Freitag, 23. Dezember 2022

Schattengold


Allgemeines

Titel: Schattengold
Autor: Christian Handel
Verlag: Piper (1. Dezember 2022)
Genre: Fantasy
ISBN: 978-3-492-70637-7
Seitenzahl: 400 Seiten
Preis: 20€ (gebundene Ausgabe)
12,99€ (Ebook)
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Inhalt

Drei Dinge muss Farah ihren Eltern versprechen: Iss nie etwas, das dir Feen anbieten. Verrate ihnen nicht deinen Namen. Und am wichtigsten: Lass dich unter keinen Umständen auf einen Handel mit dem Dunklen Volk ein. In diesem Sommer wird Farah jedes einzelne dieser Versprechen brechen.


Bewertung

Ich bin ein großer Fan von Märchenadaptionen und da die Bücher von Christian Handel schon längere Zeit auf meiner Wunschliste stehen, habe ich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen und mir ein Exemplar seiner brandneuen düster-atmosphärischen Neuerzählung des Märchens „Rumpelstilzchen“ angefragt. "Schattengold" ist eine gelungene Mischung aus klassischem Märchen und moderner Phantastik - Christian Handel füllt hier das bekannte Handlungskonstrukt mit neuen Ideen und hat mir damit schauerlich-schöne Lesestunden bereitet.

Zunächst wie immer einige Worte zum Cover. Zu sehen ist die schwarz-goldene Silhouette einer Frau in wallendem Kleid vor einem staubig-grauen Hintergrund. Im Vordergrund ragen knorrige Äste und dünne Klauen scherenschnittartig ins Bild und geben der Szenerie zusammen mit dem goldenen Vollmond und den Spinnennetzen einen schaurigen Touch. Die Motive - der Mond, die Äste und Spinnennetze - lassen sich auch innerhalb des Buches an den Kapitelanfängen finden und ziehen sich über den Farbschnitt meiner limitierten Ausgabe hinweg. Neben dem Buch hat mir der Verlag passend zum Buch goldene Schokoladenmünzen, ein Lavendelkissen und Postkarten mitgesendet. Das "Feengold" wurde gleich verspeist, das Lavendelkissen liegt nun auf meinem Nachttisch. um mich vor dem Dunklen Volk zu beschützen. Insgesamt gibt´s also einen Daumen hoch für die Gestaltung!

Erster Satz: "Der Geist meiner Mutter lebte an einem kleinen Weiher mitten im Firnwald, direkt an der Grenze zum Feenreich."

Christian Handel erzählt in "Schattengold" aufgeteilt in zwei Teile, wie die junge Müllerstochter Farah beschuldigt wird, Feengold zu besitzen, vor die Königin zitiert wird und als Wiedergutmachung ihre "goldenen Hände" dazu einsetzen muss, Stroh zu Gold zu spinnen. Da sie selbst diese Gabe nicht besitzt, muss sie sich Hilfe aus dem Feenreich holen und geht dafür drei schicksalshafte Handel mit einem dunklen Feenwesen ein, die sie schon bald bereuen wird... Mit diesem kurzen Rundumschlag ist schon klar, dass die Handlung in groben Zügen dem klassischen Märchen um Rumpelstilzchen folgt. Der Verlauf der Geschichte sowie einige Schlüsselszenen werden einem beim Lesen also nicht neu erscheinen. Der Autor füllt das bekannte Handlungskonstrukt jedoch mit neuen Ideen und Abwandlungen und kleidet das stereotype Märchenschema mit Details zum Setting sowie einer genauen Charakterzeichnung aus, sodass ein mitreißendes Gesamtbild entsteht.

"Über mich gebeugt stand das Wesen aus dem Wald, der Spinnenmann. Groß und hager, die knochigen Gliedmaßen an den Gelenken seltsam verdreht, als sei er ein zum Leben erwachter Baum. Seine Augen leuchteten gespenstisch. "Erinnerst du dich", flüsterte das Wesen, ohne seine Lippen zu bewegen. Ich war mir nicht sicher, ob ich seine Stimme mit den Ohren oder nur mit dem Kopf hörte. "Farah...?"

