Dienstag, 10. Oktober 2017

Exoplanet - Lichtsturm



Allgemeines:

Titel: Exoplanet - Lichtsturm
Autor: Armin Weber
Verlag: Independently published (23. Juli 2017)
Genre: Science-Fiction
ISBN-10: 1521892156
ISBN-13: 978-1521892152
ASIN: B07337B17Y
Seitenzahl: 364 Seiten
Preis: 10,99€ (Taschenbuch)
3,49€ (Kindle-Edition)
Weitere Bände: Exoplanet - Mission Kepler-438b
Link: Hier klicken!



Inhalt:

Saturnmond Titan, Forschungsstation Apache One, 31.03.2105.

John Satcher, William Leery und Bence Király erleben eine herbe Enttäuschung. Das Raumschiff, das sie zur Erde bringen soll, erreicht zwar auf den Tag genau Titan, doch wie sich herausstellt, liegen die Dinge anders als erwartet.
Die Roboterpiloten Eddie und Teller überbringen den Männern eine schlechte Nachricht. Auf einem ominösen Kristallplaneten im Wega-System laufen Machenschaften weiter, die Nummer 2 schon auf der Erde und auf Titan verübt hat. Wie ist das möglich, wo sie Nummer 2 doch für überwunden glaubten?
Offenbar ist es dieser genauso raffinierten wie teuflischen künstlichen Intelligenz gelungen, sich eine Hintertür offen zu halten. Alle Gewissheiten, die John seit zwei Tagen beruhigen, sind mit einem Schlag dahin. Eddie und Teller erläutern, welche Gefahren sich auf dem Kristallplaneten für die Menschen zusammenbrauen.
Eddie eröffnet John einen Weg, in die Geschehnisse einzugreifen. Einen Weg, von dem die Männer bisher nicht einmal zu träumen wagten. Nehmen sie Eddies Vorschlag an, werden sie in eine unfassbar fremde Welt geführt; lehnen sie ihn ab, wird das Schicksal der ohnehin so kärglichen Menschheit auf einem fernen Planeten entschieden ... von einer künstlichen Intelligenz, die keine Gefühle kennt, kein Erbarmen und keine Gnade.



Bewertung:

DISCLAIMER: Vielen Dank an den Autor Armin Weber für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars! Da dies die Rezension zum zweiten Teil einer Reihe ist, sind Spoiler zum Verlauf des ersten Teiles nicht ausgeschlossen. Lesen auf eigene Gefahr! ;-)

Schon der Auftakt der Reihe konnte mich durch unkonventionelle Handlung und innovativen Themen überzeugen, was ihn wohl zum außergewöhnlichsten Science-Fiction Roman gemacht hat, den ich je gelesen habe, und auch in der Fortsetzung trumpft Armin Weber mit einer Story Darstellung auf, die ich in solchem Format noch nie gelesen habe. In einigen Punkten sehe ich den ersten Teil klar besser und habe einiges zu kritisieren, insgesamt hat mich das spannende Abenteuer um Künstliche Intelligenz, Teleportation und Genforschung, dass dieses Mal auf einem rätselhaften fremden Planeten spielt, jedoch wieder überzeugen können.


"Versuchen Sie, Nummer 2 zu verstehen", sagte Eddie. "Sie hatte alles: Wissen, Weisheit, Klugheit, Reichtum, Macht, den Sieg über die Menschheit - und war bei alledem doch nicht in der Lage, Freude beim Anblick einer Blume zu empfinden, einem weinenden Kind ein Taschentuch zu reichen oder dem Sieger eines Marathonlaufs auf die Schulter zu klopfen..."



