Sonntag, 22. Oktober 2017

Engelsflammen



Allgemeines:

Titel: Engelsflammen
Autor: Lauren Kate
Verlag: Heyne Verlag (10. Februar 2014)
Genre: Fantasy
ISBN-10: 3453314719
ISBN-13: 978-3453314719
ASIN: B0080KBKAG
Originaltitel: Passion
Seitenzahl:  432 Seiten
Preis: 7,99€ (Kindle-Edition)
8,99€ (Taschenbuch)
14,99€ (Gebundene Ausgabe)
Weitere Bände: "Engelsnacht", "Engelsmorgen", "Engelslicht"



Inhalt:

Luce würde für Daniel sterben. Und sie hat es getan, wieder und wieder: Seit einer Ewigkeit finden die beiden einander, nur um sich immer aufs Neue zu verlieren. Luce ist sich sicher, dass irgendwo in ihrer Vergangenheit der Schlüssel liegt, dem ewigen Fluch zu entkommen, der auf ihr und Daniel lastet. Und so reist sie zurück in ihre früheren Leben, um den Weg aus der Verdammnis zu finden. Luces Freunde brechen auf, um Luce auf ihrer Reise in die Vergangenheit zu folgen. Doch keiner sucht sie so verzweifelt wie Daniel – voller Angst, Luce könnte die Geschichte neu schreiben. Dann nämlich könnte ihre große Liebe in Flammen aufgehen ... für immer.

Bewertung:

DISCLAIMER: Achtung! Diese Rezension enthält große Spoiler für all jene, die die Vorgänger "Engelsnacht"  und "Engelsmorgen" noch nicht gelesen haben! Solltest Du dazu gehören, rate ich Dir schleunigst mit dem Lesen dieser Rezension aufzuhören!

Nachdem "Engelsnacht" und "Engelsmorgen" sehr um meine Begeisterung kämpfen mussten und mich am Ende noch nicht ganz überzeugen konnten, flog mein Herz diesem hinreißenden dritten Teil geradewegs zu. Ich hatte nach den beiden doch sehr auf Urban Fantasy Art realistisch und alltäglich bleibenden ersten Teilen mit etwas ganz anderem gerechnet und wurde von einer wunderschönen, kunterbunten und quietschlebendigen Zeitreise-Mystik überrascht.

"Wir werden einander immer wiederfinden, einander immer lieben, ganz gleich, was geschieht", sagte Daniel. "Ich werde dich nie verlassen."
Luce verbarg das Gesicht in den Händen.
"Und wenn es keine Hoffnung gäbe, dass sich jemals etwas ändern wird?", fragte sie.
"Eines Tages wirst du es überleben." Er wischte mit dem Daumen ihre Tränen fort.
"Eines Tages wird unsere Liebe diesen dunklen Kreislauf besiegen. Das bedeutet mir alles."


Das Cover passt wieder perfekt in die Reihe, auch wenn ich es von den Vieren als das hässlichste beschreiben würde. Zwar ist wieder nicht das Gesicht des mystischen, schwarz gekleideten Mädchen gezeigt und auch durch die extremen Kontraste zwischen dem Dunklen Mädchen und Boden, die sich stark von dem helleren Himmel abheben, wird eine geheimnisvolle Atmosphäre geschaffen, doch der grau-violette Ton des Hintergrunds, gefällt mir nicht so gut. Er wirkt etwas künstlich, aufgesetzt und scheint zusammen mit der roten Rose nicht so recht in die dunklen, tristen Farben der Reihe zu passen. Schön fand ich aber, dass der Titel in meiner Taschenbuchausgabe hervorgehoben ist und in weichem Silber glänzt. Wieder werden zudem Kapitelanfang und Absatz durch zwei geschwungene Engelsflügel geziert. Neu ist, dass vor jedem Kapitel Ort und Zeit des Settings verraten wird, sodass man sich nicht in den verschiedenen Handlungsorten und Jahrhunderten, in denen das Buch herumspringt, verirrt. Insgesamt also wieder eine stimmige Mischung.

Erste Sätze: "Ein Schuss krachte. Mit einem einzigen Knall öffnete sich die breite Front der Startboxen. Das Stampfen der Pferdehufe hallte über die Rennbahn wie fernes Donnergrollen."


