Donnerstag, 5. Oktober 2017

Stadtrivalen - Auf der Suche nach dir




Allgemeines:
 
Titel: Stadtrivalen - Auf der Suche nach dir
Autor: C. Carelly
Verlag: bookshouse (30. März 2017)
Genre: Romantasy
ISBN-10: 9963536085
ISBN-13: 978-9963536085
ASIN: B06XY1QPRH
Seitenzahl: 387 Seiten
Preis: 3,99€ (Kindle-Edition)
13,99€ (Taschenbuch)
Weitere Bände: Stadtrivalen - An deiner Seite
 
 
 
Inhalt:

"Sie haben uns die Zukunft gestohlen. Alle Möglichkeiten, die wir im Laufe des gemeinsamen Lebens hätten ausschöpfen können."
 - Dorian
 
Eine einzige Nacht hat die Kleinstadt, in der Lia lebt, auf den Kopf gestellt. Gezeichnet von der schweren Schlacht unter der Erde, verfällt Lia in Depressionen. Erst nach und nach flammt Hoffnung in ihr auf. Vielleicht ist doch nicht alles verloren. Beflügelt von der Idee, die Zukunft zu beeinflussen und ihren Liebsten und sich zu retten, schließt sie sich erneut den Rivalen an. Sie jagen wieder Roumen, bis ein missglücktes Experiment fast alle Lebewesen erstarren lässt. Plötzlich gibt es nur noch Roumen und Rivalen. Bald stellen die Freunde fest, dass sie in einer Welt, in der keine Gesetze mehr gelten, nicht nur die Roumen fürchten müssen.
 
 
Bewertung:
 
DISCLAIMER: Vielen Dank an den Bookshouse Verlag für das Rezensionsexemplar! Wer den ersten Teil nicht kennt, sollte aus Spoiler Gründen die Finger von dieser Rezi lassen!
 
Ich habe dieses Geständnis schon bei meiner Rezension zu Band 1 "Stadtrivalen - An deiner Seite" vorweggestellt: wenn dieses Buch kein Rezi-Exemplar gewesen wäre, hätte ich es nie angefangen, oder zu Ende gelesen. Am Ende des ersten Teiles war ich dann doch froh gewesen, es gelesen zu haben und hatte mir deshalb vorgenommen, auch dem zweiten Teil eine Chance zu geben, doch dieser Roman konnte mich einfach nicht überzeugen. Ich sage deshalb nicht, dass er grundsätzlich schlecht ist, ich konnte nur nichts damit anfangen und das finde ich wirklich von Herzen schade, denn ich hatte wirklich sehr viel Potential und viele gute Ideen in der Geschichte gesehen!

Beginnen wir doch mal wieder mit dem Cover, welches ich schon beim ersten Teil (siehe Bild links) schrecklich fand. Da das Cover des zweiten Teiles (siehe Bild rechts) genau dasselbe Bild in genau demselben Stil zeigt, ist es nicht verwunderlich, dass ich auch diesmal keine lobenden Worte finden werde. Dasselbe rennende Mädchen in dem weiten weißen Kleid, das absolut gestellt aussieht und gar nicht zur Handlung passt (die Hauptperson würde nie so in einem Kleid durch die Stadt rennen) ist vor einem dunklen Hintergrund abgebildet und scheint eine Treppe hochzurennen. Dass sie so seltsam den Mund offen hat und die Arme zu gestellt ausstreckt hat auch nicht dazu beigetragen, dass ich mich mehr gefreut habe...
Zusammen mit dem Streifen auf dem das Genre steht und dem seltsamen Lichteffekt im Hintergrund, welche wohl die Aelumina, die innovativen Lichterscheinungen des Buches, darstellen sollen, für mich aber absolut gar nicht passen (sie sind eigentlich bunt und schillern sanft) und dem verschnörkelte Titel, ergibt sich eine alles in allem recht passende Komposition, die aber eher billig als magisch aussieht und so gar nicht meinen Geschmack trifft.  Auch der Titel ist erstmal verwirrend. Der Reihentitel "Stadtrivalen" passt sehr gut, doch der Untertitel "Auf der Suche nach dir" lässt auf eine Handlung hoffen, die niemals abläuft. Aber darüber will ich mich nachher nochmal ausführlich beschweren.


