Freitag, 26. Februar 2021

Die Clans von Tokito



Allgemeines:

Titel: Die Clans von Tokito - Lotus und Tiger
Autorin: Caroline Brinkmann
Genre: Urban Fantasy
Verlag: dtv (19. Februar 2021)
ISBN-10: 3423763191
ISBN-13: 978-3423763196
ASIN: B08MB9YP7X
Seitenzahl: 384 Seiten
Preis: 14,99€ (Kindle-Edition)
18,95€ (gebundene Ausgabe)
Link: Hier klicken!


Inhalt:

In der Megastadt Tokito herrscht das Gesetz der Clans. Nur wer für einen der sechs Clanfürsten arbeitet, hat die Chance zu überleben. Die rebellische Erin hat ihren Job beim Lotusclan verloren und ist nun schutzlos. Als sie auf der Straße verschleppt wird, lässt sie sich auf einen Deal mit einem Dämon ein, um ihr Leben zu retten. Der Dämon verleiht ihr übernatürliche Kraft, versucht aber auch, die Kontrolle über Erin zu erlangen. Als eine Mordserie Tokito erschüttert und Erins beste Freundin Ryanne verschwindet, setzt Erin alles daran, den Mörder zu finden. Aber ist es wirklich bloß ein Wahnsinniger, den sie jagt? Oder ist sie einer gefährlichen Verschwörung auf der Spur? Und was für ein Spiel bei all dem spielt ihr Dämon?


Bewertung:

Seit Caroline Brinkmanns Dystopie-Debüt um "Die Perfekten" und "Die Vereinten" verfolge ich gespannt den Werdegang der Autorin. Dementsprechend gespannt habe ich auch den Erscheinungstermin ihres neuen Urban Fantasy Romans erwartet, der letzte Woche im dtv Verlag erschienen ist. Obwohl ich eigentlich gerade mit zwei Hausarbeiten beschäftigt bin, habe ich "Die Clans von Tokito" in eineinhalb Tagen heruntergelesen und bin ganz verliebt in diese kunterbunte, einfallsreiche und hochspannende Geschichte!

Erin: "Du bist ein Krieger in der Nacht. Eine Tänzerin der Schatten. Eine Faust der Rache."
"Nein. Ich bin Erin. Erin Rider."
"Was bist du schon ohne mich? Bloß ein aufmüpfiges Waisenkind."
"Was bist du ohne mich?", fragte ich in die Nacht, die mich umgab. "Bloß eine aufmüpfige Tonscheibe."
Ein Punkt für das Waisenkind."

Schon die Gestaltung ist ein Volltreffer! Im Mittelpunkt des Covers steht eine Gestalt in Jeans, weißem Top und einem wallenden Umgang, der sich zu ihren Füßen zu schwarzen Schwaden verdichtet. Die roten, kurzen Haare und die weißen Handbandagen entlarven sie als die Hauptprotagonistin Erin Rider und die hinter ihr aufsteigenden Motive erlauben einen Einblick in Brinkmanns fantastisches Tokio. Die Lotusblüte und der Tiger verkörpern den Untertitel und mit dem Rabe wird ein weiterer der sieben herrschenden Clans dargestellt, welche auf der Innenseite der Buchdeckel nochmals alle auftauchen. Weitere schöne Details sind der fliegende Methanwal und die dunklen Wolkenkratzersilhouetten irgendwo auf dem Kontinuum zwischen modern und traditionell. Auch innerhalb der Geschichte ist die Gestaltung ein wahrer Hingucker. Die einzelnen Kapitel beginnen jeweils mit dem besonderen Symbol des erzählenden Charakters - für Erin ein Widderschädel mit Blumenkrone, für Kiran ein Schweinswal inmitten von Blumen und für Ryanne ein Mädchen mit aufwändiger Blumenfrisur und Schmetterlingsmaske -, sowie deren Motto und enden mit einem der Clansymbole. Hilfreich beim Behalten des Überblicks ist außerdem die Clanübersicht am Ende des Buches.  

