Dienstag, 22. August 2017

Tödliche Sequenz

 
Allgemeines:
 
Titel: Tödliche Sequenz
Autor: Alex Bensson
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (6. Mai 2017)
Genre: Thriller
ISBN-10: 1546471464
ISBN-13: 978-1546471462
ASIN: B071L168BD
Seitenzahl: 300 Seiten
Preis: 2,99€ (Kindle-Edition)
9,99€ (Taschenbuch)
Weitere Bände: Viren schlafen nicht
 
 
 
Inhalt:
 
Radioaktives Polonium verschwindet – eine mysteriöse Leiche taucht auf. Der britische Geheimdienst beauftragt den jungen Lord Lucius Bromley, den rätselhaften Ereignissen nachzugehen. Doch Lucius kann nicht verhindern, dass nach und nach alle Zeugen ermordet werden. Als auch noch falsche Verdächtigungen aufkommen, wird er über Nacht vom Jäger zum Gejagten. Mit dem Geheimdienst und einem aggressiven Unbekannten im Nacken bleibt ihm keine andere Wahl, als auf eigene Faust weiter zu ermitteln. Unterstützt von seinem Team und der Ärztin und Biologin Claire Hansen folgt er der Spur des äußerst giftigen, strahlenden Metalls. Schnell stellt sich heraus, dass das Polonium nur der Anfang ist und dahinter die wirkliche Katastrophe lauert. Aber die Zeit wird knapp, denn die Schlinge um Lucius zieht sich rasend schnell zu. Und ein harmloser Auftrag verwandelt sich so in einen tödlichen Kampf mit einem genialen, übermächtigen Gegner.
 
 
 
Bewertung:
 
DISCLAIMER: Vielen vielen Dank an Alex Bensson, der uns auch den zweiten Teil seiner "Lord-Bromley-Thriller" - Reihe zu Verfügung gestellt hat!!!
 
Nachdem Lord Lucius Bromley und sein Team im ersten Band die Welt vor einem mysteriösen, bisher unbekannten Virus gerettet und Milliarden vor dem Tod bewahrt haben, müssen sie jetzt wieder ran, als eine geheimnisvolle Organisation gezielte Morde durch biologische Waffen vornimmt. Ihr zweiter Auftrag beginnt ganz überschaubar, wächst sich jedoch schon bald zu einer großen Bedrohung aus. Als die Innenarchitektin Melinda Shelby tot in ihrer Wohnung aufgefunden wird, steht die Polizei vor einem Rätsel, denn unweit von ihr bemerken sie ein fluoreszierendes Metallstück in einer Blutlache. Ihnen bleibt jedoch keine Zeit zu ermitteln, denn unerwarteter Weise entsteht ein Brandt, der nicht nur sämtliche Beweise vernichtet, sondern auch Zeugen. Kurz darauf geschehen weitere Morde, eine große Menge radioaktiven Poloniums wird gestohlen und Jane Stoneheart, die Leiterin einer Abteilung des MI6, gerät unter den Verdacht des Mordes und illegal mit Polonium zu handeln. Lucius Bromley und sein Team beginnen inoffiziell zu ermitteln und gelangen alsbald selbst in Verdacht. Ihre Probleme häufen sich, als ihnen nicht nur der britische Geheimdienst, sondern auch eine unbekannte und skrupellose Organisation dicht auf den Fersen ist. Als sie jedoch herausfinden, dass die Fäden in Frankreich zusammenlaufen, scheint es beinahe zu spät zu sein…
 
 
Erster Satz: "Der Konvoi fuhr langsam die nächtliche Straße entlang."
 

 
So beginnt wieder eine nervenaufreibende und wilde Jagd über verschiedene Schauplätze, die uns durch die Sicht von verschiedenen Charakteren näher gebracht wird. Der schnelle, sprunghafte Stil, uns Leser im Höchsttempo durch die ganze Welt zu den verschiedensten Personen in den unterschiedlichsten Situationen zu jagen und dabei eigentlich mehr Verwirrung zu stiften, als Klarheit zu schaffen, welcher im ersten Teil schon so geschickt eingesetzt wurde, wird auch hier beibehalten. Die Geschichte ist nicht in Kapitel unterteilt, stattdessen dienen die einzelnen Tage zur Orientierung und Gliederung. Rechts oben zu jedem Abschnittsanfang steht immer der Ort, Tag und Ortszeit angegeben um dem Leser etwas Orientierung zu ermöglichen. Alex Bensson schafft es so, die allgemeine Situation aus den abgefahrensten Sichtweisen zu erzählen, sodass ein allübergreifender Überblick geschaffen wird und man gleichzeitig trotzdem nicht schlauer wird. Der Schreibstil an sich ist wieder erfrischend schlicht aber trotzdem präzise und sachlich. An den richtigen Stellen wird beschrieben und erklärt, ansonsten sind unnötige Schnörkel zugunsten des Lesetempos weggelassen worden.
 