Erster Satz: "Irgendetwas stimmt nicht."


Dem stimme ich absolut zu. Irgendetwas hat für mich von Anfang an nicht gestimmt. Nach dem Ende des ersten Teiles war ich erstmal unglaublich überrascht, da ich mit einem Happy End oder zumindest einem Cliffhanger gerechnet, jedoch niemals gedacht hatte, dass die Autorin wirklich Dorian sterben lässt. Spätestens in diesem Moment habe ich mich dann dazu entschieden, den zweiten Teil unbedingt zu lesen! Nicht nur weil ich glaubte, dass noch sehr viel Potential in dieser Geschichte steckt, sondern auch einfach weil ich wissen wollte, ob die Autorin sich dieses Ende wirklich getraut hat. Wie es sich sehr bald herausstellt - nein! Das, was die Geschichte für mich noch gerettet hatte, löst sich sehr bald und lächerlich unspektakulär in Luft auf.

Doch zunächst alles wie gedacht: Lia hat die Silvester Nacht und somit die letzte Schlacht mit den Roumen geradeso überstanden und konnte den mächtigen Prim Oreol aufhalten, hat aber dabei schwere Verluste erlitten: ihre Liebe Dorian starb. Den Sinn ihres Lebens beraubt verfällt sie mehr und mehr in eine Depression. Nach unsagbar ätzenden, jedoch durchaus authentisch beschrieben 50 Seiten, in denen sie versucht, sich aufzuraffen und es dann auch endlich schafft, auf andere Gedanken zu kommen, in dem sie sich wieder den Rivalen anschließt, geht der Kampf gegen die Roumen weiter. Hier habe ich schon wieder begonnen, mich aufzuregen, da ich eigentlich dachte, dass sie das Kapitel ihres Lebens, voller sinnloser und von Sammelwut dominierter Gewalt, endlich hinter sich hat. Aber anscheinend nicht.


"All die Zeit über hatte ich vergessen, dass ich zwar seelisch und körperlich Narben davongetragen hatte, dass ich jedoch weitgehend fit war, ein Dach über dem Kopf hatte und von Menschen umgeben war, die mich liebten. Überwältigt von der Trauer hatte ich aus den Augen verloren, dass ich lebte ... und dass mein Schicksal in meiner Hand lag."


Die sich ständig wiederholenden Kampfszenen, in denen die Hauptpersonen nichts anderes tun, als Roumen zu verprügeln, so lange auf sie eindreschen, bis sie sich auflösen und ein Aelumina aus ihnen austritt, um das sie sich dann danach wieder streiten, haben mich schon in Band 1 genervt. Natürlich gehört das zur Geschichte, aber die vielen Szenen haben die Handlung nicht weitergebracht und könnten doch auch etwas abwechslungsreicher beschrieben sein. Es gab außerdem einige Situationen, die ich einfach nicht richtig verstanden habe und die seltsam konstruiert wirkten, vielleicht hätte also die Verarbeitung der Idee ein wenig sorgfältiger sein können. Ich hatte dann auf ein bisschen Festigung in den folgenden Teilen gehofft, doch statt die Handlung komplexer zu machen, rücken die teilweise echt hirnlosen Kämpfe zwischen den Rivalen und Roumen nur noch mehr in den Hintergrund. Das ganze geschieht vor einer apokalyptischen Atmosphäre, die aus Versehen von den Hauptpersonen erschaffen wurden. Durch einen Ausrutscher beim mit der Zeit spielen, ist die Welt, wie Lia sie kannte in einem tiefen Schlaf versunken, nur Rivalen und Roumen sind noch wach. Lia muss sich ihrer Trauer stellen und im Kampf für eine Zukunft ihren Freunden zur Seite stehen. Ob es eine Zukunft geben wird ist ungewiss. Denn dieses Mal ist die Welt so ganz anders als man sie kennt. Selbstverständliches gibt es nicht mehr und jeder erfährt dies am eigenen Leib. Die Freunde versuchen alles, um die Welt in ihren alten Zustand zu versetzen. Nur, wie einfach ist das, wenn es Leute gibt, denen die Welt ohne Regeln besser gefällt und alles daran setzen, das sich nichts wieder ändert?