Erster Satz: "Es war der Moment, auf den ich gewartet hatte."

Ein Mädchen, das auf dem Dach eines Hochhauses Anlauf nimmt, um den Bauch eines fliegenden Wals zu berühren - so steigen wir in diese besondere Geschichte ein und werden sofort von der schillernden Fremdartigkeit der dargestellten Welt mitgerissen. Statt der ewigen Ausflüge in die typischen Großstadtsettings von New York, London oder Paris, nimmt Caroline Brinkmann uns hier mit in ein magisches Tokio, das nicht nur einen leichten Animé-Touch hat, sondern auch einen klaren Einfluss der japanischen Kultur mit sich bringt. In "Die Clans von Tokito" stecken so viele spannende und einfallsreiche Details, dass man sich einfach in die Geschichte verlieben muss. 
Neben Elementen des historischen Japans treffen wir hier auf fliegende Methanwale, die den Smog über der Metropole filtern, müllfressende Moji-Quallen, helle und dunkle Spirits und schillernde Angehöriger der sieben Clans, die Tokio beherrschen. Arbeitet man weder für die Unterhaltungsbranche des Lotusclans, die Bibliotheken und Labore des Federclans, die Hospitale der weißen Hand, noch für die Färbereien der Amphibien oder die Handwerksbetriebe des Affenclans und gehört auch nicht zu den Streunern, die im Untergrund leben, ist man clanlos und vogelfrei für Organjäger oder schlimmere Gestalten auf den gefährlichen Straßen Tokios. 

Erin: "Von nun an bist du mehr als bloß ein Straßenmädchen. Du wirst der Inbegriff von Rache. Zusammen gehen wir in die Geschichte ein."
Ich spürte seine Kraft. Sie durchflutete meinen Körper wie ein Aufputschmittel und riss die Schmerzen mit sich. Ich fühlte mich mächtig, unverwundbar.
"Berauschend. Nicht wahr?", säuselte der Schatten.
Das war es. 
Und beängstigend."

Auch das kämpferische Waisenmädchen Erin Rider macht bald die Bekanntschaft von Organjägern, als sie nach einem Vorfall ihre Anstellung beim Lotusclan verliert (schon wieder) und daraufhin clanlos ist (schon wieder). In der einen Minute macht sie sich noch Sorgen, wie sie ihren erneuten Rauswurf ihrem Kindheitsfreund und großer Liebe Mikko erklären soll, der eine Festanstellung beim Federclan, Geduld und Besonnenheit besitzt (also alles, was Erin nicht von sich behaupten kann), da wird sie schon hinterrücks verschleppt. Kurz bevor sie jedoch auf den Seziertischen der Verbrecher das Zeitliche segnet, geht sie einen gefährlichen Deal mit einem in einer Tonscheibe gefangenen Spirit ein, der sich selbst der Distelkönig nennt und dessen spritzige Dialoge mit Erin der Geschichte eine humorvolle Note verleiht. Warum es vielleicht besser gewesen wäre, ihn weiterhin in der Tonscheibe eingesperrt zu lassen, wird ihr erst klar, als sie erfährt, dass sie die neu gewonnenen Kräfte wahrscheinlich ihre Seele kosten werden... 

Ryanne: "Glaubt ihr, dass es ein Leben nach dem Tod gibt?", hatte ich mal gefragt. Und ich wusste noch genau, was Mikko geantwortet hatte. "Ja. Ein Land, in dem wir niemals hungern müssen. Ein Land, in dem wir frei sind und auf Methanwalen reiten. Da treffen wir uns dann."

Die schöne Ryanne, die als zweite Erzählerin von ihren Erlebnissen erzählt, hat ganz andere Probleme: Als Schmetterling in der Ausbildung hat sie die wertvolle Chance, in die oberste Riege des Lotusclans aufzusteigen und zu einer der tödlichsten Kriegerinnen des Landes zu werden. Damit könnte sie endlich ihrer Mutter, die sie als Kind im Waisenhaus abgesetzt hat, beweisen, dass sie es doch zu etwas gebracht hat und dass sie es wert ist, geliebt zu werden und endlich so stark sein, wie ihre Freundin Erin. Bevor sie jedoch ihre Tätowierung erhält und den blauen Seidenkimono offiziell tragen darf, muss sie noch eine Prüfung bestehen, die sie alles kosten könnte und sie ausgerechnet zu ihrer aller größten Angst führt...

