Freitag, 25. August 2017

Jenseits


Allgemeines:
 
Titel: Jenseits
Autor: Maike Ruppelt
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (9. März 2017)
Genre: Fantasy
ISBN-10: 1544117949
ISBN-13: 978-1544117942
ASIN: B06XT2HWXY
Preis: 4,99€ (Kindle-Edition)
10,99€ (Taschenbuch)
Seitenzahl: 290 Seiten
 
 
 
Inhalt:
 
Auf der Spur des Todes...
 
Lena ist noch ein kleines Kind, als sie zum ersten Mal einem Geist begegnet, und sie kommt nur knapp mit dem Leben davon. Die schrecklichen Erinnerungen verfolgen sie jahrelang, bis sie mit ihrem Vater auf einen anderen Kontinent reist und sich fortan in Sicherheit wähnt. Dabei ahnt sie nicht, dass die Folgen der unheimlichen Begegnung sie erst jetzt langsam einzuholen beginnen.
Auf der Suche nach Antworten kommen Lena und ihre Verbündeten den Mysterien zwischen Leben und Tod gefährlich nah, die sie bis an die Grenzen unserer Welt führen - und darüber hinaus...
 
 
 
Bewertung:
 
DISCLAIMER: Vielen Dank an die liebe Maike Ruppelt, dass ich nach ihren Science-Fiction-Büchern "Trümmerwelt", "Verschollen und "Universum" auch noch dieses Buch lesen durfte! Ich bin mittlerweile ein richtiger Fan dieser Autorin geworden und warte mit Spannung auf weitere Bücher!
 
Nachdem ich die Cassie-Trilogie wirklich geliebt habe, hat mich Maike Ruppelt nun auch in einem ganz anderen Genre positiv überrascht. Anstatt mit spannenden Weltraumschlachten werden wir hier von übernatürlichen Wesen unterhalten - Geister in den verschiedensten Daseinsformen, die für immer gefangen in einer Schattenwelt zwischen der unsrigen und einer anderen hier ihr Unwesen treiben. Mit einer Mischung aus spannender Geisterstory, gefühlvoller Coming-out-of-Age-Geschichte und philosophischen Jenseits-Gedanken jagt uns dieses Buch ein ums andere Mal eine Gänsehaut den Rücken hinunter und fesselt den Leser, sodass er das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Ich bin mal wieder begeistert!
 
Das Cover zeigt das Hauptmotiv der Geschichte - den verlassenen Eisenbahntunnel, der Lena zuerst als Rückzugsort diente, dann als Ort des Schreckens, nachdem sie dort ihre erste Begegnung mit einem Geist hinter sich hatte und später noch mehr - ein Zuhause. Ohne jegliche weiteren Verzierungen sieht man ein Bild dieses Tunnels, umgeben von Hecken und Gras. Darunter in schwarz der Titel des Buches und der Name der Autorin. Schlicht aber passend. Auch der Titel ist gut gewählt.
 
Seit Lena als kleines Kind von solch einem übernatürlichen Wesen angegriffen und beinahe getötet wurde, fürchtete sie sich vor dieser verborgenen Welt und hat Angst, dass sich ein solches Ereignis wiederholen könnte - bis sie sich überraschend mit einem fremden Mädchen anfreundet, das mehr über diese geheimnisvolle zweite Welt weiß als jeder andere. Umgezogen ins fremde Kanada ist sie die einzige Freundin, die sie hat, doch statt ganz normale Dinge zu unternehmen, wie zum Beispiel ins Kino zu gehen, ist das seltsame Duo dazu gezwungen, sich auf der Suche nach dem Geist zu machen, den Lena vor so vielen Jahren in dem alten Eisenbahntunnel im Wald getroffen hat. Denn nach der übernatürlichen Begegnung breitet sich langsam eine Vergiftung in ihrem Körper aus, die nur dieselbe Magie wieder umkehren kann, die sie gestartet hat. Doch weshalb sind die Geister überhaupt noch da? Die Freunde machen sich auf den Weg und kommen den Geheimnissen des Todes auf die Spur. Verlieren wir geliebte Menschen für immer oder können wir sie vielleicht irgendwann noch einmal wiedersehen? Gemeinsam beginnen sie, nach einer Ursache für all die seltsamen Phänomene zu forschen, vor denen normale Menschen lieber die Augen verschließen, und finden Erschreckendes heraus. Das Jenseits scheint kein Ort zu sein, den wir nach dem Tod betreten, sondern ist in Wahrheit mitten unter uns...
 