Geradezu meisterhaft versteht der Autor es, die vielen verschiedenen Namen und Charakter sofort in den ersten Sätzen mit einer Situation, Eigenschaften, Gefühlen oder Zielen so geschickt zu verknüpfen, dass man sie alle als eigenständige Charakter in Erinnerung hat und nicht durcheinanderbringt. Es ist wirklich unglaublich, wie es der Autor schafft in wenigen Sätzen oder Seiten einen komplexen Charakter zu schaffen mit einer Geschichte, Gefühlen, Ängsten, Hoffnungen, Vergangenheit, Familie, Freunden und andere kleinen Details, die sie einzigartig machen. Viel Zeit wird dem Leser nicht gelassen, sich mit neuen Personen auseinander zu setzen, doch seltsamer Weise reicht der gegebene Platz immer genau aus, um sich mit einer Person ausreichend zu befassen - gerade so viel, dass es für dessen Teil in der Handlung genügt. 
 
 
"Niemand kommt auf die Idee, dass die Erregungsleitung des Herzens gezielt sabotiert wurde. Und selbst wenn man darauf käme, dass der Ausfall der Erregungsleitung am Herzen die Todesursache ist, wird keiner merken, dass unnatürlich viele Killerzellen im Herzmuskel des Toten zu finden sind. Alle werden denken, dass es sich um einen unvermeidbaren plötzlichen Herztod gehandelt hätte."
 
"Das ist dann...", begann Lucius.
"...der perfekte Mord", beendete Claire seinen Satz. Alle sahen sich an, keiner sagte etwas.
"Der perfekte Mord mit einer tödlichen Sequenz", präzisierte Claire.
 
 
Der Fokus liegt hier aber vor allem auf den Ermittlungsarbeiten des Bromley-Teams und springt viel weniger als im ersten Teil zu verschiedenen weiteren Nebenpersonen. Das erleichtert den Überblick beim Lesen, mir hat aber ein kleines bisschen das verzweifelte Verbindungs-Suchen gefehlt, dass mich immer bei den ganzen verschiedenen Mini-Szenen angetrieben hat. Natürlich ist das Buch trotzdem unglaublich spannend und man rätselt fieberhaft mit, wie die verschiedenen Handlungsstränge - die Ermittlungsarbeit von Lucius‘ Team, die Morde an ausgewählten Opfern, die äußerst merkwürdige und dramatische Rettung einer krebskranken Frau durch eine unbekannte Organisation und schlussendlich der Poloniumdiebstahl - logisch zusammenhängen können. Zusammen mit den Ermittlern geht man wieder auf die abenteuerliche Reise auf der Suche nach der Wahrheit und bereist dabei die ganze Welt. Trotz dass man viele zusätzliche Informationen erhält, die sie nicht wissen, geht einem immer in genau den richtigen Momenten ein Lichtlein auf - nicht zu früh, sodass es einem langweilig wird, auch nicht zu spät, sodass man nicht mehr mitkommt. Man darf mitdenken, mit fiebern und mit verstehen. Die vielen kleinen "Aha-Momente", in denen mein Atem kurz stockte und ich nicht glauben konnte, was mir gerade eingefallen war, haben das Buch für mich zu etwas ganz besonderem gemacht.
 
Wieder fällt die Grundproblematik in die Sparte Angriff durch biologische Waffen. Dieses Mal wird nicht ein Virus zum Töten verwendet, sondern Killerzellen, die mit der eigenen DNA bestückt werden und das Opfer systematisch und unauffällig beseitigen. Wieder ist die junge Gynäkologin Claire Hansen aus Deutschland mit am Start, was mich sehr gefreut hat, und hilft uns Laien mit einfachen Erklärungen zu wissenschaftlichen Vorgängen aus. Die hübsche Frau mit den roten Haaren ist eine ehemalige Schülerin von Professor Löwenstein, welcher sie viel über Genetik gelehrt hat und wurde als solche im ersten Teil vom MI6 angeheuert, dem Ermittlungsteam unter die Arme zu greifen. Da die Ermittler selbst keine Ahnung von Molekularbiologie haben, erklärt Claire ihnen -und somit auch uns- alles ganz langsam und absolut gut zu verstehen, sodass man immer gut mitkommt, auch wenn ein kleines bisschen Grundwissen schon nötig ist um überhaupt etwas zu verstehen. Man merkt, dass der Verfasser absolut vom Fach ist, denn die vielen Informationen, mit denen das Buch gespickt ist, sind nachvollziehbar, auf hohem Niveau und korrekt. So kann man noch das ein oder andere lernen.
 
 
"Claire schaute auf den Bildschirm, auf dem sich die Buchstaben aneinanderreihten. A, C, G und T, nichts anderes und trotzdem eine einzigartige Kombination. "3,2 Milliarden Baden", sagte sie leise. "Ich hoffe nur, dass sie mir ihr Geheimnis schnell verraten."
 