Kiran: "Ja, es gibt böse Menschen, aber es gibt auch gute. Menschen, die uns ihre Liebe schenken", sagte ich. "Sie sind das Licht, für das es sich zu kämpfen und zu leben lohnt."

Während Erin und Ryanne, sowie deren Freund Mikko, Waisenkinder sind und sich den größten Teil ihres Lebens auf der Straße durchgeschlagen haben, gibt uns der dritte Ich-Erzähler Einblick in die Welt des Phari-Ordens und seines beschützten Lebens an der Seite seines Meisters im Tempel, der von den Kraft der Spirits gelenkt die Sicherheit der Stadt gewährleisten soll. Kiran ist jedoch kein gewöhnlicher Novize, denn ihn zieren die Male der Triade, die ihn täglich daran erinnern, dass seine eigenen Eltern versucht haben, ihn zu ermorden, nachdem sie von seiner Verbindung mit einem Spirit erfahren haben, welcher ihm zwar besondere Kräfte verleiht, ansonsten aber ungewöhnlich auf Abstand bleibt. Ihn fand ich ebenfalls sehr spannend, insgesamt blieben er und seine Beziehung zu seiner Novizenkonkurrentin Clea mir aber ein bisschen zu blass. Als er hört, dass es eine neue dämonbesessene Umbra in Tokio gibt, sieht er seine Möglichkeit, sich endlich zu beweisen und seine Phari-Fähigkeiten zu finden...

Erin: "Du hast Glück, dass Folterkeller immer so schön düster sind", kicherte der Distelkönig. Die Nacht war unser Revier. Die Dunkelheit unser Schild. Ich war nicht allein, nein, an meiner Seite waren Kreaturen, die über den Stein flitzten, sich aus den Ecken schälten, aus dem Boden quollen und das flackernde, vergilbte Licht der Lampen gierig verschlangen."

Jeder weitere Kommentar zur Handlung wäre ein zu großer Spoiler. Kurz gefasst haben also alle drei Protagonisten ihre eigenen Probleme, sodass eine blutige Mordserie, eine geheime Sekte und dunkle Geheimnisse, die die Stadt neuerdings erschüttern, für die drei äußerst ungelegen kommen. Für uns Leser sind die komplexen Intrigen jedoch eine wundervolle Ergänzung zu den starken Helden und der bunten Welt und versehen die Handlung mit einem unschlagbaren Spannungsbogen. 
Dass die impulsive, starke und manchmal etwas plumpe Erin mit dem fehlenden Talent für durchdachte Pläne und Flirts mein absolutes Highlight der Geschichte war, sieht man denke ich auch an der leichten (ähm, hust, hust) Bevorzugung bei der Auswahl an Ziaten. Liebesgeschichten enthält "Die Clans von Tokito" zwar auch, diese bleiben jedoch eher leise im Hintergrund und dienen nur zur Unterstützung der Handlung und zur weiteren Charakterisierung der Protagonisten und werden nicht im Entstehen beobachtet. Das ist jedoch überhaupt kein Problem. Wir Leser haben nämlich schon alle Hände voll zu tun, den Überblick über alle Handlungsfäden zu behalten und das komplexe Bild zusammenzusetzen, das sich zwischen explodierenden Luftschiffen, Grubenkämpfe im Untergrund und rätselhaften Prophezeiungen Schritt für Schritt abbildet. 

Erin: "Ich bin ein Monster..."
"Ja", sagte Mikko. "Aber du bist mein Monster." Er drückte seine Lippen auf meine. Mit einem Schlag war alle Kälte verschwunden und eine andere Kraft durchfloss mich. Liebe. 
"Egal was passiert, Moji. Wir schaffen das. Zusammen."
Er wischte das Blut von meinen Händen und es war keine Furcht in seinem Blick. Es mochte keine Gerechtigkeit ohne Rache geben, aber Liebe, die gab es. Bedingungslos."