Erster Satz: "Die Zeiger der Turmuhr an der alten Kirche rückten auf die Zwölf und im selben Moment beginnen ebenso viele lange, dunkle Gongschläge in der kalten Luft widerzuhallen."
 
 
Mit diesem Satz beginnt der Prolog des Buches, welcher wie auch viele Einschübe im Laufe der Geschichte kursiv gedruckt, in der Gegenwart verfasst ist und die erzählte Geschichte kommentieren. Durch Andeutungen wird klar, dass diese kurzen Abschnitte von einer älteren Version Lenas erzählt werden, welche unsere Geschichte in der Rückschau präsentiert. Durch diese Erzählweise bekommen wir zusätzliche Informationen untergeschoben, die die Spannung aufrechterhalten und mich dazu gebracht haben, angestrengt über den weiteren Verlauf der Geschichte nachzudenken. Vielen Andeutungen kann man entnehmen, was mit den Protagonisten wahrscheinlich noch passieren wird, ohne jedoch zu wissen, wie das gehen soll.
 
Die Hauptprotagonistin Lena ist sechzehn Jahre alt und führt kein leichtes Leben. Schon früh verlor sie ihre Mutter an einen Schlaganfall und musste zusehen, wie ihre Familie danach immer weiter auseinander brach. Zuerst verschwand ihr Bruder Benjamin spurlos und wurde nicht wieder gesehen, dann musste ihr jüngerer Bruder Tommi zu ihren Großeltern ziehen, da ihr Vater nicht genug Geld für zwei Kinder verdiente. So musste sie mit ihrem Vater alleine von Ort zu Ort ziehen, wo er die stark geschrumpfte Familie mit seinem Lohn als Fotograf durchschlug. Als sie dann für Dreharbeiten im Naturschutzgebiet Kanadas in ein kleines Städtchen am Ende der Welt ziehen, muss Lena nicht nur eine neue Sprache lernen, sondern auch mal wieder neue Freunde finden. Dass sie sich gleich am ersten Tag mit der Außenseiterin Marica anfreundet, der ein geisterhafter Ruf anhaftet, macht es ihr nicht leichter, sich einzufinden. Doch diese und auch weitere Krisen besteht sie selbstbewusst und stark, wofür ich sie als Charakter sehr bewundert habe. Wir bekommen die Geschichte aus ihrer Perspektive erzählt und erfahren so auch viel von ihren Gefühlen. Sympathisch macht sie auch, die Unsicherheit, mit der sie der ganzen übernatürlichen Welt begegnet, in die sie hineingezogen wird. Trotzdem würde sie alles tun für ihre Freunde und scheut keine gefährlichen Situationen um ihnen zu helfen.
 
 
"Das blaue Kleid hing zerfetzt über einer ausgemergelten, knochigen Gestalt mit eingefallenen Wangen und grauen Lippen. Aber das Schlimmste war der Blick, mit dem sie mir hinterher sah, nicht aus blauen Augen, sondern auch leeren Höhlen, wie ein grauenvoller Geist... Und mit einem Mal begriff ich, dass dieses Wesen genau das sein musste - ein Geist, ein Monster wie aus den alten Geschichten, mit denen die Erwachsenen kleinen Kindern wie mir Angst machen wollten, obwohl es sie eigentlich gar nicht gab. (...) Aber dort stand eins."
 
 
Neben ihr ist die fünfzehnjährige Marica (in Menschenjahren) die zweite Hauptperson. Was das junge Mädchen so besonders macht will ich noch nicht verraten, da diese Wendung ein wichtiger Bestandteil der Handlung ist, ich fand sie aber auch wirklich liebenswert.
 
Mein absoluter Liebling und Gewinner dieses Buches ist jedoch Fluffie, der kleine silberne Buchgeist mit den großen schwarzen Knopfaugen. Er liebt das Chaos, Bücher und quiekt unglaublich süß. Dass gerade er ein wichtiges Geheimnis birgt, ist fast nicht zu glauben...
 