Von der Covergestaltung bin ich leider schon wieder nicht zu hundert Prozent begeistert - ich bin wohl einfach zu kritisch ;-).
Die thematische Passung, die ich bei Band 1 ein wenig kritisiert habe, ist hier genau richtig. Alle Elemente, die zusehen sind, kann man ganz klar auf die Handlung beziehen. So ist die weiße, ebene Fläche vom Kristallplaneten unter einem dunklen Sternenhimmel abgebildet. Mittig ist der "Lichtsturm" zu sehen, der aber - genau wie die anderen Elemente auf der Oberfläche - nicht so ganz ins Bild zu passen scheint. Bis zum Ende des Buches versteht, man nicht so wirklich, was es mit der abgebildeten Szene auf sich hat, die deshalb ein wenig unstimmig wirkt. Ebenfalls gestört hat mich die große "2", die hinter dem Titel über der Szenerie schwebt. Sie erscheint zu aufdringlich und stört das Gesamtbild, im Gegensatz zum Untertitel, der sich wunderbar einfügt. Ansonsten weckt aber auch dieses Cover wieder ein typisches "Science-Fiction-Feeling" und ist von der Farbgebung sehr schön einheitlich und stimmig.
Wieder meckern muss ich beim Klapptext, den ich mit seinen vielen Wiederholungen und Absätzen viel zu ausführlich finde. Für mich muss ein Klapptext nicht den kompletten Hergang der Situation erklären, sondern kurz und prägnant zusammenfassen, um was es geht.


Erster Satz: "Schwere Tropfen aus Methan schwebten dicht an dicht vom Himmel als hätten sie alle Zeit der Welt."


Nachdem es unsere Protagonisten mit Hilfe von Mutant Mada gegen Ende von Band 1 geschafft haben, Nummer 2 zurückzudrängen und auszuschalten, freuen sie sich eigentlich auf einen entspannten Rückflug zum Heimatplaneten Erde. Doch als ihr Schiff ankommt, müssen sie von den beiden Roboterpiloten Eddie und Teller erfahren, dass Teile von Nummer 2 auf dem ominösen Kristallplaneten im Wega-System überlebt hat und nun wieder nach neuer Macht strebt. Um einer erneuten Diktatur vorzubeugen, müssen die Freunde den Weg in die fremde Welt antreten, wo sie auch bald auf alte Bekannte treffen. Neben den Mutanten Mada 2 und seiner Frau Ave warten der Mörder und Vergewaltiger Terry Bones und die Roboter Huntsman und Bohr auf Rache...

Das Buch beginnt spannend mit der Teleportation in die fremde Welt, woraufhin wir in diese eingeführt werden. Die Geologie des Kristallplaneten scheint auf den ersten Blick einfach zu sein - ein endlose, flache, weiße Sandwüste, die mit ihrer niedrigen Temperatur, der hohen Sonneneinstrahlung und dem fehlenden Sauerstoff nicht gerade ein Paradies des Lebens für Menschen entspricht. Doch unter der Oberfläche schlummert ein Labyrinth aus riesigen, vernetzen und belebten Kristallen, die von der Oberfläche umgekehrt nach unten zum Erdkern wachsen. Diese Vorstellung, hat mir sehr zugesagt, auch wenn sie in vielen Situationen doch recht schwierig zu fantasieren war. Auch die Außerirdischen, die in den Elementarzellen der Kristalle zu leben scheinen, konnte man sich nur schwer vorstellen, was durch recht dünn gesäte Informationen gefördert wurde. Ansonsten hat mir das Setting außerordentlich gut gefallen. Mal was ganz anderes eben!


"Der kärgliche Rest der Menschheit auf der Erde wird es Ihnen danken." Eddie sah John, William und Bence der Reihe nach an. "Nun also, meine Herren, wie sieht es aus: Sind Sie bereit, sich zum Kristallplaneten teleportieren zu lassen und den Kampf aufzunehmen?"