Das Worldbuilding ist dabei eher zurückhaltend gestaltet, wir lernen jedoch ein menschliches Königreich, dessen südlicher Nachbar und die zweigeteilte Feenwelt im Firnwald kennen. Vor allem die Beziehungen zwischen den Menschen und dem Lichten und dem Dunklen Volk bieten viele Kontraste und Konflikte, welche als Hintergrund für dieses Märchen sehr spannend sind. Auch das Magiesystem ist eher minimalistisch erklärt und bis zum Ende bleibt lange Zeit unklar, welche Art von Magie Farah nun eigentlich besitzt, welche Rolle ihre Ziehmutter Berit spielt und in welcher Beziehung sie zu den Feen steht. Diese geheimnisvolle Unklarheit war für mich der Hauptspannungsgeber der Geschichte und trägt zur tollen Atmosphäre des Romans bei. 

"Winzige Spinnen huschten über den Stein. Wie poliertes Ebenholz glänzten ihre fingernagelgroßen Leiber in der Dunkelheit. Es mussten Dutzende sein, Hunderte, die durch das Fenster hineinströmten. Vor dem Zinnteller teilte sich der Strom, ehe er sich auf der anderen Seite wieder zusammenfand. Die Spinnen erinnerten an eine Armee tierischer Soldaten und sie waren auf dem Weg zu... mir. "Farah", flüsterte die Stimme des Monsters hinter mir, und ich wirbelte so schnell herum, dass mir schwindelig wurde."

Apropos Atmosphäre... Wir lesen hier von Pilzgnomen, Geistern im Wasser, verbotenem Feengold, blutenden Wäldern, brennenden Katzen und einem geheimnisvollen Mann ohne Namen auf einer einsamen Lichtung. Zieht man von der so entstehenden Märchenatmosphäre noch den Kitschfaktor ab und addiert den dezenten Horroreinschlag dazu, erinnert die Geschichte stark an einen Tim-Burton-Film: mystisch, gruselig, romantisch und verträumt zu gleich - eben durch und durch märchenhaft! Zum Leben erweckt wird diese Mischung durch den Schreibstil von Christian Handel, der genau wie in seinem Handlungskonzept Modernes mit Altertümlichem mischt. Besonders das Ende hat mich sehr verzaubert und auch überrascht, sodass ich seine anderen Märchenadaptionen definitiv weiterverfolgen werde - besonders "Becoming Elektra" und "Rowan & Ash" stehen schon länger auf meiner Wunschliste. 

"In meinem Reich kennt man keine Namen", sagte die Mottenfrau. Sie drehte sich schneller und schneller, und mit jeder Drehung stiegen mehr Falter von ihrem Kleid auf und bildeten um sie herum eine Wolke. "Wenn er einen Namen besaß, dann in einer anderen Zeit, in einem anderen Leben", rief sie über das Pfeifen des Windes hinweg. "Wenn er einen besaß, so ist er lange vergessen. Nicht einmal mehr die Knochen und Steine erinnern sich an ihn. Und selbst das Dunkel Volk besitzt nicht die Macht, in der Zeit zurückzureisen und einen verlorenen Namen zu finden."

Mein einziger Kritikpunkt an "Schattengold" ist, dass die Geschichte mit etwa einem Jahr eine recht große Zeitspanne abdeckt und zwischen dem ersten Teil mit dem Handel um das gesponnene Gold und dem etwa neun Monate späteren zweiten Teil mit dem Showdown im Feenwald alles wie im Zeitraffer abzulaufen scheint. Das beeinflusst die Liebesgeschichte, aber auch die Figuren, die sich sehr schnell entwickeln und dabei auch einige Sprünge machen, die ich nicht ganz nachfühlen konnte. Darunter leiden in meinen Augen besonders die Nebenfiguren, welche allesamt sehr interessant gestaltet sind, aber zum Teil bloß Hilfsfiguren der Hauptperson bleiben. Vor allem Prinz Magnus, die geheimnisvolle Berit und Farahs queerer Bruder Thomas hätten noch mehr Potenzial gehabt, das durch die beiden temporeichen Handlungsblöcke und dem großen Zeitsprung dazwischen allerdings nicht genutzt werden konnte. 

"Manchmal geht es nicht darum, dass wir Angst haben", sagte ich leise. "Sondern darum, dass wir trotz dieser Angst tun, was nötig ist."

Auch Tierfiguren wie ein Waschbär und eine Eule kommen hier vor, was ich sehr süß und in diesem Märchensetting passend fand. Ich habe allerdings bis zum Ende darauf gewartet, das aufgelöst wird, was es mit den beiden auf sich hat, und war etwas enttäuscht, als die beiden einfach Tiere blieben. Dafür macht dann unterm Strich aber die Hauptfigur Farah wieder wett, die mir als starke Heldin sehr gut gefallen hat. Den Sprung zum Highlight hat "Schattengold" also haarscharf verpasst, eine ausdrückliche Leseempfehlung mag ich aber trotzdem aussprechen!