 
Die Charaktere aus dem ersten Teil werden hier noch mal ein bisschen vertieft, auch wenn sie auch hier nicht im Rampenlicht stehen und eher ein Mittel zum Zweck sind - die Darstellung der Handlung. Claire ist immer noch mein Lieblingscharakter, doch auch Lucius (Lucius Arthur Brandon Nevis-Mayfield, Lord Bromley) wurde mir immer sympathischer. Er ist eigentlich der perfekte Agent: intelligent, gutaussehend, aufmerksam, charismatisch, reich und mit vielen guten Beziehungen in die ganze Welt. ZU perfekt, habe ich im ersten Teil gedacht und ihn als etwas oberflächlich abgestempelt. Hier bekommen wir noch einen genaueren Einblick hinter seine Fassade, was mir sehr gut gefallen hat.

Die anderen Mitglieder seines Teams kamen hier ein wenig kurz, deshalb werden ich sie nur schnell nennen. Alexej, der verlässliche Computerspezialist, der sich überall hineinhacken kann aber schon beim geringsten Tropfen Blut kollabiert und allgemeingesagt leicht freakig wirkt; die wunderschöne aber vollkommen nicht eitle Uriela, die eine erfolgreiche Karriere als Kunstdiebin hinter sich hat; der etwas barsche aber immer topfitte Superagent Michael; sein sympathischer Bruder Raphael, der seit dem letzten Einsatz mit einer Einschränkung zu kämpfen hat und zuletzt -der älteste im Team- Gabriel, der eigentlich alles kann, von Hubschrauber fliegen, über Taschendiebstal bis zu dem Einsatz von Trojanern. Alle haben sie etwas Besonderes an sich, sodass man sie einfach mag. Schön ist, dass sich alle weiter entwickeln, mit ihren Problemen zu kämpfen haben und sich außerdem eine Romanze anbahnt.

Neben ihnen lernen wir noch Lyn kennen, die geheimnisvolle Power-Frau aus Lucius´ Vergangenheit und natürlich die Schlüsselperson hinter all den mörderischen Fäden - dieses Mal eine Frau. Eine Dame mit einer Geschichte und einer Vision, die es ganz schön in sich hat.

 
"Glauben Sie mir, ich weiß alles, wirklich alles, über Sie." Claire trat der Schweiß auf die Stirn. "Ich werde die Königin genannt", fuhr die Frau fort. "Sie hingegen sind ein Niemand. Und in einem Augenblick sind Sie tot."
 
 
Die Auflösung des Ganzen ist dann schlüssig, erschreckend und wirft moralische Grundfragen auf, wirkt aber für die ganze aufgebauschte Geschichte und gegenüber dem Weltuntergangs-Szenario des ersten Teiles recht schlicht. Das ist absolut keine Kritik - es muss nicht immer opulent sein -, sondern musste einfach erwähnt werden. Insgesamt will ich diesen Thriller nur ungern mit dem Vorgänger vergleichen, weil er dann eher schlecht abschneiden würde, - weniger episch, weniger dramatisch, weniger global - doch mich hat dieser Teil mal wieder mitgerissen und begeistert.

 
Abschließend noch einige Worte zur Gestaltung. Das Cover dieses zweiten Teiles passt sehr gut zu seinem Vorgänger. Der Hintergrund ist wieder dunkel, bloß die blau leuchtende DNA-Doppel-Helix durchbricht das Einheitsschwarz im Zentrum. Der Titel ist in derselben Farbe wie das biologische Motiv gehalten und das "I" wird von einem weiteren DNA-Strang gebildet. Von Aufbau und Farbverteilung sieht man also sofort, dass die Bücher zusammengehören. Denn auch wenn man beide Thriller eindeutig getrennt voneinander lesen kann, würde ich empfehlen mit dem ersten Teil zu beginnen. Erstens, weil einem sonst eine wirklich geniale Story entgehen würde, und zweitens weil sonst die Einführung der Charaktere ein wenig spärlich ausfallen würde. Auch zwischen den Kapiteln findet sich das DNA-Motiv wieder, was perfekt passt und sehr hübsch aussieht. Positiv zu vermelden sind außerdem die auffallend wenigen Rechtschreibfehler. Ich habe keinen gefunden ;-)


Jetzt freue ich mich auf jeden Fall sehr auf den nächsten Lord Bromley Thriller und bin sehr gespannt, was dieser für uns bereithalten wird.


Fazit:

Eine gut durchdachte Story, eine mitreißende Hetzjagd durch ganz Europa, ein spannender Showdown, super Charaktere und ein Hintergrund, der uns über die beängstigende Seite der aktuellsten Forschung nachdenken lässt. Alles in Allem also ein packender hochmoderner Thriller, den ich uneingeschränkt weiter empfehlen kann.
 

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