Mit einem eher ruhigen Prolog über die verschollene Miss Sophia steigen wir in diese Geschichte ein, ohne dass später nochmal auf diesen vorangestellten Erzählhappen zurückgegriffen wird, dafür bekommen die Hintergründe für den Prolog des ersten Bandes geliefert. Und in dieser Manier geht es weiter. Es scheint als wolle dieser Band hinter den anderen beiden aufräumen, mitnehmen was an Antworten, Originalität und Spannung liegen geblieben ist und den lahmen Start in die Reihe wieder wett machen.

Nachdem ich Band 2 für die fehlende Dynamik der Handlung und das recht langweilige Setting kritisiert habe, bietet dieser Teil das genaue Gegenteil: eine spannende Zeitreise, auf der wir endlich Antworten finden über Luce und Daniels große Liebe. Denn was macht diese Liebe aus? Was verbindet sie, abgesehen von ihrer gemeinsamen Vergangenheit, von der Luce aber nichts weiß, miteinander? Würde sie ihn auch lieben, wenn es diese früheren Leben nicht gäbe? Luce hält diese Unwissenheit nicht mehr aus und reist kurzerhand durch einen Verkünder in ihre gemeinsame Vergangenheit, besucht sich selbst in ihren eigenen vergangenen Leben und versucht so herauszufinden, was es mit dem Fluch auf sich hat und wie man ihn vielleicht doch brechen kann. Ihre Freunde reisen ihr verzweifelt nach, denn die Vergangenheit hat so manche Tücken und auch Daniel sucht verzweifelt nach ihr. Während er zu verhindern versucht, dass Luce die Vergangenheit verändert und ihr gegenwärtiges Ich dabei womöglich auslöscht, treten noch andere Mächte auf den Plan, die mitmischen wollen und denen Luce und Daniels Liebe egal ist. Als alles auf dem Spiel steht, erwartet Luce die Entscheidung ihres Lebens...


"Du könntest ein Buch mit all den Dingen füllen, die du nicht weißt, Mädchen."


Es hat mir wirklich außerordentlich gut gefallen, mit Luce auf die Reise durch ihre Vergangenheit zu  gehen, die aus vielen kleinen Schnipsel besteht, die alle sehr schön und historisch wirklich gut dargestellt sind. Von Moskau während des zweiten Weltkrieges über das Viktorianische Zeitalter, Frankreich im Rokoko, William Shakespeare in London, die alten Mayas bis hin ins alte Ägypten und noch viel weiter zurück führt sie ihre Reise. All diese Schauplätze werden mit höchster Sorgfalt geschildet und als Kulisse für das immer gleiche Schauspiel lebendig gemacht, Luces spektakulärer Tod durch das Zusammentreffen mit Daniel. Beobachtet Luce diese Szenen zu Anfang nur aus der Ferne, so lernt sie später sogar - mittels "3D" - in ihre früheren Ichs hineinzuschlüpfen und wie sie zu denken und zu fühlen.

Trotz dass jedes Mal grundsätzlich dasselbe passiert, bleibt Luces Suche hochspannend, da sie mit jedem Leben und jedem Tod der Wahrheit ein Stückchen näher kommt. Sie erfährt etwas über ihre vergangenen leben, über Daniels Bürde, seinen Schmerz, ihre vergangenen Ichs, die alle sind sehr unterschiedlich sind, obwohl sie immer die selbe Seele haben und schlussendlich auch über sich selbst, wie sie ist und fühlt. Durch diese Erkenntnisse gewinnt Luce an Stärke und wächst dem Leser mehr und mehr ans Herz, sodass man richtig mit ihr mit fiebert.

"So nah war sie einem Gefühl der Klarheit noch nie gekommen. Sie würde ihre Leben bis zum Ende verfolgen, eins nach dem anderen, bis sie in einem dieser Leben den genauen Grund herausfand, warum es geschah. Und dann würde sie diesen Fluch brechen!"


Die wenigen langatmigen Stellen, die durch die ständigen Wiederholungen des Grundprinzips aufkommen, werden durch die Kapitel aus Daniels Sicht wieder ausgebügelt. Besessen, seine Luce vor schlimmen Fehlern zu bewahren jagt er ihr hinterher und lernt auch mehr über sich selbst, seiner Vergangenheit und vor allem über Luce, sodass er seine Fehler einsieht und sie besser verstehen kann. Trotzdem verpasst er sie immer wieder knapp und gerät in die seltsamsten Situationen mit seinem jüngeren Ich. Nachdem ich in Band 2 wirklich sehr enttäuscht von ihm war, bekommt er hier eine ganz hervorstechende Rolle, in der er sich der Leserschaft erklären und wieder einige Sympathiepunkte zurückgewinnen kann. Ich bin jetzt sehr gespannt, wie er sich im Finalband weiterentwickeln kann.