Fazit

"Schattengold" ist eine gelungene Mischung aus klassischem Märchen und moderner Phantastik - Christian Handel füllt hier das bekannte Handlungskonstrukt mit neuen Ideen und hat mir damit schauerlich-schöne Lesestunden bereitet.

*unbezahlte WERBUNG*

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar und für die Goodies zum Buch, was meine ehrliche Meinung jedoch nicht beeinflusst hat. Quelle Informationen: Amazon.de. Klapptexte und Zitate sind Eigentum des Verlags oder jeweiligen Rechtinhabers.

6 Kommentare:

  1. Schönen guten Morgen!

    Wieder mal eine sehr ausführliche und tolle Rezension von dir!
    Das Buch hab ich auch schon seit längerem im Blick und bin schon gespannt wie es mir gefallen wird! Von Christian Handel kenne ich bisher nur die beiden Bücher der Hexenwald Chroniken, die mochte ich sehr!
    Überhaupt sind Märchenadaptionen total schön und auch hier scheint die "Neuerzählung" gut gelungen zu sein! Dass es zwischendurch etwas schneller geht, ich weiß nicht, ob mich das stören würde. Ich muss dann immer an die Märchen selber denken, die ja recht kurz sind und alles nur anreißen, so dass ich es in Adaptionen dann auch gar nicht so schlimm finde.

    Ich wünsch dir heute noch einen schönen Weihnachtsfeiertag!
    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Liebe Aleshanee,

      Huch, da warst du heute aber schon früh auf, ich krieche erst jetzt aus dem Bett 😊.
      Danke dir für deine lobenden Worte. Ich bin auch sehr gespannt, wie dir das Buch gefallen wird! Für mich verlief die erste Begegnung mit dem Autor so positiv, dass ich mich bald seinen anderen Geschichten widmen möchte. Die Hexenwald Chroniken wären da auch ein guter Anfang für mich, denke ich.

      Liebe Grüße und ebenfalls noch schöne restlichen Feiertage!
      Sophia

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    2. Ich steh eigentlich immer so früh auf - auch am Wochenende oder Feiertagen ;) Dafür geh ich recht früh ins Bett :D
      Von den Hexenwald Chroniken soll allerdings noch ein dritter Band kommen hab ich gehört. Vielleicht wäre es da dann sinnvoller zu warten. Außer es macht dir nichts aus.

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    3. Echt? Dafür kann ich dich nur bewundern. Mein Biorhythmus ist da leider ganz anders, sodass ich mich immer sehr quälen muss, um mich den gesellschaftlichen Arbeitszeiten anzupassen...
      Ah, ich wusste gar nicht, dass da noch ein dritter Teil erscheinen wird. Danke für den Hinweis, dann werde ich natürlich warten, bevor ich mit der Reihe anfange!

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    4. Mit meinen Arbeitszeiten hat das nicht viel zu tun ;)
      Ich mag es nur gerne, in der Früh, wenn alles noch ruhig ist und alle schlafen, meinen ersten Kaffee zu trinken, meine Blogsachen zu machen, Rezensionen zu schreiben etc. Auch kann ich dann vor der Arbeit noch einiges erledigen - oder am Wochenende: kann ich auch einiges erledigen, bin um 1-2 fertig und hab noch so viel vom Tag übrig :D
      Ist eine Gewohnheitssache denke ich. Früher war es umgekehrt, da hab ich immer lange geschlafen und war ewig wach abends ^^

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    5. Ja, ich denke auch, es ist eine Mischung aus Gewohnheit und Biologie. Es spielt ja zum einen das Alter eine Rolle, wie viel Schlaf man braucht und zum anderen gibt es individuelle Uhrzeiten, zu denen man leistungsfähiger ist als zu anderen. Die können sich etwa alle 10 Jahre umstellen. Aktuell steht meine innere Uhr definitiv auf "alles vor halb neun aufstehen ist zu früh" 😂 und das kollidiert leider mit den gesellschaftlichen Arbeitszeiten. Ich wäre auch sehr gerne ein Morgenmennsch. Ich mag auch den Frieden und die Stille sehr, die früh am Morgen herrscht, bevor alle aufstehen. Und der Gedanke, mitten am Tag schon weitgehend mit allen To Dos fertig zu sein, ist natürlich auch sehr verlockend! Aber vielleicht ändert sich das ja bei mir auch noch mit der Zeit 😅🤷🏻‍♀️

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