Auch andere Protagonisten sind wieder super ausgearbeitet, mit nachvollziehbaren Motiven und authentischen Verhaltensweisen. Egal ob Mensch, Geist oder etwas dazwischen - alle sind stimmig und passen super zur Geschichte.
 
 
"Langsam atme ich ein und aus. Mein Herz schlägt schneller und mein Schaukelstuhl passt sich wie von selbst dem Rhythmus an. Meine Geschichte ist fast zu Ende. Irgendwo hinter mir im Raum höre ich ein lautes Knacken. Es klingt unheimlich, aber ich habe keine Angst. Es gibt keine Geister.
Nicht mehr."
 
 
Wie auch schon in den anderen Büchern bewiesen wurde, hat Maike Ruppelt einen wirklich tollen Stil zu schreiben. Sie trifft mit wenigen Mitteln immer den richtigen Ton um die gewünschte Emotion hervorzurufen und schafft es bis ins Detail genau zu beschreiben, ohne lange abzuschweifen. Traurige, nachdenkliche, spannende, romantische aber auch lustige Szenen erschafft sie authentisch und mitreißend. In klaren aber trotzdem recht verkünstelten Sätzen fasst sie direkt einen Zustand zusammen, sodass man schnell einen Überblick über das Geschehen erhält und schnell vorankommt. Trotz dass eigentlich viel passiert und die Handlung spannend ist, wirkt das Buch sehr ruhig und ausgeglichen und lässt sich flüssig lesen.

Weshalb ich aber einen Stern abgezogen habe sind die vielen kleinen Löcher in der Handlung, die mich irgendwie gestört haben. Das Buch ist mit gerade mal 270 Seiten für ein Fantasy Roman relativ knapp bemessen, worunter oft die Charaktere, die Spannung oder eben der Plot leiden. Immer wieder werden größere Zeiten übersprungen, ohne dass das irgendwie besonders gekennzeichnet ist, außerdem werden 16-jährige alleine auf einem anderen Kontinent gelassen, ein Kind nach vielen Jahren Trennung einfach so wieder bei sich aufgenommen, ohne dass irgendeine Befremdlichkeit zu spüren wäre oder Wandertouren auf die Gipfel der Rocky Mountains an einem einzigen Tag von Null auf Hundert unternommen - Sauerstoffgeräte hin oder her, das würde ein Kreislauf nicht mitmachen. Es kann sein, dass nur ich mich daran störe, denn natürlich ist es ein Fantasy Roman, aber auch Urban Fantasy muss meiner Meinung nach ein wenig realistisch sein.
 
Die Atmosphäre dieses Buches ist ein wenig traurig, nachdenklich, auf der anderen Seite aber auch energiegeladen und vor allem gegen Ende positiv. Obwohl es um das Thema "Tod" geht, dem die Charaktere auch oft begegnen, wird man nicht runtergezogen. Denn wie der Tod beschrieben wird, friedvoll, fair, erlösend, wunderschön, macht Hoffnung und nimmt die Angst vor dem Thema. Das finde ich sehr wichtig, da der Tod immer noch ein wenig als Tabu-Thema gilt und mit Schrecken erwartet wird, obwohl man nicht mit Sicherheit sagen kann, was danach passiert. Das "Danach", dass in "Jenseits" präsentiert wird, ist einfach wunderschön und macht Mut beim Lesen. Viele Autoren lassen ihre Bücher vor dem Jenseits enden, da sie sich nicht genau festlegen wollen, doch das umgeht Maike Ruppelt nicht und ich habe es geliebt!!!
 
 
"Das verstehe ich nicht", sagte er. "Was genau müsste ich dafür tun?" Und dann brach meine ganze Welt mit einem Schlag zusammen, als der Wächter mit den Lippen ein einzelnes Wort formte, das in meinem Kopf wiederhalte wie ein Schrei.
"Sterben."
 
 
Das Ende ist nicht gerade konventionell, aber passend und realistisch zur Handlung. Kein megamäßiges Happyend aber auch kein trauriges Ende. Genau richtig eben. Ich habe das Buch nach guter Unterhaltung mit einem positiven Gefühl weggelegt.
 
 
Fazit:
 
Ein ruhiges, wunderschönes Fantasy-Buch, das mich zwar manchmal ein wenig verwirrt, aber alles in allem sehr gut unterhalten hat.
 

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