erzählweise zurück, die die heftigen Zeit- und Ortssprünge überspielen soll und in rascher, rückblickender Zusammenfassung wiedergibt, was Rayne und Skandar auf ihrer Reise sehen, wem sie begegnen und was sich Rayne dabei denkt. Das hatte bei mir zur Folge, dass diese Seiten des Mittelteils einfach an mir vorbeizogen und man sich nie als wirklicher Teil der Handlung fühlt. Die einzigen wirklichen Szenen, die zwischendurch aktiv erzählt und somit erlebbar gemacht werden, sind kurze Dialoge zwischen den beiden Reisenden oder Begegnungen mit anderen Leuten. Leider werden auch diese oft spannenden Dialoge häufig mittendrin abgebrochen und im nächsten Satz befindet man sich schon in einem anderen Fürstentum zwei Wochen später. Das hat bei mir dafür gesorgt, dass die Handlung während des eigentlich nicht uninteressanten Mittelteils an mir vorbeiplätscherte und mich nicht besonders mitreißen konnte. Ihr sonstiger Stil hat mir wiederum sehr zugesagt.
 
 
"Du willst dein Herz schützen, das kann ich verstehen. Aber was ist mit meinem?" Sie hatte ihm ihr Herz zu Füßen gelegt. Jetzt konnte sie nur noch abwarten, ob er es zertreten oder annehmen würde."
 
 
Auch die süße Liebesgeschichte, die sich als leiser Prozess zwischen den Zeilen entwickelte, drang durch diese Erzählweise nicht wirklich zu mir durch und so erschien es mir doch sehr aus der Luft gegriffen und ein wenig überhastet als die Protagonisten sich plötzlich ihre unsterbliche Liebe gestanden. Gegen Ende der Geschichte, vor allem als weitere Erzählperspektiven wie die von Raynes Verlobten Eyron oder die ihres Bruders Darragh hinzukamen, nahm die Handlung wieder an Fahrt auf und in einem spektakulären Showdown werden alle Handlungsstränge zusammengeführt. Das wirkliche Ende ist dass recht offen gehalten und hat mir insgesamt sehr gut gefallen.
 
Womit ich auch ein wenig Probleme hatte, sind die Namen, die mit den vielen "as", "rs" und "hs" für mich persönlich schlecht zu merken waren. Vor allem mit "Skandar Khardal" und "Darragh Fjal'Har" hatte ich Merkprobleme.  ;-) Etwas seltsam fand ich auch, dass zwar Raynes ältester Bruder Darragh aber nicht ihr Zwillingsbruder Taeril in der Geschichte vorkommt. Es wird zwar zu Beginn mal seine Existenz erwähnt aber im Verlauf der Handlung bleibt er vollkommen irrelevant und Rayne verschwendet keinen weiteren Gedanken an ihn. Das finde ich och ein wenig fragwürdig. Ansonsten konnte ich mich jedoch recht gut mit den Protagonisten anfreunden.
Rayne entspricht natürlich gar nicht dem Klischee einer Prinzessin mit ihrer mutigen, selbstlosen, bodenständigen Art. Sie ist zum Leidwesen von Skandar, ihrer Reisebegleitung, sehr stur, was sie überzeugt "beharrlich" nennt, zeigt aber immer wieder mitfühlende Seiten, steht für das ein, an das sie glaubt und kann sich definitiv selber helfen. Mit diesen angenehmen Charaktereigenschaften ist sie eigentlich die perfekte Vorzeigeheldin eines Fantasyromans und sticht für mich nicht besonders aus der Masse an Fantasy-Protagonistinnen hervor. Ihre geheimnisvolle Reisebegleitung war da schon spannender!
 
 
"Den Rest des Tages überlegte er sich immer neue Gründe, aus denen der Tyrann zu dem geworden war, vor dem sich alle fürchteten. Jede neue Idee war aberwitziger als die davor, und ganz allmählich begann Rayne, den Nordländer mit anderen Augen zu sehen. Er war nicht länger der Wilde aus dem Thronsaal ihres Vaters und auch nicht mehr der bedrohliche Krieger, von dem sie angenommen hatte, er wollte sie entführen. Sie sah nicht einmal mehr den Mann in ihm, der seinen eigenen Bruder ermordet hatte. Durch die Geschichten, die er spann, und den Humor, den er dabei zeigte, wurde er in ihren Augen zu einer eigenständigen Persönlichkeit, losgelöst von allen Vorurteilen, die sie bisher gehegt haben mochte."
 
 
Skandar Khardal ist der Bruder von Raynes Verlobtem Eyron und seit Jahren verbannt und geächtet da er als Kind seinen ältesten Bruder kaltblütig im Schlaf ermordete. Kein Wunder dass das ganze Königreich ihm mit Vorurteilen, Hass und Abscheu begegnet. Doch Rayne und der gutmütige Leser merken schnell, dass Skandar trotz seiner dunklen Vergangenheit kein kaltblütiger Mörder ist und dass es bei den Geschehnissen noch ein unbekannter Faktor gibt, der seine Tat relativieren wird. Mit seiner Narbe, der dunklen Vergangenheit und seiner rätselhaften Stimmungsschwankungen zeigt er Anklänge an den stereotypischen Jugendbuch-Bad-Boy, die Art und Weise wie hier der Umgang mit Vorurteilen beschrieben wird, macht diesen Eindruck jedoch wieder wett.
 
 
"Es ist doch kein Zeichen von Schwäche, um Hilfe zu bitten!"
"Was ist es dann?"
"Eines von Klugheit."
 
 
 
Fazit:
 
Ein rasanter und kunterbunter High-Fantasy-Roman über Dunkelheit und Licht, mächtige Magie und kleine Gesten, Vorurteile und Wahrheit, Vergangenheit und Zukunft und Mythen und Legenden mit wahrem Kern. Grundidee, Weltenaufbau, Protagonisten und Ende konnten mich überzeugen, einzig mit der Szenengestaltung des Mittelteils hatte ich so meine Probleme.
Ein schmackhaftes Abenteuer für Zwischendurch!
 
 

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