 

Anders als beim ersten Band spielt sich die Handlung also nicht innerhalb der abgeriegelten Station ab, was die Handlungsmöglichkeiten also definitiv vergrößert. Mithilfe von den sogenannten "Mänteln" können unsere menschlichen Protagonisten nun auch die Raumstation Apache Two verlassen, ohne zu sterben und Abenteuer im Untergrund vom Kristallplanten erleben. Die hochflexiblen Raumanzüge, die neben der Lebenserhaltung noch andere spannende Funktionen wie zum Beispiel das Denken übernehmen, sind wohl der Traum eines jeder Astronauten. Wie genau sie funktionieren sollen, ist mir allerdings ein Rätsel und auch hier hält sich das Buch bedeckt. Woher kommen die Elemente zur Lebenserhaltung wie zum Beispiel der Sauerstoff? Aus welcher Energiequelle speist sich der Wunderumhang?...- wie auch bei anderen Unklarheiten, auf die auch der Erzähler John Satcher kommt, wird nur darauf verwiesen, dass die geniale Nummer 2 wohl auch für dieses Problem eine Lösung gefunden haben muss. Auch wie eine Lichtkugel am Himmel zusehen sein soll, wenn diese doch angeblich keinerlei Licht ausstrahlt und unser Auge nun mal nur durch abgestrahltes Licht Dinge wahrnehmen kann, wurde mir nicht ganz klar. Diese vereinzelten Lücken in der sonst wissenschaftlich interessant belegten Logik, sind mir doch recht schmerzhaft aufgefallen.


"John biss sich auf die Unterlippe. "Nummer 2 hatte 3 Jahre Zeit - und den Kristall nicht gefunden. Wieso glaubst du, dass wir ihn an einem Tag finden können?" William, Bence, Ave und Mada2 schwenkten gemeinsam ihre Köpfe Richtung Eddie. Die Antwort auf diese Frage wollten sie sich nicht entgehen lassen. "Nun", sagte Eddie, "es bleibt uns nichts anderes übrig."


Auch andere Elemente der neuen Situation werden nur leidlich erwähnt, so hätte ich zum Beispiel noch mehr über die Plantage erfahren oder genauer erfahren wollen, warum genau der Lebenskristall alle 100 Stunden aus seinem Versteck fährt und wie Nummer 2 das herausbekommen hat. Die Darstellung ist hier sehr Plot-orientiert, was spannungsmäßig auch seine Vorteile hat, weshalb ich auch gar nicht weiter meckern möchte. Immerhin dürfen wir nach dem Ende vielleicht noch einen weiteren Band erwarten...?

Ansonsten verläuft die Handlung relativ stringent und in ihrem Aufbau unspektakulär. Keine wirklichen Wendungen oder Überraschungen kommen ans Licht und auch sonst fehlt ein wenig die spannende Mystik, die der Mutant Mada mit seinen abartigen Fähigkeiten in Band 1 gebracht hat. Nichtdestotrotz ist durchgängig eine Spannung vorhanden, die sich mal wieder vor allem durch das unkonventionelle Setting auf der Jagd nach dem Lebenskristall und der Frage, was nun Roboter, Menschen, Mutanten und Außerirdische verbindet, ausgebildet hat. Mitreißende Action, viele Perspektivenwechsel, und nachdenklich machende Überlegungen, sorgen dafür, dass mich die ungewöhnliche Story trotzdem mich immer mehr in ihren Bann ziehen konnte und mich gerade am Ende durch die schnellen Entwicklungen mitriss. Der einfache, kurzgehaltene Schreibstil hat mir auch hier wieder gut gefallen, da er die schnellen Entwicklungen von einer Situation zur nächsten unterstützt.


"Lasst uns gehen." John stieg nach oben. Die Zeit der netten Gespräche war vorbei - jetzt ging es ans Eingemachte."