Ich muss sagen, die apokalyptisch angehauchte Stimmung hat mir recht gut gefallen, ebenso wie die vielen neuen Möglichkeiten, die sich dadurch ergeben. Was passiert, wenn praktisch die Zeit stillsteht und nur noch Einzelne die Macht über die Welt besitzen, ist wirklich interessant beschrieben: eine Welt aus Anarchie, ohne Grenzen und Gesetze. Dieses Mal geht man mit Lia und ihren Freunden auf eine Abenteuerreise durch die Stadt und Orte um die Stadt herum. Spannend ist, dass man nie weiß, ob sie gleich angegriffen werden und von wem. Ernüchterung bringen aber immer wieder schlecht konstruierte Szenen oder Lücken in der Handlung. So konnte ich mich nie ganz in der Handlung versinken lassen.


"Wie ist das...?", setzte ich an, aber meine Stimme versagte. Ich bin übermüdet und fantasiere.
"Lia", keuchte er.
"Dorian..." Meine Augen weiteten sich langsam. "... du bist doch gestorben", brachte ich schließlich hervor.
"Ich bin hier, Lia. ich bin hier!"


Als ich mich dann gerade damit zurecht gefunden habe, dass dieser Band nicht -wie von mir durch Klapptext, Titel und Ende des ersten Teiles erwartet- von ihrer Suche nach dem jüngeren Dorian und einer möglichen Reise durch die Zeit handelt, sondern von einer ganz anderen Handlung geprägt wird - steht Dorian einfach wieder da. Einfach so, ach ja, er ist nicht tot, hat sein Ableben nur vorgetäuscht. Tada. Und das war´s. Es gibt noch nicht einmal eine wirkliche Erklärung oder zumindest eine schöne Wiedersehensszene. Er ist einfach wieder da und Lia nimmt das auch einfach hin. Die Liebesgeschichte entwickelt sich dann völlig unromantisch und verkümmert zu einer lächerlichen Nebenhandlung. Das hat mich wirklich enttäuscht.

Auch die Charaktere konnten es wieder mal nicht rausreißen. Die Protagonisten sind so gut beschrieben, wie es das auf guten 80 Seiten eben möglich ist (das ergibt sich wenn man die 200 Seiten Kampfszenen abzieht) und gerade die Hauptfigur Lia versinkt immer mehr im Kontroversen Zu Beginn wirkte sie wie eine geschlagene Frau auf mich, dann versucht sie sich wieder zusammenzureißen, um die anderen nicht zu enttäuschen. Doch als sie dann erfährt, dass sie nicht die Tochter des Sternenwindes ist, scheint sie aller Kampfgeist zu verlassen und sie mutiert wieder zu einem oberflächlichen, ängstlichen und eifersüchtigen Mädchen. Von dem kleinen Rebell, der gerne mal bei anderen aneckt, dem sensiblen Mädchen, dass sich hinter dem Sarkasmus versteckt, und dem Mädchen, dass erst ein Mitläufer war, aber langsam beginnt, selbst nachzudenken und ihren eigenen Weg zu gehen, kann man nicht mehr viel erkennen. Auch die anderen Charaktere werden nicht besser sondern enttäuschen nur noch mehr.