Denn einmal angelaufen scheint die Handlung schier loszurennen, als könne sie es gar nicht mehr erwarten, endlich bei einem glücklicheren Zustand angelangt zu sein. Zu diesem Eindruck trägt auch der sehr lebhafte Schreibstil der Autorin seinen Teil bei. Wie bei vielen Jugendbüchern ist er recht schlicht gehalten, schafft es jedoch immer auf erstaunliche Art, Szenen zu raffen und immer wieder um 180 Grad zu drehen, sodass man sich nie zurücklehnen kann und es nie langweilig wird. Ganz besonders schätze ich die Art und Weise, wie Caroline Brinkmann es immer wieder schafft, mit ein paar Worten genau das auszudrücken, was man schon immer gedacht hat, es aber nie passend artikulieren konnte. So bin ich über eine krasse Vielzahl an zitierungswürdigen Passagen gestoßen, wie ihr vielleicht auch an der mit Zitaten überschwemmten Rezension erkennen könnt ;-) Ein großer Pluspunkt ist außerdem, dass das Setting von ständiger Dynamik und Weiterentwicklung lebt und nicht nach einer kurzen Aufbauphase als statische Kulisse für viel Handlung genutzt wird. Wie all die Fäden ihrer Handlung zusammenhängen, offenbart Caroline Brinkmann erst nach einem wilden, strapaziösen Showdown, der es ganz schön in sich hat und gemeinsam mit dem recht offenen und für eine Fortsetzung wie geschaffenen Ende nochmals unterstreicht, dass "Die Clans von Tokito" einer der besten deutschen Jugendfantasy-Romanen seit einer langen Weile ist!

Erin: "Für immer, Moji."
Hitze durchströmte mich. Heißer als die Sonne. Er war mein Licht. Meine Superkraft, die weder die Prinzessin noch der Tigerfürst hatten. Liebe. Sie sprengte die Ketten der Dunkelheit, die der Distelkönig um mich gewoben ha
tte.
"Deine Seele", forderte der Dämon.
"Nein", sagte ich mit fester Stimme. "Meine Seele gehört mir.
"



Fazit:

Dunkle Geheimnisse, komplexe Intrigen, drei starke Helden, sechs Clans und eine kunterbunte, gefährliche Stadt - Caroline Brinkmann erzählt in "Die Clans von Tokito" eine kunterbunte, einfallsreiche und hochspannende Geschichte, die ich allen Fans von Fantasy-Abenteuern nur wärmstens empfehlen kann!


PS: Zum Abschluss habe ich noch drei weitere tolle Erin-Zitate für Euch, die leider nirgendwo mehr hingepasst haben, die ich Euch aber trotzdem nicht vorenthalten wollte:

Erin: "Wenn du ein Monster wirst, um Monster zu töten, bist du trotzdem ein Monster."

Erin: "Es war ein Mysterium, wohin die Wale bei Regen oder Sturm verschwanden, ebenso wie es Mysterium war, wie diese gigantischen Kreaturen überhaupt existieren konnten. Mikko nannte sie "die unmöglichen Bewohner des Himmels". Es war vermutlich genau das, was mich immer wieder zu ihnen hinzog. Die Hoffnung, dass das Unmögliche möglich war."

Erin: "Ich hoffe, du hast keine Angst vor der Dunkelheit, Rider."
"Nein", entgegnete ich entschlossen. "Ich bin die Dunkelheit."

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*unbezahlte WERBUNG* 
Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar, was meine ehrliche Meinung jedoch nicht beeinflusst hat. 
Quelle der Informationen: Amazon.de. Die Zitate, sowie die Inhaltsbeschreibungen und Klappentexte sind Eigentum des jeweiligen Verlages bzw. Schriftstellers oder anderweitigen Rechteinhabers.
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