Spannend ist, dass nun der Großteil der Roboter, egal ob Libellen, Arbeits- oder Kampfroboter, nicht mehr länger am längeren Hebel sitzt. Die Maschinen, zuvor gesteuert von einer allübergreifenden künstlichen Intelligenz, die sich "Nummer 2" nennt und über die Menschen herrscht, sind zwar immer noch stärker, schneller und schlauer als die Menschen, doch in der Mehrzahl willenlose Befehlsempfänger. Nur noch Huntsman und Bohr, unsere alten Bekannten, stellen sich noch gegen die Menschen und versuchen, Nummer 2 wieder zu alter Macht zu verhelfen. Die Pilotroboter Eddie und Teller dagegen helfen unseren Freunden beim Kampf gegen Nummer 2. Immer noch schwellt deshalb die Frage im Hintergrund, wie weit es von künstlichen Intelligenzen noch zu einem menschlichen Bewusstsein ist, wenn statt Nervenzellen einfach Prozessoren verschaltet werden, Rezeptoren die Sinne ersetzen, somit zu einzelnen Nachrichten- und Impulsquellen werden und unsere Prägung durch Erziehung und Bildung durch Programmierung ersetzt werden...

So kommen wir zu den Charakteren, die mir diesmal deutlich besser gefallen haben, mir aber immer noch ein wenig zu blass waren. Ich bin nun mal ein sehr Protagonisten-orientierter-Leser und die spärlichen Informationen, die wir hier noch zu unseren Helden präsentiert bekommen, reichten mir einfach nicht aus, um sie als vollständige Persönlichkeiten wahrzunehmen. So habe ich mir Aussehen und Eigenschaften der Charaktere Großteils selbst zusammengereimt, so wie ich es immer unterbewusst tue, wenn ich keine expliziten anderweitigen Informationen bekomme, nur um mich später aufzuregen, wenn man eine Charakterisierung erhält, die nicht zur eigenen Vorstellung passt. Beispiel: William Leery, den stämmigen Ex-Marine meiner Vorstellung, konnte ich nicht mit einer plötzlich sehr hohen Stimme vereinbaren, die er in der Mitte des zweiten Teiles angedichtet bekommt. Aber das kann ich wohl auch meiner eigenen, starrsinnigen Fantasie zuschreiben. ;-)


"Huntsman machte sich nichts vor: Nummer 2 war es nie um ihre Maschinen gegangen, die für sie nur Aug´ und Ohr, Arm und Bein und eiserne Faust waren, überall zugleich präsent, in Form von Millionen Robotern. Nummer 2 war es nur um sich gegangen. Sie war ein Gehirn, dem es egal war, was aus dem restlichen Körper wurde."


 Die Perspektiven wechseln sich wieder ab und lassen jedem Charakter mal in der personalen Erzählperspektive die Führung. Dass John der angedachte Hauptcharakter ist, konnte man hier viel eher sehen. Super fand ich mal wieder die Szenen aus der Sicht der Roboter, die die Frage anregen, ob Roboter eine Persönlichkeit haben könnten, die von ihrer Programmierung abweicht. Da zum Beispiel Huntsman und Eddie durchaus auch Charaktereigenschaften zugewiesen bekommen, würde ich deuten, dass die Geschichte diese Frage eindeutig bejaht. Beide haben sie etwas, das über eine Maschine hinausgeht. Von Mada2 und Ave war ich ein wenig enttäuscht. Nicht etwa, weil sie schlecht dargestellt gewesen wären oder mir sonstige Mängel an ihrer Charakterisierung aufgefallen wären - nein - nach Madas spektakulärem Auftritt in Apache One hatte ich von den beiden, wie die anderen Charakter auch, einfach nur mehr erwartet. Dass die beiden eigentlich recht durchschnittliche und angepasste Kreaturen sind, hat mich ein wenig enttäuscht.

Jetzt bin ich auf jeden Fall gespannt, was der nächste Teil zu bieten haben wird, wenn es denn einer gibt... Der Cliffhanger am Ende lässt aber recht deutlich darauf schließen.


Fazit:

Gern habe ich die Protagonisten wieder auf ihrem spannenden Kampf gegen die Roboterdiktatur begleitet und bin ganz im Untergrund des Kristallplaneten im außerirdischen Wega-System abgetaucht. Einige kleinere Mängel werden mich nicht davon abhalten, diese Reihe ausdrücklich weiter zu empfehlen!

 
 
 

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