Wieder muss ich jedoch ganz klar sagen, dass ich von den neuen, kreativen Ideen beeindruckt war, was der einzige Grund darstellte, warum ich das Buch überhaupt zu Ende gelesen habe - ohne gemein klingen zu wollen. Eigentlich wird ein Szenario dargestellt, dass nicht ganz unbekannt erscheint. Eine böse Rasse, die Schaden in einer Stadt anrichtet und von besonderen Jägern eliminiert werden muss. Egal ob Dämonenjäger, Vampirjäger, Schattenjäger oder Geisterjäger - so etwas hat man schon mal gehört. Eine Gruppe, die sich findet, ein Mitglied, das neu in diese Welt eingeführt werden muss und dann gemeinsam mit den Freunden die absolute Gefahr bekämpfen muss, jemanden aufhalten muss, bevor er alles zerstört. Mittendrin wird natürlich noch herausgefunden, dass diese eine Hauptperson, die neu dazukommt, der oder die Auserwählte ist, eine mächtige Person, die alle retten wird, blablabla. Jaja, man kennt das und nach genau diesem Schema ist auch dieses Buch aufgebaut.


"Schau mal, Annie." Ich deutete auf die aufgetürmten Wolken. "Siehst du diesen Strahl, der sich durch die Wolken stiehlt?"
Annie folgte meinem Blick. Ich lächelte. "Vielleicht ist noch nicht alles verloren."


Was aber wirklich toll ist, sind die vielen neuen Ideen, die hier mit eingemischt sind. Zum einen sind die Roumen, Einzahl Roumin, eine neue, kreative Idee von Monster. Eine bleiche, undefinierbare organische Masse, die zunehmend menschliche Gestalt annimmt, wenn sie menschliche oder rivalische Energie stiehlt und konsumiert, bis ein sogenannter Prim daraus geworden ist, ein vollständig ausgebildeter Roumin, der einem Menschen bis zu einem gewissen Grad ähnelt. Ihnen wohnt eine besondere dunkle Energie inne, aus der sie entstehen und die sie beim Sterben wieder freisetzen: Aelumina. Eine aufputschende Lichterscheinung, gehandelt und konsumiert wie eine Droge unter den Rivalen, die alle in einen gefährlichen Sammelrausch fallen. Das hat mir wirklich sehr gut gefallen! Mal etwas anderes auf jeden Fall! Auch dass sich relativ bald herausstellt, dass Lia gar nicht wie angenommen die Tochter des Sternenwindes und somit die Auserwählte ist, sondern einfach nur eine ganz normale Rivalen, fand ich eine interessante Entwicklung, die ich so noch nirgends gelesen habe. Aufgeregt hat mich dann aber wiederum, dass diese ganze Sache so aufgebauscht wird, dass sie beispielsweise extrem eifersüchtig auf die Auserwählte reagiert und auch die Offenbarung dieser Entwicklung eher schlecht als recht kreiert ist...


Der Schreibstil ist -wie so oft in diesem Genre - sehr schlicht, beschreibend und recht temporeich. Nicht schlecht, aber auch nichts Besonderes. In der Mitte des Buches erlebte ich wieder eine kleine Leseflaute, weil nichts Neues passierte und sich Lia immer weiter in etwas verrannte, was eindeutig nicht gutgehen konnte und immer unsympathischer wurde, doch der rasante Stil  hat mich recht gut darüber hinweggebracht.
 
Das Ende schaffte es nicht, mich wie beim ersten Teil nochmal zu begeistern, auch wenn ich von der Wendung nochmal überrascht war. Wieder werden wir mit einem schonungslosen Endsatz konfrontiert, der dann doch dazu motivieren soll, den nächsten Teil mit Freude zu erwarten. Bei mir hat das dann aber definitiv nicht mehr geklappt!



 
Fazit:

Eine einzige Enttäuschung und für mich deutlich schlechter ausgearbeitet als der erste Teil. Trotzdem eine spannende Geschichte mit einer interessanten neuen Idee, sodass recht anspruchslose Genreleser bestimmt unterhalten werden können. Ich aber leider nicht.

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