"Er schlüpfte durch das zerbrochene Fenster. Seine Worte - gib die Hoffnung nicht auf - hallten in seinem Kopf wider, als er sich in den Himmel aufschwang, tief hinein in die Schatten der Nacht."


Neuen Schwung in die Geschichte bringt außerdem der kleine Gargoyle Bill, der Luce plötzlich in einem Verkünder erscheint und ihr auf ihrer Zeitreise nicht mehr von der Seite weicht. Nur durch seine hilfreichen Tipps, seine Aufmunterungen und sein Wissen über die alten Zeiten schafft es Luce, nicht komplett in alle Fettnäpfchen der Geschichte zu treten, indem sie beispielsweise in einer blutigen Schwesternuniform aus dem ersten Weltkrieg auf einem Ball im Versailler Spiegelsaal aufkreuzt. So wird Bill zum Kostümeuer, der ihr passende Kleidung des aktuellen Jahrhunderts beschafft, Helfer in der Not und vor allem ein liebgewonnener Freund. Umso schmerzvoller ist es, dass auch er ein Geheimnis birgt, das es ganz schön in sich hat...
Ein wenig schade fand ich, dass die vielen Nebendarsteller aus "Engelsnacht" und "Engelsmorgen" wie zum Beispiel Luces neue Nephilimfreunde Shelby und Miles, die schillernde Arriane oder auch der dämonische Cam, fast vollständig von der Bildfläche verschwinden und das Geschehen ganz Luce und Daniel überlassen. Einerseits hätte ich sehr gerne noch mehr über sie gelesen, vor allem da der Versuch, sie in die Handlung mit einzubauen keineswegs schlecht war, auf der anderen Seite konnte man sich so ganz auf das Liebespaar und ihre Probleme konzentrieren, sodass erstmals eine Romantik auftaucht, die ich zuvor nie gespürt habe.
"Daniels Liebe zu ihr war ein langer, ununterbrochener Strom. Es war die reinste Form der Liebe, die es gab, reiner noch als die Liebe, die Luce ihm zurückgab. Seien Liebe zu ihr zerbrach nicht und hörte nie auf. Während Luce´ Liebe mit jedem Tod verflogen war, wuchs Daniels Liebe im Laufe der Zeit, im Laufe der Ewigkeit. Wie ungeheuer stark musste diese Liebe inzwischen sein? Die Liebe aus Hunderten von Leben zusammengenommen?"
Dazu trägt auch der Schreibstil bei, der mir wieder gutgefallen hat und immer die richtigen Worte zur Beschreibung findet. Wieder war ich von den vielen Gänsehautsätzen begeistert, die uns durch alle Zeiten begleiten und ein roter Faden an romantischer Atmosphäre schaffen, der sich durch das Buch zieht, auch wenn sowohl Zeit, Ort, Situation als auch Atmosphäre sich ständig ändern. Wirklich super!
Das Ende war mir dann in seinem fast hastigen Versuch episch zu sein, ein wenig zu übertrieben und vor allem viel zu schnell. Die Entwicklung, die das Ganze nimmt, hat mir zwar sehr gut gefallen, ein wenig mehr Ruhe hätte gerade in diesem wichtigen Abschnitt aber bestimmt nicht geschadet. Trotzdem bin ich nun sehr gespannt auf den vierten und abschließenden Band.
Zum Schluss noch mein absolutes Lieblingszitat aus einem Gespräch von Luce und Daniel:
„Ich weiß nicht, wie du es ertragen kannst. Immer wieder die gleiche Traurigkeit...
Er hob sie hoch. "Die gleiche Ekstase..."
"Das gleiche Feuer, das alles tötet..."
"Die gleiche Leidenschaft, die alles wieder entfacht. Du kennst es nicht. Du kannst dich nicht daran erinnern, wie wunderbar...“
"Doch, ich kenne es. Ich habe es gesehen."


Fazit:

Eine spannende Hetzjagd durch die Zeit, die durch viele Details verzaubert, den Leser mitreißt, durch viele Entwicklungen auf Trab hält, aber dennoch ganz viel Platz für Luces und Daniels Liebe lässt, die man hier in ihrer ganzen Dramatik nachvollziehen kann. Für mich eindeutig der beste Teil der Reihe.


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